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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-02 · 14 (2.4.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Dr Vloch's WochrnfchrM Sette 381 adelt, durchglüht auch seinen herrlichen Essay über „Jeremias" und seine Festrede zur Schillerfeier. Vielleicht ist es mir noch vergönnt, auf diese Emanationen eines echt jüdischen Idealismus zurückzukommen. Auch das freundliche Bild der edlen Frau zu zeichnen, welche seit 1894 an seiner Seite waltet, wird sich schon demnächst Gelegenheit bieten. Für heute glaube ich genug gesagt zu haben, um eine Vorstellung von dem zu bieten, was Lazarus der Wissenschaft, was er dem Judenthum bedeutet. Verehrungsvoll neigt sich die Kritik vor der ehrwürdigen Gestalt eines so edlen Meisters und mit altjüdischer Ehrerbietung für den Lehrer unserer Lehrer begrüßen wir ihn, der in unsere Stadt der Qualen gekommen ist, uns über die Noth des Augenblicks zum Bewußtsein unseres ewigen, idealen Berufes zu erheben, mit dem altjüdischen Gruße: „Gesegnet sei der Kommende!" Verus. Laue Freunde! Aus Preußen. Wir leben jetzt in Zeiten, wo ein glühender, unerklärlicher Judenhaß viele Gemüther ganz beherrscht. Bei Wahlen, die über Wohl und Wehe großer Länder entscheiden, wird die Parole: Für oder gegen die Juden, ausgegeben, während doch in Wirklichkeit es auf den Wohlstand dieser Länder fast ganz ohne Einfluß ist, ob die Juden begünstigt oder zurückgedrängt werden. Die Judenfrage ist freilich ein Cultnrmesser in dem Sinne, daß überhaupt, wo es eine solche Frage gibt, die Cultur noch nicht zum Durchbruche gekommen ist. Aber gerade diesen Standpunkt werden unsere Gegner am weuigsten als berechtigt anerkennen. Wir merken nur ein ungestümes Toben, unter dem wir bitter leiden und das Keinen fördert, und sagen mit Talbot: „Dummheit, du siegst und ich muß untergehen"; es ist die vollständige Verrücktheit, die am Regimente ist. Wenn wir eine Hoffnung hegen, so ist es die, daß ein Nervenfieber eine bestimmte Zeit braucht, um sich auszutoben, dann kommt die Krisis, entweder ergreift die Krankheit den ganzen Organismus und er geht zu Grunde oder es wird ganz von selbst wieder gut. Es ist natürlich in solcher Noth ein Strahl des Trostes, daß es noch Bevölkeruugskreise gibt, die nicht von diesem Furor ergriffen sind. Wir sind doch nicht nur Juden, so energisch auch unsere Widersacher dies behaupten, sondern Bürger, und es kann sonach in keiner Beziehung uns gleichgiltig sein, daß wir noch immer Anschluß finden an Gleichgesinnte, deren arisches Geblüt unzweifelhaft ist. Aber wir kennen aus Jesajas das Gleichniß vom schwanken Rohr, das den noch sticht, der sich darauf stützt. In Berlin gibt es einen Verein zur Abwehr des Antisemitismus; es ist den Juden nichts gelegen an überschwänglichen Freunden, die für unsere Fehler blind sind; sie können uns in diesen Zeiten, wo man überall jüdisches Geld wittert, nur compromittiren; wir wollen nichts weiter als Gerechtigkeit; wir wollen Urtheil und kein Vornrtheil. Dieser Verein ist denn auch von einem Manne ins Leben gerufen worden, dem eine weite Umschau über die Re^tsanschauungen und Verfassungen vieler. Länder den Sinn für Gerechtigkeit geschärft hat, der als hervorragendes Mitglied des preußischen Oberverwaltungsgerichtes, wie wir uns aus einem von ihm aus gefertigten Erkenntniß überzeugen konnten, selbst gegenüber dem übermächtigen Regimente B i s msa r ck, bei den bekannten Ausweisungen das Recht der Schwachen schützte. Gneist ist todt. Lebt der Verein noch, den er ins Leben gerufen? Jüngst hat eine Generalversammlung dieses Vereines stattgeftlnden; mit einer gewissen Aengstlichkeit haben wir es gewagt, eine kurze Abwehr gegen den Abwehrverein in diesen. Blättern zu veröffentlichen; wir glaubten Veranlassung zu dem Stoßseufzer zu haben, daß Gott uns vor unseren Freunden behüten möge und wir können jetzt zu unserer schmerzlichen Genugthuung constatiren, daß von hochachtbarer Seite uns zugestimmt wird. Wir wollen nicht alle Mitglieder des Vereines in einen Topf werfen. Rickert ist, an dieser Ueberzeugung halten wir bis auf Weiteres fest, durchaus frei von jeder antisemitischen Regung und an ihm hat die „Judenschutztruppe" einen gerechten würdigen Führer. Rickert hat so lange mit Ludwig Bamberg e r, mit Eduard L a s k e r in einer Fraction zusammengearbeitet; Ludwig B amberger ist noch heute, obgleich er auf ein Reichstagsmandat rechtzeitig verzichtet hat, der politische Berather seiner Freunde; wo gibt es bald einen gebildeteren Geist