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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-16 · 16 (16.4.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
16 (16.4.1897)
Date
1897-04-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 324 Dr. Vloch's Wochrnsttzrifi Nr. 16 seiner treuen jüdischen Unterthanen im Staate erinnern werde, als Hort ihrer in der beschworenen Verfassung verbrieften staatsbügerlichen Rechte. (Lebhafter Beifall.) Unsere Treue zu Kaiser und Reich hat nie gewankt, an die Höhe unseres Patriotismus reichen nicht die Schaumwellen jener hochgehenden Wogen trüber und düsterer Zeitströmungen; allzeit sei und bleibe unser erster Gedanke, unser erstes Wort: Seine Majestät der Kaiser Franz Josef I, lebe hoch! Des Ferneren sind die geistreichen Trinksprüche des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann und Rabbiners Dr. Sch miedl zu erwähnen. * * * Der zweite Verhandlungstag war der Specialberathung und Beschlußfassung über den Statutenentwurf gewidmet. Nach einer eingehenden Debatte wurde der Entwurf nach dem Anträge des Berichterstatters Dr. Steiner mit einzelnen Amendements und stylistischen Correcturen von der Versammlung genehmigt. Ueber Antrag des Präsidenten Heinrich K l i n g e r wurde ein Absatz angenommen, dahin gehend, daß nicht blos die Behandlung ritueller und nationaler, sondern auch politischer Fragen von der Discussion des Gemeindetages auszuschließen sei. Aus dem Statut heben wir die zwei ersten wichtigsten Paragraphe hervor. „§ 1. Die Vereinigung führt den Namen: „Allgemeiner österreichisch-israelitischer Gemeindebund" und hat ihren Sitz in Wien. Zwecke des Bundes sind: 1. Förderung der Verwaltungs-, Bildungs- und Wohlthätigkeitsangelegenheiten der israelitischen Cultus gemeinden Oesterreichs. 2. Sammlung und Mittheilung von Erfahrungen auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung. Z. Sammlung und Bearbeitung statistischen Materiales, Förderung jüdischer Geschichtsschreibung und Verbreitung von Kenntnissen über Wesen und Geschichte des Judenthums. 4. Förderung des Religionsunterrichtes. 5. Förderung des Armen- und Krankenpflegewesens. 6. Einrichtungen, welche die Altersversorgung der Gemeindeangestellten und die Fürsorge für deren Hinterbliebene bezwecken. 7. Schutz wider rechtslvidrige Angriffe gegen Judenthum und Juden und wider die Beeinträchtigung der ihnen gesetzlich gewährleisteten Rechte. 8. Prüfung und Begutachtung von Gesetzesentwürfen, welche die Bundeszwecke berühren, und Erstattung von Anträgen (Eingaben und Petitionen) in dieser Richtung an die Behörden und gesetzgebenden Körperschaften. Die Behandlung ritueller, nationaler und politischer Fragen ist von der Thätigkeit des Gemeindebundes grundsätzlich ausgeschlossen. § 2. Zur ordentlichen Mitgliedschaft des Gemeindebundes sind alle israelitischen Cultusgemeinden Oesterreichs, sowie Verbände von solchen berechtigt. Der Äufnahmeantrag muß schriftlich durch den Cultusvorstand unter Anerbieten des Jahresbeitrages gestellt werden. Einzelpersonen und confessionelleVereine können als S t i f t e r, G r ü n d ezr oder Förderer beitreten oder als außerordentliche Mitglieder ausgenommen werden. Die Namen der Stifter, Gründer und Förderer werden dauernd in den Listen des Bundes geführt. Delegirter Dr. Lichten st ern dankt am Schluffe dem Wiener Vorstände für seine Initiative, welche neuerdings dargethau hat, daß Wien thatsächlich eine führende Gemeinde sei. Besonderen Dank spricht er dem Präsidenten kais. Rath K l i n g e r für die unparteiische, liebenswürdige und tactvolle Leitung des Gemeindetages aus. (Lebhafter und langanhaltender Beifall.) Präsident kaiserlicher Rath K l i n g e r dankt namens des Gesammtvorstandes den Delegirten für ihre rege, aufopfernde Theilnahme und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die mit Ernst und Eifer begonnenen Arbeiten zu einem gedeihlichen Abschluffe führen werden zum Heile und zum Segen des österreichischen Judenthums in drangvoller Zeit. (Lebhafter Beifall.) Nachdem noch die anwesenden Delegirten als Proponenten für den Oesterreichisch-israclitischen Gemeindebund zeichneten, erklärte der Präsident kaiserlicher Rath Heinrich K l i n g e r die Verhandlung für geschlossen. Fünf Jahre „Ferienheim". Fünf Jahre sind verflossen, seit eine hochbegabte Frau, die mit weiblichem Edelsinn eine schier männliche Energie verband, über Aufforderung und Ermunterung des damaligen