Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 14 (2.4.1897)
- Date
- 1897-04-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 296 Dr. Blo'chs Wochrnsttzrtst. Nr. 14 Trauung von Frl. Laura Götzl, Tochter des Herrn Julius Götzl, mit Herrn Adolf Frankl statt. Wien. (V e r l o b u n g.) Am 21. März hat sich Frl. Friederike Fett, Tochter des Herrn Samuel Fett, mit Herrn Alois Kronfeld, Handelsangestellten der Firma Adolf Knina Wien, Sohn des Herrn Markus Kronfeld aus Rzeszow, verlobt. Wien. (Vierzigjähriges Jubiläum der „Gerichtshall e".) Das Präsidium des Oesterreichischen Fachschriststeller - Verbandes hat aus Anlaß des vierzigjährigen Bestandes des angesehenen juristischen Fachblattes „Gerichtshalle" Montag den 29. v. M., 8 Uhr Abends, im Terrassensaale des Etablisiements Ronacher ein Festbankett veranstaltet. An diesem Tage waren es 40 Jahre, daß die „Gerichtshalle" von ihren gegenwärtigen Herausgebern und Redacteuren, den Herren Adolf K u l k a und dem Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Ignaz Pisko, gegründet wurde. (Seit Beginn dieses Jahres ist diese Zeitschrift in das Eigenthum des Herrn Dr. Mat. Br eiten st ein übergegangen, welcher nunmehr ebenfalls an der Redaction theilnimmt.) Herr Dr. Pis ko hat sich bekanntlich als Fachschriftsteller die größte Hochschätzung erworben. E. B. Wie«. Bei dem Baue des Waarenhauses der bekannten Confectionssirma Ludwig Zwieback & Bruder haben nachstehende jüdische Harrdwerker Beschäftigung gesunden, respective Arbeiten geliefert: Brüder Engel, Portale; F. Oster. Schriftmalerei, Gravuren und Glasätzungen; Adolf Falken st ein, decorative Arbeiten der Maler und Vergolder; Wulkan L Neubrunn, die ganz aus Stein und Granit ausgeführten Faaaden; S. B r o d L C o m p., Gas- und Wafferinstallirung; Max Makler, Anstreicherarbeiten. Sämmtliche Arbeiten der genannten Professio nisten zeichnen sich durch Gediegenheit, Geschniack und künstlerische Ausführung aus und tragen das Ihrige dazu bei, den Prachtbau zu verschönern. Wie», 31. März 1897. In den jüngsten Tagen hat ganz Wien mit größtem Interesse und mit wachsender Spannung einen Strafproceß verfolgt, der sich vor den Schranken des Wiener Schwurgerichtes abspielte. In der That, Alles an dem sensationellen Gerichtsfalle war seltsam, war noch nicht dagewesen. Der des Meineids beschuldigte Angeklagte war Hoftath Dr. Carl Zeller, ein Mann in hoher Beamtenstellung, er ist ein genialer Künstler. Durch den Liebreiz der von ihm geschaffenen Melodien hat er Hunderttausende entzückt. Dein hochbegabten und kunstverständigen Mann war das amtliche Ressort der staatlichen Kunstpflege anvertraut. Ehren und auch materieller Lohn in reichlichem Maße waren ihm nicht ausgeblieben. Und doch war es der unselige Mammon, der dem heuttgen Urtheilsspruche der Geschwornen zufolge die Seele des hohen Beamten und beliebten Künstlers gefangen nahm und zu Handlungen verleitete, die der gerichtlichen Sühne nicht entrathen durften. In dem Erbschaftsstreite mit der Witwe seines Wohlthäters hat er einen Eid geschworen, dessen Ablegung chm zwar die Erlangung einer strittigen Geldsumme verschaffte, der aber nach der Ueberzeugvng des Staatsanwaltes und der Geschwornen ein falscher Eid gewesen ist. Aber dieser als falsch erkannte Schwur hat dem Manne keinen Segen gebracht. Der geschädigten Witwe hat er das durch die Eidesablegung errungene Gut wieder zurückgestellt und schweres Siechthum hat den einst so fröhlichen Tondichter des „Vogelhändler" und des „Obersteiger" ergriffen. Der Angeklagte war nicht körperlich anwesend, seine schwere Erkrankung hatte chn am Erscheinen verhindert. Wer er wurde von Niemandem vermißt. Man sah ihn doch, obwohl er nicht anwesend war. An seinem Charatterbilde blieb nichts dunkel. Wie ein historischer Schauspielabend, so baute der Proceß sich aus. Den Anfang machte ein Idyll, ein anmuthiges Stück Altwiener Lebens: Wie ein Waisenknabe einen zweiten Vater und zu seiner leiblichen noch eine zweite Mutter findet. Wie er in zwei nüchternen, stillen Bürgerhäusern zu einem Rechtskundigen und zu einem namhaften Künstler aufwächst. Wie er erst gepflegt, dann bewundert wird, und wie die Alten, . die ihn groß gemacht, im Glanze seines Namens sich sonnen. Aber, der altmodischen Idylle folgte ein modernes Jnttiguenstück. Das Nesthöckchttl würde, als es zu Jahren gekommen war, zum Jntri- 'guanten an denen, die es geatzt hatten. Ihn dürstete nach Geld. Die juristische Hauptfrage des Processes: ob Dr. Zeller ein Meineidiger ist oder nicht — sie blieb lange