Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-09 · 15 (9.4.1897) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021184--06637-3030927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 15 Vr. Vloch's WochrnsltzrM Seite 315 von Fräulein Rosa Glaser, Tochter des Herrn Jacob Glaser, mit Herrn Maximilian R i e s e n f e l d, k. u. k. Militär-Rechnungs-Accessist, statt. Prag. Herr Rabbiner Dr. K. Thieberger aus Goltsch-Jenikau hielt am 24. v. Bi. vor einem sehr distinguirten Auditorium im Hiesigerl Afike-Jehuda-Vereine einen schönen und geistvollen Bortrag über „Die alexandrinische Allegoretik und palästinische Schriftauslegung". Nachdem er die Entstehungsgeschichte der Allegoretik im Allgemeinen geschildert, entrollte er uns ein interessantes Bild von der weiteren Entwicklung dieser Methode der Schriftauslegung ilnd zeigte an der Hand von verschiedenen, den Gegenstand betreffenden Citaten ihre Blüthezeit und wie sie dann allmälig durch ihre äußersten Consequenzen wieder ausartete. Auf gleiche Werse behandelte er auch die verschiedenartigen Regeln, mit welchen die palästinischen Gelehrten in der Bibelerklärung operirteil und charakterisirte dieselben nach ihrem Werthe. Der Bortrag, welcher sich sowohl durch die Gediegenheit seines Inhaltes, wie auch durch seine Form auszeichnete, fand allgemeinen Beifall und ein langanhaltender Applaus folgte den interessanten Ausführungen. Unter den vielen Güsten sahen wir auch eine stattliche Zahl von den Rabbinern, die zu den Sitzungen des Rabbinerverbandes am 24. und 25. v. M. hier versammelt waren. Brüx, 2. April. (A d o l f H i r s ch.) Am 1. d. M. starb in Hohenstein bei Teplitz Herr Adolf Hirsch, gewesener Kaufmann und langjähriger Cultusvorsteher von Brüx im 68. Lebensjahre und wurde am 4. April, Nachmittags V,4 Uhr, unter, großer Theilnahme in Teplitz zur ewigen Ruhe bestattet. Der Dahingeschiedene war Gründer der israelitischen Cultusgemeiude Brüx, ein selten, biederer, ehrenhafter, charaktervoller Mann, dessen Vorzüge allgemeine Anerkennung fanden. Man darf von Adolf Hirsch ruhig sagen, daß er keinen Feind zurückläßt. Er war der Bruder des Geheimen königlich preußischen Sanitätsrathes, des verstorbenen Dr. Ignatz Hirsch, in Teplitz. Eine Tochter ist die Gattin des Herrn Adolf Pächter, Cultusvorsteher von Bodenbach, eine zweite Tochter ist an Herrn Adolf K o r e tz in Hohenstein, eine dritte Tochter an Herrn Josef P o l l a k in Laun und eine vierte Tochter an Hsrrn Med. Dr. Willy Wolf in Bilin verheiratet. Das Andenken des Gründers und langjährigen Vorstehers unserer Cultusgemeinde wird unvergänglich fortleben in den Herzen all' unserer Glaubensgenossen. Er hat uns Allen vorangeleuchtet als ein Muster von Pflichttreue und warmer Liebe zum Judentbume. Friede seiner Asche! Troptzau. (Jüdisch-literarischer Verein in T r o p p a u.) Unser Verein, der zu seiner Hauptaufgabe die Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte zählt, bot Samstag den 20. März einen Vortrag des Vereinsmitgliedes und Beirathes Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B l ü h, über das Thema „Hillel's Leben und Lehren". Samstag den 28. März sprach Herr Dr. K a r p e l e s über das Thema „Was haben die Juden für die Cultur der Menschheit geleistet". Samstag den 10. April, 8 Uhr Abends, findet im Vereinslocale, Oberring 37, I. Stock, ein Vortrag des Herrn Cand. Ing. Max Klein über das Thema „Spinoza und Sabbatei Zwie" statt. Samstag den 11. April, 4V, Uhr Nachmittags, spricht Herr Cand. Med. Ernst Lederer über „moderne Literatur". Troppau, 5. April. Unser herrlicher Tempel, den unsere Gemeinde mit so großen Opfern erbaut hat, ist nun vollständig hergestellt, und mit Freuden coustatiren wir, daß der Gottesdienst, besonders am Freitag Abend, sehr zahlreich besucht ist. Der vortrefflich geschulte Herren- und Damenchor, die mächtige Orgel und der würdevolle Vortrag unseres verdienstvollen Obercantors, Herrn S i n g e r m a n n, der auch unseren Gottesdienst musterhaft organisirt hat, übt auf die Andächtigen einen erbauenden und nachhaltigen Eindruck aus. Umsomehr hat es hier Befremden hervorgerufeu, daß auf der Botivtafel im Tempel neben den Vorstandsmitgliedern sämmtliche Handwerker, die bei dem Bau betheiligt waren, angeführt sind, nicht aber Herr Obercantor S i n g e r m a n n, der um Einweihung, um die Organisirung des Gottesdienstes re. sich besondere Verdienste erworben hat. Oder sollte es wirklich für die Nachwelt von größerem Interesse sein, zu wissen, wer die Schlösser eingerichtet, oder wer die Bänke angestrichen hat, als wer im neuen Tempel zum ersten Male das „Sch’ma isroel" vorgetragen, den