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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-09 · 15 (9.4.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 310 Vr. Vloch's Wochenschrtfl Nr. 15 Das braucht aber Niemanden zurückzuschrecken, denn durch die Bewegung, durch den Aufenthalt in der freien Natur wird der Körper gestählt und gekräftigt und es währt nicht allzulange so werden die anfangs so schwer scheinenden Arbeiten mit Leichtigkeit ausgeführt werden. Es ist dringend zu empfehlen, daß bei den Kindern während der Schulzeit schon daraufRücksicht genommen wird, sie in Handfertigkeit und Gartenbau zu üben,wie es mit den Schülern, welche die mit der Erziehungsanstalt verbundene Schule besuchen, der Fall ist; ein Urtheil, welche Knaben sich zur Gärtnerei und zum Ackerbau eignen, läßt sich dann leichter fällen und unangenehme Mißgriffe bei der Wahl dieses Berufes werden möglichst vermieden. Die Anstalt hat auch die fromme Eltern schwerdrückende Sorge beseitigt, wo der Lehrling ein Unterkommen finden soll, ohne daß er die im Elternhause geübte und gelernte, streng religiöse Lebensweise aufzugeben braucht, da dieselbe ihre Zöglinge auch nach dieser Rücksicht streng überwacht und — was in andern Stellungen nicht so leicht zu finden ist — die Sabbath¬ und Festruhe von allen Zöglingen uuterfchiedlos streng und gewissenhaft beobachtet wird. Um heute im Leben fortzukommen, wird vorzüglich eine tüchtige Fachausbildung verlangt, die nur in einer guten Lehranstalt geboten werden kann. In der Erziehungsanstalt in Ahlem lernen die Lehrlinge die verschiedenen Zweige der Gärtnerei und die Hauptarbeiten eines kleinen landwirthschaftlichen Betriebes kennen. Da sie zu solchen Nebenarbeiten nicht verwendet werden, wie es wohl in den kleinen Handelsgärtnereien geschieht, so können sie sich ununterbrochen nur mit dem beschäftigen, was in ihr Fach schlägt und die Anstalt bietet ihnen mehr des für ihren Beruf Wissenswürdigen, als es in den meisten Privatgärtnereien möglich ist. Es werden mit der Zeit sämmtliche Hauptcnlturen in musterhafter Weise unter besonderen Lehrkräften betrieben werden und das Bestreben des Curatoriums, die Anstalt zu einer Musteranstalt herauszubilden, wird zweifelsohne von Erfolg gekrönt werden, wenn derselben die erhoffte erforderliche finanzielle Unterstützung seitens unserer wohlhabenden Glaubensgenossen zugewandt wird. Mit der praktischen Ausbildung geht die theoretische in der mit der Anstalt errichteten Fortbildungsschule Hand in Hand. Sv werden nach dreijähriger Lehrzeit die jungen Leute, vorausgesetzt, daß sie ihre Pflicht thun und die sich ihnen bietende Gelegenheit zum Lernen der theoretischen und praktischen Grundlagen der Gärtnerei benützen, alle Anforderungen, welche man an einen jungen Gehilfen stellen kann, erfüllen und bei der Liebe zur Weiterbildung, die in ihnen erweckt wird, fleißig weiterstreben, um sich immer tiefere und ausgebreitetere Kenntnisse anzueignen, wie sie zu größeren Stellungen oder zur Selbstständigmachuug unerläßlich sind. Sie werden bei ihrer guten Schulung sicher überall gern ausgenommen werden und Stellungen finden soweit die Zeitverhältnisse nicht auch ihnen, wie allen unseren Glaubensgenossen hemmend entgegentreten. Man soll jedoch beit unleugbar traurigen, betrübenden Zeitgeist nicht für Alles verantwortlich machen, denn manchesmal sind die Klagen, daß jüdische Gärtner kein Beschäftigung finden, nur aus ungenügender Vorbildung, aus dem Mangel an Fleiß und Tüchtigkeit, in denen sie gegen ihre anderen Berufsgenossen zurückstehen, herzuleiten. Selbst die Möglichkeit, in ihrem Berufe als strenge Juden weiter zu leben, ist ihnen mehr geboten, als Handlungsbeflissenen. Ihnen steht die ganze weite Welt offen, und bei einer Auswanderung nach außerdeutschen Ländern eröffnet sich ihnen eine ganz andere Aussicht als Jenen, an die größere Ansprüche betreffs der Sprache, der Gebräuche und Gesetze des Landes gestellt werden. Es soll damit durchaus der Auswanderung nicht das Wort geredet werden, wir wünschen vielmehr nichts sehnlicher, als daß es jüdischen Gärtnern und Ackerbauern möglich ist, ihre Kräfte in ihrem deutschen Vaterlande zu verwerthen und hier den Beweis zu liefern, daß es ihnen nicht an Lust zur Arbeit, und sei es die auch schwerste, gebricht. Wir sind sogar der Ansicht, daß es tolerante Gärtner gibt, bei denen junge Gehilfen unter Beobachtung der Sabbathruhe, wenn auch gegen geringe Vergütung, Beschäftigung finden werden, bis sie zur Ableistung ihrer Militärpflicht eintreten. Wenn sie dann nachher Lust und Neigung zur Auswanderung haben, so werden sie durch eine Anftage an auswärtige Vereine und Comitös, welche die Colonisation der Juden eifrig betreiben (Alliance Israfelite in Paris, Anglo Jewish Association