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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-26 · 13 (26.3.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
13 (26.3.1897)
Date
1897-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 262 Vr. Vloch's Wochenjlltzrisj Nr. 13 sich die pöbelhafte Judenhetze zum Geschäft gemacht hat, mit Geschichten von verschwundenen Christenmädchen, die von Juden aus dem Leben geschafft worden sein sollen. In den letzten Tagen publicirt es wieder eine angebliche Zuschrift des Dechant aus Deschna, wonach vier in Deschna gebürtige Frauenspersonen, die in Wien als Dienstmädchen beschäftigt gewesen auf unerklärliche, verbrecherische Weise spurlos verschwunden sein sollen, ohne daß es ihren Angehörigen gelungen wäre, den Verbleib der Mädchen, zu eruiren. Die Namen der Vermißten lauten: Maria Nova k. Johanna T e s s i n s k y, Maria P a n a und Maria V o j t a, Unterzeichnet ist diese Zuschrift vom Dechant von Deschna, Friedrich K a m a r y k, und dem Bürgermeister Vodrazka. Auffallend bei dieser Sache ist vor Allem der Umstand, daß diese Zuschrift vom 11. October 1896 datirt ist, und da wir jetzt den 18. März 1897 schreiben, so liegt es nahe, warum dieses ehrenhafte Blatt das neueste Blutmärchen jetzt erst, kurz vor den Osterfeiertagen, publicirt. Es handelt sich dem „Deutschen Volksblatt" offenbar darum, seinen Lesern eine kleine Emotion zu bereiten, welche auch jetzt, zur Zeit der Wahlen, ihre Wirkung thun soll. Obgleich es nicht der Mühe werth ist, auf solche alberne Geschichten ernst einzugehen, haben wir uns dennoch an den Polizeipräsidenten mit einer diesbezüglichen Anfrage gewendet und erfuhren, daß in dieser Angelegenheit sofort die Untersuchung eingeleitet wurde und auch detaillirt durchgeführt wird. Ueber den Charakter der Notiz bemerkte der Polizeipräsident: „Wenn man es heute widerlegt, so werden die Herren sagen: „Ja, also in Wien ist es nicht gewesen, nun so wird es halt anderswo gewesen sein." Ich weiß, daß die Bevölkerung durch derartige Gerüchte in Aufregung versetzt wird, doch lassen Sie es gut sein, die Sache wird auf ihre Wahrheit geprüft werden und die Herren werden diesbezüglich zu ihren Gewährsmännern Stellung nehmen müssen." Auf den Einwand: „Herr Präsident, Sie wissen ja, was man im gegenwärtigen Zeitpunkte damit beabsichtigt," erwiderte derselbe: „Gewiß, ich sehe die Nothwendigkeit ein, daß die Sache sobald als möglich durchgegeführt wird. Was den vorliegenden Fall anbelangt, so werden wir diese Angelegenheit genau durchführen und die reinen Thatsachen nicht vorenthalten." Der Polizeipräsident nahm schließlich Anlaß, zu bemerken: „Ich bin objectiv und kümmere mich nicht um Parteiströmungen, für mich existirt nur eine amtliche Pflicht." Wir selbst haben schon nach unseren ersten flüchtigen Erhebungen constatiren können, daß sich diese Darstellung des „Deutschen Volksblatt" als eine der. landläufigen Gemeinheiten dieses Blattes charakterisirt. Die Johanna Tessinsky und Maria P a n a haben in Wien nie gelebt, die Maria N o v a k wohnt in Simmering, Simmeringer Hauptstraße Nr. 11, und haben wir sie daselbst ausgesucht. Was endlich das vierte Mädchen, Maria V a j t a, betrifft, so hat sie vor längerer Zeit ihre Heimat verlassen und sich nach Wien begeben, wo sie seitdem vermißt wird. Ihr geisteskranker Bruder fuhr damals nach Wien, um seine Schwester zu suchen, doch hat er dieselbe nicht gefunden. Nach Hause zurückgekehrt, sprach er die Vermuthung aus, daß seine Schwester in Wien von Juden umgebracht worden sei. Damals hat man darüber gelacht, und jetzt wird diese Erzählung des geisteskranken Bruders der Vermißten neuerdings aufgewärmt und als ernst behandelt. Bei wem das Mädchen gedient hat und unter welchen Umständen es verschwunden ist, weiß er nicht. Dieser Fall wird nun dahin ausgebeutet, daß vier Mädchen verschwunden und von Juden umgebracht worden seien. Geistliche Erziehung. Der Katechet einer Wiener Schule dertheilte jüngst an seine Schüler und Schülerinnen Bücher zur häuslichen Lectüre, aus denen wir unseren Lesern einen kleinen Auszug bieten wollen. Eines Commentars bedarf es hiezu nicht, den überlassen wir getrost unseren Lesern. Nur neugierig wären wir, was denn der Bezirksschulrath, dem die Affaire bekannt ist, zu derartige Bildungsmitteln sagt, und ob jener Katechet zur Colportage jenes Buches in der Schule, die Bewilligung der Schulbehörde hatte. Doch hören wir, was jenes Buch für weise Lehren enthält: „Das Vaterunser und der unendliche (englische?) Gruß von Alban Stolz). Das Vaterunser. I. Theil. Kalender für Zeit und Ewigkeit. 