Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021181--06570-3030857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12 Dr. Vloch's WochensttzrM. Sette 351 meister von Jerusalem und Vertreter der Stadt in dem Parlamente in Constantinopel unter Midhat Pasha. Uonssuf Pasha hat den Wunsch ausgesprochen, mit dem Verwaltungsrathe der jüdisch-englischen Allianz, von dessen Wirken in Palästina er genaue Kenntniß habe, zusammenzutreffen. Doussuf Pasha, der ausgezeichnet englisch spricht, machte den Anwesenden interessante Mittheilungen. Er sprach von Palästina als einem fruchtbaren Lande, das sich noch weit blühender entfalten würde bei genügender Bewässerung, bei Ausdehnung des Eisenbahnnetzes rc. Als ein Beispiel führte er den Orangenhandel von Jaffa an, der ein jährliches Einkommen von 150.000 Pfund ansmache. Die Wiedergeburt des Landes wäre gesichert, wenn Mohammedaner, Juden und Christen in vereintem Streben daran arbeiteten. Die Juden, für die er große Sympathie besitzt, nannte er die „Vettern" der Mohammedaner; er erinnerte die Anwesenden, daß die Mohammedaner den Inden stets freundlich gesinnt gewesen seien und daß sie dieselben, als sie von Spanien vertrieben wurden, in der Türkei mit offenen Armen empfingen. Dr. Gaster und Mr. Leopold Schloß dankten dem Gaste und sprachen ihre Freude über die freundliche Behandlung aus, die den Juden überall im Reiche des Sultans zu Theil werde. Der Präsident dankte im Namen des Verwaltnngsrathes und Youffuf Pasha versprach, der Allianz nach seiner Rückkehr aus Jerusalem Berichte zu schicken, die für dieselbe von Interesse seien.Hierauf verliest der Secretär den Bericht desExecntiv-Comitss. Warschau, 8. März. Mit vor Aufregung zitternder Hand schreibe ich diese Zeilen, denn soeben langte eine erschütternde Nachricht hier an, als deren Echo ein gellender Schreckensruf erklang. Szpoly, eine Stadt im Kiewer Gouvernement, ist der Schauplatz einer schrecklichen Judenhetze gewesen. Zwei Tage lang hauste die wüthende Menge, nach Herzenslust plündernd, raubend und mordend. Die Zahl her Todten ist noch nicht bekannt, doch weiß man, daß viele Leute auf grauenhafte Weise umgebracht, Frauen mit Aexten todtgeschlagen wurden. Biele Häuser sind bis auf den Grund demolirt worden. Der materielle Schaden beträgt zwei Millionen Rubel. Die hiesige Gemeinde erhielt heute ein Telegramm mit der dringenden Bitte um sofortige Hilfe. Unterzeichnet war das Telegramm von B r o d z k i, R a f a l o w i c z, W e l j a r m i n o w und dem dortigen Rabbiner. Die Sammlung für die Unglücklichen begann sofort und hofft man, daß die Summe, welche ein wenig zur Linderung des unsäglichen Elends der Beraubten, Kranken, Verwundeten, Hungernden und Obdachlosen beitragen soll, eine beträchtliche Höhe erreichen wird. Man erwartet, daß die Strafe, welche das Gericht über die Schuldigen verhängen wird, der Größe des Verbrechens entspricht. Muß man sich angesichts solcherGreuelmicht wundern, daß es noch Leute gibt, welche der Colonisationsbewegung mißbilligend gegenüberstehen? „Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Schlucht, Der Mensch die Heimat, Juda nur die Gruft", singt der englische Dichter; und ist nicht die Colonisirung das einzige Mittel, diesen armen out-laws, bevor sie in die'Erde sinken, das Leben auf der Erde möglich zu machen? O Gott, wann wird das tragische Schicksal dieses Volkes, und wird es überhaupt jemals ein Ende nehmen? X. Vermischtes. Wien. Sonntag den 21. Mürz findet im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Mizzi K e r p a l, Tochter des Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Otto K e r p a l, mit den Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Eckstein statt. Wien. Am 6. und 7. d. M. fand im hiesigen Einzelverein des „Zion" unter Leitung des Herrn Dr. Herzl eine Versammlung von Vertrauensmännern der zionistischen Vereine Wien, Berlin, Breslau und Tarnow statt. In derselben wurde besonders berathen über die Vorbereitungen zu einem großen zionistischen Congresse, der demnächst einberufen werden soll. Es wurde beschlossen, den Cvngreß für den 25. Augu st l. I. nach München einzuberufen. Gegenstand des Congresses sind, außer den verschiedenen Referaten über wichtige zionistische und überhaupt jüdisch-nationale Fragen und Ereignisse aus der letzen Zeit, die Schaffung einer einheitlichen Organisation sämmtlicher Zionisten und die Ausarbeitung eines endgiltigen Programmes für die zionistischen Bestrebungen. Es wurde gleichzeitig eine