Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 13 (26.3.1897)
- Date
- 1897-03-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021182--06588-3030876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 268 Nr. 1Z Dr Vlortz's Wottrenfttzrip. ja — geradezu viel zu lächerlich, um erwidert zu werden, aber auch ebenso unwahr ist es, daß wir die Arbeiter unterstützten, um dem Antisemitismus ein Gegengewicht zu schaffen. Einzig und allein unser Rechtsbewußtsein und der Gedanke, daß wir Juden seit undenklichen Zeiten nur zu gut wissen, wie bitter es schmeckt, immer und wieder gedrückt und angefeindet zu sein, waren der Beweggrund unseres Handelns. Eine Genugthnung war es für nns, als wir sahen, daß wir genau dasselbe thaten, wie es der größte noch lebende czechische Patriot seiner Nation zu thun empfohlen hat; denn kein Geringerer als Dr. R i e g e r war es, der ausdrücklich die Erklärung abgab, daß er kein Mandat in der V. Curie annehme, nachdem diese Mandate seiner Ueberzeugung.nach den Arbeitern gehören; daß dieser greise Staatsmann es mit der Nation aufrichtig, ja zum Mindesten ebenso treu und wahr, wie die jetzigen Führer meint, das steht bei uns Juden außer jedem Zweifel; und wenn auch die sogenannten Freisinnigen den alten bewährten Führer verhöhnen, und wenn auch sein früherer Anhang (die Altczechen) von ihm abflankire und sich still, aber sicher seitwärts in die Büsche schlage» wir Juden — und namentlich die älteren unter uns, die wir seit 40 Jahren sein Wirken und Thun verfolgten, wir — die wir es miterlebt haben, wie Dr. R i e g e r einer der Ersten war, welcher die Nation aus ihrem Winterschlafe aufrüttelte, die nationale Begeisterung entflammte, ihr Errungenschaften znführte, so daß sie heute nach einer kurzen Spanne Zeit (in der Geschichte ein Augenblick) einen der hervorragenden Plätze in der europäischen Völkerfamilie einnehmen, wir werden stets seine Worte hoch in Ehren halten. Wenn aber die Herrschaften im „OesKv Hst" von uns erwartet haben, daß wir solchen Einpeitschereieu, wie sie sie oder wie sie das große freisinnige Prager Blatt inscenirt haben, hätten Gefolge leisten sollen, oder wenn sie uns gar zugemuthet haben, daß wir den Nothschrei des P. S i m o n, welcher dahin ansklang, daß Jeder, Jeder zur Urne eile, weil sonst die böhmische Krone verschachert wird, oder gar den Januner eines Bicyclefabrikanten Svagrovsky über den Mangel an Betlust beim Arbeitercandidaten D e d i c ernst nehmen sollten, dann allerdings haben sie sich. .in uns geirrt, denn uns lassen derartige falsche GefühlsckNsbrüche vollkommen kühl, wir führen sie auf das richtige Maß zurück, als das, was sie sind — als ungeschlachte Wahlmanövcr, die höchstens dazu gut sind, um in den schwarzen Bergen die Schafhirte znsammenzntreiben. Heinrich P. Deutschbrod, 16. März. Am 16. d. M. fand hier ein Markt statt, an welchem der arme jüdische Händler Philipp Popper aus Reichenberg voller Geschäftseifer in böhmischer Sprache die vorzügliche Qualität seiner zur Schau gestMen Schleifsteine anpries; doch als deutsche Bauern von den Sprachinseln unserer Umgebung ihn wegen des Preises interpellirten, antwortete er ihnen bereitwilligst in der angeredeten Sprache. Dies aber paßte dem in Civil anwesenden Polizeicommissär nuferer Stadt nicht, der bereits seine Gesinnung nicht gerade als Philosemit docnmentirt, und da der unglückliche Händler seine orientalische Abstammung durch sein Aussehen nicht -verleugnen konnte, worin eigentlich der Grund)des Handelns unseres Gesetzhandhabers zu suchen, schrie er den Geschäftsmann an, böhmisch °zn reden und durch fein deutsches Reden nicht die nationalen Gefühle unserer Landsleute aufzuregen. Dieser, nicht ahnend, welch' mächtigen Herrn er vor .stch habe, erwiderte, es gehe ihn nichts an. Kurze Zeit darauf erschien das ausübende Organ der Gesetze, der Polizeimann und holte den zitternden Unschuldigen vo.n seinem Stand, seiner Waare, seiner Habe ab vor den Äugen eines großen Publicums unter die Augen des willkürlichen Herrschers über Gesetze. Da dieser aber keinen Paragraphen in den Gesetzbüchern fand, daß deutsch sprechen bestraft werde, entließ er den Sünder unter strenger Verwarnung. Warum verhaftet denn der Herr Polizeicommissär nicht andere Leute arischen Ursprungs, die sich der gegen das Gesetz verstoßenden Sprache sogar öffentlich und im Stadtrathe hierorts bedienen? Warum handhabte der Herr Polizeicommissär nicht strenger das Gesetz, als ein verruchter Thäter während des Gottesdienstes einen Stein in den Tempel warf.? Einen besonderen Sport betreibt der Herr Polizeicommissär, indem er mit Leidenschaft Hunde anschießt, deren Besitzer Juden sind, wie wenn die unschuldigen Thiere für den Geburtsfehler ihrer Besitzer büßen müßten. Hohenau, 16. März. An Spenden sind ferner eingegangen von den Herren: Hermann S t i a s n y, Nikolsburg, 3 fl.; Dr. Sigmund Groß, Klobouk, 2 fl.; David Schi ld, Pohrlitz, 1 fl.; Sam. Schiller, Gänserndorf, 3 fl.; E. Glaser, Gr.