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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-09 · 15 (9.4.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Air. 15 Seite 309 Dr. Vloör's Vochrnschrift meine Brüder, verzeihet mir und habet Mitleid mit einem Unglücklichen! Ich bin unbestraft für alles Uebel, das ich euch und allen Israeliten zugefügt, so steiniget wenigstens meinen Sarg, ehe ihr mich in's Grab senkt, es sei einigermaßen, als wenn es an mir beim Leben vollzogen worden wäre!" Man versprach es ihm und der Sterbende verschied vergnügt, ein Lächeln auf den Lippen. Nach feinem Tode that man ihm, was man versprochen hatte, aber kaum hatte man einige Steine auf ihn geworfen, als mehrere Polizeidiener heraneilten und die ganze Brüderschaft verhafteten. Der Elende hatte vor seinem Tode der Polizei angezeigt, daß die Juden, uni sich au ihm zu rächen, mit dem abscheulichen Vorhaben umgingen, seine Leiche zu mißhandeln. Nur gegen eine schwere Geldstrafe erhielten sie die Freiheit." Daher war das Sprichwort „Kräusche eine Mesira nach dem Tode" lange Zeit im Munde aller jüdischen Rheinländer. Von solch erbärmlichen Creaturen stammen gar viele, wie es in neuester Zeit oft nachgewiesen wurde, der modernen Antisemitenhäuptlinge ab. D. Fr. Mittermayer — marsch! Bergan» — marsch! Vor uns liegen zwei neue Musikstücke, echte Produkte wienerischer Frohlaune: ein Mittermayer-Marsch und ein Vergani-Marsch. Die beiden illustren Mitglieder des österreichischen Abgeordnetenhauses, wegen deren wir von ganz Europa beneidet werden, und die nächstens in Kastan's Panoptikum, in Wachs bossirt, zur Aufstellung gelangen sollen, haben also durch ihre ruhmreichen Thaten zwei Tonkünstler zum Schaffen begeistert, und wenn's den Wienern gerade angenehm ist, so können sie von jetzt ab, unter den Klängen des Mittermayer-Marsches und des Vergani- Marsches zum Schutze bedrohter Brieftaschen und Gemeindegelder ausrücken. Wir rathen aber den Wienern ganz entschieden ab. sich irgendwo denk Spielen der neuesten Wiener Märsche zu widersetzen: denn das wäre E r p r e s s u n g an den Musikanten und dein Capellmeister. und Herr V e r g a n i ist, wie er in feinem Blatte tagtäglich kund und zu wissen gibt, fest entschlossen, gegen Jedermann, namentlich aber gegen die Socialdemokraten, den Staatsanwalt anzurufen. Notabene, nicht den Staatsanwalt Dr. Aigner in St. Pölten, mit dem Herr V e r g a n i selbst einmal, als ihm die bösen Motten Gemeindegelder auffraßen, traurige Erfahrungen gemacht hat, sondern einen anderen Staatsanwalt wird Herr Vergani anrufen und wird nicht eher ruhen und wird es bei seinem Intimus Dr. Lueger durchsetzen, daß in Wien an allen öffentlichen Orten, wo musicirt wird, Tafeln angebracht werden mit der Aufschrift: „Die Pt. Gäste werden ersucht, vor dem Spielen des V e r g a n i - M a r s ch e s ihr Geld n a ch z u z ä h l e n. ObligationenundsonstigeWerthpapieredürfen nur an der Leine geführt werden, da der Wirth für den Fall eines Verlustes k e i n e H a f t u n g übernimmt." Nicht gelebt und doch gestorben! Vaticanische Blätter berichten jetzt Plötzlich, Miß Diana Vaughan sei plötzlich einem — Herzleiden erlegen. Sie soll sich ungemein darüber gekränkt haben, daß sie wegen ihrer Enthüllungen über die Freimaurer so vielen Verfolgungen ausgesetzt war... Mit dieser „Todesnachricht" wird eine sehr unwürdige Posse officiell beendet. Unter dem Namen „Miß Diana V a u g h a n" hat bekanntlich der Pariser Antisreimaurer Leo T a x i l eine ganze Reihe der widersinnigsten Angriffe gegen die Freimaurer erhoben. Es kam so weit, daß insbesondere von hochclericaler deutscher Seite mit aller Entschiedenheit gegen diese sogenannten „Enthüllungen" Stellung genommen wurde. Das unangenehme Aufsehen, welches diese handgreifliche Speculation auf Dummheit und Aberglauben selbst in den Freimaurern besonders feindlichen kirchlichen Kreisen hervorrief, hatte die Einsetzung einer Commission in Rom zur Folge, welche die Angelegenheit prüfen sollte. Leo Taxil und seine Hintermänner behaupteten fortwährend, daß Miß V a u g h a n eine wirklich existireüde Person sei, verweigerten jedoch mit auffallender Beharrlichkeit jede Auskunft darüber, wer diese Person sei und wo sie lebe. Die Commission resignirte sich schließlich damit, die Sache — unentschieden zu lassen, und jetzt soll „Miß V a u g h a n" in aller Stille ganz aus der Welt geschafft werden, was natürlich am probatesten dadurch geschieht, daß man das unbequeme Frauenzimmer in den Zeitungen, dem einzigen Ort außer der unter ihrem Namen