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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-19 · 12 (19.3.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
12 (19.3.1897)
Date
1897-03-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 12 -r. Vloch's WochrnfttzrM ^ceite 247 Nun hat freilich Mr. Simon vollkommen klar gemacht, daß die Religion, deren Saat er ausznstreuen wünscht, nicht das! Jndenthnm ist, wie es gewöhnlich verstanden wird, ein historischer Glaube mit geheiligten Bräuchen und Vorschriften, sondern einj fach ein Gotteinigkeitsglaube unter Beobachtung des Moralgesetzes. Aber würde die Verwirklichung eines solchen Projectes nicht mit J den schwersten Gefahren belastet sein, von denen er einige in seiner Begeisterung ganz und gar übersehen zu haben scheint? Würden nicht halbherzige Inden ungestüm zu einer solchen Religion sich drängen, die von dem ihnen ärgerlichen rituellen Ballast befreit wäre, die sie jedoch noch weiter für eine Form des Judenthums ansehen würden, da sie ihnen als ein solches permissu 8uperioium gepredigt werden würde? Man wird sich erinnern, daß die Proposition des Doctor B e n i s ch in seinem Judaism Surveyed (Seite 129, 130) auf dasselbe hinanslief, indem er die Wiederherstellung des Ordens der Proselyten des Thores verlangte, mit dem eingestandenen Hauptgründe für dieses Eintreten, seinem W unsche nämlich, die Eheschließungen zwischen Inden und Nichtjuden zu erleichtern. Was für religiöse Praxis soll nun für die Nachkommen ans solchen Verbindungen gelten? Kann man erwarten, daß sie den Sabbath oder irgend welche festgesetzte Zeiten Israels feiern werden, über die sich hinwegsetzen zu können ihrem Vater mit Autorität gestattet ward? Viel ließe sich noch über dieses Capitel sagen, doch zwingt mich der Raummangel, sogleich zu einer anderen Quelle der Gefahren überzugehen. Wird der Gottesdienst, der dem Vorschläge S i m o n's gemäß eingerichtet werden soll, nicht als eine Bedrohung des herrschenden Glaubens angesehen werden? Ist es weise, zu einer Zeit, wo der Antisemitismus sich allenthalben ausbreitet, eine Bewegung in Scene zu setzen, die so leicht mißverstanden werden kann und so bequem sich mißdeuten läßt? Man könnte mir entgegnen: „Macht denn die Behutsamkeit — in Wahrheit nur ein anderer Ausdruck für Feigheit — Euch blind in Bezug auf Euere Pflicht gegenüber Jenen, die sich den formulirten Lehrsätzen des Christenthnms entfremdet haben? Warum ihnen die Tröstung des reinen, erhabenen Glaubens des Jndenthums verweigern?" Darauf antworte ich: Ich verweigere ihnen nichts. Unsere heiligen Schriften stehen ihnen offen, so wie uns, und auch die Thore der Synagoge sind vor ihnen nicht abgesperrt. Und wenn sie Gottesdienste in der Landessprache benöthigen, Mr. B o y s e y's theistische Kirche und die Gotteshäuser der Ünitarier sind da, um sie aufzunehmen. Es erübrigt noch, einen anderen Punkt zu berühren. Wir protestiren mit Recht gegen Gesellschaften zur Beförderung des Christenthums unter den Juden, wo die Mittel und die Kcaftanwendung, die diesem Werke gewidmet sind, mit so viel größerem Gewinn und Verdienste dazu verwendet werden könnten, die siedende Masse von Laster und Verderbtheit, die in den Straßen und Märkten der Großstädte schwärt, zur Menschheit zurückzuführen. Würden wir, indem die in Frage stehende Bewegung von nns begünstigt wird, nicht eine Thorheit gleichen Charakters begehen? Ist nicht im Westen dieser gewaltigen Stadt ein Missionswerk zu leisten, indem wir erlösen und emporziehen Jene, die im Luxus und Wohlleben versumpft sind und die am Rande des Abfalls schwanken? Ist nicht im Osten genug zu thun, wenn zum Bewußtsein der Menschenwürde wieder erhoben werden die Opfer langwährenden Druckes und böser Gewalt? Ist unsere Jugend schon völlig in den Principien und der Praxis des Jndenthums wirksam ansgebildet? Ist die Kenntniß unserer Geschichte und die richtige Würdigung unserer Literatur bereits in vollentsprechendem Maße vorbereitet? Diesen und verwandten Arbeitensei unsere Kraft und Begeisterung im gegenwärtigen Zeitpunkte geweiht, nicht aber einem Phantasiegebilde, dessen Unheilsfolgen, ich sage es, mit Händen zu greisen sind. (Fortsetzung folgt.) Die Insel Kreta in der Bibel. Es ist gewiß anziehend nachzuforschen, unter welchem Namen sich die Insel, der sich jetzt Aller Augen zuwenden, in der Bibel findet. Der Name C'eta selbst wird in den biblischen Schriften nicht genannt, wohl aber hören wir von den Crethi und zwar in Verbindung mit Pletbi (II. Sam. 8, 18; 15, 18; 20, 7. 23), der Leibwache König Davivs; gewöhnlich werden diese mit die „Scharfrichter und Läufer" übersetzt. — Aus einer Reihe von Stellen aber läßt sich Nachweisen, daß diese Bezeichnungen Creler und Philister, also die Eigennamen von Völkern bedeuten; auffallend ist es für alle Fälle, daß die Creter immer in Verbindung mit den Philistern genannt werden. Dies soll uns dann auf den Namen der Insel Creta in der Bibel selbst führen. I. Sam. 30, 14, werden die Crethi in Verbindung gebracht mit dem Gebiete von Ziklag, also einer Gegend im Philisterlande; noch mehr geschieht dies im Buche des Propheten Jecheskel 25, 16: „Ich neige meine Hand über die Philister und vernichte die Crether," ebenso, wie schon in diesen Blättern ausgesührt wurde, Zephan. 