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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-19 · 12 (19.3.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
12 (19.3.1897)
Date
1897-03-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 242 Dr. Vloch's Wochensrtzrifi Nr. 12 sich jährlich schwieriger, da die erforderliche Anzahl tüchtiger Meister nicht vorhanden und schon jetzt in den größeren Städten Galiziens aus dem eben bezeichneten Grunde die weitere entsprechende Placirung von Lehrlingen aus große Hindernisse stößt. Das Curatorium und seine Organe sind bemüht, diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen, daß Zöglinge auch in Städten außerhalb Galiziens in die Lehre gegeben werden. Immerhin erfordert es die ganze Aufmerksamkeit und unausgesetzte Bemühungen der Stiftung, für die künftige Existenz der die Stiftungsschulen absolvirendeu Zöglinge, deren Eintritt in die Mittelschulen auch der Stifter nicht gefördert wissen wollte, vorzusorgen. Als ein vorzüglicher und vielverheißender Ausweg würde sich hier die Zuführung eines Theiles der Knaben zum Ackerbaue darbieten. Allein die Stiftung verfügt über keine Fonds für diese Zwecke, zumal der Besitz eines größeren landwirtschaftlichen Objectes unabweislich -wäre, wenn die Aufgabe gelöst werden soll, die Zöglinge nicht blos zu Ackerknechten zu machen, sondern bäuerliche Wirthe heranzubilden, die befähigt sind, im Dienste Anderer und in eigener Kleinwirthschaft ihr Brot durch ihrer Hände Arbeit zu erwerben. Mit Schluß des Schuljahres 1894/95 verblieben in der Lehre bei Handwerkern 245 Knaben (darunter in Wien 79). Bon diesen wurden im Schuljahre 1895/96 112 Knaben freigesprochen. Die Schlosserwerkstätte in Rzeszow hat endlich nach mehrjährigem, ihr von der dortigen Genossenschaft aufgenöthigtem Kampfe sich eine legale Basis errungen. Der hohe k. k. Verwaltungsgerichtshof hat nämlich mit Erkenntniß vom 17. April 1896, Nr. 1748 die Beschwerde der Handwerkergenossenschaft, Gruppe Y in Rzeszow, gegen den behördlichen Auftrag, die angemeldeten Schüler der Schlosserschule der Baron Hirsch-Stiftung als Angehörige der Genossenschaft einzuschreiben und die diesbezüglichen Lehrverträge ins Protokollbuch einzntragen, als unbegründet abgewiesen. Ein für das Gedeihen der Anstalt unerläßliches friedliches Zusammenwirken mit der dortigen Genossenschaft dürfte nunmehr umso eher zu erwarten sein, als das Curatorium von Anbeginn alle erdenklichen Anstrengungen machte, um ein solches zu erzielen. Im Laufe des Sommers sind sämmtliche Zöglinge bis auf einen nach absolvirtem 3jährigen Curse als Gesellen sreigesprochen worden. An deren statt wurden zu Beginn des laufenden Schuljahres 12 neue Zöglinge aus verschiedenen Stiftungsschulen in die Werkstätte ausgenommen. Bon den .14 Stipendisten verschiedener Gewerbeschulen haben 13 mit Ende des Schuljahres ihre Studien absolvirt. Jedoch mußten den beiden Absolventen der Lemberger Gewerbeschule die Stipendien auf ein weiteres Semester verlängert werden, da die genannte Anstalt dermalen das Recht der Ertheilung des Befähigungsnachweises noch nicht besitzt. Bon den in der Gärtnerei-Schule in Ahlem bei Hannover untergebrachten 14 Zöglingen werden 6 im dritten Jahrgange befindliche Frequentanten zu Ende des Schuljahres 1896/97 die Anstalt absolvirt haben, und besteht die Absicht, den einen oder anderen dieser Knaben an jenen Orlen, in welchen die Stiftung eigene Schulhäuser mit großen Gartencomplexen besitzt, zur Anleitung der Stiftuugsschüler in der Gärtnerei zu verwenden. Das ist in kurzen Umrissen der Inhalt des Rechenschaftsberichtes, der ein Bild rastlosen freudigen und ergebnißreichen Strebens bietet. Zum Schlüsse sei noch die erfteuliche Mittheilung erwähnt, daß auch im abgelaufenen Schuljahre die Vorbereitungen zur Gründung 5 neuer Schulen getroffen wurden. Zu den bevorstehenden Reichsrathswahlen. Der Vorstand der Oesterreichisch - Israelitischen Union versendet an die jüdischen Wähler des I. und IX. Bezirkes folgendes Schreiben: Euer H^o ch w o h l g e b o r e n! Wie Euer Hochwohlgeboren aus dem Referate des Herrn Landesschulrathes Dr. Gustav K o h n ersehen, sind unsere Bemühungen, zwischen den beiden fortschrittlichen Parteieli der inneren Stadt eine Einigung anläßlich der bevorstehenden Reichsrathswahlen zu erzielen, leider erfolglos geblieben. Der gefertigte Vorstand hat daher im Einklänge mit dem bei der letzten Landtagswahl lvahrgenommenen Willensausdrucke