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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-26 · 13 (26.3.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
13 (26.3.1897)
Date
1897-03-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Sir. 13 Vr. Vloch« Mochrnschrtfl Seite 269 Nachrichten" fördern, und erscheint es nicht als Ironie, daß die Abnehmer der von dieser Firma erzeugten Artikel zum großen Theile Juden sind. Die Herren handeln eben nach dem Spruche, der noch vielen Anderen gefällt: „Den Inden liebe ich nicht, aber sein Geld nehme ich gerne", aber ich weiß nicht, ob ihre jüdischen Kunden derselben Meinung sind, und daß diese etwas Näheres über ihre Lieferanten erfahren, soll der Zweck dieser Zeilen sein. Leipzig. Schon im vorigen Jahre wurde hier aus Anregung des Herrn Banguier Alfons I a c o b s o h n, der sich bereits vielfach durch seine Menschenliebe und Opserwilligkeit in hiesigen Kreisen hochverdient gemacht hat, eine jüdische Volksküche eingerichtet. An hiesige Arme werden täglich etwa 80 Portionen gratis vertheilt, während Fremde einen ganz geringen Preis dafür bezahlen. Die Wohlthat einer solchen Einrichtung näher zu beleuchten, ist wohl überflüssig. Durch die Menschenfreundlichkeit und Munificenz des bereits genannten Herrn I ak o b s o h n wurde es nun ermöglicht, im vorigen Herbst mit der Volksküche auch einen sogenannten „Kinderhort" zu verbinden, in dem 40 arme Kinder nach dem Besuch der Schule Ausnahme, Leitung und Verpflegung finden. Das Local hiezu, das sowohl dem Schönheitssinn Rechnung trägt, wie auch in hygienischer Beziehung allen Anforderungen entspricht, befindet sich in einem Hause des Herrn I a k o b s o h n, dessen ersten Stock er gratis dem „Kinderhort" zur Verfügung stellte. Nach Schluß der Nachmittagsschule werden die Kinder dort vor Allem zu Reinlichkeit und Ordnung angehalten, dann wird ihnen ihre Jause gereicht und hierauf machen sie in den gut durchwärmten 2 Schulzimmern (eines für Knaben, eines für Mädchen) ihre Ausgaben. Nach Erfüllung dieser Pflicht steht den Kindern im Winter auch ein Spiel- und Turnzimmer, im Sommer dagegen ein großer Garten zur Verfügung, in dem ein jedes Kind sein eigenes Beet bebauen kaum. Um 7 Uhr Abends erhalten die Kinder noch ihr Abendbrod und verlassen um 8 Uhr die gastliche Stätte, von der sie von den Eltern abgeholt werden. Frauen und Mädchen der Gemeinde betheiligen sich in aufopfernder Weise an dem Liebeswerk und führen abwechselnd die Aufsicht im Kinderhort. Die Oberleitung dieser segenbringenden Institution ruht in den Händen der ebenso umsichtigen wie erfahrenen würdigen Damen der hiesigen Gemeinde, denen die Gattin des hiesigen Rabbiners, Frau Dr. P o r g e s, als leuchtendes Beispiel in selbstlosester Weise vorangeht. Möge das edle Werk, von wahren Menschenfreunden geschaffen und geleitet, zum reichen Segen unserer jüdischen Jugend werden! B. Frankfurt a. M., 18. März. In der Colonialgesellschast hielt heute der frühere deutsche Gesandte in Peking, v. B r a n d, bewillkommt vom Vorsitzenden Dr. Cohn und b 'grüßt vom Beifall der den Handelskammersaal überfüllenden Hörerschaft, einen an lehrreichen Mittheilungen wie all anregenden Betrachtungen gleich werthvollen Vortrag über Familie und Staat in China. Er legte den patriarchalischen Zug im Familienleben und im Staatswesen des Reiches der Mitte dar. zeigte die ausgeprägte Werthschätzung, die der Chinese dem „Li" widmet, den den Menschen über das Thier hebenden Sinn für Ordnung und Ehrfurcht gegen Vorfahren und Vorgesetzte, schilderte die Eigenart der großen Familiengruppen, die ethisch und wirthschastlich Zusammenhalten, die gedrückte Stellung der Frau, die Ehe, den Ahnencultus, das Beamtenthum, das staatliche Prüfungswesen und die Ausbeutung der Provinzen, die Stellung des Kaisers zum Volk, die religiösen Zustände und die Abgeschlossenheit des Landes. Man erhielt, wie das von dem Autor des neuesten Werkes über China nicht anders zu erwarten war, ein sehr klares Bild dieses Landes der Seltsamkeiten. Aus actuelle politische Fragen ließ sich der Vortrag nicht ein. Er streifte sie nur, wo er die Nachrichten über die Christenverfolgungen daraus zurückführte, daß die Missionäre oft die Ansprache unterstützten, die neue Christen beim Glaubenswechsel auf Auszahlung ihres Antheiles am Stammesbesitz erheben. Er erwähnte ferner, wie nur die unmittelbar vom japanischen Kriege betroffenen chinesischen Provinzen Kenntniß von den Vorgängen hatten und wie selbst in den Gegenden der Schlachtfelder die Ereignisse schon in Vergessenheit gerathen. Als 1860 die Engländer und Franzosen Peking stürmten, bildete sich bald die Legende im chinesischen Volk, daß nur gefangene Barbaren in die Kaiserstadt gelangt seien, und höchstens in Peking selbst erinnerten