in London, Baron Hirsch-Stiftung oder Rothschild'sches Colonisationsbureau) sicher Aufschluß erlangen, wo sich für sie ein Arbeitsfeld eröffnet. Tüchtige Arbeitskräfte werden diesen Vereinen und Gesellschaften stets willkommen sein und es tvird sich für sie bald eine Gelegenheit bieten, entweder als Lehrmeister zu wirken oder sich als einfache Colonisten niederzulassen. Selbst in England wird es ihnen nicht allen schwer fallen, eine Stellung zu finden, in der sie die Sabbath- und Festtage streng beobachten können, wenn sie am Sonntag dafür arbeite?!. Wir wiederholen nochmals, daß lvir am Liebsten sehen, wenn tüchtige, strebsame Gärtner und Ackerbauer, die sich als solche während ihrer Lehr- und Gehilfenzeit erwiesen haben, sich hier im Vaterlande ansässig machen. Die Schwierigkeiten, die sich der Selbstständigmachnng entgegenstellen, sind nicht gering, aber dennoch nicht unüberwindlich. Die Pachtung einer Gärtnerei oder eines Blumenladens erfordert nicht größere Mittel als die Einrichtung einer Handwerkerwerkstatt mit den erforderlichen Werkzeugen und dem Material und sicher weniger als die Eröffnung eines kleinen Geschäftes. Da, wo das eigene Vermögen nicht ausreicht, wird zweifelsohne ihnen willig Unterstützung durch Darlehen zu einem niedrigen Zinsfuß oder gar zinsfrei zu Theil werden. Man sollte jungen, strebsamen Männern frühzeitig die Aussicht auf solche Aushilfe aus Casseu oder von Privaten eröffnen, um sie anzuspornen, ihre Jugendzeit gut zu benützen und nicht auf Abwege zu gerathen. Wir zweifeln nicht, daß in derselben Weise, wie Handwerkervereine den Handwerkern aufznhelfen suchen, es auch mit den Gärtnern und Ackerbauern der Fall sein wird. Das Geld, das nach einiger Zeit zurückgezahlt werden wird, ohne den Anfänger zu drücken, wird zu keinem wohlthätigeren Zweck angelegt werden können. Wenn die Nothwendigkeit für solche Unterstützungen sich erst herausgestellt hat, werden bei dem wohlbekannten Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen sich auch derartige Unterstützungsclassen bilden, wie bereits das Curatorium der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem den Anfang mit einem zwar nur kleinen Fond von einigen hundert Mark gemacht hat. Neben der Versorgung, die jüdischen Jünglingen so bereitet wird, hat die Ergreifung dieser Beruisarten auch noch einenidealen Zweck. Jeder jüdische Arbeiter, der im Schweiße seines Angesichts sich sein Brot verdient, ist ein wirksamer Protest gegen antisemitische falsche Anschuldigungen, als viele lange Reden, und die Erziehungsanstalt in Ahlem wird sich mit der Zeit, wenn sie mit göttlicher Hilfe die materielle Unterstützung findet, als ein Bahnbrecher erweisen. Ihre Aufgabe erblickt sie zwar zunächst in Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Ackerbauern für Deutschland und Oesterreich, aber sie weist auch Ausländer nicht zurück, die hier nur ihre Lehrzeit verbringen und dann in ihre Heimat zurückkehren. Kein Vorurtheilsfreier wird daraus den Borwurf internationaler Bestrebungen erheben können; wie Deutsche, Franzosen, Engländer, Russen und andere Nationen die Lage ihrer in fremden Ländern wohnenden Glaubensgenossen zu bessern suchen, so streben wir danach die materiellen und culturellen Zustände unserer Glaubensbrüder zu heben. Noch Vieles ist in dieser Beziehung zu thun und wir hoffen, daß mit der Zeit diese Erziehungsanstalt init zu den wirksamsten Schöpfungen gezählt werden wird. Correspondenzen. Wien. (D e l e g i r t e n - V e r s a m m l u n g der israelitischen Großgemeinden der Monarchie.) Ueber Einladung des Wiener israelitischen Eultusvorstandes fand am 7. und 8. April 1897 im Sitzungs-Saale der israelitischen Eultusgemeinde unter dem Vorsitz des Präsidenten kaiserlichen Rathes Heinrich K l i n g e r eine vertrauliche Berathung von Delegirten der israelitischen Großgemeinde Oesterreichs statt. Außer den Vertretern und Vorstehern der Wiener israelitischen Eultusgemeinde haben an diesen Berathungen nachstehende Herren theilgenommen : Brünn: Heinrich Subak, Vorstand der Eultusgemeinde Brünn, Dr. Joachim Oppenheim, Secretär der Eultusgemeinde Brünn; Ezernowitz: David Tittinger, Reichsraths-Abgeordneter, Vicepräsident der Czernowitzer Handels- und Gewerbekammer und Vorsteher der Eultusgemeinde Ezernowitz; Dr. Benno Straucher, Reichsraths-Abgeordneter und Vorsteher der Eultusgemeinde in Ezernowitz. Graz: Bernhard Biller, Vicepräsident der israelitischen Eultusgemeinde, David Stern, Vorsteher der israelitischen Eultusgemeinde, Ludwig Koppmann. Hohenems: Lucian Brunner, Gemeinderath der Stadt Wien. Krakau: Dr. Leon Horowitz, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Krakau; Hirsch Landau, Vicepräsident der israelitischen

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