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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-19 · 12 (19.3.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
12 (19.3.1897)
Date
1897-03-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 250 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 12 Frauen-Verein, Lobositz 5 fl., Frauen-Verein, Holleschau 5 fl., Frauen-Verein, Czacza-Czacza 5 fl., Frauen-Verein, Brüx 5 fl., Frauen-Hilfsverein Mährisch-Budwitz 5 fl., Therese Kohn, Szegedin 2 fl., Alliance Israelit in Wien 25 fl., Bnai Brith in Karlsbad 25 fl., letzter Ausweis 2333 fl. 94 kr.; Summa 2566 fl. 54 kr. Dr. L. S. Skreinka, Adolf P o l l a k, Curarzt in RoZnau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus N e u m a n n, Mitglied des Cultus-Vorstandes in Proßnitz (Mähren). Braunschweig, 7. März. Ein merkwürdiges Buch, das jetzt in einem wohlerhaltenen Exemplar in einer hiesigen Auction aufgetaucht ist, erschien 1782 in der „fürstlichen Waysenhaus- Buchdruckerey". Es wurde herausgegeben von „Gerson Abraham, Schutzjude in Holzminden", und sollte eine Anweisung zur Kenntniß des „sogenannten Juden-Dcutsch" sein. Die Herausgabe des nicht sehr umfangreichen Werkes war nur ermöglicht „durch die gnädigste Unterstützung des durchlauchtigsten regierenden Herzogs". Es waren nämlich die Lettern zu dem angewandten jüdischen Schreibalphabet nirgends zu erhalten, weshalb sie besonders gestochen und gegossen werden mußten. Zweck des Buches war, die Christen in den Stand zu setzen, ein in „Juden- Deutsch" geschriebenes Schriftstück lesen zu können, was besonders für die christlichen Kaufleute bei Handelsgeschäften mit Juden von Wichtigkeit war. Das Juden-Deutsch setzte einfach an Stelle des deutschen Alphabets das jüdische Schreibalphabet, welches in christlichen Kreisen wenig bekannt war. Dresden, 5. März. Der antisenritische Verlagsbuchhändler G l ö ß wurde heute verhaftet, weil er verabsäumt hatte, sich rechtzeitig zum Strafantritt der wegen Beleidigung des Fabrikanten Heller über ihn verhängten Gefängnißstrafe von 2 Monaten zu melden. Karlsruhe i. B., 9. März. Am 11. d. M. begeht der ' frühere badische Finanzminister Moritz Ellstätter hier feinen 70. Geburtstag. Ellstätter ist der erste Jude, der in einem deutschen Bundesstaate den Ministerstuhl einnahm — und für absehbare Zeiten wohl auch der letzte. — Bei den Bürgerausschußwahlen in Hoffenheim brachten die Antisemiten 13 ihrer Candidaten durch. Hannover. Einem Artikel über den Antisemitismus in der Provinz Hannover im Jahre 1896 entnehmen wir nachstehende Mittheilungen: „So wurde zum Beispiel in der „Hannover'schen Post" erzählt von einer jüdischen Hochzeit im Artlande — der Ort war natürlich wohlweislich verschwiegen! — bei welcher christliche Gebräuche verhöhnt worden sein sollten. Es gelang, nachzuweisen, daß bei der einzigen jüdischen Hochzeit, die im Artlande in der betreffenden Zeit stattgefunden hatte, auch nicht ein Wort gefallen war, das auch nur wie eine Spur von Spott und Hohn Andersgläubiger hätte ausgelegt werden können. — Die Antisemiten glaubten, ein schätzbares Material gegen die Juden gefunden zu haben, indem sie von einem jüdischen Lederhändler berichteten, der wegen weniger Pfennige einen Betrug verübt haben sollte, ferner, daß hier in Hannover ein jüdischer Artist festgenommen war, der beschuldigt war, schamlosen Handel mit Menschenfleisch getrieben zu haben. Auf unser Betreiben kamen jene Fälle zur gerichtlichen Verhandlung, beziehungsweise Untersuchung, welche zur Folge hatte, daß beide Beschuldigte freigesprochen wurden; das brauchte die antisemitische Presse ihren Lesern natürlich nicht mitzutheilen. Einen Juden verleumdet zu haben, war ja genug, wozu auch noch erzählen, daß man unschuldige Leute verdächtigt hatte. So was braucht doch ein antisemitisches Blatt seinen Lesern nicht mitzutheilen. — Bis zu welchem Grade übrigens die Perfidie dieser antisemitischen Ehrabschneider geht, das mag man daraus erkennen, daß irgend ein raffinirter antisemitischer Hetzer in einem Buche einer hiesigen öffentlichen Leihbibliothek nichtswürdige Verhöhnungen der christlichen Religion niederschrieb und diese Blasphemien dann getrost einem Juden in den Mund legte. Wie wurde endlich von antisemitischer Seite der „Fall Silberschmidt" ausgenutzt, in welchem bekanntlich ein Hamelner Bankier wegen Verleitung zur Unzuck t mit Gefängniß bestraft wurde. Weil er Silberschmidt hieß, mußte er natürlich Jude fein, und als wir den Nachweis erbrachten, daß er als Christ geboren sei, ja daß Silberschmidt sogar antisemitische Allüren an den Tag 'gelegt hatte, es half Alles nichts. Er war und blieb Jude