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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-02 · 14 (2.4.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 290 Dr Vloch's Wochenschrtst Nr. 14 den Besitzer eines solchen Etablissements, was ihn denn veranlasse, sich gegen die Juden so zu stellen, so replicirt er beiläufig folgender Art: „Ich nütze sie aus, diese Blutsauger, so gut ich kann, und je mehr ich gegen sie Hetze, desto mehr suchen sie mein Geschäft zu vergrößern. Ich hasse, verachte, beschimpfe und verlästere diese Rotte, aber so wie der Sommer sich einstellt, so stellen auch die Juden sich vollzählig bei mir ein, um mich in den Stand zu setzen, sie immer mehr verfolgen zu können. Sie sind charakterlos genug, ihre ärgsten Hasser zu bereichern, und wegen dieser bodenlosen Charakterlosigkeit Haffe ich sie erst so recht tief im Innern meiner Seele. Ich erkläre es jo offen, daß ich diese Natton verabscheue; aber je mehr ich dies thue, desto zahlreicher stellen sie sich bei mir ein, und nirgends finden sie den Kaffee, den Thee, die Chocolade, die Eier und den Mittagsttsch so excellent, wie bei mir. Diese Charatterlosigkeit müssen sie bei mir auch theuer bezahlen. Erzählt ihnen Jemand, ich sei ein Antisemit, so hören sie es nicht, und sehen sie, daß mein Zählkellner, der ja auch so durch und durch ein Judenfeind ist, irgend einen aus dieser Gesellschaft verächtlich behandelt, so beachten sie es nicht. Ja noch mehr. Es kam nicht selten vor, daß dieser famose Kellner sich offene Insulten gegen einen solchen Hebräer herausnahm, und was haben seine liebenswürdigen Compatrivten dazu gesagt? Sie sind dein Kellner beigestanden und haben den beschimpften Juden erst recht ausgeschimpft. Man kann diesen Leuten anthun, was man will — sie kommen wieder, und je mehr man sich über sie lustig macht, desto zahlreicher stellen sie sich wieder ein, um sich splendid und liebenswürdig zu zeigen. Gehet hin und saget ihnen, daß ich ein Anttsemit bin und ihr sollt sehen, wie sie im nächsten Sommer sich an mich herandrängen. Ich kenne meine Pappenheimer nur zu gut. Darum war ich vorher fünfzehn Jahre lang Kellner, um mein Geschäft verstehen zu lernen". — Der Boden des Antisemitismus wird von den Juden befruchtet. Die Meisten glauben, sich vor dem heimatlichen Antisemitismus lins vier Wochen in ein Bad zu flüchten, wissen aber nicht, daß sie da mit jedem Jahre ein immer größeres Terrain für diese Pest schaffen, pflegen und bearbeiten. Die Juden wollen auf gute Rathschläge nicht hören, darum müssen sie es fühlen und tief empfinden, wie sie mit ihrem eigenen Geld sich die ärgsten, boshaftesten Verfolger erkaufen. Es gibt nur E i n radicales Mittel gegen diese Pest, woniit sie aber sicher zu bannen ist und dieses Gegengift, welches die vergifteten socialen Verhältniffe wiederherstellen und curiren soll, heißt — sich zurückziehen. Lernet, Ihr Juden, von Eueren Feinden und Widersachern, wie Ihr sie behandeln sollt. Anstatt euch an die Fersen solcher Antisemiten zu heften, fliehet sie, so weit Ihr könnt; anstatt Euer Geld solchen blöden Hassern zuzuführen und sie zu bereichern, meidet ihre Geschäfte, ihre Gesellschaft, ihren Umgang. Unterlaffet den Besuch dieser vier Curorte Karlsbad, Königswart, Franzensbad, Marienbad nur durch zwei Jahre und Ihr sollt sehen, welche Erfolge Ihr dadurch zu erzielen vermögen Fliehet diese Curstädte, in welchen Ihr für theueres Geld die allerschlimmsten Judenfeinde züchtet, wo man Euch für Euer Geld schmäht und lästert, beschmutzt und beschimpft. Zwei Sommer bleibet weg aus dieser Gegend und Ihr sollet Wunder sehen, wie diese Kellner und Hausknechte zur Einsicht kommen werden, welche Verheerung sie mit ihrer Hetze geschaffen und herbeigeführt haben. Durch zwei Sommer überlaffet diese Curorte ganz den Ariern, so habet Ihr sie auf immer oder mindestens auf absehbare Zeit hinaus geheilt von einer Krankheit, welche die menschliche Gesellschaft ruinirt. Lasset Ihr Juden diese Mahnung nicht erfolglos an Euch gerichtet sein, bleibet nur zwei Jahre weg von diesen Curorten: Karlsbad, Franzensbad, Königswart, Marienbad, ganz und gar bleibet weg, so hat Schönerer und Consorten hier für immer ausgespielt und Ihr habt ein gutes Werk vollbracht; denn Ihr befreit eine ganze weite Strecke des schönen Böhmerlandes von dem schändlichsten Verbrechen dieses Jahrhunderts — vom Antisemitismus. Ein Menschenfteund. Alttitschei«, 16. März. Der einzige und letzte Jude unseres so herrlich gelegenen Städtchens ist heute hinausgezogen auf Nimmerwiedersehen; nach mehr als ZOjährigem Aufenthalte hat er im 76. Lebensjahre bei uns das Irdische gesegnet und wurde in respectvoller Betheiligung der dorttgen Gemeinde nach Neutttschein zur letzten Ruhestätte neben seiner vor einem