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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-09 · 15 (9.4.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
15 (9.4.1897)
Date
1897-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 Vr. Vloch's Wochenschrift. Zeit, in der die Klabrias-Partie in Wien epidemisch auftrat und rs zum bon ton gehörte, nach großen Soupers die Klabrias-Partie von den Origiualdarstellern im eigenen Hause aufführen zu lassen? Es ist dieselbe Couleur in Grün. Die feinen Damen konnten nicht recht die Klabrias-Partie an Ort und Stelle aussuchen, ebensowenig wie die Abgeordneten anständiger Parteien in antisemitische Wählerversammlungen nicht gehen können. Da hören sie sich denn die Klabrias- Partie des Dr. Lueger, des alten Meidinger, im eigenen Haus am Franzensring an. Der Werth dieser Aneedoten, die Bedeutung, welche der . lebhaften Heiterkeit" zukommt, die nach den Parlamentsberichten so oft den Lueger'schen Reden gezollt wird, hat die Rothschild-Anecdote wieder einmal deutlich bewiesen. Während die gewöhnliche Annahme dahin geht, sie beziehe sich auf einen Pariser oder Frankfurter Rothschild, theilt ein Leser eines liberalen Blattes mit: „Sie — die Anecdote nämlich — ist älter als dreißig, ja sogar als vierzig Jahre — hat auch gar nichts mit einer wirklichen Rothsaiild zu 1hun, sondern ist eine der unzählig erfundenen Anecdoien dieses Genres. Sie stand meines Wissens zuerst im „Dorsbarbier" von Ferdinand Stolle, einem Witzblatte, das in den Fünfziger-Jahren nebst der „Gartenlaube" bei Keil in Leipzig erschien und auch in Oesterreich beliebt und weitverbreitet war. Die Illustrationen dazu lieserte der bekannte Carricaturenzeichner Reinhardt, von dem das bekannte Bild „Der Löwe ist los!" herrührte. Vor dem Ausbruche des Krimkrieges, also im Frühjahr 1853, als eine allgemeine Kriegsfurcht und Panik auch iu Deutschland herrschten, brachte der „Dorfbarbier" eine Zeichnung von Reinhardt. Ein alter Banquier sitzt auf feiner Geldcasse und neben ihm eine alte Frau mit einer Hakennase re. im Lehnstuhl. Sie sagt: „Ferchten Sie sich nix, wenn mein Amschel kein Geld hergibt, gibt's auch keinen Krieg." So etwa lautete der Text. Mir sind Bild und Anecdote noch lebhaft in der Erinnerung. Das sind die historischen Quellen der Citate des Redners — eine Anecdote vom alten Amschel Rothschild in einem Witzblatte." So geht es mit manchen Anschuldigungen, die gegen die Juden im Allgemeinen, gegen die Rothschilds im Besonderen erhoben werden. Was man dagegen von den antisemitischen Abgeordneten erzählt, ist meistens mehr als eine Anecdote, dafür gehört es auch gewöhnlich nicht in den „Meidinger". sondern in den Pitaval. Bürgermeister Br. Lueger. Zum fünften Male ist Dr. Karl Lueger zum Bürgermeister von Wien ernannt worden, und — wie die Sachen, oder vielmehr Graf B a d e n i steht — zum ersten Male dürfte er auch als solcher die Bestätigung finden. S t r o b a ch geht und Dr. Lueger wird dessen würdiger Nachfolger werden. Ja wohl, der würdige Nachfolger S t r o b a ch's! Wir glauben eine Pflicht der Gerechtigkeit zu erfüllen, wenn lvir in diesen Tagen, wo der arnre S t r o b a ch auf Kosten L u e g e r's so viel Hohn und Spott zu erdulden hatte, eine Lanze für ihn einlegen und in allem Ernste erklären: Lueger ist nur der würdige Nachfolger eines Strobach! Was solleil die Verdrehungen und Entstellungen? Worin unterscheidet sich denn Lueger von Strobach? Ist er edler, humaner, gerechter, objectiver, vornehmer, vorurtheilsloser als Jener? Steht Lueger auf einer höheren Stufe der politischen Moral als Strobach? Ist Lueger ein ethischerer Charakter als Strobach? Ist Lueger weniger Antisemit als Strobach? Keine Spur! Was L u e g e r von Strobach unterscheidet ist Talent, und Sachkenntniß. Er ist ein geschäftskundigerer, aber kein besserer Mann, er ist intelligenter als S tr o <b a ch, aber nicht um ein Haar achtenswerther als er. Er verdient genau jenes Maß von Ehrfurcht, welches er seinerzeit für Strobach reclamirte. Das ist die einfache Wahrheit, und wer anders spricht, täuscht sich oder will Andere täuschen. Dr. Lueger wird von uns nicht mehr geschätzt als Strobach, es gibt aber Leute, die ihn unendlich geringer schätzten, als seinen unmittelbaren