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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-02 · 14 (2.4.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 14 Vr. Vlortz's WochrnjchrM Seite 389 55 auswärtige Waisen, im Wintercurs 29 hiesige und 59 auswärtige, zusammen 88 Kinder, während überdies je 5 Witwen Unterstützungsbeiträge erhielten und hiefür im Ganzen 6457 fl. 80 kr. verausgabt wurden. Die Waisen besuchen sämmtlich die Volks- und Bürgerschulen, die älteren Knaben Mittel- oder Fachschulen oder treten in eine Lehre über. Die Altersgrenze für die Unterstütznngsdauer von 14 Jahren wird sonach zumeist überschritten. Die Aufsicht über die Waisen obliegt hier dem Vorstande, auswärts den hiezu bestellten Waisenvätern. Der Thütigkeitsbericht, wie der von L ö w Beer vorgetragene Cassa-Ausweis werden einstimmig genehmigt und ebenso der Voranschlag, der die Einnahmen mit 11.431 fl., die Ausgaben für Waisenpflege mit 10.000 fl. veranschlagt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder kais. Rath M a n d l und Tr. B. P l a c z e k werden einstimmig wiedergewählt und nach den üblichen Danksagungen die Versammlung geschlossen. Mährisch-jüdischer Landesmassasond. Die diesjährige Generalversammlung, die von 47 Delegirten der mährischen Gemeinden besucht war. fand am 22. d. M. unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrenhausmitgliedes Julius Ritter v. G v mp e r z, statt. Derselbe widmete nach Constatirung der Beschlußfähigkeit Worte ehrender Erinnerung dem vor vier Monaten verstorbenen Bürgermeister von Nikolsburg, Sign«. B l a u, der dem Curatorium des Fondes seit dessen Bestand angehörte und sich um seine Gemeinde wie um die Allgemeinheit wohl verdient gemacht hat. Die Versammlung erhob sich zum Zeichen ihres Mitgefühls. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Rechenschaftsbericht des Curatoriums pro 1896. Derselbe betont die immer größer werdende Schwierigkeit der fruchtbringenden Anlage des Fondsvermögens, wodurch eine stetige Verringerung des Fondserträgnisfes eiutreten müsse, während die Ansprüche der Gemeinden immer höher und dringlicher werden, was dem Curatorium die Erfüllung seiner Aufgabe sehr erschwere. Der gesammte Aufwand des vorigen Jahres per fl. 47.088'52 blieb hinter dem des Jahres 1895 um fl. 1638'51 zurück. An 66 Schul-Subventionen wurden verausgabt fl. 13.860, an 47 Gemeinde-Unterstützungen fl. 12.750, an Personal-Unterstützungen fl. 10.005, für Bildnngs- und Humanitäts-Anstalten fl. 4040. Dem zu Ehren des Allerh. Regierungs-Jubiläums zu gründenden Pensionsfonde für Cultus-Functionäre wurden als erste Zuwendung die Zpercentigen Abzüge von den Subventionen der Gemeinden per fl. 801°90 zugeführt. Nachdem mehrere Delegirte ihre Wünsche und Anregungen bezüglich der Verwaltung vorgebracht, wird der Bericht einstimmig genehmigt und beschlossen, den Schluß-Saldo per fl. 3950'50 auf das Jahr 1897 vorzutragen. Der Revisionsbericht wird gleichfalls einhellig zur Keuntuiß genonnuen und dem Curatorium die Entlastung ertheilt. Der Voranschlag fiir das Jahr 1897 beziffert die Einnahmen mit fl. 49.544, die Ausgaben mit fl. 49.091'20. Derselbe wird. in den einzelnen Posten, wie in den Gesammtsummen einstimmig genehmigt. Unter der Post: „Bildungs- und Humanitäts- Anstalten" wird über Ansuchen der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien beschlossen, die im vorigen Jahre auf fl. 500 herabgesetzte jährliche Subvention dieser Anstalt wieder aus fl. 1000 zu erhöhen, ebenso die des israelitischen Blinden- Jnstituts in Wien von fl. 100 ans fl. 200. Es wird hierauf zur Neuwahl des Curatoriums für die Wahlperiode 1897—99 geschritten. Aus den sechs Gemeindegruppen wurden Jacob Großman n, Joseph O r n st e i n, Dr. Alois Hilf, Emanuel Oppenheimer wieder-, Philipp K v h u iMkolsburg) und Joseph Singer (Proßnitz) neugewählt; aus dem Plenum: Julius Ritter v. G o m p e r z, D. M a n d l, kaiserlicher Rath, Dr. Sal. Spitzer, Ignaz H ö n i g, Adolph Lieblich; zu Ersatzmännern: Ed. H a m b u r g e r, Sim. Rvsenfeld, Dr. L. K ö r n e r, Georg Fischer. Die Gewählten nehmen die Mandate an. Zu Revisoren wurden für 1897 bestellt: Georg Fischer, Max K o h u, Gustav Tändle r. Nachdem die Versammlung auf Antrag des Delegirten B i t t n e r dem Curatorium und dem Vorsitzenden den Dank für ihre eifrige Mühewaltung ausgesprochen hatte, wrrrde dieselbe vom Vorsitzenden geschlossen. Aus Böhmen. Der Antisemitismus ist auch hier in voller Blüthe! Das kann man wohl anr deutlichsten an dem Ausfall der letzten Reichsrathswahlen erkennen. Schönerer und Consorten mußten sich hieher flüchten, um das, was ihnen in Wien, Niederösterreich, Steiermark und Salzburg nicht gelingen wollte, hier durchzusetzen. Und das ist ihnen gelungen. Fragt man sich, woher dies komme, daß