Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 14 (2.4.1897)
- Date
- 1897-04-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 14 Vr. Bloch's Woüxenkchrtfl. Gerte 395 Constantinopel, 18. März.(Vom goldenen Hörn.) Trotz oder vielmehr wegen der schlechten Verhältnisse, die in der Hauptstadt der Türkei in Folge der anhaltenden Krisis in der Orientpolitik herrschen, haben sich die hiesigen Juden wiederholt in ihren Anstrengungen und Bemühungen überboten, um Gutes zu wirken. So gab der Verein Ahabath-Chessed ein Concert, der Verein der israelitischen Damen von Pera eine Matinee dansante, der Talmud-Thora-Verein einen Ball und der Israelitische Turnverein einen Unterhaltungsabend. Alle diese Festlichkeiten folgten einander in den denkbar kürzesten Zwischenräumen, und es wäre in so mißlicher Zeit eigentlich des Angenehmen zuviel, wenn nicht das Nützliche, das hieraus hervorgehen sollte in höchstem Maße erwünscht wäre. Ueberall wurde viel dem Tanze gehuldigt, und man unterhielt sich vorzüglich. Aber nirgends war die Stimmung eine so fröhliche, die Freude eine so lebhafte als auf dem Kränzchen, das vom israelitischen Turnverein veranstaltet wurde. Die gelungenen komischen Vorträge fanden großen Applaus. Auch ein Lustspiel wurde aufgeführt, das sowohl wegen seines Inhaltes als auch wegen der sehr guten Darstellung mit großem Beifall ausgenommen wurde. Herr M. Abramowitz, der durch seine gesunde Komik der Held des Abends wurde, hat sich ein großes Verdienst um das schöne Gelingen des Festes erworben. Ihm secundirte in vorzüglicher Weise Fräulein M. Darr durch ihr gutes Spiel. Hierauf trat der Gesang in seine Rechte, und Fräulein Clara G r ü n b e r g erntete den größten Beifall. Zum Schlüsse zeigte sich eine Gruppe Turner in einigen Kunstübungen, die auch sehr gefielen. Bislang haben sich die Juden des Orients, als sie sich in schwerer Lage befanden, stets sofort an ihre Brüder im Auslande um Unterstützung gewendet, ohne zu versuchen, sich zuerst selbst zu Helsen. Das ist jetzt anders geworden. Es ist eben bereits ein ganz neues Geschlecht herangewachsen, mit mehr Kenntnissen, mit größerer Selbstthätigkeit und auch mit mehr Ehrgefühl. Der Verein Zeror-Hachaim, der in Haskeny der eingeboren jüdischen Bevölkerung große Dienste leistet, hat den meist blutarmen umherziehenden Händlern und Nahrungsmittelverkäufern, die ihr Geriist bald in dieser, bald in jener Straße unter ft'eiem Himnrel aufschlagen, in ihrem ganzen Vermögen höchstens 50 bis 150 Piaster besitzen, eine große Wohlthat erwiesen. Der genannte Verein hat nämlich kürzlich den Entschluß gefaßt, kleine Beträge ohne Zinsen an arme Leute zu verleihen. Auf diese Weise sind durch 5000 Piaster (500 Gulden), die verständnißvoll vertheilt wurden, fünfzig Familienväter in den Stand gesetzt worden, ihren Unterhalt zu verdienen. Die Entleiher sind angehalten, ihre Schuld vermittelst wöchentlicher Rückzahlung von 5 Piaster zu begleichen. Mit demselben Gelde wird anderen Nothleidenden derselbe Dienst erwiesen werden. An dieser Stelle wurde vor kurzer Zeit die Mittheilung gebracht, daß die türkische Regierung die Ansiedlung von Juden in Palästina nicht gestattet, eine Maßnahme, die als Ausfluß der Haltung gegenüber dem sich mehr und mehr ausbreitenden Zionismus betrachtet wurde. Jene Nachricht war leider vollkommen richtig; denn sie wird durch einen neuerlichen Beschluß der hohen Pforte gänzlich bestätigt. Zweihundertfünfzig israelitische Familien, die vom Auslande nach der Türkei einwanderten, haben bei der kaiserlichen Regierung um die Erlaubniß angesucht, sich in den Vilayets von Beyruth und von Syrien niederlasseu zu dürfen. Diese Bitte wurde verworfen, da ein Beschluß der hohen Obrigkeit endgiltig die Andsiedlung ftemder Juden in Palästina verbietet. Aber es wurde ihnen gleichzeitig geantwortet, daß, wenn sie sich dazu verstehen, sich der ottomanischen Staatszugehörigkeit zu unterwerfen, sie sich in den Provinzen von Konia und Adana niederlassen könnten. Kürzlich ist hier die erfreuliche Nachricht eingelaufen, daß die Baronin von Hirsch vor kurzer Zeit der jüdischen Gemeinde dieser Stadt 50.000 Francs zur Verfügung gestellt hat mit der Bestimmung, dieses Geld für den Bau einer großen Talmud- Thora-Schule zu verwenden. Aber einen noch viel größeren Beweis von Interesse hat Smyrna von der hochherzigen Baronin von Hirsch erhalten. Auf die Anregung und die Bitte hin, die Herr G. Ariö, Director der Schule der ^Ilianee-Israelire, präsentirt, hat die