Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 13 (26.3.1897)
- Date
- 1897-03-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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’Jh! 13 Vr. Vwch's MottzensltzrtN S 'ite 267 Friedhofes hielt der Präsident des Journalisten- und Schriftstelleroereins „Concordia", Ferdinand Groß, dem verstorbenen Schriftsteller einen ehrenden Nachruf. Am offenen Grabe sprach dann Landtags-Abgeordneter Dr. Ofner einige warme Abfchiedsworte. Wien. Am Donnerstag den 18. d. M., Mittags, verschied nach kurzem Leiden unoermuthet Frau Cäcilie S o r, die Gattin des Herrn Rabbiners Wilhelm S o r im XVIII. Bezirke, Währing. Als Begründerin und nachmalige Vertreterin des israelitischen Frauenvereines in Währing batte ich Gelegenheit, Frau Rabbiner S o r kennen zu lernen, und später im näheren Verkehr das Glück, innig mit der nun in Gott Entschlafenen befreundet zu werden. Wir verlieren in Frau Rabbiner Sor eine Zierde der jüdischen Frauen, die ihrem herzensguten Gatten, Herrn Rabbiner Sor, engelsgleich zur Seite war. Ruhig und bescheiden, anspruchslos in ihrer Lebensweise, war sie eine pflichttreue Gattin und aufopfernde Mutter. . Mit teilnehmendem Schmerze blicken wir, welche das schöbe Familienleben kannten, auf den gebeugten Gatten, auf dw trostlosen Kinder, denen allzu früh ihr Theuerstes entrissen wurde. Die rege Antheilnahme aller Freunde und Bekannten möge den Leidtragenden Trost in ihrem Schmerze sein. Ernestine W i l h e l m. Wr.-Neustadt, 19. März. Das am 18. d. M. stattgefundene Pnrimkrünzchen gibt uns Anlaß, das stete Zusammenhalten unserer Gesinnungsgenossen von Wr.-Neustadt und Umgebung belobend hervorzuheben, indenl sich weder Arm noch Reich von diesem Freudenfeste fernhielt. Das Kränzchen selbst verlief in sehr animirter Stimmung, begleitet von der altbewährten Capelle des Wr. - Neustädter Bürger- und Schützencorps unter persönlicher Leitung des Herrn Capellmeisters K r a u s. Vom Comitö, welches seinen Aufgaben auf das Vollkommenste nachgekommen, wollen wir Herrn Eisler besonders hervorheben, welcher das Arrangement der Tänze zur vollsten Zufriedenheit versah. | Von der hübschen Damenwelt in reizenden Toiletten, j müssen wir besonders die Tochter des Rabbiner, Fräuleins Paula Weiß und Fräulein Engel aus Wien kennzeichnen, welche im Tanze unermüdlich Vorzügliches leisteten. Budapest. (Die Mission des jüdischen W e ib e s). Dr. Adolf S i l b e r st e i n hielt in der israelitischliterarischen Gesellschaft eine Vorlesung „U e b e r die Sendung des jüdischen Weibe s". Der Vortragende betonte zunächst, wie viel das jüdische Weib seiner Religion in Bezug auf seine sociale Stellung zu verdanken hat. Die jüdische Religion sei die erste und älteste gewesen, welche die Würde des Weibes in vollem Umfange zur Geltung gebracht habe. Der Vortragende schien daraus die Folgerung ziehen zu wollen, dag nunmehr das jüdische Weib schon aus Gründen der Dankbarkeit sich fest an seine Religion klammern müsse. In der gebildeten Gesellschaft ist heute der Glaube selbst dort, wo er gehalten wird, eher eine Convention. Dieser Zeitgeist hat naturgemäß auch auf das Jndenthum zurückgewirkt; auch in dem gebildeten Theile der Judenschaft herrscht Materialismus, und das jüdische Weib, das bisher die festeste Stütz? des Glaubens war, sehnt sich nach einem starken Contacte mit der mondainen Gesellschaft, von der es noch immer ausgeschlossen ist. Indem der Vortragende Auen starken confessionellen jüdisch ni Geist als nationale Nothwendigkeit hinstellt, weist er der jüdischen Frau gerade in dieser Beziehung speciell einen bedeutenden Wirkungskreis zu. Das jüdische Weib soll die Zurücksetzung, die es von vornehmen Kreisen hie und da erfährt, nicht mißdeuten, sondern sich dadurch nur augetrieben fühlen, immer mehr sich in das Heiligthum der eigenen Familie zu vertiefen und die Vorzüge des jüdischen Genius in sich und seinen Kindern immer mehr zu entwickeln. Der Vortragende skizzirt alle Lichtseiten des jüdischen Familienlebens, dem er nichts Gleiches in der Cultur anderer Völker an die Seite zu stellen weiß. Der Vortragende zieht dann aus historischen Thatsachen die Conclusion auf die gegenwärtigen Zustände in Ungarn und findet, daß hier das jüdische Weib zwar in der Kenntnrß der Sprache, Cultur, Literatur, Musik und des Theaterwesens der Nation ziemlich weit fortgeschritten sei, daß es aber noch nicht den geringsten Einfluß auf die Culturentwicklung selbst Übe, ja daß man es nicht einmal unter die glühenden Patriotinnen zählen könne, wie die Polin und die Deutsche. Dies sei jedoch darum zu entschuldigen, weil die ungarische Cultur überhaupt erst seit Kurzem vom Judenthume ausgenommen worden sei. In dieser kurzen Zeit, etwa fünfzig Jahren, habe das ungarische Judenthum enorme Fortschritte