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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-16 · 16 (16.4.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
16 (16.4.1897)
Date
1897-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 328 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr: 16 Dank, den der Rabbiner dafür erntete, war der, daß der edle, dankbare Cantor, beziehungsweise Meschorer, in einer derartig öffentliches Aergerniß erregenden Weise gegen den Rabbiner aber ganz feige und hinter dem Rücken des gastfreundlichen Rabbiners agitirt und gehetzt hatte, daß viele Mitglieder der Gemeinde den Rabbiner darauf aufmerksam machen mußten, sein gastfreundliches Haus dem Cantor nicht zu öffnen. Der Cantor rächte sich dafür in edler Weife, wie überhaupt ein Feigling edel sein kann. Mit dem Fachorgane in der Hand ging er zu einigen Damen, um ihnen 51t zeigen, daß der Rabbiner ungelehrt ist, da er es nach der Behauptung eines Oberlehrers sein muß, denn wer an einer deutschen Universität promovirt, meint jener Lehrer im Geiste der Meschorrim, der hat nicht so viel Bildung, wie etwa der, welcher nicht nur nicht mit der akademischen Würde geschmückt dasteht, sondern nicht einmal des Lesens und Schreibens kundig ist, wenn er nur singeln, schnorren und schmarotzen kann. B i r 0 v i t i c a (Slavonien). Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann. Correspondemen. Wien, 12. April. Sonntag den 11. d. M., Vormittags halb 10 Uhr, fand im Hausedes Herrn Oberrabbiners Dr. Güdeman n die Beschneidung seines ihm jüngst geborenen Söhnchens statt, welches den Namen seines verewigten Großvaters, „Josef", erhielt. Zum feierlichen Acte waren außer dem Präsidium des Cultusvorstandes : kaiserlicher Rath Herr Heinrich K l i n g e r, Landesschulrath Herr Dr. Gustav K 0 h n und Gemeinderath Herr Dr. Alfred Stern, auch das Rabbinat, u. zw. Herr Dr. S ch m i e d l, Herr Rabbiner Fleißig und Herr Rabbiner B r e i e r, wie auch der langjährige Freund des Hauses, Herr Cultusvorsteher Salo Cohn nebst Frau Gemalin, die Herren Obercantoren Singer und G 0 l d st e i n, sowie Herr Gemeindesecretär Dr. Lieben, Herr und Frau F r ä n k e l, Herr Verwalter Bäcker, Herr Cantor Schiller und die Herren Rabbinatssecretäre Fuchs und Braun erschienen. Das „Sitzen" hatte Herr Altersrabbiner Fleißig, die Gevatterschaft Herr Vorstandspräsident H. K l i n g e r mit der Schwester der Wöchnerin, Frau Sachs aus Breslau, und die zweite Broche Herr Cultusvorsteher Salo Cohn nebst Frau Gemalin übernommen. Den Act der Operation besorgte Herr Dr. Herzfeld in ausgezeichneter Weise. Beim darauffolgenden Festmahle brachte der Herr Präsident kaiserlicher Rath K l i n g e r ein Hoch aus das in's Judenthum aufgenommene Knäblein und Herr Cultusvorsteher Salo Cohn einen Toast auf den Vater, Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und dessen verehrte Frau Gemalin aus, woraus Herr Obercantor Singer das Tischgebet würde- und stimmungsvoll vortrug und Herr Obercantor G 0 l d st e i n die Horochamon feierlich und tiefempfunden einschaltete. Im Festhause fielen die zahlreichen und glänzenden Blumenspenden, die der verehrten Wöchnerin gesendet wurden, freundlich auf und liefern den sicheren Beweis, welch' wahrhafter Sympathien und Geneigtheit Frau Dr. Güdemann innerhalb unserer Gemeinde sich erfreut. . . . . r Wien. (Ausweis eingegangener Spenden zum Baue eines Temvels in der Brigilienau.) Herr Reichsrathsabgeordneter Rudolf Auspitz fl. 500; Ignaz Fleischner fl. 25; Heim. Frankl's Söhne fl. 25; Josef Bruckner Söhne fl. 20; Emanuel Klein fl. 10; I. Leop. Pfeiffer fl. 10; Josef Hofmann fl. 10; Bernh. Weiß & Sohn fl. 10; Eduard Spitz & Co. fl. 5; Adolf Berg! & Co. fl. 5; Ad.olf Kohn fl. 5; I. C. Pollatschek fl. 5; Brüder Allma fl. 5; Sigm. Tonello fl. 5; Bernh. Prager & Sohn fl. 5; Herm. Spiegler fl. 5; Weimann & Co. fl. 5; Moritz Jokl fl. 5; König & Mittler fl. 5; Fried. Frank! fl. 6; Brüder Back fl. 3; Josef Reiman ,fl. 3; Aron Weil fl. 3; Carl Weiß & Sohn fl. 2; in Summa fl. 621; hiezu bereits ausgewiesen fl. 9719; mithin im Ganzen fl. 10.400. Wie«. (Generalversammlung des Vereines „Gomle Chesed“.) Unter ziemlich reger Betheiligung der Mitglieder hat am 11. d. M. die Generalversammlung des Kranken- Unterstützungsvereines «Gomle Chesed» im kleinen Saale der niederösterreicknsÄen Handels- und Gewerbekammer stattgesunden. Herr Präses B. Kanitz begrüßt die Versammlung und gedachte zunächst der im Laufe des Jahres verstorbenen Mitglieder, insbesondere des jüngst so plötzlich dahingeschiedenen verdienstvollen Vorstandsmitgliedes Dr. David Elias, dem er einige warme Worte des Nachrufes widmete, und dessen Andenken von der Versammlung durch das Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Der Antrag des Vorsitzenden, diese Kundgebung protokollarisch zu verewigen, wurde einstimmig angenommen. Hierauf stattet er dem Präsidium der Handels- und Gewerbekammer, sowie der „Oesterr.