gerade dieses im äußersten Norden unseres Kaiserstaates gelegene und reich gesegnete Land i für diese Schände der menschlichen Gesellschaft so sehr empfänglich ist, so ist die Antwort darauf und die Erklärung dafür gar bald gefunden. Neben anderen, das Land in hervorragender Weise auszeichnenden Hilfsquellen, als da sind: Fruchtbarkeit des Bodens, Industrie, Gewerbe, Handel, Fabrikation, Export rc. besitzt das Land eine Anzahl sogenannter Heilquellen, zu welchen alljährlich viele tausend Menschen aus aller Herren Länder zugereist kommen, um hier theils zum Vergnügen, theils zur wirklichen Restanrirung ihrer Gesundheit mehrere Wochen hindurch zuzubringen und ihr Geld anzubringen. Man muß nun eine solche Badesaison in Karlsbad, Franzensbad, Königswart oder Marienbad während des Hochsommers in den Monaten Juni, Juli und August mitgemacht haben, um sich die Ueberzeugung zu verschaffen, wie viele Millionen in diesen Bädern zurückgelassen werden. Es dürfte jedenfalls nicht zu hoch, weit eher zu niedrig gegriffen sein, wenn ich behaupte, daß in den genannte» vier Badeorten jedes Jahr circa 50 Millionen Gulden verausgabt werden. Diese Summen bleiben nicht etwa iu den vier Städten liegen, sondern sie bringen der ganzen Umgebung bis über die Grenzen des Landes hinaus Wohlstand und Gedeihen, so daß das ganze Egerland mit allen Ortschaften von Karlsbad bis nach Königswart und Marienbad an beit alljährlich wiederkehrenden Einnahmen dieser Curorte participirt. Mehrere tausend Stubenmädchen, Kellner, Hausmeister und andere Bedienstete finden da glänzende Stellen und verwerthen ihre Arbeitskräfte in eclatanter Weise. Die Landwirthe verkaufen hier ihre Milch, Butter, Eier und sonstigen Erzeugnisse um Preise, wie sie sonst nirgends zu erzielen sind. Es gibt unter den Kellnern dieser Curorte viele Personen, welche sich bei diesem Geschäfte Reichthümer erworben haben. Man nennt hier enorm reiche Familien, deren Väter Hausknechte und Kellner waren und als solche große Häuser und andere Etablissements erbaut haben und später zu den reichsten Besitzern geworden sind. Wer aber auch nur einmal während des Sommers in Karlsbad, Königswart, Marienbad oder Franzeusbad gelustwandelt hat, der muß auf den ersten Blick herausgefunden haben, daß in den Monaten der Hochsaison weit mehr als die Hälfte der Gäste -- Juden sind. Ich ging eines Tages mit einem Bekannten beim Hotel Pupp vorüber, wo mehrere hundert Personen anwesend waren. Wir wählten jeder eine andere Seite, um Musterung zu halten. Als wir nach einer Viertelstunde unsere gemachten Beobachtungen einander mittheilten, kanten wir zur Ueberzeugung, daß mehr als drei Biertheile der anwesenden Gäste Juden waren. Wir gingen weiter nach anderen Plätzen und fanden überall dieselbe Erscheinung. Ich erkundigte mich eingehend nach den socialen Verhältnissen des Cnrortes mtd fand dieselben ganz eigenlhümlich. Der Jude wird nicht gerade mit Hepp, hepp! verfolgt, aber er findet in jeder Beziehung eine uugünstigere Behandlung, als jeder andere Mensch. Er muß Alles theuerer bezahlen, wie ein anderer, man sucht ihn nach jeder Weise zu brüskiren, hintanzusetzeu, zu prelle», zu übervortheileu und zu chicaniren. Ich habe mich ganz besonders darauf verlegt, die Sache eingehend zu studieren, ohne mich von Voreingenommenheit leiten zu lassen und kam nach wohldurchdachtent, aufmerksamen Studium zu dem festen Resultate, daß der Antisemitismus hier tiefe Wurzel gefaßt hat, ja daß derselbe hier mit weit größerem Raffinement betrieben wird, als in Wien. Ganz so fand ich es auch in Franzeusbad, aber am schlimmsten in Königswart und Marienbad. Letzterer Curort ist Besitzthum des Prümonstrateuser - Stiftes Tepl, welchem sämmtliche Quellen und Badhäuser, sowie Grund und Boden gehören. Was da in offenem und verstecktem Antisemitismus geboten wird, das läßt sich in einem einfachen Zeitungsberichte tticht darstelleu. Welche Erfolge da bereits erzielt wurden, wie weit die Judenhetze da geführt hat, kommt mit wenig Worten dadurch zum Ausdruck, wenn ich die einfache, nackte Thatsache hier berichte, daß während der letzten Reichsrathswahleu die aufgehetzte Meute, aufgestachelt von dent Dusel des Stift Tepler Freibieres, zum Losschlagen auf die Juden fix und fertig in Bereitschaft war. Der Besitzer eines großen Etablissements hinter der „Waldquelle", welcher von dem Gelde der Juden ein immenses Vermögen angehäust hat, bekennt sich offen als S ch ö n e r i a n e r. Er und sein Zählkellner, welcher Tausende Gulden jüdischer Trinkgelder bereits eingenommen hat, machen in antisemitischer Hetze. Man sieht daraus, daß gerade solche Persönlichkeiten, welche ausschließlich vonJudengeldern sich bereichert haben, am meisten die Juden zu verfolgen suchen. Fragt man

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