Commission eingesetzt, welche die Einladungen zum Congresse sowie alles Vorbereitende zu besorgen hat. E. B. Wien. (Z u m Geburtstag des Königs von Italien) hielt der italienische Botschafter Graf N i g r a einen Empfang ab. bei welchem auch der Präsident des Wiener »Circulo Italia*, Cavaliere Dr. Jur. T i r i n g, erschien. Bei dem vom Botschafter Grafen Nigra veranstalteten Bankett war Dr. T i r i n g geladen und brachte einen Toast aus, in welchem er den Dichter und Diplomaten Grafen N i g r a feierte und demselben in warmempfundenen Worten Dank für das dem »Circulo Italia < jederzeit entgegengebrachte Wohlwollen zum Ausdruck brachte. Wien—Ottakring. Wie alljährlich, hielt auch diesmal die Chewra-Kadischa am 10. d. M., dem Vorabende des siebenten Adar, ein Requiem ab für die Heimgegangenen Mitglieder dieses Vereines. An Stelle unseres ehrwürdigen Rabbiners, der leider erkrankt ist, sprach Herr Dr. Täglich t, Rabbiner in Mariahilf. Den formschönen und gedankenreichen Ausführungen des beliebten Redners lauschten die zahlreichen Anwesenden in andächtigster Stimmung. Wien. <A n s w e i s zum Baue eines Tempels in der Brig it te n an.) Herr Leopold Wiener 5 fl.; Herr David Fanto 10 fl.; Herr Leopold Karpfen-Kraus 3 fl.; Herr Jg. Honig 5 fl.; Herr Victor Kuffler 30 fl.; I. F. 10 fl.; Herren Berger & Hohenberg 5 fl.; Herr Max Weiner 5 fl.; Herr Jacob Neurath 20 fl.; Herren Eißler &' Bruder 10 fl. Wien. ^T o d e s f a l l.) Vorige Woche verschied hier nach langen! Leiden Herr Ignaz Weiß, in Firma Gustav T e d e s k o, im rüstigsten Mannesaller. Durch regen Eifer und rastlosen Fleiß brachte es der Verstorbene vom Bediensteten zum Interessenten der genannten Firma und zu Ansehen und Achtung in der Geschäftswelt. An dem Leichenbegängnisse betheiligte sich Herr Gustav T e d e s k o mit seinem ganzen Personale nebst zahlreichen Bekannten und Freunden des Verstorbenen. Möge ihm die Erde leicht sein. Wien. (E r n e st i n e Spitze r.) Unter ungemein großer Theilnahme hat das Leichenbegängniß der nach kurzem Krankenlager im 61. Lebensjahre verstorbenen Begründerin des weltbekannten Confectionshauses anl Kürntnerring, G. u. E. Spitzer, Frau Ernestine Spitzer, stattgefunden. Der schwere Verlust, welchen das Haus durch den Tod seiner Begründerin erleidet, wird am besten durch die Worte gekennzeichnet, mit denen die ausgMebene Parte die traurige Mittheilung begleitet: „Es ist ein unersetzlicher Verlust, der uns und alle Angestellten trifft; denn die verehrte Todte war unser leuchtendes, unerreichbares Vorbild an Talent, Fleiß und Pflichttreue, dabei Allen eine aufrichtige, theilnehmende, gütige Freundin. Ihr Andenken wird ewig in unseren Herzen leben und die Trauer um sie nie erlöschen." Besser und wahrhafter kann die Bedeutung, die Persönlichkeit der Verstorbenen nicht gewürdigt werden, als es mit diesen Worten geschieht. Von den bescheidensten Anfängen hatte sich diese seltene Frau durch unermüdlichen Fleiß zu der hervorragenden Stellung emporgeschwungen oder besser gesagt, emporgearbeitet, welche sie an der Spitze des von ihr begründeten, nun weltbekannten Mode-Etablissement einnahm. Mit glücklichem Blick und Ergreifen des richtigen Augenblickes hatte Ernestine Spitzer es verstanden, Modeartikel, welche bis dahin ein Monopol der Pariser Mode-Ateliers waren, in Wien herzustellen undso die Wiener Mode in der ganzen Welt zu Ansehen zu bringen. Der exquisite Geschmack, welchen sie entwickelte, gewann ihr die denkbar vornehmste Clientel, zu welcher in erster Linie der Hof und die hohe Aristokratie gehörten. Und wie man in diesen Kreisen die Verstorbene geschätzt, beweist die Thatsache, daß während ihrer Erkrankung fortwährend Anfragen von Mitgliedern der kaiserlichen Familie und der vornehmen Gesellschaft einliefen — im Laufe des letzten Donnerstag ließ sich beispielsweise Erzherzogin Jsabella" dreimal um den Zustand der Erkrankten erkundigen. Kronprinzeffin-Witwe Stefanie drückte aus Abbazia telegraphisch, die Erzherzoginnen Elisabeth und Jsabella brieflich ihr Beileid aus; ebenso hat Fürstin Metternich aus Cannes telegraphisch condolirt. An dem Sterbebette trauern der Gatte Herr Gustav Spitzer, ein Sohn, Herr Wilhelm Spitzer, und eine einzige Tochter, Jda, verehelichte Rose nb e r g) welche mit ihren! Manne schon seit einer Reihe von Jahren im Geschäfte thätig ist. Der tiefe Schnierz, welcher die Hinterbliebenen und den Freundeskreis der seltenen Frau erfüllt,! kam bei der Leichenfeier zum rührendsten Ausdruck. Im