Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 13 (26.3.1897)
- Date
- 1897-03-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 13 Vr. Vloch's WochrnsthriN Seite 363 der brutalsten Weise mißhandelt, seine Kleider wurden ihm förmlich vom Leib gerissen, sein Augenglas wurde ihm zerschlagen, ebenso sein Cylinder ganz zerrissen und zerfetzt. Herr Rudolf Blatt wird längere Zeit das Bett hüten, um sich von dem sanften Hinausgeleiten durch die Ochsenknechte, die als „Ordner" fungirten, zu erholen. Und das Alles, weil der Arier Rudolf Blatt das Unglück hatte, fiir einen jüdischen Berichterstatter gehalten zu werden. Daß gerade ihm dieses Unglück passiren nmßte, dürfte dadurch zu erklären sein, daß er schwarze Haare hat und als Deutschböhme nicht den Wiener Dialect spricht. Der Antisemitismus in Croatien. Virovitiea (Slavonien). In Nr. II Ihres geschätzten Blattes sucht Ihr geehrter Agramer Correspondent an der Hand von Thatsachen darzuthun, daß der Antisemitismus in Croatien, im Gegensätze zu meiner Behauptung, doch grassire, und zwar recht stark. In Slavonien gibt er zu, gebe es keinen Antisemitismus, angeblich deswegen, weil in Slavonien Böhmen, Ungarn, Deutsche und Croaten wohnen sollen. Das trifft vollständig zu und entspricht vollkommen der Wahrheit. Wir in Slavonien haben thatsächlich eine gemischte, aus mehrsprachigen Volksstämmen zusammengewürfelte Bevölkerung. Ist aber das Varasdiner Comitat, wo nach Behauptung Ihres geehrten Correspondenten die antisemitische Seuche ihren Herd aufgeschlagen hat, ausschließlich von Croaten bevölkert? Varasdin, das in der Nähe von der Mur gelegen ist, ist von Kramern, also Slovenen, Deutschen, auch Böhmen und Ungarn bevölkert, und wenn Ihr geehrter Agramer Correspondent mir auf's Wort nicht sollte glauben wollen, so bin ich gerne bereit, mit dem statistischen Ausweis des Bevölkerungsverhältnisses nach Sprache und Abstammung im Comitate Varasdin zu dienen. Leider sind es aber gerade die Böhmen, welche in unserem Lande das unruhigste Element bilden und die bescheiden lebenden, ruhigen, in Wesen und Erscheinung einfachen Croaten mit panslavistischen Ideen zu bethören suchen. Ja selbst in unserem Orte hätte beinahe der Antisemitismus durch einen Böhmen Eingang gefunden. Wir wollen aber die angeblichen Thatsachen uns einmal näher betrachten. Daß der Antisemitismus, meint Ihr geschätzter Agramer Correspondent, in Croatien factisch bestehe, beweise, daß die Juden in den Comitaten Lika-Krbava und Madrus- Fiume mit Ausschluß der Städte Slujn, Ogulin und der Dörfer Krujak, Valiscelo, Vrginmost, welche alle in der Nähe von Karlstadt liegen, nicht existiren können. Wagte es aber ein Jude, sich in einem dieser Comitate niederzulassen, so werde er bald wieder draußen sein. Dies wäre allerdings ein unwiderleglicher Beweis für das Vorhandensein des schärfsten, rohesten und rücksichtslosesten Antisemitismus in Croatien, wenn der Verfasser jener Correspondenz im nachfolgenden Satze nicht verrathen hätte, daß diese traurige Erscheinung auf ganz andere Ursachen zurückzuführen ist, als auf den Antisemitismus. Denn nach den Erfahrungen des geehrten Agramer Correspondenten mußten selbst die Versicherungs-Gesellschaften in Folge der vielen Brandlegungen aus diesen Comitaten sich zurückziehen. Nun ist es aber evident, daß die Vertreter der in Rede stehenden Versicherungs-Gesellschaften, welche geschäitshalber in den südslavischen Küstengegenden sich niederlassen, zumeist aus Nicht juden bestehen und die Unsicherheit in jenen Gegenden nicht eine Folge des Antisemitismus, als vielmehr des aus der romantischen Zeit ererbten Räuberunwesens ist, das auf seinen Raub- und Brandzügen wahrlich nicht antisemitisch ist, indem es keinen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Besitz und Vermögen macht. Doch Ihr geehrter Agramer Correspondent führt