erschienenen Broschüre, wo sie gelebt hat, nun auch sterben läßt. Die Sache wäre sehr komisch, wenn sie nicht einen so trüben Hintergrund hätte. Wie sie das gemacht hat, zu sterben, wenn sie gar nicht da war, ist ihre und Sache der römischen Zeitungen, die sogar wissen wollen, daß sie plötzlich einem Herzleid erlegen sei, weil sie sich ungemein gekränkt habe, daß sie in Folge ihrer antifreimaurerischen Jndiscretionen so schweren Verfolgungen ansgesetzt war. Die Herren Graf Karl C h o r i n s k y, Graf Nikolaus _ Moriz Eszterhazv, Dr. Victor F u ch s, Dr. Simon H a g e n a n e r, Alexander Freiherr v. H e l f e r t, Emerich Graf H u n y a d y, Karl Koller, Dr. Josef P v r z e r, Friedrich Gras S ch ö n b o r n, Johann Erbprinz von und zu Schwärzender g, Ernst Graf Sylva-Tarouc a, Koloman Gras S z e ch e n y, Wilhelm Graf W o l k e n st e i n und Ferdinand Graf Z i ch y, die in der vergangenen Woche im kleinen Musikvereinssaal über die Freimaurer für zwei Gulden per Zuhörer bei verschlossenen Thüren geconventikelt haben, mögen sie betrauern. Sie mögen auch, wenn es ihnen Spaß macht, glauben, daß Miß Diana B a n g h a n der Teufel Bitru geholt hat. Die sociale Weisheit des Alten Testaments betitelt sich ein Aufsatz in der „Allgem. couservativen Monatsschrift für das christliche Deutschland" von Pastor Albrecht R o m a n n. Er schließt mit den Worten : „Industrie und Kunstgewerde stand höher als der Handel. Bezalel und Ahaliab, die Baumeister der Siistshülte, galten als vom Geiste Gottes besonders erfüllt. Doch auch diese Tätigkeiten bilden nicht die eigentliche Grundlage des Staates. Die blieb der Ackerbau. Nicht die Geld-, sondern die Feldwirthschaft war das Fundament, aus dem das Gebäude ruhte. So sehen wir, die ganze Tendenz der mosaischen Gesetzgebung gebt nicht auf ungemessene Vermehrung, sondern auf Erhaltung und Befestigung des Besitzes, suchte dem fieberhaften Erwerbssinn die Thüren zuzuschließen, begünstigte ein stilles, befriedigtes, gesicherts und mäßiges Leben, suchte dem Versinken der Masse in Noth zu steuern. Die vielgepriesenen Gesetzgebungen eines Lykurg und Solon halten, was Weisheit noch was wahre Humanität betrifft, einen Vergleich mit der mosaischen Gesetzgebung auch nur von ferne aus. Auch heutzutage können Politiker nichts Besseres thun, als bei diesem Meisterwerke in die Schule zu gehen." Inden als Bodenbearbeiter. Es ist die Frage der Berufserziehung niemals so schwierig zu lösen gewesen, wie heutzutage; die Zeit fordert gebieterisch das Verlassen der alten Bahnen und dieser Forderung folgend, wenden sich jüdische Jünglinge mehr als früher von dem Handel und den ihm ähnlichen Berufsarten ab. Es müssen demnach neue Wege ausgesucht werden, auf denen es ihnen ermöglicht wird, als fromme Juden zu leben und sich in ehrlicher Arbeit ihr Brot zu verdienen. Daß hiebei auch die Gärtnerei und der 'Ackerbau in's Auge gefaßt wurde, ist selbstverständlich, nachdem schon seit Jahrzehnten von vielen Seiten der Wunsch laut wurde, daß jüdische Jünglinge sich auch diesen Erwerbszweigen zuwenden möchten. Die Ausführung war nur schwierig, wenn nicht unmöglich, denn wo sollten sie als Lehrlinge mit dem Zugeständniß der Beobachtting aller religiösen Vorschriften untergebracht werden? Die Schwierigkeit ist jetzt beseitigt, indem die Gelegenheit, sich zu tüchttgen Ackerbauern und Gärtnern auszubilden, in der Erziehungsanstalt zu Ahlem geboten wird. Sie ist aus der richtigen Erkenntniß der Zeit und ihrer Anforderungen hervorgegangen und findet mit ihren Bestrebungen bei allen um die Zukunft unserer Jugend sorgenden Männern volles Lob und unbedingte Zustimmung. Jeder wählt für seine Söhne nun selbstverständlich einen solchen Beruf, der ihm die Aussicht eröffnet, sich dereinst selbst zu erhalten und mit nicht allzugroßen Schwierigketten sich auch selbstständig zu machen. Gärtnerei und Ackerbau find für uns heute neue Berufsarten, und wenn von vielen Seiten Anftagen an die Anstalt gestellt wurden, ob die Ergreifung dieser Berussarten auch eine gewiffe Gewähr für die Zukunft bietet, so ist das leicht erklärlich und es ist eine Pflicht, dieselben nach bester Gewähr zu beantworten und die einschlägigen Verhältnisse klar zu legen. Die erste Frage, welche Anforderungen an Jünglinge gestellt werden, die diesen Berus ergreifen wollen, ist dahin zu beantworten, daß selbstverständlich Lust und Liebe zur Arbeit vorhanden sein muß und mit ihnen eine gesunde Körperconstitution, um bei andauerder Arbeit nicht zu ermüden und zu erschlaffen.

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