der jüdischen Wählerschaft den Beschluß gefaßt, sich weder für die eine, noch für die andere Liste zu entscheiden, sondern aus beiden Listen jene Männer zu wählen, die uns die Gewähr bieten, daß sie jederzeit mit rücksichtsloser Energie für die Durchführung der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung aller Staatsbürger eintreten werden. Unser Verein hat deshalb für den I. Bezirk die Herren -■ D r. Ferdinand K r o n a w e t t e r, Magistratsrath und Landtagsabgeordneter, YIII., Lerchenfelderstraße 122; Consta ntin Noske, General-Secretär und Landtagsabgeordneter, I., Bäckerstraße 22; D r. Julius Ofner, Hof- und Gerichts- Advocat und Landtagsabgeordneter, I., Wollzeile 12; Carl W r a b e tz, Gemeinderath, I., Tuchlauben 18 nominirt, und bitten wir Sie, diesem Candidaten ausnahmslos Ihre Stimme bei der Samstag den 20. März d. I. stattfindenden Reichsrathswahl zu geben, da eine Stimmenzer-- splitterung leicht den Sieg der Reaktionäre herbeiführen könnte. Hochachtungsvoll: Der Vorstand der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union. Politischer Volksverein. Der Vorstand dieses Vereines hat in Gemäßheit der Kundgebung seiner Plenarversammlung vom 18. Februar d. I. und nach weiters gepflogenem Einvernehmen mit den Vertrauensmännern und Beiräthen des Vereines in der Sitzung vom 11. d. M. befunden, daß in Anbetracht der obwaltenden ungeklärten Parteiverhältnisse den fortschrittlichen und freiheitlichen Bestrebungen der relativ beste Ausdruck bei den Wahlen dadurch gegeben werde, daß die Wähler und zumal die jüdischen Wähler des I. Bezirkes ihre Stimmen auf die Candidaten K r o n a w e t t e r, Noske, Dr. Ofner und W r a b e tz vereinigen. Demgemäß proclamirt der Politische Volksverein mit Vermeidung weiterer, derzeit ziemlich unproductiver Wählerversammlungen diese vier Herren als jene Candidaten, deren Wahl er zu fördern beschlossen hat und seinen Mitgliedern und der Wählerschaft noch mittelst besonderer Circulare dringend empfehlen wird. Zugleich hat der Präsident dieses Vereines, Herr Dr. Fi all a behufs Vermeidung der schädlichen Cumulirung von Mandaten die an competenter Stelle beifällig aufgenommene Anregung gegeben, daß die Herren Dr. Ofner und K r o n a w e t t e r, wenn und sobald sie der Reichsrathsmandate theilhaftig würden, ihre Mandate als Landtagsabgeordnete n i e d e r l e g e n, um hierdurch weiteren neuen parlamentarischen Kräften Raum zur Bethätigung zu bieten, da, wie Herr Doctor F i a l l a seinen Vorschlag richtig motivirte, es viel nützlicher sei, die vier Mandate mit vier Talenten zu besetzen und die Reihen der Kämpfer zu vermehren, als sich auf zwei Persönlichkeiten zu beschränken und deren Pflichten zu iiberlasten. Wird der deutsch-fortschrittlichen Partei zur Nachahmung wärmstens empfohlen! Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" vom Samstag den 13. März 1897. Der Vorsitzende begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder des Vereines, sowie die als Gäste anwesenden Wähler der Inneren Stadt und dankte Letzteren, daß sie der an sie ergangenen Einladung seitens des Vereines in so zahlreicher Weise Folge geleistet haben. Hierauf nahm der Referent des Vorstandes, Herr Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, das Wort und gab zunächst seinem Bedauern darüber lebhaften Ausdruck, daß es den wiederholten Bemühungen des Vorstandes der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" nicht gelang, zwischen den beiden fortschrittlichen Vereinen in der Inneren Stadt, und zwar den Deutschfortschrittlichen und den Socialpolitikern, eine Einigung in Bezug auf die Aufstellung einer gemeinsamen Kandidatenliste anläßlich der bevorstehenden Reichsrathswahlen herbeizuführen, so daß auch diesmal die Befürchtung gehegt werden müsse, daß es im besten Falle zu einer Stichwahl kommen dürfte. Angesichts dieser betrübenden Erscheinung, zumal in einem Bezirke, wo bei einträchtigem Zusammenhalten aller fortschrittlich gesinnten Elemente ein Sieg der Reactionären unmöglich sei, habe es der Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" für seine Pflicht gehalten, den bei den letzten Landtagswahlen seitens der jüdischen Wählerschaft wahrgenommenen Willensausdruck zu respectiren und aus den Candidatenlisten der beiden fortschrittlichen Vereine in der Inneren Stadt jene Männer zu wählen, die durch ihr bisheriges Verhalten in den öffentlichen

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