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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-16 · 16 (16.4.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
16 (16.4.1897)
Date
1897-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Vr. Bloch'» Wochrnphrtst. Seite 325 Humanitätsanstatt ermessen." Zwei Gruppenbilder, welche dem heurigen Jahresberichte beigefügt sind, und die Kleinen beim Spiel, das heißt bei militärischen Uebungen und bei Tische darstellen, illustriren in überzeugendster Weise diese Worte. Die erwähnten militärischen Evolutionen ermöglichen es, von einem viel höheren Standpunkte als dem einer militärischen Spielerei angesehen zu werden, und Herr Oberstlieutenant Freiherr v. Grund, welcher Gelegenheit hatte, die militärischen Uebungen der Colonisten in Rossitz zu besichtigen, schrieb darüber: „Erkenne in dem Gesehenen ein Vorbild für die Erziehung zur Jugend wehr." Wie überall, wo es sich um Acte der Wohlthätigkeit für unsere Glaubensgenossen handelt, so leuchtet auch hier der Name Hirsch de Gereuth oben an. Als durch den Verkauf des Schlosses Theresienfeld dem Vereine die weitere Benützung dieser Colonie, wo der erste erfolgreiche Versuch mit der eigenen Regie gemacht worden war, entzogen wurde, stellte Frau Baronin Clara Hirsch in ihrem von einem herrlichen Parke umgebenen Rossitzer Schlosse dem „Ferienheim" ausreichende Räume zur Verfügung, und es wurden daselbst 122 Colonisten untergebracht. Welch' herzerquickendes, frohes Leben sich nun im Rossitzer Schlosse entwickelte, schildert die Schriftführerin Frau Antonie Graf in einem besonderen Aufsatze mit folgenden Worten: „Die exercirenden, spielenden unb singenden Kinder unserer Colonie bildeten von nun an den Hauptanziehungspunkt für die Rossitzer Einwohner, welche wir zu fleißigem Besuche eingeladen hatten, und so hatten wir die Freude, viele Gäste bei uns zu sehen, welche allesammt Freunde unseres Vereines wurden. Rührend war der wiederholte Besuch des 84jährigen, aber geistig und körperlich ganz rüstigen Med. Dr. K a t h o l i«k y, denl die Hellen Thränen über die Wangen liefen, so oft er Zeuge war von der Glückseligkeit der Kinder bei Spiel und Essen. Der hochwürdigeHerr Dechant von Ros sitz, ein echter Priester des Herrn, der das Gebot der christlichen Lehre: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" auch befolgt, kam zn unseren jüdischen Knaben, freute sich über ihr gutes Aussehen, ihr anständiges Benehmen, und als sie ihre Lieder mit Absingung der Volkshymne schlossen, da wischte auch er sich die Augen und versicherte, daß er einen sehr schönen Eindruck von unserer Institution mit sich nehme. Die Herren Rabbiner von Lomnitz und Eibenschütz scheuten mit ihren Kindern nicht die Anstrengungen der Reise, um unsere Feriencolonie zn besichtigen, und sie richteten an die Knaben warme, erhebende Worte." Von der unermüdlichen, aufopfernden Thätigkeit, mit welcher die Damen des Vorstandes, an der Spitze die Präsidentin Frau Sofie G r ü n f e l d, bemüht sind, dem Vereine immer neue Freunde zu erwerben, gibt der Ausweis über die Stifter, Gründer, Mitglieder und Spender vollgiltiges Zeugniß. An Stiftungscapitalien sind dem Vereine in den fünf Jahren seines Bestandes 8000 fl., an Gründerbeiträgen 1900 fl. zugeflossen. An Subventionen nahm das „Ferienheim" im Jahre 1896 150 fl., an Mitgliederbeiträgen 3479 fl., an Spenden in Baarem 1234 fl. 16 kr. ein. Die Gesammteiunahmen beliefen sich im Jahre 1896 auf 27.498 fl. 99 kr. in Baarem und 400 fl. in Effecten (dabunter 15.852 fl. 90 kr. baar und 200 fl. in Effecten für den Baufond), die Gesammtausgabe auf 9007 fl. 42 kr. Zahllos sind aber auch die Spenden, welche dem Vereine an Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenständen zugekommen sind und ihn den Betrieb in eigener Regie wesentlich erleichterten. Das Vereinsvermögen stellte sich am 31. December 1896 auf 11.897 fl. 56 kr., der Baufond auf 8926 fl. 5 kr. Die große Summe der Ausgaben im Berichtsjahr zeigt, daß der Verein beinahe die ganzen Einnahmen zur Erhaltung seiner Colonien verwenden muß und nicht viel thesauriren will. Die Unannehmlichkeiten, welche mit dem fortwährenden Ortswechsel der Colonie verbunden sind, drängten zur energischen Inangriffnahme eines eigenen Heims. Der ausgesendete Aufruf hatte einen sehr erfreulichen Erfolg. An Stiftungsgelder für den Baufond wurden 10.000 fl. gezeichnet, darunter von Salo Cohn 1000 fl., Sofie