Jahrzehnt verstorbenen Gattin hinübergebracht. Mit dem dahingeschiedenen Herrn Hermann David verliert unser Ort einen allbeliebten, liebenswerthen und schätzbaren Mitbürger. Ueber deni idyllisch am Fuße einer waldigeil uild von der weithin sichtbaren Ruine einer mittelalterlichen Ritterburg überragten Anhöhe liegenden schloßartigen Gebäude waltete ein eigener Unglücksstern seit seiner Begründung durch den noch heute als Wohlthäter und talmudisch gelehrten Juden in der Erinnerung unseres Ortes fortlebenden Vater des Verstorbenen, den Herrn David David s. A. In der zahlreichen Fanlilie des Letzteren lernten wir ehrenwerthe jüdische Charaktere kenneil und der Verstorbene insbesondere war wegen seines mittheilsamen, theilnehmenden, gastfreundlichen uild dabei hochintelligenten, durch eine gediegene, selbsterworbene Bildung anregenden urrd geistvollen Wesens ein vielgeschätzter Mann, mit deni ein Jeder gerne verkehren mochte. Dem Verstorbenen gaben der Bürgermeister, die Räthe und Vertreter des Gemeindeausschusses, ferner die vereinigten Feuerwehren der Gemeinden Alttitschein, Vlenow und Jicina und der ganze Ort das letzte Ehrengeleite bis Ehrenberg; durch hie Allgemeinheit einer solchen Trauerkundgebuug den sicherlich noch nicht vom Antisemitismus verpesteten, gutherzigen Charakter unserer böhmischen Bevölkerung documentirend. In bester Erinnerung neben dem Verstorberren ist unserem Orte auch noch die Schwester des Letzteren, die Mutter des berühmten Professors Dr. David Kaufmann, ferner ein Bruder, der Vater des bekannten Lyrikers und Schriftstellers I. I. David. Möge dem Dahingeschiedenen die Erde leicht sein. Prag, 26. März. Am 24. d. M. fand im jüdischen Rathhause zu Prag die Generalversammlung des Rabbinerverbandes statt. Der Beschluß des vor Kurzem in Berlin abgehaltenen Rabbiuerverbandes, nur unter gewissen Cailtelen resp. Fragen zur Discussion zu stellen, hat einen der ersten Prvgrammpunkte des Verbandes, daß die Discussion religiöser Fragen unter allen Umständen ausgeschlossen ist, zum Wanken gebracht. Bei der arn zweiten Tage vorgenommeneu Wahl wurde auf Anregung des Herrn Rabbiners Dr. Kroh der Gesammtvorstand wiedergewählt mit Ausschluß der Herren Dr. Stern, Saaz und Dr. Ziegler, Karlsbad, an deren Stelle Rabbiner Dr. Hirsch, Karolinenthal und Rabbiner Dr. Kaminka, Prag gewählt wurden. Der Antrag des Herrn Rabbiners Dr. Back, Smichow, die Wahl immer nach Abschluß von 3 Jahren zu erneuern, wurde, nachdem Rabbiner Dr. Wohlsteili, Schüttenhofen, auf die Bortheile einjähriger Mandatsdauer hingewiesen, einstimmig abgelehnt. Die geistvollen Vorträge der Herren Dr. Hoffmann, Reichenberg, und Doctor Stern, Saaz, wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Möge es dem neugewählten Vorstande vergönnt sein, das Ziel des Verbandes der Verwirklichung nahe zu bringen! H. Prag, 26. März. In den letzten Tagen fanden hier zwei Generalversammlungen statt und wurden in zwei Vereinen Vorträge abgehalten. In der Generalversammlung des Tempelvereines wurde der Bicepräsident der israelitischen Cultusgemeinderepräsentanz Herr Dr. Ludwig B e n d i n e r zum ersten Vorsteher gewählt. Bei der Generalversammlung des böhmischen Rabbiuerverbandes wurden die Herren Dr. S t e r n und Ziegler, welche die biblischen Gesetze außer Kraft setzen und eine neue Secte Neu-Jsrael bilden wollten, wie dies als selbstverständlich vorauszusehen war, nicht wieder in den Ausschuß gewählt. Vergangenen Dienstag hielt Herr Dr. Aladar Deutsch im Ceutralverein einen beifällig aufgenommenen Vortrag: „Der Humor in der jüdischen Literatur." Tags darauf Herr Dr. T h i e b e r g e r, Rabbiner in Goltsch Jenikau im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums einen Vortrag: „Die Allegorie der alexandrinischeu Schule." Der Zuhörerkreis, diesmal auch durch die hier anläßlich der Generalversammlung des Rabbiuerverbandes weilenden Mitglieder desselben verstärkt, spendete dem Redner am Schluffe seines Vortrages reichen Beifall. Fabrikant Sigmund M a u t h n e r, Mitglied der Cultusgemeinderepräsentanz, Obmann des Centralvereines, Vorsteher des Tempel- und Kreuzervereines, Director des deutschen Casinos verlegt seinen Wohnsitz nach Wien und hat daher auf alle, Ehrenämter resignirt. Dem Vernehmen nach hat die Repräsentanz beschlossen, ihm in einer Adresse den Dank für seine ersprießliche Wirksamkeit und ihr Bedauern über sein Scheiden auszudrücken. Prag, 28. März. Während in vielen Gemeinden die Mitglieder zu großen Steuerleistungen herangezogen werden, ohne daß besonders Ersprießliches geleistet wird, wirkt die hiesige Gemeindeverttetung, welche an die Gemeindegenossen bezüglich der Gemeindegiebigkeiten in schonendster Weise herantritt, ohne

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