Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 13 (26.3.1897)
- Date
- 1897-03-26
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 13 Vr. Bloch » »ochrnlchrM. Seite 373 Beamte D. Zins eine ergreifende Ansprache an ihn richtete, erreichte der Enthusiasmus den Höhepunkt, indem sich vorerst die Beiden, sodann die Uebrigen umarmten und beglückwünschten. AmMbend?fand ein Bankett statt, bei welchen! erhebende Reden gehalten wurden, nämlich Herr R u b i n s o h n in deutscher und Mündel in polnischer Sprache. Schließlich wnrde ein Festgedicht in hebräischer Sprache von Vogel und Epstein vorgetragen, das allgemeinen Beifall erntete. Zu Ende der Feier erklärte der leitende Director. aus seinem Vermögen den Betrag per 18.500 fl. zur Bildung eines Pensionsfondes beizutragen, wozu Herr Zins den Betrag per 800 fl. ebenfalls spendete. Es ist fast unmöglich, die Begeisterung zu schildern, welche diese erhebenden Worte und munificente That erweckten und fand sie in allen Kreisen der Bevölkerung reichen Beifall. Lemberg, 14. d. M. (Eine hochherzige S t i ft u n g.) In unserer Stadt machte sich schon längst das Bedürsniß fühlbar, ein neues israelitisches Krankenhaus zu erbauen, da das von uralten Zeiten bis nun bestehende Spital den Anforderungen einer rationellen Krankenpflege nicht mebr entsprechen kann. Aber die Schwierigkeit in der Beschaffung der nöthigen Fonds machte es der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bis nun unmöglich, zu einem Neubau zu schreiten. Da erhielt nun der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zu seiner angenehmen Ueberraschung eine von 8. d. M. datirte Zuschrift des Herrn Moriz Lazarus, Director der Galizischen Actien-Hypothekenbank. Mitglied des hiesigen israelitischen Cultusrathes und Obmann des israelitischen Spitalrathes in Lemberg, in welcher derselbe seine Bereitwilligkeit erklärt, ein Krankenhaus für einem Belegraum von 80 Betten aus eigenen Mitteln für die Gemeinde zu erbauen, falls dieselbe das nöthige Grundstück zur Verfügung stellen werde. Die Kosten des Baues werden mindestens fl. 120.000 betragen. Meran. Der Heuer wie alljährlich nach Meran koninrende Wiener renommirte Componist Herr D. Kahans hat wieder durch seine zwei neuesten Compositionen „Ferienheim-Galopp" und „Amerikanische Serenade", durch die präcise Aufführung dieser zwei Stücke durch die Merauer Curcapelle und dessen ausgezeichneten Capellmeister Herrn K l i n g e r einen colossalen Erfolg und enthusiastischen Beifall mit diesen zwei neuesten Compositionen erzielt. Wir können ihm dazu von Herzen gratuliren. Abbazia, 7. März. Gestern concertirte hier Alfred G r ü nf e l d vor ausverkaustem Saale. Frau Kronprinzessin-Witwe Stefanie, Großherzog und Großherzogin von Luxemburg, sowie zahlreiche hier weilende Curgäste aus den distinguirtesten Kreisen wohnten dem Concerte bei. Ani 16. d. fand in der Villa Angiolina bei der Frau Kronprinzessin-Witwe Stefanie unter Anwesenheit eines vornehmen Publicums eine Soiree statt, deren musikalischen Theil Alfred Grünfeld allein besorgte. Heute spielt er in Fiume, morgen in Laibach und am 20. und 21. d. in Meran. Jaffa, den 13 Adar-scheni. Bon der hiesigen jüdischen Ackerbauschule Mikweh-Jisrael werden mit dem nächsten Dampfer fünf Schüler nach Argentinien abreisen, welche bestimmt sind, in den dortigen Hirsch'schen Colonien als Mustercolouisten zu arbeiten. Halle a. S., 9. März. In der - medicinischen Facültät hiesiger Universität habilitirt sich heute vr. med. Sobernheim mit einer Antrittsvorlesung über die Grenzen und Aussichten der Serumtherapie. — Professor E r d m a n n erhielt von der Akademie der Wissenschaften in Berlin aus den Mitteln zur Unterstützung und Förderung wissenschaftlicher Arbeiten 600 Mark zu psycho-physischen Experimental - Untersuchungen. Feurüeton. Simson der Gibor. Documente aus dem Nachlasse meiner Großmutter. Nach ihren Daten und inneren Zusammenhang geordnet und vervollständigt.) Von Heinrich Hammer. (schlnß.) Der Verfasser behält sich alle Rechte vor. Auch das oberwähnte Codicill des. königlichen Testaments befindet sich unter den Documenten meiner Großmutter, dasselbe erklärt und hellt Vieles in dieser Geschichte auf und will ich mit demselben die Reihe dieser schließen. Es lautet, im altpolnischeu Styl, mit Latein vielfach untermischt, wie folgt: Im Namen des Herrn. Amen. Da