Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-02 · 14 (2.4.1897) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021183--06618-3030907
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 14 Seite ss- Vr. Kloch's WochruMrtzft Neuhaus (Böhmen), 26. März. Anläßlich des 25jährigen Bestandes unserer „Chewra" veranstaltete der hiesige Cantor Herr F ü r e n b e r g im Vereine mit Herrn Siegfried Adler am Purimabende ein Jubiläumsfest, welches sich eines überraschend großartigen Zuspruches und Verlaufes erfreute. Das vortrefflich zusammengestellte Programm trug beiden Nationalitäten Rechnung und enthielt Gesangs- und Musikvorträge, welche von unseren tüchtigen Dilettanten vorzüglich zur Geltung gebracht wurden. Die Leistungen der Herren Stampf, Cantor F ü r e n b e r g, Siegfried Adler, Bäck und der Damen Frl. Anna Fantl, Frau Anna Fantl, Frl. Ernestine Adler, Frau Cantor F ü r e n b e r g, Frl. O r n st e i n reichten weit über das Maß des gewöhnlich Gebotenen und fanden großartige Aufnahme. Ein animirtes Tanzkränzchen beschloß das gelungene Fest, uni dessen Zustandekommen sich Herr Cantor F ü r e n b e r g und Herr Siegfried Adler verdient gemacht haben. Selbstredend floß auch der Casse der „Chewra" ein entsprechender Unterstützungsbeitrag aus der Feier zu. Rokytzan (Böhmen), 30. März. Bei der gestern stattgehabten Neuwahl des Cultusvorstandes wurden gewählt in den engeren Vorstand die Herren JUDr. Rudolf K a tz, Gustav Straß, Moritz Lederer, Josef Stadler, Jacob Mandl; in den verstärkten Vorstand die Herren: Steiner Ignaz, Stein Eduard, Ehrlich Ignaz, G o t t l i e b Karl und Freund Adolf. Unser Rabbiner Herr M. Fischer wurde vom k. k. Bezirksschulrathe in Rokytzan zum Beirathe auf die Dauer von sechs Jahren gewählt und in dieser Eigenschaft vom hohen Landesschulrathe bestätigt. Rumbnrg, 29. März. Die Vorstandsmitglieder der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wählten in der letzten Sitzung die Herren Emanuel 'Kraus zum Cultusvorsteher, Albert Deutsch zum Cultusvorstand-Stellvertreter, Theodor Fuchs zum Tempelvorsteher und Rechnungssührer, Eduard B a n d l e r zum Cassier. Dem Vorstande gehören ferner an die Herren Julius O e st e r r e i ch e r in Rumburg, Jur. Dr. Alois Bäudler und Leopold G u t t m a n n. Beide in Warnsdorf. Nagy-Kanizsa, 28.März. HerrArnold Kärts chmäro ff, diplomirter Apotheker und Droguist in Budapest, Sohn des Herrn Obercantor in Gr.-Kanizsa. hat sich mit Fräulein Flora B ä n y ä s z, Tochter des Szatmärer Großgrundbesitzers Herrn Albert Bänyusz, am 21. d. M., verlobt. Prag. Dem ordentlichen Professor für interne Medicin, Herrn Dr. Alfred P r z i b r a m, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser der Hofrathstitel verliehen. Safsin. Der Frauenwohlthätigkeits-Verein in Sassin (Ungarn) veranstaltete am 18. v. M. in den reichdecorirten Lokalitäten „zu den 3 Hasen" ein Wohlthätigkeits-Tanzkränzchen, welches einen überaus animirten Verlauf nahm. Um das Zustandekommen dieses schönen Festes zu Gunsten der Ortsarmen machten sich die durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannte und geschätzte Vereinspräsidentin Frau Johanna Ehrenreich und die nicht minder rührige Cassierin Frau Betti Schlesinger verdient. — Das aus den Herren Sam. B i ch l e r, Max Schick, Sigm. Schild und Adolf Schlesinger bestehende Comite sorgte für ein gelungenes Arrangement. Capellmeister S ch e b e st a für gediegene Tanzmusik. Durch vereinte Kräfte wurde für die Armen ein schönes Reinerträgniß geschaffen und die Casse für einige Zeit gestärkt. Eibenschitz, 26. März. Am 17. März l. I. veranstaltete hier ein Comitä, bestehend aus den Herren Alexander Stern, Alois,Granitz er, Eduard Wiltschek, Gustav Samek und Moriz Goldmann einen Purimball, der von vielen Teilnehmern aus Nah und Fern besucht war und den glänzendsten Verlauf nahm. Das Ballcomite nahm sich die größte Mühe, um den Besuchern dieses Balles einen animirten Abend zu bereiten. Unter den Klängen der Bergcapelle wurde flott getanzt und es tagte bereits, als die letzten Besucher, beftiedigt von dem schönen Feste, die Räume verließen. Das Reinerträgniß im Betrage von fl. 61.40 wurde dem hierortigen israelitischen