Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 14 (2.4.1897)
- Date
- 1897-04-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Nr. 14 Seite 292 Vr. Vloch's Wochenschrift Amtes und der Zeit steht. Hätte Oesterreich nur viele solcher Fuuctionäre, und der Antisemitismus wäre ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Croat.-Kreuz, 22. März. (Silberne Hochzeit.) Bon einer einfachen, aber herzlichen Feier will ich Ihnen berichten: einfach, weil sie der Bescheidenheit derjenigen entsprach, die im Mittelpunkte des Festes standen; herzlich, weil aufrichtige Gefühle der Achtung und Verehrung für ein Jubelpaar hiebei zum Ausdruck gelaugt sind. Der langjährige Beamte unserer Cultusgemeiude, Herr Bernhard L ö w, ein Sohn des seligen Rabbiners Löw, beging nämlich am 21. d. M. mit seiner Gattin, Frau Anna L ö w, geb. G r ü n w a l d, das Fest seiner silbernen Hochzeit. Die Cultusgemeiude, an der Spitze der verdiente Vorstand Herr Marko B r e y e r, die einzelnen Mitglieder derselben, bei denen sich Herr und Frau Löw berechtigter Sympathien-erfreuen, nahmen die Gelegenheit wahr, dem „Brautpaare" ihre Feftgrüße zu übermitteln. Den Reigen derselben eröffnete unser Bezirksrabbiner Herr Dr. M. Engel. Samstag, den 20. d.. während des Gottesdienstes, hielt Herr Dr. Engel an das Jubelpaar eine feierliche Ansprache, in ver er die ethischen Momente des schönen Festes hervorhob. und sodann für die Jubilanten den Segen Gottes herabflehte. Die warm empfundene Rede übte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Tags darauf, am Sonntag, fand im Hause der „Hochzeitler" ein Festesten statt, dem nebst den Familienmitgliedern noch Bezirksrabbiner Dr. Engel, Vorstand Brey er und Gemeindemitglied Herr S. Dragoner — die Letzteren mit ihren Damen — beiwohnten. Vorstand B r e y e r überreichte bei diesem Anlaffe dem Jubilar einen von der Gemeinde gespendeten Silberpocal, indem er den unermüdlichen Diensteifer gerechte Anerkennung zollte und im Namen der Gemeinde wie in feinem Namen die Glückwünsche darbrachte, deren im schriftlichen wie auf telegraphischem Wege dem Jubelpaare in Fülle zukamen. Dem allseittgen Wunsche für das fernere Wohlergehen des Jubelpaares schließt sich auch Schreiber dieser Zeilen an, mit der Bitte, die „Oesterreichische Wochenschrift", die alle Vorgänge in der großen Gemeinde Israel getteulich den Stammesbrüdern zur Kenntniß bringt, möge auch anläßlich der einsttgen goldenen Hochzeit des Ehepaares Löw so wie diesmal ihre Spalten dem Berichte liebenswürdig zur Verfügung stellen. Bank-Aulisemiren. Man schreibt uns aus Agram: Die Erste Croatische Sparcaste. die im Jahre 184-6 unter Mitwirkung des sel. Dr. Weiß (später Curarzt in Gleichenberg), gegründet wurde, ist allmählich ganz antisemitisch geworden. Vor wenigen Tagen wurde die Defraudation des Cassiers K a l c i c — sie bettug, wie man erzählt, 83.000 fl. — entdeckt. Der Director der Bank ist der bekannte Antisemit Winkler. Er wurde in Pension geschickt, und Agram athmet frisch auf, denn der Mann war auch bei seinen Glaubensgenossen alles eher als beliebt. Sein einziges Trachten war, keinen Juden als Actionär zu nehmen. Sein Nachfolger ist Herr C r n a d a k, der ein hochgebildeter Mann sein soll und als solcher gewiß kein Antisemit sein kann. P. Neusatz, 23. März. Aus Neusatz wird uns geschrieben: Drei Reisende Namens Reich, Schöirfeld und Baumgarten kamen am 19. d. M., Abends 8 Uhr, ins Cafe Elisabeth, um Zeitungen zu lesen, wo sie von einem ihnen unbekannten Manne in der gemeinsten Weise provocirt wurden. Jnr Anfänge wollten die Herren auf die Provocation dieses Herrn, der kein Anderer als der hiesige Advocat Dr. Aledar B a l l a von Neusatz ist, nicht antworten, aber die rohen Schimpfworte wurden immer ärger, und Herr Baum garten verwahrte sich energisch gegen das unanständige und freche Benehmen des famosen Advocaten, wobei sich herausstellte, daß dieser famose Antisemit außer seinem Mauldreschen nichts weiter konnte, als seine Ritterlichkeit unter den Schutz der Polizei zu stellen. Der Reisende Baumgarten wollte dem Herrn Advocaten einige Ohrfeigen appliciren, wurde aber von seinen beiden Collegen zurückgehalten, da es doch nicht angeht, daß sich ein anständiger Reisender mit einem solchen Individuum befasse. Komisch war es, zu sehen, wie dieser Maulheld um Polizei rief, als er sich fürchtete, geohrfeigt zu werden, was auch thatsächlich geschehen wäre, wenn sich Polizeibeamter Sigmund nicht ins Mittel gelegt hätte, und nur dem taktvollen Vorgehen dieses Herrn hat es der Maulheld zu verdanken, daß er mit heiler Haut davon gekommen. Die Advocatenkammer in Szabadka dürste sich mit dieser Angelegenheit noch befaffen. Ueber den Ausgang des Protestes werden wir seinerzeit berichten. München, 16. März. (Eine M i ll i on e n st i f t u n g der Frau B a r o n i n v. H i r s ch - G e r e u t h.) Die unermüdliche, großherzige Wohlthäterin, die wohl einzig in der Welt dasteht, Baronin v. H i r s ch - G e r e u t h, hat für die Stadt München, als d e r V a t e r st a d t i h r e s verewigten G e m a l s s. A., eine großartige Stiftung errichtet, indem sie unter dem Namen „Frhr. v. Hirsch'sche Stiftung" für Wohlthätigkeitszwecke nicht weniger als 1,200.000 Mark aussetzte. Nach der Stiftungsurkunde soll diese Summe in nachstehender Weise verwendet werden: 1. 