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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-26 · 13 (26.3.1897) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
13 (26.3.1897)
Date
1897-03-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Vwch's Wochenschrift Seite 375 Seitdem stieg Beppa öfters die Straße hinauf, auch wenn keines der sanguinischen Zicklein dahin enteilt war, und manchmal schwang sich Lionardo über die Cactushecke nach der Schlucht. Er verließ sich auf seine durch die lange Einsamkeit wie bei den Wilden geschärften Sinne, die ihn das Rollen eines Wagens schon aus der Ferne vernehmen ließen, er konnte noch immer zeitig genug oben sein, auch wenn er zeitweise neben Beppa aus dem Steine saß. Wenn Jenland die Beiden belauscht Hütte, er hätte kaum ein böses Wort vernommen, er Hütte überhaupt nichts gehört, denn sie sprachen nie miteinander, Sie waren sich ja so lange allein überlassen gewesen, und da hatten sie schweigen gelernt wie Zellengefangene. Nicht einmal der Anblick der freien Natur, hatte sie mittheilsam gemacht. In der Regel denken nur Maler und Dichter und glückliche Menschen über eine Gegend nach; für Beppa und Lionardo aber bestand die Natur aus Staub und Gras und Nährwerth fiir die Ziegen. Eines Tages stand Lionardo nicht auf seinem Posten ans der Straße, er kam auch nicht über die Hecke zu Beppa; er konnte es nicht, weil ihn das Fieber gepackt und er krank auf dem Stroh in seiner Hütte lag. Das Fieber kennt keinen Unterschied des Glaubens, es schüttelt die Inden so wie die Christen und den armen Lionardo schüttelte es erst recht. Keine Seele kümmerte sich um den doppelten Paria des Dorfes und des Glaubens, als er nicht kam, uni sein Essen zu holen. Nur Beppa kettete an seiner Statt den vorüberfahrenden Wagen den Radschuh an, und vielleicht zum Lohn für diese Gutthat, vielleicht auch ihrem thaufrischen Gesichte zu Liebe, flogen jetzt die Soldistücke reichlich in den Staub. Alle aber brachte Beppa des Abends getreulich zu Lionardo; es war ja doch eigentlich der Verdienst aus seinem Geschäfte, und der gehörte ihm, ihm allein. Und dabei heißt es, der Jude sei unehrlich im Handel l Doch Lionardo schaute aus seinen kranken gebrochenen Augen dankbar auf zu Beppa, die vor seinem Lager kniete und ihm heilsame Arzenei in den Mund träufelte. Einen Lössel besaßen sie Beide nicht; aber die Arzenei hatte Beppa gekauft, nachdem sie dafür ihren prächtigen Zopf beim Parruchiere gelassen. Vielleicht trägt ihn jetzt irgend eine stolze Marchesa ut Florenz oder Bologna, unbekümmert darum, daß er auf dem Kopfe einer Jüdin gewachsen. Lionardo genas. Doch da kam das Abenteuer des abessynischen Feldzuges. Italien rollte seine Flagge auf an den Küsten des Rothen Meeres und schickte seine besten Landeskinder hin, um mit ihrem Blute den heißen afrikanischen Boden zu tränken. Lionardo bekam einen dunklen Uniformrock, die Uniform weiß auch nichts von einer Differenz zwischen Christ und Jud, und darauf schimmerte hell verheißend das Symbol italienischen Glückes, der stella dltalia, denn jeder wälsche Soldat in blankem Silber oder weißem Tuch auf den Achselklappen trügt. Als Lionardo kam, um Abschied von Beppa zu nehmen, da hatten ffie wohl Beide keine Ahnung von Afrika, von Wüstenbrand und Sonnenstich, von Ras Mangaschi und den wilden Schaaren des Negus Menelik; sie dachten auch nicht ans Briefeschreiben, weil sie das nicht konnten, und so. drückten sie sich nur stumni die Hände wie Menschen, die gewohnt sind, sich vor einem Berhüngniß zu beugen, auch wenn sie es nicht fasset!. Und als der junge Soldat den Augen Beppa's entschwunden war, da bestand ihre ganze Welt wieder nur aus den Ziegen und dem Radschuh. Adua! Eines Tages durchzitterte ein einziger Schmerzensschrei das ganze große Herz Italiens. Bei Adua war eine tapfere italienische Armee unter dem Commando des unglücklichen Baratieri geschlagen und zersprengt worden. Die Hälfte war gefallen oder gefangen als Männer von Ehre für König und Vaterland wie einst die spartanischen Helden, erdrückt von fünfzigfacher Uebermacht. Von Vaterlandswegen wurden die Witwen und Waisen aller Gefallenen versorgt, und auch nach dem Dorfe Lionardos kam Geld für seine Hinterbliebenen. Schließlich fällt auch