Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 12 Vr. Vloch's Wochenfttzrtfr. Seite 253 Jungbunzlau, 14. März. Endlich, nachdem die Minoriiätspartei zweimal mit ihrem Recurse abgewiesen wurde, f fand heute die Wahl behufs Constituirung der hiesigeli israelitischen , Cultusgemeinde statt. Es wurden gewählt: Herr Anton Beck, der sich bereits früher als Präses der Cultus gemeinde hervor-! ragende Verdienste erworben, wieder zum V o r st e h e r, Herr Berthold Kornfeld als Vorsteherstellvertreter; ferner als Tempelvorsteher die Herren Ignaz Stein und Carl Pick; als Cassier Herr Joses Kobler, als Rechnungsführer Herr Eduard Heller und als Beiräthe die Herren Carl H o r s ch i tz und Heinrich Riedl. Czernowitz. (T r a u u n g.) Sonntag den 21. d. M., 12 Uhr Mittags, findet hierorts die Trauung von Fräulein Rosa, Tochter des Herrn Moriz Mittelmann, Mitglied des k. k. Bezirksschulrathes in Gurahumora mit dem hiesigen Kaufmanne Herrn Israel M. G o l d st e i n statt. Rymanow. (V e r l o b u n g.) Herr David C h i l l, Sohn des allverehrten langjährigen Cultusvorstehers uud V i c e b ü r g e r m e i st e r s in R y m a n o w, hat sich mit Fräulein Anna M i s ch e l aus Szczerzec verlobt. Berlin, 9. März. Der Inhaber der Firma W. Traube und Sohn, Dr. Julius Moll Hierselbst ist zum königlichen Commerzienrath ernannt worden. Dem Professor Herrn Dr. A. B a g i n s k i ist der Rothe Adler-Orden IV. Classe verliehen worden. Breslau, 9. März. Herr Rabbiner Dr. Bo gelstein aus Oppeln ist zum Rabbiner von Königsberg gewühlt worden. Herr Ephraim F i n k e n st e i n. derzeit Inquilin des Fränkel'schen Waisenhauses, feierte dieser Tage sein fünfzigjähriges B ü r g e r j u b i l ü u m. Die Stadtverordneten übermittelten durch eine Deputation dem Jubilar ihre Glückwünsche. St. Petersburg. Das neue Gebäude des Vereines zur Beförderung jüdischer Literatur uud Wissenschaft, welches mit einem Kostenaufwande von 70.000 Rubel erbaut wurde, wird in allernächster Zeit eröffnet werden. . Lodz, 16. März. Die hiesigen Karl Eisert'schen Erben haben zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern 10.500 Rubel für wohlthätige Zwecke gespendet. Darunter wurden unsere Glaubensgettossen mit 2000 Rubel bedacht, und zwar 1000 Rubel für die Talmud-Thora- und jüdische Handwerkerschnle, an deren Spitze der geehrte Herr Moritz F r ä n k l steht, und 1000 Rubel für verschiedene jüdische Wohlthätigkeitsii'stitute. Es ist dies ein Beweis, wie wenig das antisemitische Gift in den gebildeten Bürgerkreisen Rußlands um sich gegriffen. Carl Eifert Sen. war ein sehr liebenswürdiger Mensch und hat stets den regsten Antheil genommen an dem Gedeihen jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten. Lodz. Die neue jüdische Gewerbeschule wird demnächst eröffnet werden. Unter den 3320 Studenten an der hiesigen Universität befinden sich 109 Juden. Zwei von ihnen. Leon Simonowitsch und Michael Nemirovski, haben die silberne Medaille, ein dritter, Wladimir Bank, hat das Ehrendiplom erhalten. Jekaterinoslaw. Der Ackerbauminister gedenkt der Regierung zu empfehlen, daß sie den Bauplatz zur Errichtung zweier Ackerbauschulen in der hiesigen jüdischen Colonie derselben zum Geschenk mache. An diesen Schulen sollen auch gewöhnliche Schulgegenstände gelehrt werden. Das Comite des jüdischen Ackerbau- und Arbeiter-Vereines hat 6000 Rubel zu diesem Zwecke gespendet. Petersburg. Der Justizminister gedenkt ein neues Gesetz einzubringen, welches bezweckt, die Anzahl jüdischer Advocaten, Sollicitatoren rc. zu reduciren. Litthauen soll von dem neuen Gesetz nicht betroffen werden, sondern auch weiterhin 20 bis 25 Percent jüdischer Advocaten haben dürfen. Cherson. Das Ackerbauministerium hat eine Bewilligung zur Errichtung einer Ackerbauschule in einer der jüdischen Colonien des Gouvernements Cherson ertheilt. Baron Ginzberg und die Herren Brodsky und Weinstein haben zu diesem Zwecke die Summe von 25.000 Rubeln gespendet. Die Regierung schenkte zur Errichtung einer Muster- und Uebungs-Wirthschast 200 Acker Landes. Lumbianen. Wenige Meilen von hier entfernt befindet sich