120.000 Mk. für Herstellung einer R e c o u v a l e s c e n t e n - A n st a l t in München. (Solange das Bedürfuiß zu einer solchen nicht gegeben erscheint, sind die Zinsen hievon zu admastiren.) 2. Die Renten von 800.000 Mk. sollen verwendet werden zur Unterstützung hilfsbedürftiger Wöchnerinnen (verheiratet oder unverheiratet) und Reconvalescenten aller Art, ohne Unterschied der C o nf e s s i o n und gleichviel, ob sie in einer Anstalt oder privatim Pflege finden, indem ihnen aus diesen Zinsen Geldmittel, ärztliche Hilfe, Arzneien, Bäder, Naturalien und dergleichen gereicht werden. 3. Die Renten von 280.000 Mk. sollen dazu verwendet werden, daß den genannten Personen, wenn sie aus der Pflege entlassen werden, die nothweudigen Mittel zur Erlangung einer Beschäftigung oder einer Existenz gewährt werden können. Diese Mittel können in Geld, Naturalien oder auch Werkzeugen bestehen. Die Stiftung soll zunächst für Wöchnerinnen und dann erst für Reconvalescenten bestimntt sein. Es hat sich ein Ausschuß aus den beiden Gemeindecollegien zu bilden, dessen Mitglieder der katholischen, p r o t e st a u t i s ch e n und israelitischen Religion angehören müssen, und von beiden gemeindlichen Vertretungskörpern zu wählen sind. Vorsitzender dieses Ausschusses ist ein Bürgermeister, ferner gehören dazu ein Rechtsrath, ein Vorstand des Gemeindecollegiums und je zwei andere Mitglieder beider Collegien. Sollte dadurch die Jnterconsessiouellität nicht gewahrt sein, so hat sich der Ausschuß entsprechend zu cooptiren. Als heute Bürgermeister v. B o r s ch t in der Magistratssitzung von der Stiftung mit dem Bemerken Mittheilung machte, daß sie wohl eine der großartigsten sei, die jemals in München errichtet wurden, brach das Plenum in lautes Bravo aus. Frau Baronin Hirsch hat, fuhr der Bürgermeister fort, damit nicht nur das Andenken ihres Mannes hervorragend geehrt, sondern auch zugleich ihrem Wohlthätigkeitssinn ein schönes Denkmal gesetzt. Es wird durch diese Stiftung möglich sein, viele, viele Thränen zu ttocknen und zahlreiche Existenzen vor dem Untergang zu bewahren. Der Magistrat nahm die Stiftung an und spricht der Frau Baronin Hirsch den wärmsten Dank in Form einer künstlerisch ausgestatteteu Adresse aus. München, 22. März. In glänzender, allen Theilnehmern unvergeßlicher Feier ist gestern hier die I n st a l l i r u n g einer Loge des B'ne Brith-Ordens vollzogen worden, zu welcher sich 120 der angesehensten Glaubensgenossen zusammengeschlossen haben. Alle süddeutschen und auch ein Theil der norddeutschen Logen hatten Delegirte entsendet, in besonders stattlicher Anzahl die zu Frankfurt a. M., deren verdienstvollem Präsidenten, Herrn Josef W i s l o ch, die Begründung der neuen Zweig-Vereinigung vorwiegend zu danken ist. Den Weiheact vollzog der Präsident der Großloge, Sanitätsrath Dr. Maretzki- Berliu, unter Assistenz der Herren Siegmund Hage n-Berlin und Engen R o s e n st i e l - Berlin. Zum Präsidenten der „München-Loge" wurde Herr Michael Nußbaum, Mitglied des Vorstandes der Cultusgemeinde, gewählt. An die Jnstallirung schloß sich würdig ein Festmahl an, welches durch eine Reihe meisterhafter Tischreden erhöhte Weihe erhielt. Namentlich verstano es Herr Rabbiner Dr. Werner, wie stets, durch seine hinreißende, geistsprühende Beredtsamkeit die Hörer zu begeistern und zu entzücken. Hamburg, 22. März. Es darf als eine erfteuliche Thatsache ausnahmsweise bekanntgegeben werden, daß Gras W a l d e r s e e, der Commandirende des 2. Hanseatischen Infanterie-Regimentes Nr. 76 gestern bei dem in der Hanptsynagoge Kohlhäfen abgehaltenen Festgottesdienste mit seinem Adjutanten erschienen ist und während der ganzen Zeit des Festgvttesdienstes, der eine Stunde währte, in der Synagoge verweilte. Mit dem Glockenschlage 10 Uhr, auf welche Stunde der Beginn festgesetzt war, erschien der Graf aus der Schwelle des Gotteshauses, wo er, da er sein Erscheinen vorher kundgegeben, von dem Vorstande empfangen und auf den Ehrenplatz vor der Kanzel geleitet wurde. Ihm zur rechten Seite saß der