Vorgänger im Amte. Zu diesen Leuten gehörte vor Allen Se. Excellenz der Gras Badeni. Gras B a d e n i hat mit der ihm eigenen Aufrichtigkeit und Offenherzigkeit seiner Geringschätzung L u e g e r's unverhohlen Ausdruck verliehen. Er hat in öffentlicher Parlamentssitzung erklärt: Seile 303 „Ich t a h h bi e Wahl 2) o c t o v L « e g e r's nicht 3 « r kaiserlichen B e st ä t i § n n g vorschl ag e n, weil d i e e r f o r o e r l i ch e B ü r g s ch a f l i ii r e i u e st reng objectioe, sachliche, von jeder agitatorischen Tendenz freie, allen Claisen der Bevölkerung gegenüber gleichmäßige, den Anforderungen der Autorität volle Rechnung tragende Führung der Verwaltung nicht außer Zweifel st e h t." Den Dr. Lueger hielt also Badeni nicht würdig, zur kaiserlichen Bestätigung Voranschlägen. Wohl aber den Herren Strobach. Den hielt er also jedenfalls für den besseren Mann, für den würdigeren, für den objectiveren, für den Sachlicheren — mit einem Worte, er hielt ihn für die Persönlichkeit, die eher den Bürgermeisterstuhl auszusüllen geeignet sei als L u e g e r. Wer nicht so vermessen ist, zwischen den Worten und Thaten eines österreichischen Ministerpräsidenten Widersprüche eonstruiren zu wollen, wird also zngeben, daß Gras Badeni zu jenen Männern zählt, - die nicht Herrn Strobach höher schützten als Herrn Lueger. Das scheint sich nunmehr wieder geändert zu haben. Da Gras Badeni mit Sympathie dem Schauspiele assistirte, wie Strobach mit einem artigen Fußtritte von Lueger weiter befördert lvurde, um dessen Platz einznnehmen, darf man an der Sinnesänderung Sr. Exzellenz wohl nicht zweifeln. Graf Badeni hält jetzt den L n e g e r für den Würdigeren, sonst möchte er ihn doch nicht an S t r v b a ch ' s Stelle als Bürgermeister wisien. Das ist doch klar und einleuchtend? Kein Zweifel, Dr. Lueger muß ein völlig anderer geworden sein, denn von dem österreichischen Ministerpräsidenten wird dies wohl Niemand zu behaupten wagen. Und deshalb haben wir nur ein geringschätziges Lächeln für die kindlich Naiven, die erstaunt ausrnsen: Hat sich in der Person, im Charakter oder in der Haltung des Dr. Lueger eine Veränderung ergeben? Ist er „objeetiv" geworden? Ist er sachlich geworden? Bietet er Gewähr für eine gleichmäßige Führung der Verwaltung? In seiner ganzen Haltung vor, während und nach der Wahlbewegung, im Landtage, iin Gemeinderathe und außerhalb desselben kann man auch mit einem Seelenmikroskvp keine solche Veränderung an Doctor Lueger wahrnehmen, daß man glauben könnte, der Lueger von heute sei ein Anderer, als der vom vorigen Jahre. O, diese Naiven! Weil sie nicht sehen, glauben sie, die Regierung hätte keinen Scharfblick. Weil ihnen die Empfindung für das Verborgene fehlt, meinen sie, die zur Führung prädestinirten Staatsmänner befänden sich in derselben Lage. Wir, gottlob, sind nicht so naiv, wir wissen, woran wir sind. Wenn Graf Badeni heute durch die That bekundet, daß er seine einstige geringschätzige Meinung über Lueger corrigiren müsse — dann verstehen wir Alles. Das können wir ruhig, offen und entschieden versichern. Wir sind deshalb auch nicht so kindisch, darauf hinznweisen, daß Lneger's Angriffe aus Badeni in letzter Zeit alle Schärfe verloren haben, und daß er gegen Ungarn mäuschenstill geworden sei. Ta wir von Badeni doch ganz andere Gründe für L u e g e r's Unwürdigkeit vernommen, müssen inzwischen wohl diese behoben worden und gerade solche Vorzüge bei Lueger eruirt worden sein, die ihm früher — leider — mangelten. Man wird ja nicht Bürgermeister von Wien, weil man Badeni schont und Ungarn nicht reizt! , Man wirk» Bürgermeister von Wien, weil man die hiezu nöthigen Charaktereigenschaften, Tugenden und Vorzüge vereint. Früher fand sie Gras Badeni bei S t r o b a ch, jetzt stndet er sie bei L u e g e r. Das ist Alles. l_rt_ Nahida fintfj Lazarus. (Rc.hida Remy.) Es war einmal eine edle Frau, der hatte der Herr von Seinem göttlichen Odem mehr eingehancht, als was Seine Weisheit für das gemeine Turchschnittsmaß der Sterblichen und für die alltäglichen Nichtigkeiten des Daseins bestimmt hat. Und aus ihr dichtete und in ihr träumte eine Künstlerseele, in hohen Gedanken nachschaffend. was immer Gott geschaffen hatte.

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