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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-02 · 14 (2.4.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14 Geile 2S1 Dr. Vloch's Ostentation mit relativ geringen Mitteln in segenreichster 'Weise, Der Umstand, daß mehrere Stiftnngswohnungen und die denselben aggregirten Synagogen, so wie das rituelle Frauenbad der Assanirung der ehemaligen Judenstadt zum Opfer fielen, hatte die Cultusgemeindevertretung gezwungen, für alle diese Zwecke Localitäten zu erwerben, und es lag die Befürchtung nahe, daß, da einerseits die Stadtgemeinde die alten Gebäude zu sehr mäßigen Preisen ablöste und anderseits eine große Häuserzahl eingerissen und dadurch momentan die Preise der anderen eine exorbitante Höhe erreichten, - die Differenz zwischen dem Verkaufs- und Kaufspreis eine geradezu unerschwingliche werden und man völlig außer Lage sein würde die Stiftungen nach ihren ursprünglichen Bestimmungen zu erhalten. Allein dem einsichtsvollen Vorgehen der Gemeindevertretung ist es, Gott sei Dank gelungen im Tauschwege von der Stadtgemeinde ein geeignetes Haus zu requiriren, in welchem nicht nur 8 Stiftungsrabbiner untergebracht werden konnten, sondern sich noch Raum für eine neu zu gründende Stiftswohnnng, für ein rituelles Frauenbad, wie es in solcher Eleganz in unserer altehrwürdigen Gemeinde noch nie gesehen worden ist und für eine auf hundert Männer- und fünfzig Frauensitze berechnete Synagoge, vorfindet und überdies ein großer Theil des Hauses vermiethet werden kann. — Da der böhmische Landtag beschloß, die Gehälter der Aerzte an den Landesspitalern nach Maßgabe ihrer Krankenzahl zu erhöhen, wurde die Aufmerksamkeit auf das von der israelitischen Gemeinde erhaltene allgemeine Krankenhaus gerichtet, und es gelangte nun zur allgemeinen Kenntniß, in welch unglaublicher Weise diese im höchsten Grade segensreich wirkende Anstalt — es werden in dieser Kranke ohne Unterschied der Confession ausgenommen — in den letzten 8 Jahren emporgeblüht ist. Während im Jahre 1889 die Zahl der Kranken 669, und jene der Verpflegstage 11.383 betrug, hat sich 1896 die Zahl jener auf 1209, also nahezu auf das Doppelte, die Zahl der Verpflegstage auf 25.615, also auf weit mehr als das Doppelte erhöht. Das israelitische allgemeine Krankenhaus ist, jenes in Reichenberg ausgenommen, das größte der Landesspitäler. Der ärztliche Dienst wird von dem Primarius Herrn Dr. Carl Saar und den Herren Secundarärzten Dr. W e h l i und W i n t e r n i tz versehen und widmen auch hervorragende Specialisteu dein Spitale ihre Dienste. Die von der Repräsentanz gewühlte Commission besteht aus dem Obmanne Herrn Dr. B e n d i n e r (bis zu dem vor einigen Monaten erfolgten Ableben des Herrn kaiserlichen Rath Josef Bunzl seligen Andenkens, versah dieser diese Stelle), dem Herrn Alfred B r o d y (Verwalter), Jacob Edlen v. D o r m i tz e r, Avvocat Dr. Friedrich D u s ch e n e s, Universitätsdoceilt Dr. Wilhelm Fisch l, kaiserlicher Rath Sigmund H a u r o w i tz. Alle Genannten haben durch eifriges, einträchtiges Zusammenwirken dieses Institut zu seiner gegenwärtigen Höhe emporgebracht. Prag, 24. März. (Abgeordneter K. H. W o l f vor Gericht.) Bekanntlich wurde am 14. Jänner K. H. Wolf vom hiesigen Bezirksgerichte wegen Uebertretung der Ehrenbeleidigung, begangen an einer amtlichen Person, indem er den Regierungs-Commissär beim Commerse der antisemitischen Verbindung „Germania" einen „unfähigen Menschen" genannt hatte, zu zehn Tagen Arrests v erurth eilt. Heute fand die Berufungsverhandluttg statt. Wolf erschien zu derselben und geberdete sich derart, daß ihm der Vorsitzende einigemale rügen mußte. Er dürfe nicht vergessen, daß er vor Gericht sei und nicht in einer Wählerversammlung. Wolf pochte auf seine Immunität als Abgeordneter. Der Vorsitzende erwiderte, daß Wolf das Certificat noch nicht besitze und die Immunität daher nicht berücksichtigt werden könne. Die verlangte Vertagung wurde abgelehnt und das e r st r i ch t e r l i ch e U r t h e i l puncto Schuld und Strafe bestätigt. Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums. Am 24. v. M. hielt Herr Dr. Thieberger aus Goltsch-Jenikau den angekündigten Bortrag „Alexandrinische Allegoretik und palästinische Schriftauslegung in den ersten Jahrzehnten nach der Tempelzerstörung durch Titus" vor einem überaus zahlreichen und distinguirten Auditorium. Es fand nämlich an diesem Tage eine General-Versammlung des böhmischen Rabbiner-Verbandes statt, und so waren auch die meisten Mitglieder desselben mit ihrem Präsidenten dem Herrn Ober- Rabbiner Dr. Ehrenfeld erschienen. Nach der einleitenden Schilderung der Zeitverhältnisse von 80—130 zeigte Redner wie die allegoretische Methode der Schriftdeutung, von Philo dem Alexandriner sozusagen begründet, später zum Zerrbilde ward Wochenschrift und zum Antiuomismus führte. Zur Gesetzesabrogation fiihrte auch der Gnosticismus der Alexandriner. Der Vortragende suchte diese Erscheinungen ans den Zeitverhältnissen zu erklären und wies ans die Maßnahmen hin, welche die palästinensischen Gesetzeslehrer zunr Schutze der überkommenen Traditionen und zur Hitttanhaltung der Bibelverfälschung veraulaßte. Lauter, anhaltender Beifall der Versammlung lohnte die mühevolle Arbeit des Vortragenden. Nach dem Bortrage fand die General-Versammlung statt, in welcher die Herren Sam. Fischet, I. U. Dr. Sachs, Dr. Kisch, M. W r e n, G. Pick, D. S ch ö nb e r g e r wieder-, die Herren G. U t i tz, Dr. Isidor H i r s ch, I. F r a n k mtb Ad. Fischt neugewählt wurden. RoLnau. (Zwölftes S p e n d e n - V e r z e i ch ni ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte Ro 2 nau sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: M. I. Mandl, Wien 25 fl.; Moritz Lazarus, Lemberg 10 fl.; S. Schwarz, Meran 10 fl.; B. Steinhard, Wien 3 fl.; Chewra-Kadischa Zcambek 2 fl.; Chewra-Kadischa Galczecz 5 fl.; Chewra-Kadischa Dobruschka 5 fl.; Chewra-Kadischa Kopreinitz 5 fl.; Chewra- Kadischa Mähr.-Weißkirchen 5 fl.; Chewra-Kadischa Pystian 2 fl.; Chewra-Kadischa Karlstadt 5 fl.; Chewra-Kadischa Semlin 5 fl.; Chewra-Kadischa Hermannliästec 5 fl.; Chewra-Kadischa Podersam 2 fl.; Chewra-Kadischa Alsü-Kubin 5 fl.; Chewra- Kadischa Graz 4 fl.; Chewra-Kadischa Rzeszow 5 fl.; Cultusgemeinde Semlin 5 fl.; Cultusgemeinde Ung.-Brod 5 fl.; Frauen-Vereiu Kesmark 5 fl.; Frauen-Verein Kojeteiu 5 fl.; Frauen-Berein Losotlcz 5 fl.; Louise Brüll, Znaim 1 fl., zusammen 129 fl. Letzter Ausweis 2671 fl. 81 kr., Summa 2800 fl. 81 kr. Dr. L. S. S k r e i n k a, Adolf P o l l a k, Curarzt in RoLnau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus N e n m a u n, Mitglied des Cultusvorstandes in Proßnitz (Mähren). Lemberg. Zur Ehrung des Directors der galizischen Hypothekenbank Herrn Moritz L a z a r u s, welcher in wahrhaft fürstlicher Munificenz auf eigene Kosten ein Spital für 80 Betten zu erbauen sich erbot, fand heute im sestlich geschmückten Rathssaale eine feierliche Versammlung statt, zu welcher der Cultusrath das Rabbinat, die Vorsteher des Spitales und der Synagogen, sowie sämmtliche Lehrer und Beanlte eingeladen hatte. Der Präsident des Cultusrathes, Herr Samuel Edler v. H o r o w i tz, die Rabbiner Ehrwürden S ch m e l k e s, Dr. C a r v und H a l p e r n, feierten in warm empfundenen Worten die hervorragenden Herzens- und Charaktereigenschaften, die rastlose Energie und Tüchtigkeit, die echt jüdische Gesinnung des hochherzigen Spenders. Hierauf begrüßte namens des Spitalsrathes Herr Emil Edler v. Mises den edlen Stifter unter Ueberreichung einer prachtvoll gebundenen Adresse, die er zur Verlesung brachte und welche vornehmlich auf das glänzende Beispiel hinwies, wie ein Mann von Herz, der in seinem Leben viel gekämpft und viel errungen, in einer Zeit so tiefgehender socialer Gegensätze und Zerkli'lftuug, die Pflichtendes Besitzes anffaßt. Herr Lazarus sprach tief gerührt seinen herzlichsten Dank für diese Ovation aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sein Beginnen Nachahmung finden werde. Die hiesige Waisenhauscapette hatte das Erscheinen des Stifters mit ihren Klängen begrüßt und schloß auch in gleicher Weise die erhebende Feier. Przemysl, 19. März. Bei der am 18. d. M. stattgehabten Wahl der III. Curie der Städte-Gruppe Przemysl-Grodek wurde Dr. Heinrich K o l i s ch e r, Fabrikant aus Czerlany, mit einer imposanten Majorität zum Reichsrathsabgeordneten gegen den von clericaler Seite aufgestellten Contracandidaten Dr. Alfons Bien czew ski gewählt. Die Hetzcavläne haben gegen die vom Centralcomite genehmigte Candidatur K o l i s ch e r's einen förmlichen Kreuzzug unternommen und in Placaten und Affichen in unfläthigster Weise gegen die hiesige jüdische Bevölkerung gehetzt. Dank der besonderen Besonnenheit und Solidarität der israelitischen Wähler und der Energie, Umsicht und des Rechtssinnes des hiesigen Statthaltereirathes Herrn Josef L a n i k i e w i c z ist die Wahl trotz der Hetzen ruhig und ohne Anstand verlaufen. Ein Blick von ihm reichte hin, die eingeschüchterterc Wähler zu ermuthigen und die Willkür der Hetzer zu bannen. Keine Bevorzugung oder Benachtheiligung wurde geduldet. Kein Wunder, daß die Israeliten voller Zuversicht und Vertrauen an ihm hängen. Er ist ein Mann am Platze, der auf der Höhe seines

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