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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-02 · 14 (2.4.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 284 Vr. Vloch's Wochen,chrM. Nr. 14 Zum Satze in Genesis X. 14: „Und die Patrusaer und die Kasluchäer — von denen ausgingen die Phillrstäer — und die Kaftoräer" wird die Bemerkung gemacht: „Eine solche, die ganze Menschheit mit ihren vielfältigen Verzweigungen in Stämme und Volkssippen als geschichtliche Einheit darstellende Bölkertafel hat das ganze übrige Alterthum nicht aufzuweisen; auch hier zeigt sich der universelle und klare Geist der Hebräer rc. rc. Den für diese Frage maßgebenden Satz im 5. Buche Moses II23 übersetzt er: „Und die Aww äer, die in Flecken wohnten bis Ghaza, die Kaftoräer, die aus K a f t o r kamen, vertilgten sie (die Awwäer) und wohnten an ihrer Statt." Die erläuternde Bemerkung lautet: „Ms ein ferneres Urvolk werden dann noch die Awwäer genannt, die bis nach Ghaza hin ihre Gehöfte hatten, die aber später den über sie hereinbrechenden Kaftoräern weichen mußten. Unter Letzteren sind die Kreter zu verstehen; (vergl. 1 Sam. 30, 14; Jech. 25, 16; Zeph. 2, 5). Auch unter dem Namen St a t e r erwähnt sie die Schrift (2 Sam. 20, 23; vergl. 2 Kön. 11, 4, 19). Ihre hier erwähnte Ansiedlung an der Stelle der Kaftoräer ist wohl in der Richterreit vor sich gegangen, denn damals vertrieb MinoS die Karer aus Kreta und diese suchten Nun in den asiatischen Küstenländern neue Wohnstätteu (Thukidides, Tacitus). Daß Kreter in diesen Gegenden gewohnt haben, bezeugt auch die Thalsache, daß in Ghaza ein Tempel des cretischen Zeus stand. Es dürfte also wahrscheinlich sein, daß die Kaftoräer mit den Cretern identisch sind. Allerdings gehen die Meinungen in diesem Punkte sehr auseinander; die Rabbinen und die Septuaginta nahmen an, daß die Kappadoker gemeint seien, wahrscheinlich von der Namensgleichheit geleitet. isaadja rirth auf die Damiatäer und viele Neuere wollen in Kastor den Namen eines egyptischen Ortes erkennen. (Reinisch u. A.) Also ganz aufgeklärt wird die Sache nicht mehr werden; bemerken will ich noch, daß sich der große Naturforscher Alexander Humboldt in seinem „Kosmos" ll. Theil, wo er von den phönicischen Hafenstädten Elan und Ezson Peber in Beziehung zu Salomo spricht, auch Greta erwähnt. Der „Kosmos" von Humboldt sei übrigens den „Antisemiten" zur Lektüre bestens empfohlen: Humboldt spricht sich geradezu überschwänglich über die Schilderung der Natur in den hebräischen Schriften aus. und sagt unter Anderem, daß in dem einzigen 1V4. Psalm das Bild des ganzen Kosmos dargelegt ist. Er meint, daß die lyrische Dichtung der Hebräer schon ihrem Inhalte nach großartig und von feierlichem Ernst ist." Was würde aber das nützen — wahrscheinlich war Alexander Humboldt auch nur ein „Judenknecht". S. Löwin, emer. Kammerrath. Kauft nur bet Gesinnungsgenossen! Wien, 31. März. Mit so herzerheiternder Naivetät wie die Wiener „Christlich-Socialen" hat wohl noch nie eine Partei das 8ie vos, non vobis! prakticirt. Das Organ derselben erbaut heute seine Leser mit der Mittheilung der folgeirden Interpellation, welche der Herausgeber desselben, der Abgeordnete Ernst Ve rg ani, gestern dem Ministerpräsidenten an die Brust gesetzt hat: „In Erwägung, daß seit dem 9. März, als dem Tage, an dem in Wien die Wahlen iu der allgemeinen Wählercurie stattgefunden haben, von Seite der socialdemokratischen Parteileitung, als auch von Seite einzelner der socialdemokratischen Organisation angehörenden Corporation««, als auch einzelner Personen zum Boykott solcher Gewerbetreibender und Kaufleute aufgefordert wird, von welchen es bekannt ist, daß sie bei der Wahl nicht für die socialdemokratischen Candidaten gestimmt haben; in weiterer Erwägung, daß zur Herbeiführung dieses Boykottes terroristische, gewaltthätige, mit dem, Geiste der Bestimmungen des Straf- und Coalitionsgesetzes in flagrantem Widerspruche stehende Mittel zur Anwendung kommen, indem zunächst gegen die betreffenden Geschäftsleute dadurch aufzureizen versucht wird, indem sie als „arbeiterfeindlich" bezeichnet werden, indem Flugschriften schmähenden Inhaltes, die nicht entsprechend den Vorschriften desPreßgesetzes einer Präventiocensur (man bewundere die Kenntnisse des Herrn Vcrgani!) unterzogen wurden, maffenhaft verbreitet werden, und indem, wie dies in vielen Fällen geschah, Personen gewaltsam abgehalten wurden, bei den mehrfach erwähnten Geschäftsleuten ihre Einkäufe zu besorgen; in schließlich» Erwägung, daß dieses geschilderte Vorgehen nicht nur einzelne Gewerbeinhaber, sondern in manchen Bezirken überhaupt alle daselbst etablirten Geschäftsleute in ihremGewerbe beeinträchtigt und ihre Existenz bedroht, stellen die Geferttgten folgende Anfragen: Sind der Regierung die von den