sich seit der Ausfertigung unserer letzten Willenserklärung in unserer Lage Manches geändert und neu ereignet hat, auch wir Manches gutzumachen haben, was wir gegen unsere Mitmenschen gefehlt, so erkennen wir es für geziemeud, zu unserem Testamente Folgendes hinzuzufügeu, hoffend und unfern geliebten Sohn, dem Gott zur Befestigung _ unseres Thrones verhelfen möge, bittend daß er diesen unseren Willen respectireu möge. Zu allererst erklären Wir hiemit feierlichst, daß wir nie in unserem Leben mit der Frau Rösel, Gemahlin des jüdischen Arztes Simson Kohn einen wie immer gearteten Umgang gepflegt oder ihre Annäherung genossen haben, und daß deren Sohn Joel, der früher taubstumm gewesen und auf wunderbare Weise sein Sprachvermögen erlangt hat. das rechtmäßige Kind ihres obbenannten Mannes ist. Hingegen erklären und bezeugen wir hiemit, daß das Mädchen, Julie mit Namen, welche als die Tochter des Edelmannes Stryczynski angesehen ward, unser eigenes, rechtmäßiges Kind ist. Zur Aufhellung dieser Thatsachen wollen Wir hiemit die Facten, wie sie geschehen sind, wiedergeben und den ganzen Verlauf wiedererzählen. Wir hatten, als wir noch in der Hauptstadt unseres Fnrstenthums Sachsen wohnten, an der Tochter eines unserer Lehensherreu Gefallen gefunden, und da das Mädchen unsere Neigung erwiderte, sie zu uns genommen. Doch wollte sie nur unter der Bedingung unseren Werbungen Gehör schenken, daß wir ihr mit einem Schwur und unserer eigenhändigen Unterschrift^ bekräftigen, daß wir ihr niemals eine Bitte abschlagen werden und Alles, was sie gegen uns etwa verschulden möge, im Voraus verzeihen. Wir thaten es, und das können wir jetzt aus unserem Todteubette gestehen, daß sie wohl unsere Unbeständigkeit richtig beurtheilt, aber einen falschen Weg eingeschlagen, mn sie zu bemeistern und dadurch ihr späteres Unglück selbst verschuldet hat. Als uns die polnische Nation zu ihrem König wählte, nahmen wir unsere Geliebte auch nach Warschau mit. In der ersten Zeit hatten wir einen kleinen Hofstaat um uns, den wir durch öftere Verleihungen des Adels an Bürgerliche zu vergrößern suchten. Unter diese gehörte auch unser Leibarzt Stryczynski, der uns durch seine heitere und genußsüchtige Nattir für sich einzunehmen wußte. Dieser rühmte uns eines Abends, als wir eben eine größere Gesellschaft gaben und das Gespräch aus die Schönheit der Frauen der verschiedenen Länder und Völker kam, die Schönheit der Jüdinnen und besonders eines Judenweibes seiner Bekanntschaft. Als wir einiges Interesse für dasselbe äußerten, entbot er sich auf der Stelle, uns zu ihr zu führen. Wir verließen unter einem Borwand unsere Gäste und folgten ihm, nicht ahnend, daß er uns schnöde zu seinen Plänen mißbrauche. Er führte Uns in das Haus des Arztes Simson, und als wir Beide die Treppe hinaufkamen, hieß er uns in die Wohnung hineingehen, und durch den Umstand, daß wir etwas dem Arzte an Gestalt und Aussehen glichen, die Frau zu überlisten suchen. Es gelang uns aber nicht, sie zu täuschen. Denn kaum hatten wir uns genähert, so schien die Frau Verdacht zu schöpfen, denn sie richtete an Uns einige Worte, die wir nicht verstanden. In demselben Augenblicke hörten wir einen Lärm auf dem Gange, denn der Arzt Simson war heimgekehrt und fing mit Stryczynski Streit an. Wir eilten hinaus und als wir die Beiden im Handgemenge sahen, ergriffen wir, um unseren Arzt zu befteien, den Juden und warfen ihn die Treppe hinunter. Dann verließen wir Beide eiligst das Haus und kamen in das Schloß zurück, bevor noch Jemand von dem Borgefallenen etwas ahnen konnte. Dies ist die wahrhafte Darstellung des ganzen Vorfalles und sind wir der Frau des Ärzten Simson gar nicht nahegekommen. Der nichtswürdige Sttyczynski aber, nicht genug daß er uns so niederträchtig zu mißbrauchen versuchte, da wir nicht wußten, daß er schon früher ein Auge aus die Frau geworfen hatte, und weil sie ihn abgewiesen, versuchte er es aus diese Weise, sich an ihr zu rächen, wußte uns noch volles Vertrauen zu sich einzuflößen, so daß wir ihn besonders begünsttgten und er beständig um uns sein durfte. Das ermöglichte ihm, hinter unserem Rücken mit unserer Geliebten ein Berhältniß anzuknüpsen. Unsere Gefühle für sie hatten damals, infolge unserer bedrängten politischen Lage etwas nachgelassen und die Arme glaubte durch Eifersucht unsere Aufmerksamkeit für sich wieder