Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 15 (9.4.1897)
- Date
- 1897-04-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 314 Vr. Vloch's Wochrnsttzrifr. Nr. 15 Zusammengehörigkeit zur jüdischen Nation einem kräftigen Stammesbewußtsein osienen, freien Ausdruck zu geben und alle Verpflichtungen dieser Zusammengehörigkeit auf sich zu nehmen. (Lebhafter Beifall.) Er betonte weiters, daß es die Pflicht jedes treuen Juden sei, einerseits das jüdische Volk ethisch immer mehr zu vervollkommnen, anderseits selbst mit gutem Beispiele voranzugehen, und gab die Mittel zu einer solchen Heranbildung der jüdischen Nation an die Hand. Nachdem sich der stürmische Beifall gelegt hatte, den die kräftigen, freien Worte des neugewählten Obmannes gefunden halten, dankte der Präses der jüdisch-nationalen Verbindung „Veritas" stuck, rueck. Jg. H a j e k in herzlichen Worten dem gewesenen Ausschüsse für dessen unermüdliche Thätigkeit im Dienste der modernen jüdischen Bewegung und fand hiefür seitens der Mitgliedschaft die lebhafteste Zustimmung Eine sehr anregende Discussion über Bereinsfragen bildete den Schluß des Abends. Neusatz, 5. April. Der Präsident der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Herr Dr. Kohn K a r o l y hat ein neues Gemeindestatut in Ausarbeitung, welches mehr dem der Gemeinden aus Szegedin und Temesvar entsprechen dürste. Nach dem neuen Statut soll vor Allem der Präsident der Cultusgemeinde durch die gewählte Gemeinderepräsentanz und nicht wie bisher durch die Generalversammlung bestellt werden. So löblich nun diese Reform auch sein mag und so ersprießlich eine derartige Aenderung im Interesse der fortschrittlichen Entwicklung der Gemeinde selber zu empfehlen wäre, so erhebt sich trotzdem begreiflicher Weise unter den älteren Gemeindegenossen gegen die geplante Neuerung eine scharfe Opposition. Indessen dürfte es dem unbestrittenen Ansehen des derzeitigen Präsidenten Herrn Dr. K. Kohn gelingen, das begonnene Werk glücklich zu Ende zu bringen. Neusatz. Gegenüber der Correspondenz aus Neusatz in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift", worin von einer Affaire zwischen drei Reisenden und dem Herrn Dr. Aladar Balla erzählt wird, sendet uns der genannte Herr Dr. B a l l a eine Zuschrift, in welcher der Darstellung in allen Theilen widersprochen wird. Er sei von den drei Reisenden in unverantwortlicher Art provocirt worden, und da er die betreffenden Leute als nicht satisfactionsfähig erachtete, habe er die ganze Angelegenheit dem Bezirksgerichte übergeben. Welche Ursache aber Herr Dr. B a l l a hatte, jenen Reisenden die Satisfactionssähigkeit abzusprechen, wird in dem Schreiben nicht angegeben. Im klebrigen wird die Gerichtsverhandlung doch über die Angelegenheit Klarheit schaffen. Crajova (Rumänien). 4. April. Bei der stattgehabten Neuwahl der Repräsentanten im Consilium der hiesigen Cultusgemeinde spanischen Ritus wurden gewählt die Herren Lazor Eschenasy zum Präsidenten, Moise I. Panijel zum Vice- Präsidenten und Josef E s k e n a s y zum Cassier. Dem Vorstande gehören ferner die Herren David L. Fermo und Mosen L. M e kämet an. Herr Jsaac Jacob B e n v e n i st i wurde zum Ehrensecretär und Kanzleileiter ernannt. Breslau, 30. März. In der Jahressitzung der Boyai society of Sciences in London ist der berühmte Botaniker Geheimrath Ferdinand Cohn, ordentlicher Profeffor an der hiesigen Universität, in Anerkennung seiner bahnbrechenden Forschungen auf dem Gebiete der Mikroorganismen, besonders der Bakterien und Bacillen, zum Mitglied der kgl. Gesellschaft der Wissenschaft ernannt worden. Es ist dies die höchste Auszeichnung, welche die englische Wissenschaft zu vergeben hat. Vermischtes. Wie«. Unser ehrwürdiger Oberrabbiner Herr Dr. G ü d e m a n n, ist Sonntag den 4. April durch die Geburt eines kräftigen Stammhalters beglückt worden. Die Nachricht von diesem Gottessegen wird nicht blos im engeren Freundeskreise der Familie G ü d e m a n n, sondern auch in der ganzen Gemeinde gewiß mit der herzlichsten Freude ausgenommen werden. Möge in dem jungen Weltbürger dem Judenthum ein tapferer Kämpfer erwachsen zur Ehre seiner Eltern und seiner Glaubensgenossen. Wreu-Markahilf. Freitag den 16. April um 7 Uhr Früh findet im Bethause des israelitischen Tempel - und Schulvereines, VI., S t u m p e r g a s s e Nr. 42, ein feierlicher