-Meseritsch, 2 fl.; Joh. Spitz, Saitz, 2 fl.; Israeliten aus Dürnkrut, 20 fl.; S. Adler, Feldsberg, 3 fl.; Adolf Körne r, Drösing, 5 fl.; Simon L ö f.f l e r, Mistelbach, 2 fl. Hiezu die ausgewiesenen 1278 fl., zusammen 1321 fl. — Nachdem wir durch antisemitische Umtriebe kein Local zu unserem Gottesdienste zu miethen bekommen können, uns auch aus obigen Gründen das frühere Betlocal gekündigt wurde, so sind wir gezwungen, an die Erbauung eines Tempels noch im heurigen Jahre zu gehen. Wir bitteil daher die löbl. Cultusgemeinden und edle Glaubensgenossen um Spenden, da wir leider ans eigenen Mitteln nicht im Stande sind, den Ban auszuführen. Das Tempelbau-Comits: K. F ü r st, Dr. L e i m d o r f e r, A. S o n n e u m a r k. Ro^nau. (Eilftes S p e n d e n - V e r z e i ch n i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Cnrorte Ro^nan sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: „Bnai Brit“, Humanitätsverein, Brünn 20 fl.: §errit L. Reich, Podgorcze 10 fl.; Dr. K. Lippe, Jassy 5 fl.; Dr. H. Burstin, Jassy 4 fl. 77 kr.; Kalman Kurzmann, Rzeszow 5 fl.; Sammlung Frau Auguste Röhr, Wlaschim 4 fl. 80 kr.; Ungenannt, Szegszard 50 kr.; Chewra-Kadischa Piesling 5 fl.; Chewra-Kadischa Rvhoncz 5 fl.; Chewra-Kadischa Szepes-Olaze 1 fl. 20 kr.; Chewra-Kadischa Humpoletz 5 fl.; Chewra-Kadischa Helhärs 6 fl.; Cbewra-Kadifcha Tolna 2 fl.; Chewra-Kadischa Räkonitz 5 fl.; Chewra-Kadischa Sassvar 5 fl.; Chewra-Kadischa Neutitsch ein 10 fl.; Cultusgemeinde Franzensbad 5 fl.; Chewra-Kadischa Gewitsch 4 fl.; Franen-Berein Laun 2 fl.; zusammen 105 fl. 27 kr. Letzter Ausweis 2566 fl. 54 kr., Summa 2671 fl. 8l kr. — Die int neunten Spendenverzeichniß genannte Spende von der Chewra- Kadischa Preßburg soll richtig heißen: „Chewra-Kadischa der Religionsgemeinde Preßburg." Dr. L. S. S kr ein k a, Adolf P o l l a k, Curarzt in RoLnau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus Neu m a n n, Mitglied des Cultusvorstandes in Proßnitz (Mähren). Goltsch-Jenfkau,, Am 21 jb.. unftr.mgfs.en-. Hafter Betheiligung aller Bevölkerungsclassen die irdischen Ueberreste eines Mannes zu Grabe getragen, der es verdient, in diesem geschätzten Blatte erwähnt zu werden. Der Verblichene, Herr Josef S i l b e r st e r n, der Gründer der Holz-Großhandlung Josef S i l b e r st e r n L Söhne, hat sich insbesondere in den letzten Jahren, als er die Hauptleitung der Geschäfte seinen Kindern überließ, mit großem Interesse allen jüdischen Angelegenheiten unserer Gemeinde gewidmet; namentlich hat er sich, als noch auf dem Boden strenger Religiosität stehend, große Verdienste um die hiesige Chewra-Kadifcha, : deren langjähriger Vorsteher er war, erworben. Die Gemeindearmen beklagen in dem Hingeschiedenen einen stets bereitwilligen Wohlthäter. Unser Rabbiner, Herr Dr. Thieberger, der mit dem Verblichenen eng befreundet war, hielt demselben in Gegenwart zahlreicher, auch aus weiter Ferne, namentlich aus Wien herbeigeeilter Verwandter und Freunde des Entschlafenen eilten tief empfundenen Nachruf, in welchem er die Verdienste und Tugenden des Dahingeschiedenen hervorhob, wobei kein Auge thränenleer blieb. Tachau, 19. März. Die Wahlbewegung in Böhmen hat sonderbare Früchte gezeitigt. Seit dem Jahre 1885 vertrat den Landgemeindewahlbezirk Plan-Tachan rc. der Tachauer Bürgermeister Heinrich S w o b o d a, der sich um seine Wählerschaft große Verdienste erwarb — so erreichte er jüngst für Tachau bei einer Concurrenz von 126 Städten die Errichtung einer Tabakfabrik — und stets als ein wahrhaft liberaler, toleranter Mann sich zeigte, der die Sympathie weiter Kreise genießt. Bei den jüngsten Neuwahlen trat als Gegencandidat S w o b o d a's der ehemalige Lebzelter und jetzige Leibjournalist des Rosenauer Schloßherrn, Carl J r o, auf, der ihn auch, durch alle möglichen schmutzigen Mittel unterstützt, zu Fall brachte. Zu dieser Candidatur war Jro von einer Tachauer Clique veranlaßt worden,- die sich aus ehemaligen Anhängern S w o b o d a's zusammengesetzt, welche, da er ihre egoistischen Absichten nicht zu verwirklichen half, nunmehr seine Feinde geworden sind. Häupter dieser Sippe sind die Inhaber der Holzbearbeitungsfabrik Anton Lugner Söhne in Tachau, die sich dabei als Erzverfechter des Antisemitismus gefallen und moralisch und materiell das bekannte Schmutzblatt „Egerer