Interpellanten angeführten Thalsachen bekannt, und wenn dies der Fall ist, was gedenkt sie zu thun, um ein derartigesungesetzliche s, die Bevölkerung verhetzendes Treiben inZuf litt ft hintanzuhasten?" In demselben Blatte, welches diese „zum Schutze des Kaufmanns- und Gewerbestandes" gestellte Interpellation veröffentlicht — was sagen wir? — auf derselben Seite dieses Blattes steht in Riesenlettern gedruckt die stereotype „christlichsociale, wahrscheinlich der „Präventivcensur" nicht vorenthaltene Aufforderung: „Kauft nur hi Gesinnungsgenossen!" Seit Jahr und Tag lautet das Feldgeschrei der Antisemiten: „Kauft nicht bei Juden!"; der Prinz-Protector verkündete die Losung im stolzen Musikvereinssaal und beim „Goldenen Luchsen" zur feierlichen Weihnachtszeit bei Frauenversammlungen, wie bei Tanz und Trinkgelagen. Und diesen feindseligen Ausbruch der erwerbsschädigenden Absicht hatte nicht etwa ein Verschulden der boycottirten Geschäftsleute veranlaßt. Das Verschulden war blos ihre Geburt. Sie mochten die redlichsten und ehrenwerthestcn Leute sein, sie waren boycottirt, weil sie Juden, weil sie nicht antisemitische Parteigenossen, weil sie nicht Freunde Lueger's waren. Die Arbeiter haben doch wenigstens ein psychologisches Motiv für sich, sie sind durch die Feindseligkeit der Wirthe und Geschäftsleute, denen sie bisher ihr Geld zutrugen, gereizt worden und sie wollen die ausgesprochene Feindschaft nicht ferner mit barem Gelde honoriren. Ein Boycott, der aus solchen Erscheinungen entspringt, ist nicht entfernt dem Treiben der Antisemiten vergleichbar, das nur in angeborener Verhetzungssucht, in unmenschlichem Haß und roher Habsucht seinen Grund hat. Und diese selbe Partei, deren ganzes agitatorisches Wirken eine Kette von Ungesetzlichkeiten ist, in deren Händen der Boycott ein alltägliches Instrument und säst noch das mildeste war und ist, diese selbe Partei erkühnt sich, den Schutz der Gesetze anzurufen, weil Andere nun dasselbe thun, was sie im großen, im allergrößten Maßstabe seit Jahren prakticirten. Ja wirklich : Was gedenkt die Regierung zu thun? Wir sind auch neugierig. Bürgermeister Lueger. Der Strohmann verschwindet von der Bildfläche, der Herr übernimmt selber die Zügel, „der Herr von Wien". „Das sensationelle Ereigniß" läßt uns Juden von Wien voll-. ständig kalt. Wir wissen, was wir von Beiden zu erwarten haben — Alles, nur keine Gerechtigkeit. Da sich die Dinge schon so verhalten, daß Herr Lueger in Wien schalten kann wie ein absoluter Herrscher, so wollen wir es lieber mit Herrn Lueger zu thun haben als mit seinem leeren Schatten. Herr Joses S t r o b a ch als Bürgermeister von Wien, als Verwalter dieses großen Gemeinwesens, das ist der reine Hohn, der aufgelegte Spott. Immer war es uns. unklar, warum Herr Dr. Lueger gerade den unwissendsten, tactlosesten und aufgeblasensten Menschen ans seiner Heerde herausgeholt hat, um ihn zunl Wiener Bürgermeister zu machen. Es ist da offenbar dieselbe Lust im Spiele, die Lueger antrieb, einen Deuuncianten mit der höchsten Auszeichnung der Stadt zu schmücken, einen Dieb zum Volksvertreter zu ernennen, die ihn auch antrieb, einen S t r o b a ch zum Bürgermeister von Wien zu machen. Man braucht nur den Nachruf zu lesen, den Lueger dem scheidenden Bürgermeister hielt, um zu wissen, was für ein aufgedunsenes Nichts dieser Herr S t r o b a ch war, der gar kein Gefühl dafür zu haben scheint, welche lächerliche Rolle er gespielt hat, als er Bürgermeister wurde, ohne zu wissen warum; und welche abgeschmackte Rolle er spielt, da er nun weggeschickt wird wie ein überflüssig gewordener Lakei. Was Herr Lueger an der: S t r o b a ch am wärmsten und ausftihrlichsten preist, ist die Thatsache, daß er so trefflich zu revräsentiren verstand. Das ist etwa so, wie wenn Herr Lueger sagen wollte, daß sein Platzhalter wohl keinen Kopf, aber einen stattlichen Bauch besitzt, den er protzig zu tragen versteht. In dem Regierungsdrama des Grafen B a d e n i schließt nun auch formell der erste Act ab, und er endet mit einer jämmerlichen Niederlage des Mannes, über dessen Qualitäten wir mrs nie einer besonderen Täuschung hingegeben hatten. Juden in Indien. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Franfurt a. M., sprach Rabbiner Dr. Munk in Marburg über die Bne Israel und die schwarzen Juden in Indien. Vor anderthalb Jahren erhielt der Vortragende eine Zuschrift aus Bombay von einem Mose Ezekiel, der ihm mittheilte, er habe von einem Vortrag über Thierschutz erfahren, den Dr. Munk vor einiger Zeit gehalten habe; er gehöre zu den Bne Israel und bitte um eine Abschrift des Vortrages. Hieraus entwickelte sich eine Correspondenz, die Dr. Munk das Material zu dem Vortrag lieferte. Die jüdischen Colonien in Indien gehören zu den inter-

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