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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-26 · 13 (26.3.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
13 (26.3.1897)
Date
1897-03-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Vloch's WochrnsrhrM Leite 265 laczka spendete eine sehr werthvolle Hamburger Bibel von Jacobns Wolsins aus dem Jahre 1588. Die Generalversammlung dieser Gesellschaft wird in den ersten Tagen des Monats Mai stattfinden. Wien. (D e r XXlll. Jahresbericht des Franc n- Wohlthätigkeitsvereines „P r o v i d e n t i a") wird durch nachstehende Bemerkungen eingeleitet: „Das abgelaufene Bereinsjahr stand leider mehr beim je im Zeichen der unsäglichen Nothlage, welche die weitesten Kreise ergriffen hat. Schier machtlos stehen wir vor dieser erschreckenden Thatsache, von dem Willen beseelt, zu Helsen, unverschuldetes Unglück zu lindern, ohne uns verschweigen zu können, daß nur einem geringen Theil dieser Legion von Armen eine Erleichterung bereitet werden konnte". Nach dieser gewiß den thatsächlicheu Berhältnissen entsprechenden Klage und dem sich anschließenden Appell an die Opferwilligkeit der Mitglieder und Gönner des Vereines erwartet man, daß sich aus dem folgenden Ausweise ein Gebahrungsdesieit ergeben werde. Man ist daher nicht wenig überrascht, nicht blos einen sehr bedeutenden Saldovortrag von 1391 sl. 11 kr. zu finden, sondern auch zu constatiren, daß znm Ankäufe von Werthpapieren 2886 ft. 23. kr. verwendet wurden. Die Gesammteingänge im Jahre 1896 weisen 7851 fl. 37 kr. auf, wovon der Cassasaldo pro 1895 per 993 fl. 33 kr., sowie eine Sparcasseentnahme per 900 fl., als nicht zu den lausenden Einnahmen gehörig, auszuscheiden sind. Immerhin standen dem Vorstände, dessen besonderer Eifer im Ausbringen der nöthigen Mittel rückhaltslvs anerkannt werden muß, 5958 fl. 37 kr. zur Verfügung. So schwierig es nun auch ist, einen so ansehnlichen Betrag zu Stande zu bringen, so ist die zweite Ausgabe, die Mittel entsprechend zu verwenden, noch schwerer. Wie der Ausweis uns darlegt, wurden unterstützt: 17 alte erwerbsunfähige Witkven mit Jahrespensionen ä 24 fl., ferner 310 Wöchnerinnen zusammen mit 1785 fl. und 135 kranke Frauen mit 633 fl., so daß also im Durchschnitte jede Wöchnerin und kranke Fran 5 fl. erhielt. Durch diese Ausgaben nebst 307 fl. 90 kr. für Brennmaterial-Vertheilung hat der Verein 3133 fl. 00 kr. seinem Zwecke zugeführt. Der übrige Betrag, welcher dem Vereine „Providentia" durch die ihm reichlich zufließenden Einnahmen zur Verfügung stand, wurde nicht zweckentsprechend verwendet, denn durch Anschaffung von Werthpapieren werden anstatt des Capitales lediglich die Zinsen zur Linderung der Noth und des Elends verfügbar. Der Verein „Providentia" ist somit im Jahre 1896 den r m e n circa 3000 sl. schuldig geblieben. Wir sind überzeugt, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die Bereinsleitung zu veranlassen, im Jahre 1897 das Versäumte nachzuholen. Wien» 17. Mürz 1897. Für gestern den 16. März berief der Einzelverein „Wien" des österreichischen Verbandes „Zion" eine Versammlung der jüdischen Bürger des I. und IX. Bezirkes in die Ressource ein. Lange vor der angesagten Stunde war schon das letzte Plätzchen besetzt und immer neue Schaaren strömten in den Saal, so daß bald jegliche Passage völlig gehemmt war. Professor Dr. Leon Kellner begrüßte nun