eine Colonie von mehr als 40 Familien russischer Juden, welche Ackerbau treiben. London. Donnerstag Hielt Ihre königliche Hoheit die Prinzessin von Wales, an Stelle der Königin den Empfang (Drawing Room) ab und ließ sich von Mrs. Harry Samuel deren Tochter Miß Nora Samuel vorstellen. Es waren außerdem Mrs. B. Elkin Mocatta und Mrs. Marcus Samuel anwesend. Feuilleton. Simfon der Gibor. Documente aus dem Nachlasse meiner Großmutter. Nach ihren Daten und inneren Zusammenhang geordnet und vervollständigt.) Bon Heinrich Hammer. (Fortsetzung.) Der verfaffer behält sich alle Rechte vor. Der letzte an Datum ist ein Brief des Simson Kohn an meinen llrgrvßvater s. A., dem ein Auszug des Testamentes König August ll. an Datum vorangeht; zum Verständnisse des Zusammenhanges aber glaube ich ersteren früher hiehersetzen zu sollen. Er ist im fließenden Hebräisch geschrieben, zeigt aber in der Handschrift nicht mehr jene festen Züge, wie in dem ersten Briese, mit welchem die Reihe dieser Documente eröffnet wurde. Er lautet: Gelobt sei der Name des Ewigen. ] Warschau, am 14. Teil et 5494. (Jänner 1734).!! Meinem Freunde, dem wohlbekannten Wohlthäter der Armen und Verlassenen, Herrn Josef Halevi, s. L. l.!! Da mich der Herr aus meinen Nöthen, in welchen ich fast mein ganzes Leben lang schmachtete, durch seine Gnade erlöst hat, so sagte ich mir, soll ich es nicht meinem liebsten Freunde zu wissen thun, damit auch er an oieiner Freude Theil habe? Wie viel Theilnahme habt Ihr mir doch bewiesen, als ich mich in Euerer Gemeinde aufhielt; Ihr habt uns vor der Hand der strengen Gerichtsbarkeit versteckt, die sonst mich, mein Weib und Kind erreicht und wegen eines in Abwehr eines Mordes begangenen Todtschlages strenge bestraft haben würde. Da habt Ihr uns nicht nur beschützt, sondern auch gespeist und gekleidet aus eigenen Mitteln, bis Ihr uns sicher aus der Stadt geleiten konntet. Damals versprach ich Euch und auch mir, daß ich es Euch einst dankbar heimzahlen werde; jetzt sehe ich nun keine andere Möglichkeit, dies zu thun, als indem ich Euch mein Glück, zu dem mich Gott hinführte, mittheile, aus daß in meiner Freude auch Euch Freude sei. Höret also, was mit mir geschehen, seitdem ich eure Gemeinde verlassen, wo ich durch Gottes Wunder dem martervollen hinsiechenden Tode entrissen ward. Ich hatte zwar mein Weib und Kind, welches auf so wundervolle Weise von seinem Gebrechen geheilt ward, wieder, aber noch immer nicht das Ziel erreicht, das ich mir einst steckte, als ich sie verließ. Zwar hatte mich mein Sohn durch die Fügung Gottes an meinem Feind Stryczynski, der mich um meiner Frau willen tödtlich gehaßt, gerächt; aber noch immer hatte ich nicht jenen Mann gefunden, der mir so ähnlich sehen sollte, daß er mein Weib verführen konnte und durch welchen über mich all das Leid gekommen, das ich erlebt, was Euch und Allen die meine Geschichte kennen, bekannt ist; und ich konnte daher noch immer, in meinem geheimsten Innern von der Unschuld meiner Frau überzeugt, nicht überzeugt werden, und trotz der bewiesenen seltenen Anhänglichkeit an mich, war ihre Ehre vor der Welt noch nicht hergestellt. Ihr wisset, daß das Fräulein, die Tochter Stryczynski's die wir mit uns nahmen, durch einen Schlag den er nach ihr führte, verletzt und nach Jedermanns Meinung wahnsinnig ward, weil sie irre redete, sich einbildete, irgendwo noch einen Vater zu haben, den sie aussuchen wollte. Auch fiel mir bei ihr eine Kapsel von Gold auf, die sie um den Hals trug und welche zwei Schriftstücke enthielt, die mit ihrem Wahne seltsamerweise übereinzustimmen schienen. So viel ich aus denselben entnehmen konnte, schien sie wirklich nicht die Tochter Stryczynski's zu sein und hatte ihre Mutter, die ich einst gekannt hatte, ihr durch diese Briefe einen Weg, ihren Vater zu finden, vorzuzeichnen gehofft. Das Merkwürdigste aber war, daß sie zu Zeiten mich als ihren Vater ansah, denn, sagte sie, ihre Mutter habe ihr denselben so vorgemalt, daß er wie ich ausgesehen habe. Da wir nun das Mcwchen mit uns führen mußten, weil ich fürchtete, daß wir durch sie verrathen werden könnten, sie