-Jsraelitischen Union" den Dank für die unentgeltliche Ueberlassung des Sitzungssaales zur Generalversammlung und den Ausschußsitzungen ab. Nach Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung, welches genehmigt wird: erstattet Herr Revisor Louis Flamm namens der Revisoren den Bericht über die Bilanz des Verwaltungsjahres 1896/97. welche, sowie die Cassa und Belege auf das Sorgfältigste geprüft und richtig befunden wurden und beantragt, dem Vorstande das Absolutorium zu ertheilen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Sodann wird zur Wahl der 7 Mitgjieder des Ausschusses für die statutenmäßig zum Austritt beüimmten Herren Michael Jokl, Michael Neurath. David Kornfeld, Bernhard Fischer, Leo Brandt, A. L. Rumpler, S. Suschny und zur Wahl eines Ausschußmitqliedes anstatt des dahingeschiedenen Dr. David Elias, geschritten. Der Antrag des Vorsitzenden Herrn B. Kanitz. Herrn Dr. S. Elias anstatt seines verstorbenen Bruders in den Vorstand zu wählen, sowie der Antrag des Herrn Heinrich Paschkes, sämmtliche ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder per Acclamation wieder zu wählen, wurde einstimmig angenommen, somit die oben benannten Vorstandsmitglieder wiedergewäblt und Herr Dr. S. Elias neugewählt sind. Nachdem noch Herr Dr. S. Elias für die Ehre, die ihm durch die Wahl zutheil geworden, gedankt, wurde die Wahl der Revisoren vorgenommen und auf Antrag des Vorsitzenden die Herren Dr. Marcus Blumenthal und Ignaz Winternitz zu Revisoren, die Herren Louis Flamm und Josef Silbermark zu Ersatzrevisoren gewählt, womit die Versammlung geschlossen wurde. L— r. Baderi-Mödlina. Geehrte Redaction! Es wäre im Interesse des derzeit bestgehaßten Liberalismus sehr erwünscht, wenn die in Ihrem geschätzten Blatte vom 9. April Nr. 15, seitens des Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Joel Singer, gemachte Mittheilung, daß die Mehrzahl der Bewohner Mödlings nicht antisemitischer Gesinnung sei, den Thatsachen entsprechen würde. Leider ist. dies aber nicht der Fall, und Lueger hatte wahrlich nicht unrecht, als er in der bezüglichen Wählerversammlung die Stadt Mödling als eine „Hochburg" des Antisemitismus bezeichnete. Herr Singer zählt nämlich die 400 Wahlberechtigten, welche sich bei der am 20. März stattgehabten Reichsrathswahl nicht betheiligten, sämmtlich zur liberalen Partei und gelangt unter Berücksichtigung des Umstandes, daß diese Partei bei der erwähnten Wahl circa 300, die Antisemiten hingegen nur circa 500 Stimmen erzielten, zu der erwähnten Mittheilung. Leider aber erweiset sich dieselbe als eine ganz und gar irrige, weil nicht allein von mir, sondern auch von vielen meiner Parteigenossen, ja auch von antisemitischer Seite, die Erfahrung gemacht wurde, daß sich eine sehr große Anzahl der antiliberalen Partei angehöriger Wähler theils aus Beqemlichkeitsrücksichten, theils nur aus dem Grunde, um nach keiner Seite hin Anstoß zu erregen, der Wahl entzogen habe. Auch ist mir eine erhebliche Anzahl von Geschäftsleuten bekannt, welche lediglich aus Geschäftsrücksichten der Wahl ferne geblieben sind, sonst aber aus ihren antisemitischen Gesinnungen durchaus kein Hehl machen und sich keineswegs scheuen, im geschäftlichen Verkehre mit Juden das schöne Geld derselben entgegen zu nehmen. Ich und viele meiner Gesinnungsgenossen sind der Ansicht, daß unter den erwähnten 400 Nichtwählern kaum 10 Percent Liberale zu finden sein dürften, und daß. sonach Mödling unter seinen Bewohnern leider mehr Antisemiten, als Liberale zählt, wie dies ja auch schon durch die dermalige Gemeindevertretung in unzweifelhafter Weise documentirt erscheint. Bezüglich des von Herrn Singer seinen Glaubensgenossen ertheilten Rathes, sich nicht abhalten zu lassen und nach Mödling zum Somnleraufenthalte zu kommen, kann ich mit Rücksicht aut das Vorerwähnte nicht umhin, meine Ansicht dahin auszusprechen, daß mit Gefühlspolitik dem höchst verwerflichen Antisemitismus nicht beizukommen ist, und daß nur innerhalb der gesetzlichen Schranken sich vollziehende materielle Schädigung von Geschäfts- und anderen Leuten, wie eine solche durch Fernbleiben von einer feindselig gesinnten Stadt zulässig und durchführbar erscheint, ein sehr geeignetes Mittel ist, die Besserung der gegenwärtigen, höchst beklagenswerthen socialen Verhältnisse, beziehungsweise die Wiederbekehrung der durch ge-

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