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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-12 · 11 (12.3.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
11 (12.3.1897)
Date
1897-03-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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sasm Seite 234 Vr. Vlvrtz's Judeitthums auf gesetzlichem Wege schwärmten. Die.! letztere Section besteht aus lauter Staudesherren: weltliche und geistliche Fürsten, Staatsmänner, Minister, Diplomaten, Schriftsteller, Dichter, Künstler u. s. w., und unter ihnen nimmt der Enkel Amalek's, unser schon in Principien machende Haman. den ersten Platz ein. Sem Amt ist, von Stunde zu Stunde aus seinem siedenden Pech- und Schwefelbade hinauszusteigen und nachzusehen, ob die anderen Herren in ihrem Bade die höllenmäßige Temperatur haben und wo das Feuer zu verlöschen droht, es frisch zu speisen und diejenigen, die sich ein wenig aus ihrem Kessel erheben, um frische Luft zu schöpfen, wieder niederzutauchen. Bei dieser ihm vom Höllenfürsten aufgetragenen Beschäftigung muß unser armer Haman die gräßlichsten Flüche und Verwünschungen der Gemarterten hören, die ihn als ihren Lehrer betrachten und dem sie ihre Qualen zu verdanken haben, die er ihnen selbst jetzt noch vergrößern und vermehren muß. Und Haman in seiner Seelenqual sucht sie zu beschwichtigen und chnen chre endliche Erlösung in Aussicht zu stellen, wenn das Judenthum einmal vernichtet sein werde. Denn er glaubt im Geheimen noch an seine Mission. Er erbittet sich von Zeit zu Zeit von Satan, der seine Freude an diesem volksthümlichen Oppositionsmann gegen alles Göttliche hat, die Erlaubniß, die Menschenwelt besuchen zu dürfen, um seinen Plan auszusühren. Haman erschien im Mittelalter zu Hundertenmalen aus der Erde und wußte sich seine Agitatoren zu schaffen, die die Ausrottung des Judenthums lehrten, predigten und decretirten und es mit Verfolgungen, mit Ausnahmsgesetzen, mit Feuer und Schwert schon in's Werk zu setzen begannen; aber das Judenthnm war nicht umzubringen, und Haman mußte immer wieder unter dem Hohngelächter aller Engel des Lichtes unverrichteter Dinge in seine Hölle zurückkehren. Zu Beginn der Neuzeit war heller Jubel im Himmel über den endlich vollen Triumph, unter dem das Judenthum nach so und so vielen Jahrhunderten hamanischer Experimente zu seiner Vertilgung in die Gesellschaft einzog und aus sein langes Martyrium die Glorie folgte. In seiner Qual tröstete Haman sich, Satan und seine Höllengenossen mit dem Gedanken, die Sonne der Emancipation werde das Judenthum versengen und ausdörren, daß es nicht mehr lebensfähig sei, und somit sein Ziel doch erreicht würde, wenn es chm auch lieber gewesen wäre, das Judenthum unter Martern sterben zu sehen. Allein Haman irrte sich wieder in der Lebenskraft des Judenthums. Was es während des Lagerlebens der Emancipationskämpfe an Strenge nachgelassen hatte, holte es nach erfolgter Emancipation wieder ein. Es verjüngte sich förmlich wieder. Zu seinen Seelenqualen über diese neue Blüthe des Judenthums verlor er noch den Glauben an sich und fürchtete, das Vertrauen Satans zu verlieren, der ihn kaum mehr zu Experimenten auf die Oberwelt schicken werde, und zu den Verwünschungen fügten seine Höllengenossen jetzt noch Hohn und Spott über seine Unfähigkeit. Und als Haman eines schönen Tages so gramgebeugt in seinem Dienste die Runde machte, stöhnte es aus einem ganz neuen Keffel, . worin einer des jüngsten „Zuwachses" der Hölle schmorte: „Excellenz!" „Wer bist Du?" fragte Haman unwirsch. „Ich war ein deutscher Professor, der in der Oberwelt die Tiefen der Seele erforschte und es Euer Excellenz ansehe, mit welchem Gegenstände sich Hochdieselbe in diesem Augenblicke