Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 246 Vr. Vloch's WocheMchrist Nr. 12 chwommen ausgedrückt hätte, aber er hätte vielleicht doch bedenken, sollen, daß auch ein Ernst Schneider, ein Carl Mittermayer ein Baumeister Folter und noch einige andere Parteigrößen, welche genau denselben Anspruch auf die Hochachtung ihrer Mitbürger erheben dürfen, wie der nordische Reiseschriftsteller, der christlich-socialen Partei angehören. Wenn man den Carl Mittermayer fragen würde, so würde er gewiß gerne zugestehen, daß er stolz darauf sei, einen Ernst B e r g a n i seinen Parteigenossen nennen zu dürfen, daß er sich sehr darauf freue, mir ihm Schulter an Schulter — sie haben Beide recht breite Schaltern — gegen die Korruption und gegen die Uaehrlichkeit zu kämpfen. Die gesammte Partei aber hat nicht blos einen Bergani in ihren Reihen geduldet, sondern findet ihn sogar eines Reichsrathsmandats für würdig, und wenn Herr August Dotz es aussprach, daß er es deshalb mit der Ehre eines Mannes für unvereinbar findet, dieser Partei anzugehoren, so war es selbstverständlich, daß Ernst Berg an i ihn vor die Schranken des G.-nchtes citirte. Herr Dötz erschien und erklärte, daß er den Wahrheitsbeweis antrete, daß er also, wie er behauptet, entehrende Handlungen ves Klägers zu beweisen wünsche. Mit fieberhafter Erwartung sahen die Freunde und Verehrer B e r g a n i's — er hat nämlich auch Verehrer — dem Tage des Gerichtes entgegen, an welchem die Sonne der Wahrheit die dunklen Wolken der Verdächtigung zerreißen sollte. Frisch gereinigt und blank lackirt sollte die von Herrn Dötz bespritzte Ehre Vergani's aus dieser Verhandlung hervorgehen. Ja, wenn es das fatale Pech V e r g a n i's zugelassen hätte l Man denke nur — die Klage war wieder einmal verjährt, Herr Dötz kam nicht zum Worte, um den gewiß unmöglichen Wahrheitsbeweis anzutreten, und Bergani kam nicht zum Worte, um Alles, was gegen ihn vorgebracht wurde, glänzend zu widerlegen. Herr Dötz wurde f r e i g e s p r o ch en, das Opfer seiner Angriffe muß ihm noch dazu die Kosten ersetzen, und die R'habilitirung des zaubergewaltigen Mannes hat abermals einen höchst ärgerlichen Aufschub erfahren. Ein Ausweg, um ihm zu helfen ließe sich aber nicht schwer finden. Herr August Dötz wäre vielleicht, wenn man au sein gutes Herz appellirt, nicht schwer zu bewegen, die incriminirte Aeußerung öffmtlich oder vor mehreren Leuten zu wiederholen. Wenn das geschähe, so könnte Vergani sogleich die Klage überreichen, mit der dringenden Bitte, die Verhandlung schleunigst durch Zufuhren. Dann wird es sich sofort Herausstellen, ob er etwa seiner College»Carl Mittermayer und Ernst Schneider nicht vollkommen würdig ist. Er paßt zu ihnen und sie passen zu ihm. ''Die Race re»« — die Schulden schmutzia. Herr Dr. Dionys Ritter v. Praeda, der Concipient des Consuls von Monaco und Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Joses Porzer, ist selbstverständlich auch strammer Antisemit. Vielleicht erinnert man sich noch des unrühmlichen Abganges, den Ritter v. Praeda bei seinem letzten Scandale im Handelsgerichte fand. Der edle Ritter stänkert gern ein wenig Juden an, lediglich des Spasses halber, den es ihm offenbar macht, um dann mit dem ganzen Selbstgefühl seines muthvollen Arierthums erklären zu können: „Ein Jude ist nicht würdig, Genugthmmg von mir zu erhalten." Der Ruf dieses ritterlichen Muthes drang auch in die Heimat des Edlen, nach Sereth in der Bukowina. Es gibt dort Leute, welche Herrn v. Praeda noch in „theuerster" Erinnerung halten. Merkwürdigerweise sind das gerade fast durchwegs — Juden. Leute also, welche Herr v. Praeda sehr gering schätzt, deren Forderung er nicht annimmt, wie man weiß. Das ist nun allerdings consequent von Herrn v. Praeda und seine Serether Landsleute konnte das nicht überraschen, wußten sie doch, daß Forderungen von Juden und auch von guten Ariern bei Herrn von Praeda stets unberücksichtigt geblieben sind. Sie wissen davon ein trauriges Lied zu singen. Ihr illustrer Landsmann hat nämlich, so lang er seiner Heimatstadt die Ehre erwies, in ihr zu weilen, seinen Antisemitismus sehr einseitig betrieben. Er verkehrte sehr herablassend mit jüdischen Handels- und Gewerbsleuten, er deckte seine Bedürfnisse bei ihnen — aber er vergaß dabei nicht seiner politischen Ueberzeugung — er zahlte ihnen einfach nichts. Das ist praktischer Antisemitismus. Aber die armen Juden in Sereth, denen er schuldig ist, verstehen nichts von den höheren politischen Gesichtspunkten des Antisemitismus; sie stehen in ihrer moralischen Verkommenheit auf dem verwerflichen Standpunkt, ihr Geld nicht verlieren zu wollen. Und so