in deutschen Gauen, wo einen Mann, in welchem die Geistesbildung so intensiv ans den Charakter, auf das G-müth und die ganze Lebensanschauung znriickgewirkt hat? Wer ist der edlere Mann, der Jude Bamberger oder etwa der Edelmann Graf M i rb a ch, der in öffentlicher Reichstagssitzung ohne jeden Anlaß die trivialsten Witze über ein körperliches Gebrechen des sonst durchaus wackeren Reichstagspräsidenten sich erlaubte? Schon durch solchen Verkehr ist Rickert gefeit gegen antisemitische Anwandlungen; aber was haben sich seine Mannen herausgenommen! Der Verein zur Abwehr soll es sich zur Aufgabe machen, jüdische Verbrechen auszuspioniren! Wird damit nicht ausgesprochen, daß ein Jude für den andern verantwortlich ist? In früheren Jahrhunderten mochte wohl häufig die jüdische Gemeinschaft gezwungen sein, die Verbrechen eines einzelnen Juden zu vertuschen; konnte sie anders, da man, was der Einzelne sündigte, der Gesammtheit zur Last legte? Und unter den Auspicien des Abwehrvereins soll dies Verfahren erneuert werden? Was geht Euch denn der jüdische Verbrecher mehr an, als der christliche? Wollen wir Nachsicht für den schlechten Juden? Wollen wir nicht vielmehr nur Recht für den Gerechten? Im vorigen Jahrhundert hat einmal ein bekannter deutscher Professor und Judenfeind, Michaelis, behauptet, der jüdische Stamm sei so verderbt, daß eine Besserung undenkbar sei, und daran die Versicherung geknüpft, daß auf fünfundzwanzig Spitzbuben, die in Deutschland abgefaßt werden, immer vierundzwanzig jüdische kommen. Ihm hat damals ein katholischer Priester aus Lothringen, Abb« Grsgoire geantwortet: „Was bedeutet die Versicherung des Professors? Versichern sei noch nicht Beweisen, heraus mit den Registern, in denen die Gefangenen ausgezeichnet sind!" Damals, als Professor Michaelis so frech gelogen hat, steckte die Statistik noch in den Kinderschuhen, heute aber wissen wir, daß die Zahlen uns Juden nicht belasten, obgleich selbstverständlich wir gar nichts einzuwenden hätten, wenn der Percentsatz der jüdischen Sträflinge noch mehr zurückginge. In einem solchen Verlangen, jüdische Verbrechen aufzuspüren und durch die „Mittheilungen" auszuposaunen, zeigt sich eine perverse Gesinnung; besser noch heiße Feindschaft, als solch laue Freundschaft. Unsere lauen Freunde werden es auch Niemandem einreden, daß der Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden gleichgiltig sei für die Lösung der Judenftage. Referent lebt in einer Stadt, deren Oberbürgermeister ein freisinniger Mann ist, mit sehr gediegener Bildung, auch der Stadtverordnetenvorsteher ist freisinnig und von anständiger Gesinnung; nun wird von den besseren Gesellschaftskreisen ein Vergnügungsverein gegründet; so Mancher würde es als eine peinliche Störung empfinden, von seinen Büchern oder von seiner Häuslichkeit in den Vergnügungsstrudel gezogen zu werden; aber es gibt in dieser Stadt einige jüdische Kaufherren von untadelhaftem Rufe, eine Anzahl studirter Israeliten; unter Assistenz dieser obengenannten freisinnigen Leute wird der Verein gegründet und kein Jude eingeladen. Was geschieht? Einige begüterte Juden, die es sich leisten können, schütteln den Staub dieser ungastlichen Stadt von ihren Füßen und ziehen nach der Hauptstadt. Nun freilich wird über die mangelnde Heimatsliebe dieser Familien geklagt, da ihre Steuerbeiträge fehlen. Das sind Vorgänge, die sich in vielen Orten Deutschlands wiederholen. Ferner wird in der deutschen Armee zur Zeit höchst selten ein Jude Reservelieutenant; die Befähigung hiezu ist ihm plötzlich vor ungefähr anderthalb Jahrzehnten abhanden gekommen. Für viele Kreise Deutschlands fängt aber der Mensch erst beim Reservelieutenant an und der Jude wird von Kameraden und in der Gesellschaft zurückgesetzt. Der Schatzmeister und specielle Leiter des Abwehrvereins kennt diese Verhältnisse sehr gut. Wir wollen keine Dankbarkeit heucheln; wir wollen keine Almosen des Philosemitismus; wenn der Abwehrverein dadurch seine Liebe uns bekundet, daß er ä la Tausch jüdische Verbrechen aufspüren möchte, wenn er aber an den Schranken nicht rütteln will, die der Antisemitismus im geselligen Verkehr auftichtet, so sind wir schmerzlich enttäuscht von dieser lauen Freundschaft, die eine halbe Feindschaft ist. Wir haben sicherlich im Abwehrvereine noch wahre und echte Freunde, diese werden durch die Gefärbten nur beengt und zurückgehalten. B. R. * * * Hingegen erhalten wir aus Berlin von hochangesehener Seite nachstehende Zuschrift:

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