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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-16 · 16 (16.4.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
16 (16.4.1897)
Date
1897-04-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Dr Vloch's Wochenschrift Seite 327 . „Eines Abends ging ich durch die Leopoldstadt, als ich bemerkte, daß ein Priester, der mit den Sterbesacramenten zu einem Schwerkrankett eilte, von einer Horde von Juden verfolgt, beschimpft, ja sogar mit Steinen beworfen wurde. Ich zog vom Leder, leistete dem Allerheiligsten meinen Salut und stellte mich den Juden entgegen, die ich denn auch vertrieb. Nach vierzehn Jahren bin ich nun wieder in Wien und es freut mich, daß heute die Verhältnisse ganz andere ge- ' worden sind. Die Christen sind in der Höhe und die Juden, wohin sie gehören. Das ist eine Erinnerung, die Herr Szajer einer antisemitischen Versammlung, in der sich auch Vergani befand, nach 14 Jahren — denn damals soll sich die Sache in Wien zugetragen haben — auffrischte. Diese Gesch chte, das sieht jeder Mensch ein, der nicht blödsinnig ist, oder durch die Lectüre antisemitischer Blätter nicht die Urtheilsfähigkeit verloren hat, trägt den Stemvel'der dreisten Lüge ausgeprägt. Es ist eine infame Lüge, daß sich in Wien diese Geschichte zutrug, und es ist weiters eine bodenlose Infamie, mit derlei erfundenen Hetzgeschichten die Gemüther aufzureizen. Das geht denn doch über den Spaß, daß Leute, die nicht so viel Verstand haben, die Tragweite ihrer Erzählungskünste zu ermessen, ungestraft eine solche Hetzthätigkeit entfalten Dürfen. In dem antisemitischen Gehirne des Herrn Szajer mag sich wohl die Vorstellung gebildet haben: „Wenn ich Geschichten erlüge, die sich angeblich vor 14 Jahren ereigneten, so kann mir Niemand etwas anhaben, oas läßt sich ja nicht mehr controliren." Das ist aber ein Jrrtbum, lieber Herr Szajer. Weitaus unbedeutendere Geschichten lassen sich noch nach Jahren genau eruiren. Das hätte Ihnen Ihr Parteigenosse Mittermayer erzäblen können. Wenn es so viele Leute gibt, die sich daran erinnerten, daß ein Mittermayer vor so vielen Jahren in einer Frage über Mein und Dein sich vergriff, dann ist es wohl noch einleuchtender, daß man in Wien es nicht vergessen hätte, wenn in der Leopoldstadt vor 14 Jahren eine so scandalöse, ungeheuerliche Scene sich abgespielt hätte, wie jene es ist, deren thatkräftiger Zeuge angeblich Szajer war. Wäre sie wahr, wüßte die ganze Welt davon. Da sie erlogen ist. weiß nur — He r r Szajer et wasdavon zu erzählen. Wird Herr Szajer noch mit ähnlichen Geschichten debutiren? Sollte es denn wirklich kein Mittel geben, ihm begreiflich zu machen, daß es keine Immunität für das — Lügen gibt? —er— Arische Geschäftskniffe. Bor eiiligen Tagen kamen drei Bauern in die Stadt, um daselbst Butter zu verkaufen. Der Marktcommissär, der bekanntlich eine feinriechende Nase hat, schien in die „Bauern"-bntter kein besonderes Vertrauen zu setzen, indem er dieselbe einer eingehenden Untersuchung unterzog, und richtig fand er, daß die Butter nicht echt, sondern Kunstbutter sei, mit der die drei Arier die Bevölkerung anschmieren wollten. Die nächste Maßnahme des Commissärs war, daß er sofort die Butter confiseirte und die Arier dingfest machte. Nicht uninteressant war die Auskunft, die einer der drei Arier gab und mit welcher er die Güte seiner Waare bekräftigen wollte, er sagte nämlich: „Dös Butter is vom Herrn Pfarrer." Der Marktcommissär schenkte trotz dieser Anempfehlung den biedern Butterhändlern keinen Glauben und überlieferte dieselben der Behörde. In einem Falle ist bereits ein Urtheil erflossen, es lautet auf 200 fl. Geldstrafe. Die drei beanstandeten Arier gaben an, die Butter um 70—80 Kreuzer per Kilo gekauft und um fl. 1.20—1.30 verkauft zu haben. Wer weiß, ob nicht die drei Bauern Wähler Vergani's oder Mittermayer's sind! „Die Wiener essen dös a!" In Wien wird Alles verkauft, und unsere „braven arischen Landleute", die mit ihren Waaren den Lebensmittelmarkt besuchen, scheinen nach dem Muster gewisser Wiener Geschäftsleute von der Ansicht auszugehen, daß der Wiener Magen Alles verträgt. „Die Wiener essen dös a!" Angesichts solcher Vorstellungen hat das Marktamt keine leichte Aufgabe, und die Berichte über confiscirte Nahrungsmittel zeigen, wie gewissenlos oft die Kunden bedient werden, wenn sie nicht durch die Amtshandlungen der Marktorgane vor Kosten an Arzt und Apotheke geschützt würden. Nach dem letzten Ausweise sind 1516 Kilogramm Rindfleisch, 2871 Kilogramm Kalbfleisch und sogar 79 Kilogramm Zuwagstheile, 773 Stück und 995 Kilogramm Lungen und Lebern confiscirt worden. Massenhaft sind faulige Südfrüchte, Citronen und Orangen, und zwar 5814 Stück und 1151 Kilogramm der Confiscation