die an 1000 Köpfen zählende Versammlung und ertheilte das Wort dem Referenten Dr. Landau: Redner schilderte in beredten Worten die Vergangenheit des jüdischen Volkes, die uns Juden nur zeigen könne, wie wahr das Wort Hegel's sei, daß die Geschichte uns lehre, wie wenig wir aus der Geschichte gelernt. Von allen Parteien umkost und betrogen, sei der Jude endlich in die Arme der Socialdemokratie gefallen, jener Socialdemokratie, die lediglich die wirthschaftlichen Gründe des Antisemitismus beseitigen könne. „Wir haben", sagte Dr. Landau, „nicht Zeit, so lange zu warten, bis der erträumte Zukunstsstaat geschaffen, nicht so lange vermag den zweifachen furchtbaren Druck der wirthschaftlichen und Judennoth unser Volk zu ertragen. Dochder Antisemitismus ist nicht blos eine wirthschaftliche Erscheinung, der tiefgehende Racen- und Religionsunterschied, den die Socialdemokratie nicht kennen will, weil sie ihn nicht aus der Welt schaffen kann, er zeigt, daß auch jene Partei, der letzte Hoffnungsanker mancher Juden, belügt und betrügt ob einige armseliger Stimmen. Von allen verlassen, müssen wir uns selbst helfen, helfen vor allen den Unglücklichsten und Aermsten, unfern Brüdern im Osten. Die Herren Neumann (Socialdemokrat) und Dr. Harner (Socialpolitiker) bekämpften aufs Heftigste den Zionismus. Er sei ungerecht, weil man des Elends der Menschheit ob der wenigen Juden vergesse, weil er die Separation bewirke, weil er nationalen und consessionellen Haß Hervorrufe. Uebrigens sei die ganze Judenfrage eine Lappalie gegenüber der großen socialen Aufgabe der Menschheit. Unmittelbar darauf sprach Herr Blas ch k e: „Ich bin kein akademisch Gebildeter, sondern nur ein schlichter Handwerker", sagte er unter Anderem, „aber ich sehe ein, unser Unglück war bisher der Mangel der Organisation, und schon darum begrüße ich die Zionsvereme, wo jeder Jude ohne Unterschied der l-arleirichtung Eingang findet. Im weiteren Bei lause wurde die Versaiumluug immer stürmischer. Die Herren Dr. Loser und Bernhardt kenuzeichneren die antisemitische Verseuchung des Proletariats, w!eien den Vorwnri der Separation energisch zurück und keuuzeichueteu deu Judiffereutismus und die erbärmliche Gesinnung jener jüdischen Socialdemokralen, die den Judenhaß nicht fühlen und ihn darum als Kleinigkeit;u bereichuen den Muth hätten, die den wirrhschaitlichen Gegensatz -.wischen deu Jndeu künstlich anfbauschten und vergrößerten. um sie unsähig m machen, ihre Menschenwürde zu erkänipseu. „Wir Juden, ob arm, ob reich, wir leiden alle furchtbar, wir leiden alle als Inden, wir werden uns darum ziiscimmenfinden und uns das Land erringen, das uns gebührt, weil uns das Meuscheurecbt gebührt." Die Folge dieser Reden war ein furchtbarer Tumult: die anwesenden Socialdemokraten rmd Socialpolitler sichten durch fortwährendes Lärmen ihre Demission zu verdecken: vergebens unternahmen es die anwesenden Führer beider Parteien, ihre Anhänger „von diesem unwürdigen Treiben" rnriickznhalteii. Erst dem euer gischen Eingreifen des Vorsitzenden gelang es, dein nächsten Redner, Dr. Js. ch a l i t. Gehör zu verschaffen. In meisterhafter Rede bewies Schalit den Anwesenden ans der Marx'schen Theorie die Itothwendigkeil des Zionismus, wies mit Entrüstung den Bvrwurr eines Svcialdemokraten zurück, daß den Juden der Mangel an Anstand und gewohnheitsmäßiger Betrug eigen sei, forderte insbesondere