die Brandruinen des Sommerpalastes heilsam an die Macht der Europäer. Im Uebrigen „nagen wir nur an derMinde von China"; das Innere ist uns fremd. Berlin, 14. März. (Antisemitismus unter d e m R o t h e n Kr e u z.) In Bromberg ist vor einigen Tagen, wie nran der „Freisinnig. Ztg." schreibt, von dem Oberstabsarzt Dr. Hering ein Frauen-Krankenpflegerinnen-Verein gegründet worden, welcher nach dem in seinen Statuten ausgesprochenen Grundsatz einen streng antisemitischen Charakter an sich trägt; dem: nach den Statuten des Vereines dürfen nur christliche Damen in den Verein ausgenommen werden und sind sonach israelitische Damen selbstverständlich von der Ausnahme ausgeschlossen. Der techmsch-sanitüre Leiter des Vereines huldigt dem ''Antisemitismus. Der Ausschluß der Juden hat in der Bürgerschaft zu Bromberg nicht geringes Befremden erregt, zumal derartige sanitäre Vereinigungen, wie auch der vorstehende Verein, was in den Statuten besonders hervorgehoben ist unter dem Zeichen des Rothen Kreuzes stehen und bekannt ist, daß unter den Vorstandsmitgliedern letzterer Vereine sich auch jüdische Personen befinden, wie dies auch in Bromberg der Fall ist. — Die Uebungen des antisemitischen Krankenpflegerinnen-Vereines finden unter Leitung des Oberstabsarztes Dr. Hering im Militär-Lazareth statt. Berlür, 16. März. (Daniel Sander s.) __ lieber den verstorbenen Lexikographen schreibt der „Berliner Börsencourier": Einer officiellen akademischen Stellung widerstrebte S a nd e r s im Interesse seiner Arbeiters, aber auch deshalb, weil der gebührenden Würdigung in der akademischen Laufbahn sein Jude.ithum vielfach hindernd gegenüberstand. Ist doch Dr. S a nd e r s der Titel eines Profeffors erst spät verliehen worden, erst als es sehr wunderlich zu erscheinen ansing, daß unsere hervorragendste, erste Autorität auf dem Gebiete deutscher Sprachwissenschaft nicht Professor war, erst als der Titel ihn weit mehr brauchte, als er den Titel. Nebenbei hatte es stets einen sehrkomischen Beigeschmack, wenn die Juden der Verschlechterung der deutschen Sprache beschuldigt werden, indeß der verdienstvollste deutsche Sprachforscher und unsere erste Autorität in allen Fragen der Sprache ein Jude war. Nun ist er uns entrissen, er, dessen Entscheidung in allen Sprach-Streitfragen angerufen und widerspruchslos als Gesetz anerkannt zu werden pflegte. Ein Leben voll stiller, gewissenhafter und rastloser Arbeit ist abgeschlossen, ein Leben, aus dem jeder Zeitaufwand für Weltsreude und Genuß, ja für Erholung ausgeschlossen war. Als S a nd e r s sein Deutsches Wörterbuch nach den mühseligsten Arbeiten abgeschlossen hatte, da fragte ihn einmal eine Dame: „Jetzt werden Sie wohl eine Reise machen, Herr Doctor?" „Nein, dazu habe ich keine Zeit." Aber Sie müssen sich doch eine Erholung gönnen!" „Ich werde mich einmal ausschlafen!" Sandsrs hatte den Schlaf jahrelang aus ein erstaunlich geringes Maß eingeschränkt. Nun findet er die Ruhe, die er sich zeitlebens nicht gegönnt hat. Strelitz, 15 März. Gestern wurden die irdischen Ueberreste des Professors D^. Daniel Sanders zur letzten Ruhestätte überführt. Nachmittags 31/., Uhr begann in der Synagoge die Trauerfeier; außer den nächsten Verwandten hatten sich die Spitzen der städtischen Behörden, sämmtliche Vereine der Stadt und viele hiesige Einwohner eingefunden, so daß die Synagoge mit Leidtragenden Kopf an Kopf gefüllt war. Der Oberrabbiner Dr. Hamburger hielt eine ergreifende Predigt, in der er den Verstorbenen nicht nur als einen bedeutenden Gelehrten, sondern auch als einen echten deutschen Biedermann feierte, der zur Einigung Deutschlands zwar nicht mit dem Schwert, wohl aber mit seinen geistigen Kenntnissen wesentlich beigetrageu hat. Nach der Trauerfeier setzte sich der Leichenconduct, mit dem Kriegerverein an der Spitze, in Bewegung, es folgten die Schützen-Compagnie und der Männerturnverein, allen diesen gehörte der Verstorbene als Ehrenmitglied an, daran schlossen sich die technischen Vereinigungen im vollen Wichs mit ihren Fahnen. Dem Leichenwagen schritt ein Mitglied des Kriegervereines voran, aus einem Kissen die Orden des Verblichenen tragend. Alle Straßen der Stadt, die der Trauerzug passirte, waren dicht mit Menschen gefüllt, wohl selten hat ein großartigeres Leichenbegängnis in unserer 'Stadt stattgefunden. Aus dem Friedhofe folgte ein deutsches Gebet, gesprochen von dem Cantor B e r e n d t. Das Kadisch-Gebet schloß die erhebende Feier. Slrelitz. Geehrter Herr Redacteur! Für Ihre Zeitung, die auch über das geistige Schaffen unserer Glaubensgenossen von Zeit zu Zeit berichtet und so literarische Erzeugnisse fernen Kreisen zuführt, dürste die Nachricht uon der baldigen Vollendung eines größeren, wichtigen

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