einen speciellen Fall zur Bekräftigung dessen, was er behauptet, an. In Gospic hätte ein Apotheker, Namens V u k, einen dort sich ansässig gemachten Juden, der das Sodawassergeschäft einführte, zum Verlassen des Ortes gezwungen. Selbst zugegeben, daß dies aus Antisemitismus geschah, beweist doch der eine Fall noch nicht, daß die Croaten Antisemiten sind. Man darf nicht überall, wo verdammungswerther Concurrenzneid in Unthaten sich äußert, sofort Antisemitismus riechen. Auf Grund verläßlicher Berichte sowohl, als auch auf Grund meiner persönlichen Ueberzeugung kann ich der Wahrheit gemäß sagen, daß auch im Belovarer Comitat kein Antisemitismus vorhanden ist. Daß aber die „Rrvaeko domovino“ und der „Obzor" den Ton des Wiener dummen Kerls fructificiren und eine schamlose Hetze gegen die Juden betreiben, eine Hetze, welche gewiß geeignet ist, unsere Bevölkerung nicht nur in Verruf, sondern auch unserem Lande den größten Schaden zu bringen, das habe ich in meinem mit dem Pseudonym Dr. Jecheskel Unterzeichneten und in der „Österreichischen Wochenschrift" erschienenen Aufsatze, betitelt „Der Antisemitismus der slavischen Volksstümme", klar dargethan. Wenn aber der bei uns beginnende Antisemitismus im Keime erstickt werden sollte, müßte allerdings, wie es Ihr geehrter Agramer Correspondent richtig meint, die kroatische Jndenheit aus ihrer Lethargie erwachen, aber in ganz anderem Sinne, als es Ihr Correspondent meint. In Croatien geschieht nichts zur Pflege des Judenthums. In Agram, Essegg und Varasdin bestehen drei große jüdische Gemeinden, deren Mitglieder sehr vermögend sind. In derartigen Gemeinden Deutschlands blüht jüdisches Leben und jüdische Wissenschaft. Daran fehlt es bei uns noch. Rabbiner Dr. H. E. K a u f m a n n. Einige Bemerkungen über Koscher und Trefa. Von Dr. Adolf Bi ach, Rabbiner in Brüx. Ein moderner Rabbiner und ein solches Thema in unserem ausgeklärten Zeitalter! So wird vielleicht gar Mancher ausrufen, der obige Ueberschrift lesen wird. Ist es aber nicht gerade die Ausgabe, ja die Pflicht des modernen Rabbiners, gegen falsche Llufklärung — freilich ohne jeden Fanatismus — zu kämpfen, sei es auf der Kanzel, im Unterrichte, im privaten Verkehre, _ in Vorträgen oder durch Aufsätze in Zeitschriften? Daß man fast über nichts mit solcher Gleichgiltigkeit, ja oft Frivolität spricht, wie über Religion und religiöse Einrichtungen, liegt meines Erachtens in der „falschen Aufklärung". Man glaubt in vielen Kreisen, Aufklärung bestehe darin, daß man möglichst wenig Religion habe und möglichst geringe Kenntnisse von ihr besitze. „Es gibt Leute genug, sagt Professor Lazarus in einer sehr interessanten Abhandlung, die es mit der Aufklärung in ihrem Sinne so ernsthaft nehmen, daß sie das ganze Jahr keine Kirche (oder sagen wir kein Gotteshaus) besuchen; dieselben gewissenhaften Aufklärer aber würden sich schlechterdings nicht ihrer 13 zu Tische setzen. Von Glauben sind sie ftei, vom Aberglauben gefesselt." Man glaubt schon gebildet zu sein, wenn man einzelne Schlagworte wie „Kampf ums Dasein", „Zuchtwahl" u. s. w. kennt und daraus das Recht ableitet, mit witzig sein sollenden und spöttischen Redensarten über Gesetze abzuurtheilen, die man nicht versteht. So gibt es auch Manche, die schon deswegen gebildet zu sein glauben, weil sie über die Ausdrücke „Koscher und Trefa" spotten. Spotten ist leicht, Prüfen und Denken schon viel schwerer. Deshalb wollen wir heute einige Bemerkungen über „Koscher und Trefa" machen, um zu zeigen, daß diese Begriffe für unsere Gesundheit ebenso wichtig sind, wie die Begriffe Humanität und Nächstenliebe für unseren sittlichen Charakter. Zwar lautet eine Stelle im Neuen Testanient, die oft citirt wird: „Was zum Munde eingeht, verunreinigt den Menschen nicht, sondern, was zum Munde ausgehet, das verunreinigt den Menschen." (Ev. Math. Cp. 1ö, B. 11).