v. G u t m a n n 2000 fl., Bankhaus Rothschild 3000 fl., Carl Wittgenstein 1500 fl., an Gründerbeiträgen 2800 fl. baar und 200 fl. in Effecten, an Mitgliederbeiträgen 1952 fl. 90 kr. In der Förderung des eigenen Heims liegt gegenwärtig der Schwerpunkt der Thätigkeit des Vorstandes. Gelingt die Erreichung dieses Zweckes, dann wird es nicht mehr nothwendig sein, Hunderte armer Kinder wegen Unzulänglichkeit der Mittel und wegen des Mangels fassender Unterkunftsräume von der Wohlthat des Ferienaufenthaltes auszuschließen. Wir können uns daher den schönen, menschenfreundlichen Worten nur anschließen, mit welchen sich der Bericht neuerdings an alle edlen Menschen wendet: „Drum weg mit den Bedenken und fleißig zur That! Zum Jubiläum unseres Kaisers sollen die armen jüdischen Kinder ihr Heim beziehen! Wir bitten alle guten Menschen, uns zu unterstützen; wir wollen das Heim in einer Gegend bauen, nicht zu entfernt von Wien, damit sich alle Gönner unseres Vereines an dem Anblicke ihres Werkes erfreuen können, und daß der Anblick unserer Feriencolonie Jedem unvergeßlich bleibt, das werden Diejenigen bezeugen, die unsere Institution bereits tit Augenschein genommen haben. Im Vertrauen auf die Hilfsbereitschaft so vieler wahrhaft edler Menschen, hoffen wir das Begonnene zu schönem Ende zu bringen." Mit Stolz und wahrhafter Befriedigung darf die Leitung des „Ferienheim" auf die vergangenen fünf Jahre und das in dieser Zeit herrlich gediehene Werk zurückblicken. Auch gesellschaftlich und k ü n st l e r i s ch hat der Verein durch seine glänzenden Akademien Hervorragendes geleistet und in dieser Zeit der socialen Spaltungen sich um die engere Verbindung seiner Mitglieder große Verdienste erworben. Aber das Elend ist unverwüstlich und wächst immer höher. Und darum dürfen die Quellen der Menschenliebe nicht versiegen, darum bedarf es immer neuer Opfer auf dem Altäre der Humanität! Möge das segensreiche Wirken des „Ferienheim" auch weiterhin bei allen guten Menschen warme Förderung und werkthätige Unterstützung finden! F. Nach den Wahlen in Böhmen. Prag. Aus der die Prager Märzwahlen der V. Curie höchst anschaulich schildernden Broschüre „Der Kampf um P r a g", welche den „fortschrittlichen" Redacteur Franz Soukup zum Verfasser hat, geben nachfolgende, recht wirksame Stellen den jungczechischen Juden in Böhmen ein nettes Räthsel auf, nämlich die harte Nuß, wie wenig Jude man sein muß, um der B r z e z n o v s k y - S ch a r f- „freisinnigen" Partei auch weiter nachzulaufen. Zur erbaulichen Lectüre für besonders diensteifrige Brzeznovsky-Scharfianer holen wir aus der flottgeschriebenen Charakteristik der „N a r o d n i L i st y" und ihrer neuesten Judentreiberei die gelungensten Zeichnungen hervor und geben dieselben m wörtlicher Üebersetzung wieder: „Höret doch! Genosse Dödic ging angeblich zu jüdischen Capitalisten um Geld (für den Wählfond) und erhielt auch Geld!" — das behauptete ganz ernst das größte böhmische Blatt, so versicherten die „N a r o d n i Li st y", ohne auch nur einen Namen zu nennen, ohne auch nur ein einziges Factum, einen einzigen Beweis anführen zu können. Wisset Ihr auch, wie man ein derartiges Borgehen nennt? Wisset Ihr, wie man solche Leute nennt, welche einem ehrlichen Manne seine Ehre abschneiden, ihn mit der Ruhe des raffinirtesten Gauners den Vorwurf der Bestechlichkeit ins Gesicht schleudern, ohne dabei auch nur Ein Wort beweisen zu können? Um eine traurige Erfahrung sind wir reicher geworden: die „N a r o d n i Li st y" haben ihre Spalten den R e v o lver-Journalisten niedrigsten Calibers geöffnet. * * * Die Juden haben sich auch an der W a h l a g i t ar tion betheiligt. Das ist ihr Recht. Einige agitirten für D e d i c, ließen sich auf ihre eigenen K o ft e n Placate drucken — was ist daran Auffallendes? JUC. Scharf et coimortes*) agitirte nicht weniger eifrig, stellten Herrn B r z e z n o v s k y in den jüdischen Kaufläden vor, schrieben für ihn Wahlaufrufe und „Eingesendet" (in die „N a r o d n i L i st y"). Auf der Altstadt, diesem Emporium der jüdischen G r o ß c a p i t a l i st e n erhielt der A n t i s e m i t Brzeznovsky um 2000 Stimmen mehr als D ä d i c. Das sind interessante Facta! Rechnet nun an der Hand des Wählerverzeichnisses nach, welche Unmassen jüdischer Stimmen für Brzeznovsky abgegeben worden sein mußten. *) Redactrur I. S. Kraus, Ludwig D ux u. A.

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