e. sten Umzug mit der heiligen Thora im neuen Tempel gehalten und überhaupt durch Gesang und Psalmen den neuen Tempel eingeweiht hat? Und ist denn wirklich die Achtung vor unserer eigenen Religion so weit, daß wir einem — wahrscheinlich antisemitischen — Anstreicher oder Spängler mehr Ehre anthun, als unserem Obercantor, dem eigentlichen Functionär des jüdischen Gottesdienstes, dem Schliach zibbur der Gemeinde V?! I. Krakau. Dieser Tage feierte 0er Präses der hiesigen Cultusgemeinde Gemeinderath Dr. Leon H o r o w i tz das Fest der silbernen Hochzeit und war aus diesem Anlasse Gegenstand von Ovationen seitens seiner Freunde und Parteigenossen. Namens der israelitischen Cultusgemeinde beglückwünschte denselben der Vice-Präses der Cultusgemeinde Gemeinderath Hirsch Landau. Holleschau, 30-Marz 1897. Samstag den 20. d. M. arrangirte Herr Max B r o l l zu Gunsten unseres segensreich wirkenden Frauenvereines den Bereinsm.tgliedern einen genußreichen Abend durch Musik-, Gesangs- und humoristische Vorträge. Die Musik- und Gesangsvorträge, welche von den Damen Fr. A hier, ,1rl. K a r p e l e s, Blum und von den Herren Springer, Broll. Heinrich G r ä tz e r, Heinrich W e i n r e b und Leopold König sehr exact und in wahrhaft künstlerischer Weise zur Aufführung gebracht wurden, fanden rauschenden Beifall, denselben treulichen Erfolg erzielte der Schwank: „Die Furcht vor der Schwiegermutter". Hiebei haben die Damen Frl. Paula Beer, Helene Grätzer. Anna Batscha und die Herren Addolf Nasch und Max Broll mitgewirkr und wurden dieselben durch stürmischen Beifall ausgezeichnet. Bon diesem Concerte wurde dem Vereine ein Reinerträgniß von circa 100 st. znaewend»t Aus Croat. Kreutz wird uns unterm 5. April geschrieben : Vorige Woche wurde im hiesigen städtischen Archiv ein vom 4. Mai 1861 ansgestellter Stiftsbrief des Erzbischofs zu Agram, Juraj Haulik, gefunden, dessen Inhalt veröffentlicht zu werden verdient. Derselbe lautet wörtlich: „Anläßlich meines Jubiläums spende ich der Stadt Warasdin 12.000 fl., Kreutz 8000 fl., Kopreinitz 8000 fl., Karlstadt 12.000 fl., Pozega 10.000 fl., Belovar, Nen-Gradiska, Glina, Petrinje und Gjnrgevac je 6000 fl., zusammen 80.000 fl. Die Zinsen davon sollen alljährlich unter den s i t t s a m e u A r m e n ohne Unterschied der C o n f e s s i o n v e r t h e i l t werden, da die ch r i st l i ch e L i e b e keinen R e l i g i o n s u n t e r s ch i e d kenn t." Budapest. Eine christliche Dame, Namens K a r o l i n e D u c r e n x - H o r v a t h, wurde vor Kurzem in der opthalmologischen Abtheilung des jüdischen Spitals, die der bekannte Augenarzt Dr. S z i l y leitet, behandelt. Nach ihrer Genesung errichtete die Dame für diese Abtheilung eine Stiftung von 5000 Kronen. — Israel D e r e r a, der Präses der Sepharden- Betgenossenschaft in Temesvar, wurde in den ungarischen Adelsstand erhoben. — Der hauptstädtische Arzt Dr. Sigmund Adler wurde durch Verleihung des Titels eines königlichen Rathes ausgezeichnet. Ung. Brod, 5. April 1807. Vor einem dichtgedrängten Auditorium hielt Herr Rabbiner Dr. W o l f s o h n aus Lomnitz, seinen Bortrag über das Thema Josef Nassi. Die Darstellungskunst des Redners entrollte ein klares Bild der culturellen Zustände des damaligen Spanien. In der Verwischung der Grenze zwischen Thron und Altar sieht der Vortragende den Quellpunkt jener fanatischen Unduldsamkeit, die treue Bürger von der Scholle treibt, sie hinausftößt in die lieblose Fremde. Zum Glück aber ist der jüdische Stamm auf einen bestimmten Nährboden nicht angewiesen. Ueberall, wo sie ein Vaterland, ein Heiligthum finden, die Stäbe Aharons, treiben sie Blüthen und reisen goldene Früchte. Dies lehrt die Lebensgeschichte von Josef Nassi. — Mit rhetorischer Fertigkeit dankte der Rabbinatscandidat Dr. B ö ck dem Vortragenden für feine tiefdurchdachte Leistung im Namen der Vereinsleitung und des Auditoriums. Wietzen, 21. Mürz. Der Führer der deutsch-socialen Reformpartei in Friedberg (Hessen) Lieutenant a. D. K a i s e r, iftjiuf Antrag des Grafen von L e i n i n g e n in Elberstadt, deyen Hofrath er früher war, in Hanau wegen Unters ch l a g u n g verhaftet und hierher in's Untersuchungsgefängniß gebracht worden. Dresden, 28. März. Der Privatdocent Dr. phil. Richard Koppel an der hiesigen technischen Hochschule ist zum a u ß e rordentlichen Professor ernannt worden. Paris. Der in Paris lebende Civil-Jngenienr nnd Industrielle Herr Maurice F l a n d r a k, ein geborener Oesterreicher, früher Kanzler des General-Cvnsulats von Paraguay, ist zum Honorar-Consul dieses Staates für Frankreich ernannt worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.