und alle Juden von Stadt und Provinz Hannover waren Mitschuldige an seinem Verbrechen. — Die ganze antisemitische Bewegung in Hannover, deren Krystallisations- und Kernpuntt die „Hannoversche Post" ist, wird gehalten und gestützt durch die Mittel eines e i nzigen Mannes, der für seinen fanatischen Haß in einem Jahre mehr ausgibt, als die ganze Jndenheit in Stadt und Provinz Hannover in dem letzten I a h r z e h n t für Abwehrzwecke verausgabt hat. Das ist beschämend. Denn die Sorge für die Existenz, für die sociale Stellung seiner selbst und seiner Familie sollte doch jeden Juden zu größeren Opfern begeistern, als der Fanatismus, der Haß und die Verachtung einen hartgesottenen Antisemiten. Aber dieses eine schon so oft angeführte Beispiel wird auch dieses Mal wirkungslos abprallen. Die Gegner im eigenen Lager sind ja alle so klug, so weise und so erfahren. „Die Abwehr ist schädlich oder jedenfalls überflüssig, sie kann doch an den Dingen nichts ändern, also lasse man dem Verhängnisse seinen Lauf!" Berlin, 9. März. Am Samstag Abend fand imRepräsentanten-Sitzungssaale der jüdischen Gemeinde eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Delegirten der hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, Wohlfahrtsanstalten, Stiftungen u. st w. statt. Zweck der Versannnlung war die Berathung über die Gründung eines Verbandes für j ü d i s ch e W o h lthätigkeitspflege zu Berlin. Nach einer Begrüßung durch Herrn M a r t i n S i m o n. welcher den Vorstand der jüdischen Gemeinde vertrat, legte Herr Julius G r ü n w a l d in einem ausführlichen Referat die Ziele der zu begründenden Vereinigung dar. Der Verband bezweckt nach den entworfenen Satzungen die gegenseitige Förderung der Humanitären Ziele der sich anschließenden Vereine, ferner den Austausch und die Verbreitung wichtiger Erfahrungen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege. Durch Zusammenkünfte, Berichterstaftung und gegenseitige Aussprache der Delegirten. sowie durch Benützung der seit etwa l‘/2 Jahren bestehenden „Centralstelle für die Wohlthätigkeitsanstalten innerhalb der jüdischen Gemeinde" sollen die Zwecke des Verbandes vorzugsweise erreicht werden. Die Versannnlung gab durch zahlreiche Redner, unter denen wir die Herren Rabbiner Dr. M a y b a u m , R o s e n st i e l, Dr. H e i n r i ch M e y e r Cohn, He r m a n n Landsberger, Dr. Albert Levy nennen, ihre principielle Zustimmung zu dem ihr unterbreiteten Vorschläge kund; den entgegengesetzten Standpunkt vertrat mit Geschick besonders Herr W e d e l l. Die Versammlung beschloß mit allen gegen vier Stimmen die Gründung eines Verbandes und behielt sich vor, in einer demnächst zu berufenden D e l e g i r t e n - V e rs a m m l u n g endgiltig über -die Satzungen zu beschließen. Paris. Wie uns mitgetheilt wird, hat das Administrationscomite der Jewish Colonisation Association in Paris in der Februarsitzung folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Eine Subvention zur Begtündung einer Ackerbauschule in den jüdischen Colvnicn des Gouvernements Cherson. 2. Eine Subvention an die Gesellschaft Trud in Odessa siir ihre Arbeitsschule. 3. Einen Vorschuß an die Colonie W o o d b i n e in Amerika zum Bau eines Betriebswerkes. 4. Eine zweite Subvention an das Boanl of Guardians in London zur Hilfe für die jüdischen Armen daselbst. 5. Einen Vorschuß an die Colonie C a st o n i a in Palästina zum Ankauf eines Terrains. Paris. M. Drumont ist außer sich vor Wuth. In einer der letzten Nummern seines Blattes griff er M. Pechenard, den neuen Rector des Katholischen Instituts von Paris, in heftiger Weise an, lveil derselbe, ein sehr aufgeklärter Manu, den ausgezeichneten Natioualökono.men M. Anatole Leroy-Beaulieu aufgefordert hat, seinen Studenten einen Vortrag über Antisemitismus zu halten. In dem neuen Vorstand der Pariser Sternwarte, der soeben ernannt lvurde, befinden sich drei jüdische Mitglieder: M. Maurice Loewy, der Director der Sternwarte, M. Maurice Lewy, Professor am College de France, in Vertretung des Unterrichtsministers und M. Phillippe Leon in Vertretung des Ackerbauministers. London. Sonntag fand die allmonatliche Zusammenkunft der jüdisch-englischen Allianz' (Anglo Jewifh Association) statt. Anwesend waren: Präsident Claude G. Montefiore, Sir Philipp Magnus, Dr. Gaster und Dr. Löwy, die Herren E. N. Adler, Barrow Emanuel Halford, Henriques F. D. Mocatta, Oswald I. Simon, Selim S. Solomon rc. rc. Die Versammlung bot diesmal ein eigenartiges Interesse durch die Anwesenheit eines hervorragenden mohammedanischen Bewohners von Jerusalem, Ioussuf Pafha, ehemaliger Bürger-

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