17. Aufl. (Freiburg im Breisgau. — Wien, L, Wollzeile 33.) Oder wie machen es in manchem Orte die Bursche? Manche gehe» schon, wenn es das Erste läutet, in die Kirche, nicht aus großer Frömmigkeit, sondern aus dem Gegentheil, damit sie auf der Vorbühne vorne an bte Lehne kommen und recht von oben herunterschauen können, besonders was für Weibsbilder in die Kirche kommen. Oder horch dem Herrn Nnterlehrer zu, was dudelt er auf der Orgel? Ist es zum Tanz, oder dreht er an einer Schwarzwälder Spielorgel? . . . Und es wird getanzt, daß der Boden hutscht, und gesoffen und gebrüllt, so lang das Geld reicht und noch länger, und thierische freche Reden und Blicke schwirren hin und her und an den Geberden merkt man die wüsten Begierden. . . . Und geh in die Fabriken und hör' den Arbeitern oder Arbeiterinnen zu, was sie denn so viel zu lachen 'haben. Es sind arme Leute . . ., aber sehr Viele reden, wie wenn die Seelen von 500 Säuen in sie gefahren wären/ und ihre Augen lugen hündisch geil um sich. ”'v-' Sechstes Gebot. Du sollst nicht ehebrechen. Wer schon einmal die Cholera gesehen hat, der weiß, was das für ein schauderhafter Dingerich ist. Da rennt der leibhaftige blauschwarze Tod in den Adern und Gedärmen herum, wie eine Ratte im unterhöhlten Stubenboden .... Was die Cholera für den Leib ist, das ist das alte Laster Nummer 6 für die Seele, wenn es einmal angesetzt hat; es bringt der Seele den abscheulichsten, wüstesten Tod und Verwesung. Der Unzüchtige wird bald lügenmaulig, falsch, neidisch, störrisch gegen Vater und Mutter und wünscht ihnen den Tod, verschwenderisch, hoffärthig, faul, schleckig, tanzsüchtig, diebisch, gewissenlos, nachlässig u. dergl. Die Cholera ist in die Seele gefahren: sie wird lobt und schwarz und übelriechend. Es ist darum nichts so schnell und so arg gleich eine Todsünde als unzüchtiges Wesen, und selbst in der Hölle mag ein Verdammter erträglicher sich fühlen, wenn er wenigstens von Unzucht frei war, als die Seele von einem verdammten Menschenschwein oder Schweinemenschen, und möchte mit diesem nicht tauschen. Bist du nie mit deinem Leib oder dem Leib eines andern schändlich umgegangen? WahrhaftunglückseligsindhierinmancheEheleute: sie mißbrauchen abscheulich den Ehestand und leben und sterben ganz sorglos in tiefen Sünden, als sei der Ehestand ein Privilegium der W o l l u st. So z. B. ist es eine große Sünde, wenn Eheleuteesabsichtlichverhüten.daß sienicht vielKinder bekommen. Wer hierin nicht schon verstockt ist, befrage sich bei einem gottesfürchtigen Priester im Beichtstuhl . . . Niemals ein Weib mit unreinem Blick anzuschauen . . . Wer ein Weib mit Begierlichkeit ansieht, der hat im Herzen schon die Ehe gebrochen ... Manche Seele wälzt sich im Koth schändlicher Gedanken. Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib ... Ein Stadtweib, ein wahrer Hausteufel, sprach: Es sei nicht nothwendig gewesen, denn sie habe gar keine Sünde, höchstens das, daß sie zu gut sei bei den vielen Verfolgungen, die sie zu bestehen habe... Der Weg, auf welchem zahllose junge Leute in die Sünde gegen das sechste Gebot fallen, ist die Bekanntschaft und der vertrauliche Umgang mit einer Person des andern Geschlechtes. Sehr oft fangen junge Personen Liebschaften aus sinnlichem Wohlgefallen aneinander, aus Spielerei oder angenehmer Unterhaltung, aus Eitelkeit, die Zuneigung einer hübschen Person zu besitzen, an... - Die Vertraulichkeit und Begehrlichkeit wird immer größer, zuerst wird im Geiste gesündigt durch Begierlichkeit und sehr oft kommt es zu einer That, welche nur im Ehestand erlaubt ist. Fange keine Liebschaften an in der Stadt. . .. Und was werden die Eltern und Geschwister dazu sagen, wenn er so eine waschlederne Haut aus der Stadt in die Heimat bringen wollte?" * » * Warum sich wohl der Verfasser Herr Alban Stolz und der Herr Katechet—Colporteur noch um kein Reichsrathsmandat beworben haben? Die Qualification hätten sie beide durch die Dichtung sowohl als auch für die eifrige Colportage dieser musterhaften Jugendschrist reichlich erbracht. . Sch. , „Sanft hinausgeleitet." In dem Bericht über die christlich-sociale Wählerversammlung, die am 15. d. in Hamberger's Saal stattfand, schrieb das „Deutsche Volksblatt" vom Dienstag den 16. d. unter Anderem auch Folgendes: „Während der Pause entstand ein Tümult in dem lebensgefährlichen Gedränge, und hunderte Stimmen schrieen plötzlich Hinaus, Jud!‘ wobei ein jüdischer Berichterstatter sanft aus dem von 2000 Personen angefüllten Saale hinausgeleitet wurde." Der „sanft" hinausgeleitete „jüdische Berichterstatter" ist Herr Rudolf Blatt, Sohn des Musiklehrers Adam Blatt. Der junge Mensch, nebenbei bemerkt, ein guter Christ, wollte einmal den Prinzen Liechtenstein sprechen hören und benützte zu diesem Zwecke eine Einladungskarte, die sein Vater am selben Tage vom Wahlcomits der vereinigten Christen erhalten hatte. Wie sanft das Hinausgeleiten des Herrn Rudolf Blatt aus dem Versammlungslocal war, geht daraus hervor, daß er seitdem darniederliegt, das Gesicht ganz zerkratzt und angeschwollen ist. Er wurde in

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