Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 13 (26.3.1897)
- Date
- 1897-03-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 270 Kr. VLoch's Wochen,chrtfi. Nr. 13 Werkes nicht unwillkommen erscheinen. Die „Re a l-E n c yk l o p ä d i e des I u d e n t h u in sh 0. Dr. I. Hamburge r, Ober- und Landesrabbiner in Strelitz (Mecklenburg), nähert sich ihrem Abschlüsse. Bon derselben sind erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen: 1. Die erste Abtheilung, Biblische Artikel, 7 Hefte (ä 10 Bogen, Grvß-Lexikonformat) A—Z; 2. bie A bt h e i lun g II, Tal nt n d und M i d r a s ch, 8 stärkere Hefte A—Z; 3. die dritte A b t h e i l u n g, Nachtal m u d i s ch e s, 3 Hefte, das vierte Heft befindet sich unter der Presse und bringt äußerst wichtige Arbeiten. Im Ganzen bildet diese Neal-Encyklopädie ein werthvolles Nach schlag eü u ch in deutscher Sprache, bas ausführlichen und klaren Aufschluß gibt über die Ethik, das Recht, die Dogmatik, den Cultus, die Bräuche u. A. m. im jüdischen Schriftthnme, sämmtliche Gegenstände werden geschichtlich behandelt und dargestellt. Stettin, 11. März. Die Vorgänge in der „Chewra- Kadischa" hier verursachen große Aufregung. Sämmtliche Vorstandsmitglieder derselben haben ihr Amt niedergelegt. Herr N. Aren hier hatte drei oder vier Grabstätten gekauft. Auf einer derselben ist seine erste Gemahlin beigefetzt, auf der zweiten seine. Schwester. Herr Aren hat wieder geheiratet, seine jetzige Frau ist Kathpliki n und Aren kam bei der Gemeinde um die Erlanbniß ein, diese seine zweite Frau ebenfalls auf dein jüdischen Friedhofe einst beerdigen zu dürfen. Die Repräsentanten legten die Sache dem Rabbiner Herrn Dr. V o g e l st e i n zur Begutachtung vor, welcher dahin entschied, daß solches eigentlich nicht gestattet sei, aber man möge es aus Toleranz-Rücksichten z u l a s s e n, auch möge man die zweite Bitte gestatten, nämlich, daß man die erste Frau ausgrabe und neben jener Stelle lege, die Herr Aren für sich reservirt hat. — Die Vorstandschaft des Beerdigungsvereines Chewra-Kadischa proteftirte gegen dies eigenthümliche Gutachten des Rabbiners, und als in diesem Protest eine Raschi-Stelle citirt wurde, bemerkte ein Mitglied der Repräsentanten, Dr. L e v i n : Wer war R a s ch i, unser Herr Dr. B o g e l st e i n ist ebensoviel als Raschi." Alsdann ergriff Dr. Freu n d, von der Gemeinde zur Aufsicht der Friedhofsachen angestellt, das Wort. Der Inhalt seiner Rede strotzte von solchen unjüdischen Phrasen, daß ein Vorstandsmitglied des Becrdigungsvereines, das 34 Jahre hindurch sein Amt mit größtem Eifer verwaltet hat, der allgemein als gottesfürchtig und edelmüthig bekannte Herr Hermann L e h m a n n trotz vieler Bitten, zu bleiben, sofort den Saal verließ. Die Versammlung verlief äußerst stürmisch und kam zu keinen Resultat. Nowgorod, 3. März. In den letzten Sitzungen des Zemstivo vom Bezirk Nowgorod hat es sich um verschiedene gesundheitliche und medicinische Fragen gehandelt. Der Vorschlag bezüglich einer Subvention für das neue medicinische Fraueninstitut wurde angenommen. Während der Debatten hat sich Herr K w o s ch i n s k i. eines der hervorragendsten Mitglieder, erhoben, um gegen die Ausschließung der nicht christlichen Candidatinnen, namentlich der Jüdinnen, zu opponiren. .„Wir, die unmittelbaren Vertreter der wesentlichen Interessen der Provinz, haben oft Gelegenheit, das dringende Bedürfnis; der Bevölkerung nach einem weiblichen Arzt, namentlich in den Gegenden, wo die einheimischen Völkerschaften wohnhaft sind, zu beobachten; auch bei uns wagt es eine kranke Frau nur im äußersten Fall, sich an einen männlichen Arzt zu wenden. Im Bezirk Makarief besitzen wir einen weiblichen Arzt, der die Sympathie der Bevölkerung zu gewinnen gewußt hat. Und diese Dame ist eine Jüdin, was sie bei dem Volke hätte verdächtigen können. Sie ist im Gegeutheil sehr beliebt bei ihren Kranken, sehr angesehen; das Vertrauen und die Hochachtung, die sie genießt, sind derart, daß sie sogar in Frauenklöstern als Arzt ausgenommen wurde, selbst da, wo die strengsten Verordnungen den Eintritt einer jeden nicht christlichen Person verbieten. Daher ersuche ich den Zemstwo, daß er, indem er dem neuen Institut die Subvention gewährt, die competente Behörde darum ersucht, den Artikel der Statuten der Anstalt, welcher den nichtchristlichen Candidatinnen die Thore des Instituts verschließt, a b z u s ch a f f e n." -Die Versammlung hat fast e i n st i rn m i g diesem Vorschlag ihre Zustimmung gegeben. Tschigrin (Rußland). Der Rabbinatscandidat Eise nst e i n wurde hier zum K r o n r a b b i n