Frauenverein gewidmet. Feuilleton. David Vlum. (Nach gleichzeitigen Berichten des „Pester Lloyd".) Wer ist David Blum? Die Antwort auf diese wohl von aller Welt gestellte Frage läßt sich in wenige Worte fassen: Der Typus seines Stammes. Allein nur dann, wenn man die Tragödie dieses Helden kennt, wird man diese Antwort verstehen. In einem kleinen Städtchen des Elsaß lebte im Jahre 1807 Mordechai Blum mit seiner Frau Rebekka und seinem Sohne David. Wie es um jene Zeit in allen jüdischen Familien üblich war, ernährte auch Mordechai Blum sein Haus durch redlichen Handel, feine Frau führte die anspruchslose Hauswirthschaft, der Sohn lag dem Talmudstudium ob. Durch seine Rechtschaffenheit und Biederkeit erwarb sich Mordechai Blum die allgemeine Achtung und Werthschätzung. David war ein schöner junger Mann von tadelloser Lebensführung, reifem Verstände und edler Denkungsweife. Er ließ es sich nicht an seinen talmudischen Kenntnissen genügen, er las vielmehr emsig auch deutsche und ftanzösische Bücher und sah sich auch in der Weltgeschichte um. So galt er dann in der ganzen Gegend für einen Gelehrten von nicht gewöhnlicher Vielseitigkeit. Was Wunder, daß er ein sehr begehrter Mann war? Alle heiratsfähigen Mädchen des Ortes und der Umgebung beneideten darum seine Braut, mit der er sich, zwanzig Jahre alt, verlobt hatte. Der Tag der Hochzeit war schon bestimmt, als mit einem Male der idyllische Friede und das ungetrübte Glück des trauten Fanlilienkreises durch ein Decret Napoleons I. zerstört wurde. Am 17. März 1808 wurde das kaiserliche Decret veröffentlicht, wonach jeder Jude, ohne Ausnahme, seiner Militärpflicht nachzukommen habe und nicht mehr, wie es bis dahin üblich war, eineil Remplaoanten stellen dürfe. Bon dieser Maßregel wurde David Blum hart getroffen. Er wurde für tauglich befunden und mußte ungesäumt zu seinem Regimente einrücken. In der Scheidestuude kani der Vater seiner Braut, um die Mittheilung zu machen, daß seine Tochter nicht bis zur Befteiung David's vom Militärdienste warten könne, daß er darum das Ehegelöbniß lösen müsse. Gebrochenen Herzens verließ der Unglückliche den väterlichen Herd. Nach wenigen Wochen schon traf ihn ein neuer Schlag: die Schuldner seines Vaters verweigerten die Bezahlung ihrer Darlehen, mit Beruftmg auf das Decret Napoleons, wonach jede Schuld für nichtig erklärt wurde, so der jüdische Gläubiger es nicht nachzuweisen vermochte, daß er dem Schuldner den vollen, in der Schuldurkunde namhaft gemachten Werth, ohne jedweden Abzug übergeben hatte. Mordechai Blum war ein ruinirter Mann; da er in Folge deffen seine christlichen Gläubiger nicht befriedigen konnte, wurde der Concurs über ihn verhängt, und weil er keine Handelsbücher geführt hatte, wurde er zu zweijähriger Kerkerftrafe verurtheilt. Was dieser Mann gelitten hatte. Niemand hat es je erfahren, denn über Mordechai's Lippen kam keine Klage. Seine Melancholie, sein mattes Auge, sein früh ergrautes Haupt waren jedoch deutliche Zeichen seiner Verzweiflung, bis man ihn eines Morgens entseelt auf dem dumpfen Stroh seiner Zelle fand. Sein Weib hatte all' die Schicksalsschläge mit ftommer Ergebung getragen, sie suchte ihren geliebten Mann zu trösten, so lange sie mit ihm alltäglich durch die Gitterthür des Kerkers sprechen konnte; als sie jedoch ihren treuen Lebensgefährten verloren hatte, da umfing die Nacht des Wahnsinns ihren Geist; im Jrrenhause ward sie nach kurzer Zeit durch den Tod von ihren Leiden erlöst. Wer könnte den Schmerz David Blum's schildern, der ihn ergriff, als er, fern von der Heimat, in Spanien, die einander folgenden Hiobsnachrichten empfing? Er hätte sein Leben freudig geopfert, wenn er dem Vater beistehen, die Mutter trösten hätte können, allein der Kriegsdienst kannte kein Mitleid, und so konnte David nicht einmal die heiligen Gräber seiner tiefbeklagten Eltern mit seinen Thränen netzen. Es schien, als ob die Außenwelt für ihn abgestorben wäre. Wohl erfüllte er seine Soldatenpflichten auf's Genaueste, allein er that es gewohnheitsmäßig, ohne Lust, ohne Liebe. Mit der gleichen Empfindung ging er ins Schlachtenfener und zur militärischen Schaustellung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.