strittig. Aber sie war wohl entscheidend für den Wsgang des Sttafverfahrens doch keineswegs allein von Wichttgkeit für die Beurtheilung des Mannes,' der mit einem von doppelten Glanze umstrahlten Namen unter der Beschuldigung eines schweren Verbrechens stand. Die Verhandlung war kaum eröffnet worden, da schwebte schon ein Wort auf den Lippen Aller, die ihr beiwohnten, das Wort: „Undankbarkeit". Der Waisenknabe von einst hat seine „zweite Mutter" nach dem Tode ihres Mannes bis zur Grausamkeit verfolgt. Es hatte ihm nämlich nicht genügt, daß der verstorbene Gatte der Frau sein Haus ihm hinterlassen hatte, sondern er hatte auch Sehnsucht nach den zurückgebliebenen Werthpapieren, auf welche die enterbte Witwe einen Anspruch erhob. Aus dem Verlangen nach diesem „lieben Gelde" erwuchsen, wie bekannt, jene zwei Eide, welche Dr. Zeller angesichts der Drohung mit einer Sttafanzeige ablegte, und wegen deren er nun vom Gerichte zur Verantwortung gezogen wurde. Seine leibliche Mutter hatte ihn wegen dieser Undankbarkeit gegenüber einer Frau, die sie selbst „.die zweite Mutter" ihres Sohnes nannte, in schmerzbewegten Worten verdammt. Wer Mutterherzen kennt, der weiß, was das Sttafurtheil einer Frau über ihren Sohn bedeutet. Wo findet ein Mann, der von einem wirklichen, echten Mutterherzen aufgegeben wurde, einen freisprechenden Richter? Aber nicht nur das Wort „Undankbarkeit" lag bald auf Aller Lippen; nicht lange währte es und immer lauter wurde auch der Ruf: „Erbschleicherei". - , Hofrath Dr. Karl Zeller ist ein guter Arie r, em christlicher Germane! Welches Geheul hätten die antisemitischen Pharisäer aller Länder angestimmt, wenn Zeller zufällig eine semitische Blutmischung nachzuweisen gewesen wäre?! Nun aber ist er der Typus echt arischer geldgieriger Erbschleicherei! Wien. Alexander Engel, einer der jüngsten Wiener Schriftsteller, hat dieser Tage im Raimundtheater mit seinem Erstlingswerk, dem Volksstück „Das lieb e G eld" vollen Erfolg erzielt. Dem Autor sind von den meisten größeren Bühnen schon Anttäge behufs des Aufführungsrechtes zugekonnnen. Wien. Der Cello-Virtuose Herr D. Popper feierte, wie aus Stuttgart geschrieben wird, im letzten Abonnementsconcerte der dorttgen Hofcapelle einen großen Triumph. Das Publicum bereitete dem Künstler stürmische Ovationen, und die Krittken der dorttgen Blätter schließen sich dem so schmeichelhaften Urtheile des Publicums vollständig an. Floridsdorf. Der 24. März vereinte eine große Anzahl Gäste, die von Nah und Fern gekommen waren, das vom israelittschen Frauenvereine Floridsdorf im Saale Bartsch veranstaltete diesjährige Kränzchen zu verschönern. Wir sahen Gäste aus Angern, Enzersdorf, Marchegg, Stockerau, Schwechat und viele Andere und bot das rührige Comite, an deren Spitze die Präsidentin Frau Henriette G r ü n w a l d, Alles auf, um den Wünschen der so zahlreich Erschienenen vollauf gerecht zu werden. Eröffnet wurde der Tanz durch Herrn Dr. M. Schlesinger mit Frl. Therese Schnabl, welche auch durch den mit Eifer und Aufopferung besorgten Blumenverkauf sich nicht nur um das Gelingen des Festes ein bedeutendes Verdienst erwarb, sondern auch dem wohlthätigen Zwecke einen namhaften Betrag zuführte. Unter den Klängen der Musik des k. u. k. Infanterie-Regimentes Nr. 64 wurde mit Verve bis zum Hellen Morgen getanzt und wird die den Damen überreichte Spende, ein reizendes Ledertäschchen, das Kränzchen gewiß in angenehmer und dauernder Erinnerung halten. Dem Humanitären Zweck des Vereines wird durch den bedeutenden Ertrag dieses Festes ein namhafter Betrag zugeführt. Budapest. In den zwei großen Concerten, die die weltberühmte Diva Marcella Sembrich im großen Redoutensaale zu Pest veranstaltete, wirtte auch unser Glaubensgenosse, der Wiener Pianist Roderich Baß mit. Seine glänzende Technik, sein feines, durchgeistigtes Spiel, der farbenreiche, plastische Anschlag brachten ihm stürmischen Beifall. Die Serenade, eine allerliebste Composition des Künstlers, bürgt für viele weitere Erfolge. An der Seite der großen Sembrich wußte er auch durch sein Können die Aufmerksamkeit unseres kunstsinnigen Publicums in hohem Grade auf sich zu lenken. Lemberg. (Verlobung.). Fräulein Leonie Caro, Tochter des.Lemberger Rabbiners Dr. I. Caro, hat sich^nnt dem Großindustriellen Herrn Marcell Schreier verlobt. Brünn. Der Statthalter von Mähren hat den k. k. Sanitäts-Assistenten in Nikolsburg Dr. Arnold Winter zum k. k. Sanitäts-Concipisten und den Dr. Moritz Podolier zum Sanitäts-Assistenten bei der mährischen Statthalterei ernannt.