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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-26 · 13 (26.3.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
13 (26.3.1897)
Date
1897-03-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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TH5T Seite 264 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 13 So schön und treffend auch der Sinn des zweiten Satzes ist (der jedoch nichts Neues enthält, da bereits im Talmud die böse Rede als Aussatz bezeichnet wird, Erachin 15 b mezora mozi ra Aussätziger der Böses spricht; vgl. auch Midrasch Tanchumah zu Mezorah mit Ev. Math. Cp. 15, B. 18 f), so unzutreffend ist der erste Satz. Beweis hiefür ist, daß in unserer Zeit die „Vieh-und Fleischbeschau eine so gewaltige Bereicherung erfahren und derartig an Umfang zugenommen hat, daß sie sich heutzutage zu einer selbstständigen Disciplin entwickelt hat." (Prof. Dr. A. Baranski, „Vieh- und Fleischbeschau," Wien und Leipzig 1887, Seite 13). „Die Fleischnahrung — so sagt derselbe christliche Professor der k. k. Thierarzneischule in Lemberg — ist bekanntermaßen die Quelle einer vill größeren Menge von Schädlichkeiten für die menschliche Gesundheit, als irgend eine andere Gruppe der menschlichen Nahrungsmittel. Das Fleisch eines einzigen Thieres vermag schon Massenerkrankungen und Todesfälle in bedeutendem Umfange hervorzurufen und durch den Geruch gesundheitsschädlichen, kranken Fleisches wird nur zu häufig der Grund zu Erkrankungen und lebenslänglichem Siechthum gelegt." (ibid) Können wir Juden also nicht stolz darauf sein, daß bereits vor Jahrtausenden diese Maßregel der „Fleischbeschau" getroffen und strenge auf den Unterschied des zum Genüsse fähigen (koscher) und des zum Genüsse zu verwerfenden Fleisches (trefa) geachtet wurde? Der Ausdruck „Koscher" findet sich wohl erst im Talmud, doch im Sinne von „gut recht sein" ist er bereits in der Bibel vorhanden. Ester 85 und Kohel. 10,0). Der Ausdruck Trefa findet sich an mehreren Stellen der heiligen Schrift und bedeutet zunächst „das (von Thieren) zerrissene." Besonders wichtig ist ■ die Stelle am Schluffe des 22. Capitels des II. Buches Mosis, wo es heißt: „Heilige Männer sollet ihr mir sein und Fleisch, das auf dem Felde zerrissen wurde, sollet ihr nicht genießen," ein Vers, der im Gegensätze zur oben angeführten Stelle des Neuen Testamentes darauf hinweist, daß auch im Genüsse oder besser gesagt in der Enthaltsamkeit von manchem Genüsse Heiligkeit sich zeigt. Der Grund für dieses Verbot wird nicht angegeben. Er scheint mir in erster Linie kein sanitärer, sondern vielmehr ein ethischer zu sein; der Israelit sollte von keinem Thiere genießen, das auf grausame Weise geendet hat oder auf grausame Weise getödtet wurde. Der Jude sollte auf einem höheren Standpunkte stehen, er sollte nicht nur das lebendig dem Thiere abgeschnittene Stück Fleisch nicht genießen, sondern auch nicht das Fleisch jenes Thieres, das auf grausame Weise getödtet wurde. Deshalb ist auch seit Jahrtausenden die heilige Institution der Schechita bei den Juden eingeführt, um jede Grausamkeit und Thierquälerei zu verhüten. (Vgl. auch Maimonides, More Nebuchim III. 48. Abschnitt); das sanitäre Element, daß in Folge der Schechita das Fleisch nicht so schnell m Fäulniß übergehen kann, scheint mir erst die Folge ulld nicht die Ursache des Gebotes zu sein.*) Soweit der biblische Begriff „Trefa". Nach der talmudischen Definition ist jenes Thier als trefa zu bezeichnen und zum Genüsse verboten, das, (was zum größten Theil erst nach der Schlachtung constatirt werden kann) eine solche Krankheit aufweist, durch welche das Thier längstens im Laufe eines Jahres hätte zugrunde gehen müssen. (Chullin Fol. 42a). Von diesem Gesichtspunkte aus werden die verschiedensten Fälle von „Trefa" aufgezählt. Welch' genaue und richtige Kenntniffe die Lehrer des Talmud von den Krankheiten der Thiere hatten, zeigen insbesondere die Bestimmungen, welche sie hinsichtlich der „Lun gen färbe" aufstellen. Es sind Bestimmungen, welche mit den Resultaten der modernen Forschung vollkommen übereinstimmen. Da unseres Wissens darauf bisher von keiner Seite aufmerksam gemacht wurde, so möge hier kurz darauf hiugewiesen werden. Nach den Bestimmungen des Talmud ist jedes Thier als trefa zu erklären und demnach zum Genüsse zu verbieten, dessen Lunge schwarz, weiß (Farbe des Eiweißes), gelb oder dunkelroth ist. (Vgl. Chullin 47 b und die Decisoren.) Gar mancher in unserer modernen Zeit wird diese Vorschrift *) Interessant ist die Bemerkung, die Flügge, Professor der Hygiene un der Universität in Breslau, in seinem Werke „Grundriß der Hygiene, Lpzg. 1891" Seite 287 macht: „Alle die letztgenannten Methoden (außer der Schlachtmethode, Schnitt durch Trachea) sind ungünstig, weil das Blut im Fleisch bleibt und dadurch leicht ein Verderben und ein Mißfärbigwerden des Fleisches hervorgerufen wird; daß der Nährwerth des Fleisches durch das darin bleibende Blut wesentlich erhöht werde, ist unrichtig". auf die Farbe der Lunge zu achten, wunderlich finden; sie ist aber nicht wunderlich, sondern wunderbar. Denn die moderne Veterinärkunde erklärt: Ist ein Rind von der L u u g e n s e u ch e befallen und wird es im ersten Stadium der Krankheit geschlachtet, so ist die Lunge „marmorirt, so daß zwischen geldlichen Streifen dunkle Felder erscheinen". Im zweiten, noch viel gefährlicherem Stadium sind die gelblichen Streifen 6 bis 8 Millimeter dick und von einer gelblichen Flüssigkeit durchfeuchtet. (Baranski .a. a. O. S. 151). Wir wollen aber noch hinsichtlich eines anderen Falles den französischen Arzt Dr. Gue'neau de Mussy sprechen lassen. „Die Contagiosität der Tuberculose ist erst seit kurzer Zeit dargethan; die Uebertragbarkeit dieser Krankheit durch die Nahrung wird noch nicht von Men zugegeben — und siehe da, das jüdische Gesetz, der modernen Wissenschaft um Jahrtausende voraneilend, enthält in seinen Vorschriften diese prophylaktischen Maßregeln gegen die Tuberculose; denn wenn auch das Anpicken der Lunge an den Seitenwäuden von anderen Ursachen herrühren kann, so ist doch die Tuberculose die häufigste Ursache; man kann eine angepickte Lunge ohne Tuberculose finden, aber fast nie Tuberculose ohne angepickte Lunge." (Angeführt bei Nossig. Socialhygiene der Juden, S. 86, einem Buche, das leider den Fehler enthält, daß es überall das sanitäre Element als primär hinstellt, während es vielfach erst eine Folge des ethischen Elementes ist.) Es kann uns Juden nur zur Ehre gereichen, wenn ein christlicher Forscher erklärt: „Stünden unsere Fleischereien unter der Aufsicht des jüdischen Schochet, so würde zweifelsohne die Häufigkeit der Krankheiten abuehmen und die mittlere Lebensdauer verlängert werden. Anstatt von den Juden das Aufgeben ihrer Fleischereien und der Unterscheidung zwischen koscherem und unreinem Fleische zu verlangen, thäten wir besser, ihrem Beispiele zu folgen.Die Speisegesetze und die Wachsamkeit des Schochet würden eine genügende Erklärung dafür geben, daß von gewissen Epidemien, gewissen Schmarotzerkrankheiten namentlich, die Juden weniger als ihre andersgläubigen Nachbarn ergriffen werden. Der sein Gesetz befolgende Jude ist offenbar allen durch thierische Kost übertragbaren Krankheiten weniger ausgesetzt." (Leroy-Beaulieu, die Juden und der Antisemitismus, S. 148 f.). Correspondenzen. Wien. (Jüdisches Museum.) Dem Museum der Gesellschaft für Sammlung und Eonservirung von Kunst- und h i sto r is ch e n De n k m ä lern des Indent hu m s sind seit dem Herbst vorigen Jahres zahlreiche Geschenke von Freunden und Gönnern zugekommen. Der Vicepräsident, Universitätsprofessor Politzer in Wien hat abermals werthvolle Zeichnungen, Kupferstiche und Radirungen, Porträts, sowie Darstellungen aus der heiligen Schrift gespendet. Außerdem sind Geschenke zu verzeichnen : Bon Herrn Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger in Wien Photographien, alte Kupferstiche, sowie eine Meuorah mit dem Porträtmedaillon Kaiser Joseph II.; von Dr. S. Hajek in Wien eine achtzackige Sabbathlampe; von Frau Flora B e r m a n n in Wien eine reichverzierte Menorah aus Bronceguß mit zwei dazu gehörigen Leuchtern; von Robert K o l i s ch in Wien eine Megillah Esther aus Jerusalem; von Frau Johanna Fröhlich-Golds chmid in Wien Porträts und historische Darstellungen; von Frau Regierungsrath Fanny G i n t l in Wien Porträts; von Herrn Baurath S t i a ß n y Abklatsche von Grabsteinen auf dem alten jüdischen Friedhofe zu L i ch t e n st a d t; von Herrn Sigmund S t i a ß n y photographische Aufnahmen dieses Friedhofes; von Herrn Stadtbaumeister Rudolf Breuer in Wien Fragmente von jüdischen Grabsteinen, welche in der Spiegelgasse im ersten Wiener Gemeindebezirke anläßlich eines Hausbaues gefunden wurden; von Herrn Moriz W a i z n e r ein Porträt Dr. Adolf Fischhof's; von Herrn Commercialrath P o l l a k Ritter von R u d i n Denkmünzen und Photographien. B ü ch e r s p e n d e n sind eingelaufen von den Herren: Mathias B e r s o h n in Warschau (werthvolle Publicationen dieses Gelehrten); Commercialrath P o l l a k Ritter v. R u d i n, Universitätsdoceut Dr. James Moser, ferner von Frau Dr. Arnold Hirsch; Herr Rabbiner Dr. Moritz L e w i n in Ma-

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