die jüdischen Tvcialisten ans, doch nicht immer nur Führer sein zu wollen, was ja ihrer eigenen Partei von Schaden sei, und auch ein wenig Zeit und Mühe dem eigenen, allseits verlassenen Volke;u widmen. „Es ist eine ungeheure Anmaßung", io schloß der Redner, „gerade jüdischer Parteiführer,;u glauben, daß die Menschheit ohne Hilfe der Juden nicht gerettet werden könne. Tie Menschheit werde ihre Rechte auch ohne uns Inden erringen, wir Juden aber unsere Freiheit, unser Zion nur durch uns Inden. Hierauf verlas Redner folgende Resolution: „Die am 16. Mär; in den Ressourcesälen versammelte jüdische Bürgerschaft Wiens spricht dem Verein „Zion" seine wännste Sympathie aus und erklärt, daß sie die endgiltige Lösung der Judensrage nur in der zionistischen Idee erblickt." Nach der vom Präsidium vvrgenemmencu und dem Wortführer der Opposition, Herrn Engel, oontrolirren Abstimmung winde die Resolution mit überwältigender Majorität unter allgemeinem Jubel angenommen. Der Vorsitzende erklärt nun die Versammlung für geschlossen Die gewaltigen Accorde des Zionsliedes, von vielen Hunderten angestimmt. durchbrausten nun den Saal, ein eihebender Abschluß dieser würdigen Kundgebung des jüdischen Volksgeistes. Volksversammlung des E i n z e l v e r e i n e s „W i e n" des ö st e r r e i ch i s ch e n Verbandes Zion i n F n nfha it s. Im Sitzungssaals des Fünibcinser Sempels fand Samstag eine zahlreich besuchte jüdische Volksversammlung stait. Fast alle jüdischen Bewohner der betheiligten Bezirke waren gekommk», um die Zionisten zu Horen und lauschten der Rede des Referenten I. Schallt. Redner empfiehlt den Anwesenden die Gründung eines Zionvereines. Die zionistische Organisation sei allein im Stande, das Elend der Millionen Brüder im Osten nicht blos zu lindern, sondern völlig;u beseitigen, ein starkes jüdisches Volk in Palästina werde dann den Juden der ganzen Welt als Stützpunkt und in der ärgsten Noth als Asyl dienen. Durch das Eingreifen mehrerer Socialdemokraten nahm die Diskussion einen lebhaften Verlauf. Schließlich genehmigte die Versammlung mit allen gegen 4 Stimmen eine Resolution, in der die Gründung eines Einzelvereines Fünshaus zum Beschlüsse erhoben wurde. Wien. (Josef Ritter v. Pfeiffer g e st o r b e n.) Vorigen Freitag um 2 Uhr ist der Bankier Herr Josef M. Ritter v. Pfeiffer in seiner Wohnung am Kärntnerring Nr. 8 im Alter von 75 Jahren gestorben. Im Herbst des vergangenen Jahres erkrankte Ritter v. P i e i s f e r und seit dieser Zeit konnte er sich nicht mehr erholen. Ein Kräfteverfall stellte sich ein, und der noch vor einenr Jahre trotz hohen Alters rüstige Mann konnte in den letzten Monaten seines Lebens das Bett nicht mehr verlassen. Mit Josef M. Ritter v. Pfeiffer ist einer der letzten Repräsentanten der alten Wiener Bankiers gestorben, welche allmälig vom geschäftlichen Schauplatze verschwanden, da die großen Banken das gefammte Wechsler- und Maklergeschäft, das einst die Domäne der Bankiers bildete, an sich gebracht haben. Dieser Umstand veranlaßte Ritter v. Pfeiffer, Mitte der Siebziger-Jahre sich vom geschäftlichen Leben fast ganz zurückzuziehen und sich auf die Verwaltung des eigenen Vermögens, sowie quf die Verwaltung des Vermögens einiger hohen Kunden zu beschränken. Ritter v. Pfeiffer, ein geborener Stuttgarter, kam vor etwa einem halben Jahre

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