Syjum statt. Wien. (Generalversammlung.) Sonntag den 11. April, 3 Uhr Nachmittags, findet im kleinen Saale der „Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer" die XXXI. ordentliche Generalversammlung des Krankenunterstützungs- Vereines „Gomile Chesed" statt. . Wien. Unter den Abgeordneten jüdischer Confession, die wir in der vorigen Nummer aufgezählt haben, fehlte der Name des Abgeordneten Tiltinger der Czernowitzer Handelskammer. — Das österreichische Abgeordnetenhaus zählt somit elf Abgeordnete jüdischer Confession, und zwar sechs Mitglieder des Pvlenclubs, zwei Abgeordnete aus der Bukowina, dazu der Vertreter der Brünner Handelskammer, der Wiener Leopoldstadt und ein Abgeordneter der V. Curie in Böhmen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Am 24. April l. I. findet die diesjährige General- Vers a m m l u n g unseres Vereines in Khuner's Restaurations- Saal, I., Schottenring 19, um V-8 Uhr Abends statt. Tagesordnung: I. Jahresbericht des Vorstandes. II. Cassabericht. III. Wahl des Vereinspräsidenten. IV. Wahl von 14 Vorstands- Mitgliedern. V. Wahl von 2 Cassa-Revisoren. VI. Wahl der im § 4 der Statuten normirten 5 Schiedsrichter. E. B. Wien. (Iubiläu m.) Sonntag den 4. April beging Herr Wilhelm L ö w Y das Jubiläum seiner fünfundzwanzigjährigen Thätigkeit als Beamter der Großindustriellen- Firma M. u. I. Mandl in Wien, wo er als Procurist eine hervorragende Vertrauensstellung — Chef des Cassawesens — einnimmt. Die Feier gestaltete sich zu einer intensiven und extensiven Ovation für den Jubilar, an welcher sich die Firmenchefs, das gesammte Beamtenpersonale und zahlreiche Freunde und Verehrer desselben betheiligten. Herr Wilhelm L ö w y, selbst im Besitze umfassender gründlicher Bildung — er fungirte als k. u. k. Hauptmann längere Zeit als Professor der Kriegsschule — entstammt einer Gelehrtenfamilie. Einer seiner Brüder ist der berühmte Gelehrte und Orientalist Dr. L ö w y in London und beschäftigt sich noch jetzt in freien Mußestunden mit wissenschaftlichen Arbeiten. Wien. (Jüdische akademische Verbindung „Unitas.") Für das Sommersemester wurden gewählt: Lanck. weck. Jaqnes M e i s e l s zum Präses. Lanck. meck. Leopold Läufer zum Vice-Präses. Cand. meck. Siegfried Löbl zum 'Schriftführer. Wien. Der am 21. März d. I. stattgehabte Vortragsabend des Vereines jüdischer Mädchen „Hadassah“ hatte wieder sehr schöne Erfolge zu verzeichnen. Herr M. Berkovits sprach über „Die sittlich-religiöse Stellung der Frau im Talmud" in anzuerkennender Weise. Herr K. Lauer sprach aus dem Stegreif und entwickelte sein bravouröses Rednertalent dem Publicum zu Dank. Den Vogel schoß jedoch Frau Jenny Grünwald mit einem selbstverfaßten, tief empfundenen und poetisch ausgeführtem Gedicht „Hadassah" ab. Die junge Dame wurde nach dem hübsch gelesenen Poem durch den lebhaftesten Beifall ausgezeichnet. Der nächste Vortragsnachmittag findet Sonntag den 4. April um halb 4 Uhr in dem Vereinslocale Praterstraße 23, Claviersalon I. Saphir, statt und wird Frl. Caroline Lebe r e r über „lebucka den Halevy" sprechen. Gäste willkommen. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „M o r i a".) Sonntag den 28. v. M. hielt Herr Jur. Hermann Rand einen Vortrag über Heinrich Heine's Liebe zum Judenthum und erntete für seine gediegenen und interessanten Ausführungen wohlverdienten Beifall. Der nächste Vortragsnachmittag findet Sonntag den 11. d. M. im Vereinslocale, I., Schottenring 23, statt. Herr Dr. W e i ß b e rg wird über das Thema: „Heine's Familienleben unter Berücksichtigung des jüdischen Familienlebens im Allgemeinen" sprechen. Beginn 3 Uhr. Gäste (Damen) sind willkommen. Wien. (S p e n d e.) Frau Baronin Hirsch hat an Frau Charlotte F r i s ch a u e r, Präsidentin des Frauen-WohlthätigkeitsVereines „Kinderhort" zu dessen Gunsten in Anerkennung seines eminent Humanitären Wirkens die großherzige Spende von 1500 fl. gesendet. Wien. (Spenden für das Inserat: „I n st ä n d i g si e Bitte!") Eine arme Familie, deren Oberhaupt brustleidend ist und deshalb keinen Erwerb findet, um seine 9 Kinder zu ernähren, sind uns von „Pensionist", Wien, fl. 1,— und von D. A., Amstetten, fl. 1.—, zusammen ö. W. fl. 2.— zugekommen, welche wir der Bestimmung zugeführt haben. Floridsdorf. (Trauung.) Dienstag den 13. April findet im hiesigen Tempel um 1 Uhr Nachmittags die Trauung