Abgeordneten Dr. Bloch daran ging, eine der wesentlichsten Ursachen der socialen Roth: das physische Elend der Armen, an ihrer Wurzel zu packen. Der Gedanke, dem Frau Sofie G r ü n f e l d zur That verhelfen wollte: die schlecht genährten, blutarmen, körperlich und darum auch geistig zurückgebliebenen Kinder der Armuth durch Ferienaufenthalt in gesunder Luft und durch kräftige Nahrung zum Kampf für's Leben zu stählen, fand, dank der zahllosen, begeisterten Agitation, welche diese thatengerüstete Frau entfaltete in den Kreisen unserer Glaubensgenossen Anklang und werkthätige Förderung. Und aus dem nun vorliegenden Berichte über das Vereinsjahr 1896 ersehen wir zu unserer freudigen Verwunderung, welch' reiche Früchte die vor fünf Jahren gelegte Saat getragen, wie segensreich der Verein „Ferienheim" gewirkt und zu welcher Bedeutung diese humanitäre Institution, die nicht blos die Noth des Augenblickes berührt, sondern mehr noch dem Elend der Zukunft vorbaut, herangediehen ist. Um die Präsidentin schaarte sich ein Kreis edler Frauen, ein weiblicher Generalstab der Wohlthätigkeit, der mit der Beharrttchkeit des sogenannten schwächeren Geschlechtes wahre Heldenthaten der Menschlichkeit vollbrachte. Wir nennen hier die Frauen: Julie Fialla, Antonie Graf, Jenny Schur, Eleonore Pechkranz, Clara Berger, Rosa F r e y b e r g, Adele Friedman n, Jda G ü d e m a n n, Philippine Gelbhaus, Rosa Hildesheimer, Regine Heit, Julie H e r z l, Antonie P a s s a u e r, Regine Reichel, Caroline Rosenbaum und Antoinette S ch w a r z m a n n. Und hinter diesem tapferen Amazonencorps der Humanität steht auch schon ein zweites Aufgebot jüngerer, aber nicht minder eifriger Kräfte: das M ä d ch e n - C o m i t € des „Ferienheim", welches sich erst im abgelaufenen Jahre constituirt hat, aber schon auf glänzende Leistungen zurückzublicken vermag. Was der Verein vollbracht, in . wie vielen Fällen er eine junge Menschenblüthe vor dem Verderben, gerettet, die in ihr schlummernden Triebe zur Entfaltung gebracht, geistige Kräfte geweckt und entwickelt — davon können uns die nachfolgenden Ziffern nur eine Ahnung geben. Denn die Aufgabe des Vereines ist nicht erschöpft mit der im Berichte gekennzeichneten Thätigkeit: „Sonnenlicht und frische Luft, die Grundbedingungen für das Gedeihen und Wachsthum des menschlichen Organismus, bieten wir Kindern, welche Winter wie Sommer im Halbdunkel dumpfiger Wohnstätten verkümmern, und entrücken sie der schwülen, staub- und raucherfüllten Großstadt-Atmosphäre." Wie diese gekräftigten, wenn auch nur zeitweilig in ein besseres Erdreich verpflanzten Organismen sich weiter entwickeln, wie in ihnen der selbstthätige Trieb geweckt wird, sich später aus eigener Kraft auf eine sichere Stufe des Daseins emporzuringen — davon können uns die nackten Ziffern nichts erzählen, das werden wir erst erfahren, bis das „Ferienheim" stark genug sein wird, auch den Lebensgang seiner einstigen Schützlinge weiter zu verfolgen, und darüber statistische Daten zu sammeln. In den sechs Colonien des „Ferienheim", Schattmannsdorf, Petrau, Straßnitz, Theresienfeld, Rosfitz und Lomnitz, wurde in diesen fünf Jahren nicht weniger als 1130 Kindern, und zwar 706 Knaben und 424 Mädchen Erholung geboten. Im Jahr 1896 allein wurden 340 schulpflichtige Kinder zu einmonatlichem Aufenthalte in die Colonien entsendet. Ueber die Wirkungen dieses Ferienaufenthaltes gibt uns eine genaue Tabelle aller bisher beherbergten Kinder Aufschluß. Das Körpergewicht der Schützlinge nimmt durchschnittlich um 2 Kilogramm zu. Es sind aber auch Fälle einer ganz außergewöhnlichen Erholung zu verzeichnen. Da haben wir einen, den zehnjährigen Karl Reiner, der in vier Wochen um 5'/- Kilogramm schwerer geworden ist — eine ganz respektable Leistung. Zwei Mädchen, die elfjährige Selma Schlesinger und die sechzehnjährige Hermine Sichrowsky, von denen die Eine in Baden, die Andere im Bad Hall untergebracht war,, haben um 6l/2 Kilogramm zugenommen. Der Bericht constatirt, daß der Gesundheitszustand in den Colonien einvortrefflicher war. Wir citiren wörtlich: „Wer nur einmal eine unserer Colonien besichtigt, wer Zeuge der dort herrschenden Disciplin und des liebevollen Verkehres zwischen Lehrer und Kinder gewesen, wer die leuchtenden Augen und zufriedenen Gesichter der munteren Kleinen gesehen, der erst kann voll und ganz die eminente Wirkung einer solchen

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