freigebige Philantropin beschlossen, in der Umgebung von Smyrna ein ganzes Stadtviertel erbauen zu lassen, das auf Vorschlag und nach Wunsch der smyrnioter Israeliten den Namen Clara von Hirsch tragen soll. Dieses Viertel wird von den aus Rußland geflüchteten Juden, die sich bereits seit drei Jahren in dortiger Stadt aufhalten, bewohnt werden. Die Zahl dieser Familien beträgt 150. Abgesehen nun von der colossalen Summe, welche die Errichtung dieser Häuser, erfordert, hat sich die edle Menschenfreundin noch erboten, allen Mitgliedern dieser kleinen Colonie wirthschaftliche Geräthe und Capitalien zu liefern. Eine Schule und eilt Bethaus werden natürlich auch errichtet werden. Im kurzen Zeiträume von einem Monat sind mehrere Glaubensgenossen der Hauptstadt, vom Sultan ausgezeichnet worden. Herr Josef B e y N a v o n, dem man die Bahn von Jaffa nach Jerusalem verdankt, ist zum Range eines Geheimraths II. Classe erhoben worden. Herr Jouschi B e y L ö v y, Sohn des Großrabbiners der Türkei und Mitglied des Confulatbureaus im auswärtigen Amte, ist zum Regierungsrath I. Classe ernannt worden. Herr Elia E f f e n d i C h a k i, Unterchef im Amte der auswärtigen Angelegenheiten, ist von Sr. Majestät dem Sultan durch Ernennung zum Regierungsrath 11. Classe ausgezeichnet worden. Es ist dies der Schwiegersohn Sr. Excellenz Aron Effendi de Leon. Herr Jaques Effen d i de Leon, Sohn Sr. Excellenz Aron Effendi de Leon und zweiter Uebersetzer im Amte der directen Steuern, ist zum Range eines Rathes II. Classe erhoben worden. Herr Abraham Effendi T r e s c o, der seit Jahren Lieferant des Kriegsministeriums ist, wurde zum Geheimrath I. Classe ernannt. Ein junger, verdienstvoller Arzt, Herr Dr. H o d d a r a Effendi hat die IV. Classe des Medjidije-Ordens erhalten. Auch die Rettungsmedaille hat ein Jude erhalten. Herr Weiß, an der Orientalischen Eisenbahn bedienstet, hat jüngst den Zusammenstoß zweier Züge verhindert. Uebrigens ist Herr Weiß mit Thaten von Tapferkeit schon längst vertraut. Er trägt die Militärmedaille, die er im fernen Osten, in Tonking, sich verdient. Herr Jacob S ch a p i r e r, Hoflieferant Sr. Majestät des Sultans, hat aus Dankbarkeit für die Ehre, die ihm der Großherr der Türkei erwiesen, 200 vollständige Anzüge dem Krankenhause der kaiserlichen Marine gespendet — ein Act, der eigentlich geheim gehalten werden sollte, aber eben deshalb um so mehr das Licht der Oeffentlichkeit verdient, da. er noch dazu die allgemeine Anerkennung für sich hat. Oscar Hirsch H o r o w i tz. N«»tv-Hork. Baronin Clara de Hirsch wird in der allernächsten Zeit verschiedenen hiesigen Wohlthätigkeitsvereinen 1,800.000 Dollars spenden. Davon soll eine Million Dollars für ein neues Project bestimmt sein, das die ganze Welt in Erstaunen setzen wird. New-Aork. Der Bürgermeister hat den Bereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten (United Uebrew Lkarities) die Hälfte einer großen Summe Geldes geschickt, die ihm „für die Armen der Stadt" zugewiesen worden war. Auch das Bürgercomite (Citizens Comitee) sandte demselben Verein ein Drittel einer überschüssigen Summe. Diese officielle Theilnahme von Seite der Stadtverwaltung an der jüdischen Wohlthätigkeit beweist, welch' großer Theil der Armen New-Aorks Juden sind. Vermischtes. Wien. Der Präsident der Cultusgemeinde Herr kaiserlicher Rath Heinrich K l i n g e r ist von seinem Urlaube zurückgekehrt und hat die Leitung der Agenden der Cultusgemeinde wieder übernommen. Wien. Das österreichische Herrenhaus besitzt drei Pairs jüdischer Confession, und zwar den Herrn Präsidenten v. Gomperz aus Brünn, Herrn Baron Oppenheimerund den Herrn Hofrath Professor Grünhut aus Wien. Das Abgeordnetenhaus zählt dermalen 10 Mitglieder jüdischer Confession, u. zw. Tr. Emil Byk (Brody-Stadt), Dr. Heinrich K o l i s ch e r (Przemysl- Stadt), Jacob Piepes (Lemberger Handelskammer), Dr. Arnold Rapoport v. Porada (Krakauer Handelskammer), Dr. Moritz R o s e n st o ck (Brodyer Handelskammer), Dr. Max Trachte nberg (Kolomea-Stadt), ferner Dr. Benno S t r a n ch e r (Czernowitz-Stadt), Hofrath Josef K a r e i s (Wien-Leopoldstadt), Rudolf Auspitz (Brünner Handelskammer) und Dr. Leo Verkauf (Eger, V. Curie). Wien. Der Kammerrath Herr Leopold P o l l a ck, Chef der Firma Hermann P o l l a ck's S ö h n e, wurde zum Präsidenten des Wiener Handelsgremiums gewählt. Wien. (T r a u u n g.s Sonntag den 4. April findet im i israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse um 7,3 Uhr die