ein Judenknabe auf dem Schlachtfeld und hat dann „Hinterbliebene". Wer waren diese und wer hatte Anspruch auf die unvermuthete Erbschaft? Der Sindaco berieseine getreuen Mannen zusammen nach 'der zugigen Amtsstube und die „hielten unter sich wohl einen weisen Rath", dessen Conclusum darin bestand, daß sie den Ehrensold des Vaterlandes unter einander vertheilten. Hatten sie doch Jahre lang den armen jüdischen Knaben gefüttert; auf einmal fühlten sich alle als seine Nährväter, und dieses edle Bewußtsein gewährte doch einen gerechten Anspruch auf die caduce Verlassenschaft des tapferen Kriegers, dessen Gebeine die afrikanische Sonne bleichte. Italien war ihnen noch Dank schuldig für den Soldaten, den sie groß ziehen geholfen, und — Gold lachr auch in den Taschen der Bauern des Apennin. An Beppa dachte Niemand. Daß sie es war, die den todten Lionardo betreut und gepflegt, daß sie es war, der feilt Denken und Träumen gehörte, daß ans dem Blutselde von Adua ihr Name auch zugleich sein letzter Seuszer war, darnach ward nicht gefragt. Sie war nicht verwandt und verheiratet mit Lionardo, 'sie zählte vor dem Gesetze nicht zu dessen Hinterbliebenen, und dann wußte sie auch gar nichts von dem viele:: Gelde, das aus Rom nach ihrem Dorfe gesender wurde. Sie wußte nur, daß Lionardo tvdt war. Eines Tages aber stand weit abseits von der großen Heerde ans einsam ragender FeW klippe eine Ziege, die wohl zu den Melancholikern ihres Geschlechtes zählte; denn sie starrte unablässig in die Tiefe. Unten lag ein armes Judeumädchen zerschlagen und zerschell: von: tödtlichen Sturze. Briefkasten. S. K. Wenn Sie die lleberzeugung haben, daß der Gceißlcr Ruprecht Kieure ich in Ser Hohenstaufengasse ein enragirtcr A,rr> semit ist, so haben Sie gewiß fernen Grund, bei ihm einznkansen. „Controlor". „Es wird gewiß nichl schwer sein, zu erfragen, wie groß die Summe ist, die bisher für den Tempetbau in der Brigittenau eingelaufen ist. B. £. (Prag.) Sie haben in Bielem nur zu recht. '' Arthur H. Ter Eooperator D ittrich wird zweifellos auch ohne den Schul; Ser Immunität ungehindert weiter gegen die Juden hetzen. B. <2. L u eger ist ja noch nicht Bürgermeister. Dr. H. N. Die betreffenden Herren werden hoffentltch durch den Schaden klug werden. I. CH. Daniel» Jassy. Oe. W. fl. 10 dankend erhalten imb Abonnement bis 30. Mai 1897 eingetragen. Isidore Goldbtnui» Wiesbaden. Wir müssen leider dein beschränkten Raum Rechnung tragen und können nicht Alles publiciren. Neumann in Brandeis. Daß der hochwürdige Pater Simon, Pfarrverwef.-r bei St. Peter in Prag, welcher seinerzeit beim Herrn Dr. Kohu in Jungbun;lan Freitisch genossen und von vielen Jungbunzlauer Inden unzählige Wohlchaten und llnterstützungeu empfangen hat, nunmehr ein christlich-socialer Antisemit geworden ist, wundert uns nicht. Das entspricht Vollkommen der christlich-arischen Moral Von der Dankbarkeit. C. K. Das Schandbüchlein des von der englischen Gesellschaft bezahlten Missionärs haben wir wohl gelesen. Es enthält nichts als Blödsinn und Lügen. G. H., Wien. Wir brauchen unsere Glaubensgenossen nicht erst zu erinnern, bei Anschaffungen von Glas- und Porzellanwaaren ans Anlaß des kommenden Osterfestes jüdische Geschäftsleute zu berücksichtigen. Franz Beutel, Taborstraße 3l), erhielt ans den Händen Strobach's die Salvator-Meoaille. H. & W., Wien. Der Schuster Franz Musil. Wien, II., Hammer-Pnrgstallgasse (vormals Antonsgasse) Rr. 4, bekennt sich zur antisemitischen Partei. S. K. in P. Herzlichen Dank für die ausführlichen Mittheilungen. Besten Gruß! Dr. G. P. Dr. Greger hat cs wirklich unterlassen, anzugeben, wofür die Inden bis nun der jungczechischen Partei bereits zu Dank verpflichtet sind. Es wäre uns sehr recht, wenn die Jungczechen es einmal unternehmen würden, sich die Juden zu Dank zu verpflichten. Ln gros. nD2 b'& En detail Natur-Weine vorzüglicher Qualität Weiss-Weine . . per Liter 38, 30, 40, 48 u. GO kr. Roth-Weine . . . „ „ 30, 36» 48 u. 60 kr. Slivowitz.... „ „80 kr. n. 0.1 — In Wien von 6 Liter aufwärts franco Zustellung ins Haus. Provinz - Aufträge werden gegen Nachnahme billigst und bestens ausgeführt. Slalom. Steinhart’s Weinkellern Wien, Il/I, Rothe Sterngasse 22.

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