haben sie ein Schulden-, respective Forderungen-Verzeichniß in Sachen des Edlen v. Praeda nach Wien gesendet. Es sieht recht sonderbar aus. Einige markante Posten wollen wir hiehersetzen, zu Nutz und Frommen strebsamer antisemitischer Nachahmer, und damit man sehe, wie fleißig und kleinweise Herr von Praeda gearbeitet hat. So ist er zum Beispiel schuldig den Juden: Josef Wild für Kost und Getränke seit dem Jahre 1893 30 fl. Nathan Gläsl, Raseur, für Haarschneid-n und Rasiren 3 fl. Leon Last, Gastwirth, für Kaffee, Wein, Bier, Cognac rc. seit dem Jahre 1894 9 fl. 50 kr. Israel Sornmer's Nachfolger, Wäschehändler, für Hemden seit vem Jahre 1891 6 fl. Leib Gelber, Kutscher, für Spazieren- und in's Badfahren im Jahre 1894 2 fl. 30 kr. Karl Grauer für Galanteriewaaren 5 fl. 27 kr. Hermann Grauer für Papier und Bücher 5 fl. 20 kr. Minna Grauer für Maaren 4 fl. 45 kr. Josef Klausner, Schneidermeister, seit dem Jahre 1895 16 fl.__ Bisher ist die Sache, wie man sieht, nur consequent durchgeführt: Es sind lauter ^uden. Daher wird es Herrn von Praeda auch in der Achtung seiner Stammes- und Parteigenoffen nicht schaden. Aber ein Fall ist böser. Es ist nämlich ein arischer Fall. Herr Dr. Dionys Ritter v. Praeda ist nämlich dem Diener des Serether Beamtencasinos für Bier, welches ihm derselbe ihm Jahre 1815 geholt und „einstweilen" aus eigener Tasche bezahlt hat, heute noch 1 fl. 80 kr., sage einen Gulden achtzig Kreuzer, schuldig. Das ist doch der Schulfall einer schmutzigen Schuld! Wir können Herrn Dr. Ritter voll P r a e d a nur rathen, sich schleunigst bei seiner Partei um ein Reichsrathsmandat zu bewerben! Jüdische Arbeiter sind doch nicht so selten, wie dies von unseren Gegnern immer wieder behauptet wird. Obwohl wir Juden dies längst lviffen und einem Antisemiten gegenüber eine Widerlegung nie etwas nützt, wollen wir doch von einer Correspondenz Notiz nehmen, die der „Vorwärts" aus Westrußland erhält. Da wird berichtet, daß im December v. I. in Rußland die erste Nummer einer geheim erscheinenden Zeitschrift in jüdisch-deutscher Mundart unter dem Trtel: „Der jüdische Arbeiter, Organ für die Interessen der jüdischen Arbeiter in Rußland", herausgegeben wurde. Wie aus den einleitenden Worten der Redaction zu ersehen ist, stellt sie sich zur Aufgabe, beizutragen zur Vereinigung der guu Zeit isolirt arbeitenden Gruppen des jüdischen Proletariats in Rußland in eine socialistische Organisation und den Moment näherzurücken, in welchem diese Organisation als Bestandtheil eintritt in die allgemein-russische Arbeiterpartei, deren Entstehung nur eine Frage der Zeit ist. Wir wollen zu der socialpolitischen Seite dieser Organisation keine Stellung nehmen, registriren vielmehr die Thatsache nur als Beweis für das große (Kontingent, das die russischen Juden zu den russischen Arbeitermaffen stellen. Stimmen in Betreff des Vorschlages Oswald I. Simon's. Ueberfetzt von Ignatz Kaufmann. I. Das Votum des Chiefrabbi Dr. H. Adler in London. Mit Freuden zahle ich meinen Tribut llneingeschränkter Bewunderung für den erhabenen Ton, der Mr. S i m o n's Artikel durchdringt. Der Idealismus darin steht in erstaunlich wohlthuendem Gegensätze zu dem materialistischen Geiste einer anderen jüngst veröffentlichten Verteidigungsschrift, in der ein Judenthum constituirt wird — mit Auslassung des gesammten Judenthums. Ich gebe auch gerne zu. daß auf den ersten Blick die von^ ihm vorgeschlagene Art der Verbreitung des Glaubens Israels außerhalb 'des Bereiches der jüdischen Race viel Anziehendes und Bestrickendes für sich hat. Es würde scheinen, als befreite uns die Verwirklichung seines Planes von denk Vorwurfe, den Professor Max Müller in der von ihm am 3. December 1873 in der Westminsterabtei gehaltenen Vorlesung über Missionen gegen uns richtete. Er behauptete nämlich, daß die Juden, insbesondere im Alterthum, niemals daran dachten, ihre Religion zu verbreiten, und daß, als sie später auch Fremden einige Rechte ihrer Theokratie einräumten sie dieselben nicht als Seelen betrachteten, die sie gewonnen hätten, sondern als Fremdlinge Proselyten, Menschen, die zu ihnen vom Anslande zugezogen kamen, und daß durch diesen Mangel an Miffionsgeist die Tage des Judenthums gezählt seien. In einer Abhandlung, die ich damals veröffentlichte, unter dem Titel: „Ist das Judenthum ein Miffionsglaube?" bestritt ich die Giltigkeit dieser Behauptung des Herrn Professors. Ich bewies aus der Geschichte, daß wir zu allen Zeiten willig wären, Proselyten aufzunehmen, die aus lauterer Ueberzeugung gedrängt zu uns kamen, legte aber auch die Gefahren und Nachtheile dar, die mit einer thätigen Propaganda verbunden seien.