gemacht. Der Vortragende erwähnt nacheinander die Factoren dieser Entwicklung, die jüdischen geistlichen Familien Löw und Chorin, sowie den Prediger Dr. Kohn, läßt all' die geistigen Koryphäen der Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst Revue pasfiren, nennt unter Anderem die Namen Wahrmann, Goldmark, Horowitz, Klein, Josef Kiß, Alexander Brody und folgert aus dieser überraschend schnellen Entwicklung der jüdischen Cultur im nationalen Sinne, daß nun auch die Zeit für die Rolle der jüdischen Frau herangebrochcn sei und daß sie von nun an erkennen werde, daß ihr? Mission darin bestehe, die ungarische Politik, Wissenschaft und Kunst fördern Helsen und ihre Salons für die geistigen Großen zu eröffnen, wenn auch ihr bisher die beneideten mondainen Salons verschlossen waren. Vortragender schloß mit der Ermahnung: das heilige Ziel möge sein, daß das jüdische Capital und die jüdische Intelligenz, welche so sehr augesochren und geschmäht werden, dem Fortschritte der ganzen Nation als Werkzeug dienen sollen. Die Vorlesung wurde von dem zahlreichen Audi'.orium mit gespannter Aufmerksamkeit angehört und mit stürmischem Beifall ausgenommen. Agram, 23. März. Unser Agramer Evrrespondent schreibt uns: Der schwarze „Obzvr" besaßt sich seit einigen Tagen mit der Reproduciruug meines Berichtes in der ,,Oe. W." Selbstverständlich wird jeder Satz tendenziös gefälscht und überdies der Herausgeber der „Oe. W.", wie sein Agramer Cvrrespondent mit einer Fluth der gemeinsten Jnvectiven überschüttet. Nebenbei wird der Abgeordnete K u m i e s i e s, der den Hetzern ein Dorn im Auge ist, mit den albernsten Schmähungen beehrt. Die Wnth und Gatte, die ans jedem Worte spricht beweist nur, wie sehr sich die Herrschaften getroffen fühlen. Es wäre zu wünschen, daß die nächsten Wahlen den eclatanten Beweis erbrächten, daß die Bevölkerung nichts mit diesen fanatischen Hetzern zu thun haben wolle, welche aller Gesittung Hohn sprechen und Lüge, Haß, Veclenmdnng ans ihre Fahne geschrie» ben haben. Kolin. „Sammeln, rattiiren, die antisemitische Strömung in unserer Stadt sowohl, als auch in jedem Bezirke gehörig organisiren", so lautet der Schwur, den der „c?ski list" im Namen seiner Hintermänner heute leistet. Und ans welchem Grunde? Weil die Inden anläßlich der Wahlen in die V. Curie mit den Arbeitern gewählt haben. Sie mußten nicht diesen Eid leisten, denn wir wissen es zu gut, daß der Antisemitismus schon seit lange unter der Maske der Freisinnigkeit in heller Blüthe steht, oder war es etwas anderes wie Racenhaß, den wir Inden in Kolin einige Jahre schon ' zu fühlen bekommen? Es war lange noch keine Rede vom Wahlrecht der Arbeiter, wir haben uns in politischer Richtung nicht um ein Haar breit von den besten, ja von den aufrichtigste» Söhnen der czechifchen Nation unterschieden, uitb dennoch fanden es die Herrschaften für gilt, uns zu verdächtigen, uns der Wuth des lieben Mob preiszngeben und uns unseren Erwerb zu unterbinden. Mit einer geradezu fieberhaften Thätigkeit wurde rasch allen jüdischen Geschäften in unserer Stadt eine Concurrenz mit Zuhilfenahme der Schlager: „svnj k svemo“, „neknpnjte od zidu“ und so weiter hingefetzt: und wie erfolgreich gearbeitet wurde, zeigt der Umstand, daß jüdische Firmen, welche 8<> Jahre hier bestanden haben, vom Schauplätze verschwinden mußten und daß thatsächlich der größte Theil des Handels in Kolin in nichtjüdischen Händen vereinigt ist. Doch besser so! Denn ist die Maske unten, muß wohl Mitternacht vorüber sein, und man kann hoffen, daß es bald Tag wird; ja! Tagen muß es bald in den Köpfen derjenigen, die nichts als Haß gegen ihren Nebenmenschen predigen, aber auch hell muß es bald werden bei denjenigen Meufchen, welche man durch Spiegelfechlerei zu blenden sucht. Oder ist es etwas anderes als Spiegelfechterei, wenn die Herren, die Augen verdrehend im „ Oesky Hst" erklären: „Ja, gegen die Arbeiter (unter sich nennen sie die Herren „palici") haben wir nicht gekämpft, die hätten wir sogar unterstützt": null, sehen wir, wie sich die Herren die Unterstützung der Arbeiter vorgestellt haben. Nicht nur, daß gegen die Arbeiter auf's Heftigste agitirt, daß vom Gassenkehrer angefangen, Alles zur Wahl commandirt wurde, daß dem Abhängigen gedroht, der Unabhängige verhöhnt wurde, ist von allen Seiten, ob nun freisinnig, conservativ oder clerical, krampfhaft gearbeitet worden, um damit den Arbeitern das Mandat entrissen wird; und dies Alles geschah, lange noch bevor man wußte, daß auch nur ein Jude sich an der Wahl bAheiligen wird. Ist dies vielleicht etwas anderes als Gaukelei? Wir Inden warten auf kein Commando, und es möchte sich's Jeder vergehen lassen, uns zur Wahl zu commandiren. Der Vorwurf, daß wir bei den Wahlen in der V. Curie aus Gewinnsucht mit den Arbeitern gingen, ist abgeschmackt.