e r gewählt, obwohl der Apotheker O ch s m a n n mit ihm concurrirte und ftir den Fall seiner Wahl den Gemeindemitgliedern freie Arzneien versprach, so daß die ganze Gemeinde ohne Kosten krank werden könne. Die Gemeinde war aber nicht krank genug, um ihn zu wählen. Hiermit wurde dem Apotheker das Recept, wie man Rabbiner wird, und das Concept zur Antrittspredigt verdorben und er hat keine Arznei für sein eigenes Leiden. Aus Beffarabien, 2. März. Im offiziellen Bericht der Ackerbauschule zu Kokorozine für das Jahr 1895 wird gesagt: „Der Bezirk Orgheef (Beffarabien) zählt eine große Anzahl von Tabakpflanzern. Die Juden haben diese Industrie in der Gegend eingeführt und sind fast die einzigen, die sie betreiben. Es muß zugestanden werden, daß sie den Boden, das Klima und die Pflanze ganz außergewöhnlich gut kennen. Wenn sie sich bezüglich der großen Cultur noch in den primitivsten Stadien bewegen, so sind sie in der Tabakcultur als wahre Meister anzusehen. Daher trifft man hier allerorts große Ackerbauwirthschaften. die von Juden geleitet werden. Die christlichen Bauern verstehen sich nur wenig auf die Behandlung der gepflückten Tabakblätter. Daher schmeckt der Tabak, den sie Herrichten, schlecht und ist geringerer Qualität". Medule, den 26. Adar. Der Vertreter unseres verehrten Protectors, Herr Elia Scheid, kam in Begleitung der Herren O s s o w ie tz k y aus Roach-Pinah,Chazan aus Sikhron-Jaakobh und anderer Beamter der unter dem Protectorate stehenden Colonien hieher. Abends ließ er sämmtliche Bauern dieses jungen jüdischen Dorfes zu einer Versammlung sich vereinigen, um im Namen des edlen Schützers herzlich warme Worte an die Colonisten zu richten-und zugleich Herrn Ch azan als den neuen Oberverwalter von Rosch-Pinah an Stelle des bisherigen Herrn Ossowietzky vorzustellen. Dieser selbst wird von jetzt ab in Beirut wohnen um in der Provinzialhauptstadt die Interessen der galliläischen Colonien wahrzunehmen. Am vergangenen Sabbath hat Herr Scheid in ähnlicher Weise nach dem gemeinsamen Gebete in der Synagoge zu Rosch- Pinah den Wechsel in der Person des ersten Beamten den Colonisten mitgetheilt. Rehobhoth, den 12 Adar-scheni. Jeder Besucher dieser Colonie mußte unbedingt auch die Schule besuchen, da sie ein Muster für derartige Anstalten in unseren Dörfern zu werden bestimmt ist. Abgesehen davon, daß die junge Heranwachsende Generation in den Geist des Hebräischen als ihrer Muttersprache eingefübrt wird, hat man hier zuerst daran gedacht, daß diese Anstalten nicht nur jüdische Kinder, sondern jüdische Bauern- . kinder erziehen sollen. Jeden Nachmittag gehen fünf Knaben der obersten Schulclasse unter Aufsicht eines tüchtigen und geübten Arbeiters hinaus auf Feld und Garten, um unter seiner Leitung allelandwirthschaftlichen Arbeiten selbstständig auszuführen. Die Colonie hat zu diesem Zwecke einen Platz von circa einem Hektar angewiesen, auf dem die Schulknaben bis jetzt ringsherum eine Reihe Von acacia mimosa phamesiana und zwei Reihen des Wunderbaumes Eucalyptus angepflanzt,' um nunmehr das Land mit tiefem Spatenstich von dem Jnsect, der geftirchtesten Art der hiesigen Quecke (Triticum repens) gründlich zu reinigen. Man wird sodann das Land mit Weinreben, Orangen, Citrusäpfeln (Ethrogim), Mandeln und anderen Fruchtbäumen anpflanzen, und so allmälig durch diese Kinderarbeit eine gute Baumschule schaffen. Die Einnahmen aus dieser Baumschule werden dazu verwendet werden, für die Kinder gute Garteninstrumente und Turngeräthe zu erwerben. Selbstverständlich ist es — und hoch klopft das jüdische Herz dabei auf, — daß die Kinder an ihren Leiter alle ihre Fragen in elastischem Hebräisch richten, um in derselben Sprache die Antwort zu erhalten. So werden Geist und Körper, Judenthum und landwirthschaftlicher Sinn zugleich gekräftigt und gestärkt, und man muß dem leitenden Gärtner von Rehobhoth, Herrn A. Eisenberg, aus vollem Herzen Dank wissen, daß er diese vortreffliche Einrichtung getroffen und trefflich durchgeführt hat. Zugleich werden auch die Mädchen der Colonie zu solcher Arbeit dadurch mit herangezogen werden, daß man in dem oben bezeichneten Versuchsgarten auch Gemüse baut, und die zukünftigen Colonistinnen werden damit schon jetzt jene auch für sie zugänglichen Arbeiten praktisch lernen, wie sie jede Bäuerin in den mitteleuropäischen Ländern zu thun gewöhnt ist. Außerdem lernen sie dann den Umgang mit dem Milchvieh und die ganze Milchwirthschaft. Auch sie sprechen mit dem Leiter der Arbeit wie untereinander die reine hebräische Sprache. Die Bedeutung dieser neuen Einrichtung wird uns völlig klar, wenn wir be-