verfallen. Auffälliger Weise sind nur 325 Liter Milch, dafür aber 1984 Liter schlechtes Bier verschüttet worden. Bei „soliden" Geschäftsleuten sind im Laufe eines einzigen Monates 125 Stück Maße und Gewichte weggeuommen worden. Wien und Trieft. Diese Woche hat in Triest die Wahl eines Bürgermeisters und eines Vicebürgermeisters stattgefunden und wurde letztere Stelle dem Advocaten Dr. Moses Luzzatto übertragen. Während man in Wien, das doch als Hauptstadt des Reiches auch der Sitz der Intelligenz sein sollte, die Juden von allen städtischen Ehrenämtern ausschließt, wählt die Hafenstadt Triest einen Juden zum Bicebürgermeister. Uebrigens hat sich Trieft stets durch ihre Toleranz in Glaubenssachen ausgezeichnet, und als im vorigen Jahrhundert die Republik Venedig alle Juden aus ihrem Gebiete verbannte, da fanden sie in Triest eine freundliche Aufnahme. Diese eingewanderten Juden haben auch nicht wenig zum Aufblühen dieser Stadt beigetragen und wenn Triest heute das erste Emporium der Adria ist, so verdankt es dies nicht zum geringsten Theile dem Handels- und Unternehmungsgeiste der Juden. Eingesendet. Sehr geehrter Herr Redacteur! Im Interesse des Judenthums, wie nicht minder im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung und des Friedens in den jüdischen Cnltusgemeinden Oesterreich-Ungarns bitte ich Sie, geehrter Herr Redacteur, folgenden Zeilen in den Spalten Ihres geschätzten Blattes gütigst Raum gewähren zu wollen. In einer für jüdische Cnltusbeamten Oesterreich-Ungarns heransgegebenen Zeitschrift wird in jüngster Zeit über all' diejenigen Rabbiner, welche im Besitze der höchsten akademischen Würde und besonders über diejenigen, welche diese Würde, wie ihre ganze akademische Bildung Deutschlands trefflichen Lehr- und Bildungsanstalten zu verdanken haben, ohne Weiteres der Stab gebrochen. Es genügt die Thatsache, an deutschen Universitäten studirt und daselbst promovirt zu haben, um der Ehrabschneiderei gewisser müssig umgehender Zeitungsscribenten preisgegeben zu sein.. So lese ich zum Beispiel in einem jüdischen Blatte boshafte, gehässige Bemerkungen, die gegen Rabbiner gemacht werden, welche sich als „Herr Doctor" tituliren lassen. Jnvectiven werden da gegen die Rabbiner geschleudert, wie etwa: „Sie haben sich ihren Doctor nicht so rein und makellos, zumal an deutschen Universitäten erworben". Demnach wären also nur diejeirigen Rabbiner als „gelehrt" anzusehen, welche in Wien, Graz, Krakau, Lemberg und Prag promovirt haben. Die berühmten Gelehrten und Koryphäen des Judenthums älterer und jüngerer Schule, wie zum Beispiel S t e i n s ch n e i d e r, der selige Jellinek, Löw, Güdemann, Professor Kaufmann, Bacher, Schächter, der selige K o h u t, Samuel Krauß, der selige, der jüdischen Wissenschaft leider zu früh entrissene Dr. Fuchs und andere zahlreiche jüngere Gelehrte, welche Geld und Gesundheit auf dem Altäre des Judentlinms als Opfer darbringen, sind in den Augen so manches Provinz- Cantors und -Lehrerleins nicht genug gebildet und gelehrt, weil sie nicht an österreichischen Universitäten promovirten. Was soll man, frage ich. zu dieser dem antisemitischen Jargon und den antisemitischen Zeitungen entlehnten Denunciation, die von einem „für jüdische Cnltusbeamten Oesterreich-Ungarns" erscheinenden Organe — die Schamröthe steigt mir in's Gesicht, wenn ich daran denke — wiedergekäut wird, sagen? Ob mit solchen Hetzartikeln, die gewiß geeignet sind, das Judenthum herabzusetzen und herabzuwürdigen, dem Cantorenstand etwas gedient ist? Wer möchte es behaupten? Das Gegentheil davon ist wahr. Denn, ist der Cantor ein wahrer Cantor, gebildet, hervorgegangen aus den neu gegründeten Wiener Cantorenschulen, wo die Cantoratscandidaten Gelegenheit haben, mit gebildeten und gelehrten Männern zu verkehren und Umgang zu pflegen, daun kann kein Zeitungsartikel, und möge dessen Tendenz noch so gehässig, dessen Ton gegen den geachtetsten Stand im Judenthume noch so aufreizend sein, ihll zu gemeinen Ausschreitungen gegen seinen Rabbiner veranlassen. Anders verhält es sich aber mit einer Kategorie Cantoren, die mehrere Jahre als Meschorrim herumschnorrten und denen es gelungen ist, iit irgend einem Nest als „Cantor" untergebracht zu werden. Wehe dann dem Rabbiner, den das Los trifft, an seiner Seite einen solchen Cantor zu haben. Ist der Rabbiner dazu noch bescheiden und öffnet einem solchen sich Cantor nennenden Menschen gastfreundlich sein Haus, dann ist er ihm mit Haut und Haaren ausgeliefert. Ich kenne einen speciellen Fall, wo ein akademisch gebildeter Rabbiner sein Haus dem Cantor seiner Gemeinde in der liberalsten und gastfreundlichsten Weise geöffnel, ihn bewirthet und ihm noch andere Wohlthaten erwiesen hat. Der

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