2. 5' Es kann also kein Zweifel obwalten, daß die Philister mit den Cretern verwandt waren; dies ergibt sich aus den angeführten Stellen, in denen die Creter mit den Städten des Ph'listerlandes und mit dem Namen dieses Volkes zusammen genannt werden, unzweideutig. — Wie heißt nun in der Bibel der ursprüngliche Wohnsitz der Crethim und Philister? In der vielerklärten und vielgenannten Volkerstammtafel I. B. Mos. X. V. 14 wird gesagt: „Die Kasluchim, von wo gekommen sind die P h i l i st e r und die Cap htorim." Vergleichen wir damit Ainos IX. 7, so finden wir hier: „Die P h i l i st e r habe^ich ans C a p h t o r heraufgebracht"; — dazu wäre heranzuziehen die Stelle V. B. Mos. 2. 23. „Die Awim, welche wohnten zu Hazerim bis Gaza (einer philistäischen Stadt) wurden vernichtet von den Caphtorim. welche kamen von Caphtor"; Jeremias 47. 4 sagt: „es vernichtet der Herr die P h i l i st e r, den ileberrest der Insel Caphtor. Aus dieser Stelle ergibt sich klar, daß man bei Caphtor an Kappadocien nicht denken kann, wie man dies nach dem Targum Onkelos zur Stelle I. B. Mos. X. 14, thun wollte. Neben dem Targnmium, gibt diese Erklärung auch der Talmud. Rosenmüller und Ewald waren die ersten neueren Erklärer, welche besonders mit Rücksicht darauf, daß doch der Prophet Jeremias ganz unzweideutig von einer I u s e l Caphtor spricht, darauf hinwiefen, daß mit diesen Namen das Küstengebiet Kappadocium nicht gemeint werden kann, welches nach jener Stelle der Bölkertafel von Mizraim aus bevölkert wurde. Wenn auch die alten Uebersetzer fast alle Cappadocia haben, wofür sich Bochart und Koster erklären (vergl. Gesenins, Wörterbuch. Art. Caphtor), so müssen wir nach allen angeführten Stellen aunehmen. daß Caphtor nichts anderes ist als eben unsere Jn^el Creta. So übersetzen die Septuaginta uns der Syrer die oben genannten Crethim im I. B. Sam. im B. Jecheskel und B. Zephanja mit Creter. Die Philister aber, welche sich an der Südküste des mittelländischen Meeres niederließen, sind mit den Cretern entweder gleichbedeutend oder verwandt; ihre Ansiedlung in der Gegend von G rza hat jedenfalls vor jener der Israeliten in Kanaan stattgefunden. Ziehen wir also das Resultat aus dem Angeführten, so ergibt sich Creta heißt in drr Bibel Caphtor, von dieser Insel zogen die Philister an die Südküste des mittelländischen Meeres und gründeten hier ihre Pentapolis (Jerem. 47, 4—7.). Wir müssen also danach die stelle in der Völkertafel I. Mos. X. 14 lesen: ^Und die Kasluchim und Caphtorim, von wo ausgingen die Philiste r." — Dabei kann ich nicht unerwähnt laffen, daß Tacitus, der römische Geschichtsschreiber, vie Juden von der Insel Creta und zwar von dem sagenberühmten Berge I d a absiammen läßt, Id aeer und Judaeer, das klingt doch sehr ähnlich. Die Philister aber sind nach der biblischen Bölkertafel von Mizraim nach Creta eingewandert. Sollte da nicht eine höchst merkwürdige ethnographische Verwechslung stattgefunden hoben, zwischen Juden und Philistern, nach denen ja die Griechen das Land Israel Palästina nannten und deren Gebiet von den Juden in Besitz genommen wurde. Wie man sieht, gibt das Eiland im Süden des ägäischen Meeres, sowie jetzt den Diplomaten und Admiralen, auch dem Bibelforscher und Ethnographen manches interessante Rathsel zu lösen auf. Hoffen wir jedoch, daß diese Insel, die G.'burtsstätte des altgriechischen Obergottes, nicht der Erisapfel werde, welcher die Großmächte entzweit und unsägliches Blutvergießen hervorruft. Lieber mögen sich Bibelforscher und Gelehrte nm den Namen der Insel in unblutiger Weise streiten, als daß wegen der allbekannten Kreidefelsen ein Tropfen Blutes unserer Krieger fließe. Creta ist wahrlich weder die Knochen eines pommerischen Grenadiers, noch eines österreichischen Husaren werth. Dr. Max G r ü u f e l d. Correspondenzen. Wie». (Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultnsgemeind e i n Wien am S o n n ta g d en 21. Mä rz l. I. u m 10 Uhr Vormittags im S i tz u n g s s a a l e der C u l t u s g e m e i n b e I., S e i t e n st e t t e n g a s s e 4. Tagesordnung: 1. Einlaus (Matrikelbericht, eingegangene Spenden, Zuschrift des Herrn ersten Bicepräsidentea Dr. Alfred Stern, Eingabe des Herrn Jacob Kann wegen Begründung einer Vorschußcaffe rc.); 2. Präsidial-Mittheilungen; 3. Anträge; 4. Geschäftsordnung des Cultusvorstandes und der Sectionen (V. Section); 5. Grabausschmückung (VI. Section); 6. Gründungsbeitrag für den Verband der israelitischen Religionslehrer an Mittelschulen (II. Section); 7. Koscherfleischfrage (Referent Herr Bicepräsident Dr. G. Kohn); 8. Wahlen.

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