beschäftigen — das Judenthum, das Judenthum". „Wahr! wahr!" „Wollen Euer Excellenz geruhen, mir einen Moment Freiheit zu gönnen; ich wüßte Rath". „Nun, ich will einen Augenblick die Schrecken der Hölle von Dir ruhen lassen! rede!" „Excellenz, jetzt ist die beste Zeit, die Juden wieder in Arbeit zu nehmen. Solange sie das Erdenglück nicht kannten, war ihnen jede Marter nicht nur gleichgiltig, sondern sie stachelte noch ihren Trotz; seit einem halben Jahrhundert athmen sie jedoch Lebenslust und ein plötzlich über sie hereinbrechendes Ungewitter müßte sie zur Verzweiflung und. um all ihr Hoffen und Glauben bringen." WochrnfchrM Nr. 11 „Verdammt recht; aber mit welcher Handhabe läßt sich heute das Judenthnm angreifen? Die Religion? Das gilt jetzt als geschmacklos. Das hat eben eure verfluchte deutsche Reformation gemacht, seit Luther haben die Scheiterhaufen aufgehört, deren Rauchsäulen Wohlgerüche in meiner Nase waren." „Excellenz, es gibt ein zeitgemäßes, ganz modernes Mittel, den Judenhaß anzufachen — der Nativnalitätenhaß ist heutzutage der höchste Cult aus der Oberwelt, in welchem selbstverständlich der Racenhaß noch das Allerheiligste sein muß; mit der Gründlichkeit deutscher Forschung lassen sich in den Juden die Fremden, die semitische Race herausfinden und unter dem Namen „Antisemitismus" die größtmöglichste Potenz des Hasses gegen sie züchten. Für denjenigen Theil der Bevölkerung, der noch in den Banden der Religion liegt, können ja die Diener der Kirche schüren und nachhelsen. Die Concurrenz der beiden judenfeindlichen Parteien kann nur von Vortheil sein. Sie werden sich im Erfinden jüdischer Schlechtigkeiten überbieten und so alle Welt eher zum Losschlagen bearbeiten." Haman lächelte: „Deutscher Jüngling! Du beschämst mich mit deinem erfinderischen Kopf für einen dämonischen Plan zur Vernichtung des Judenthums; wenn er gelingt, werde ich dir ein Ehrenamt neben mir anweisen." Und Haman nahm wieder Audienz beim Fürsten der Hölle. „Infernale Hoheit!" bat er, „gib mir noch einmal Erlaubniß, auf die Oberwelt zu gehen; du wirst diesmal Wunder sehen, wie ich das Judenthum vernichte; ich habe eine neue Formel zur Anklage gefunden." „Es sei!" sagte mitleidig Satan. Und Haman übergab sein Höllenamt provisorisch dem deutschen Professor und erschien wieder auf der Erde, im Centrum des cultivirtesten Welttheiles. Von da aus streifte er durch alle Lande, überall seine Leute für die Ausbreitung des Antisemitismus bestellend und ließ sich dann wieder in das Reich der Finsterniß hinab. Bald stand die Welt im Zeichen des Antisemitismus. Vom Katheder, von der Kanzel, von der Tribüne hörte man seine rauhe Stimme, im Gerichtssaal, in den Bureaux, in den Kanzleien verspürte man seinen ehernen Schritt, Gesetz und Recht wurden mit Füßen getreten, das antisemitische Bekenntniß war ein Freibrief für alle Verbrechen, und wie man ehedenr nur die Ecken des Altars zu umfassen brauchte, um vor jeder Verfolgung sicher zu sein, so gewährte der Antisemitismus Schutz und Beistand jedem schlechten Kerl, und wer der Schlechteste war, wurde zum Führer und Häuptling gemacht. Haman weidete sich in der Hölle an diesem Schauspiel auf Erden: „Jetzt muß das Judenthum verzweifeln!" frohlockte er. Aber das Judenthum blieb stark. Es wagte sogar jetzl, was es noch nie gethan — es nahm den offenen Kampf mit seinen Feinden auf und Haman ahnte schon, daß er auch diesmal das Spiel verloren habe, hörte bereits die Donnerwetter Satans über, seinem Haupte rollen, der nun neue Qualen für ihn ersinnen werde, und die Wuthausbrüche seiner Hölleugenossen, die er wieder in der Hoffnung auf Erlösung getäuscht. Mit gramgefurchter Stirne machte er wieder seine Runde, dabei im Geiste das ganze Register seiner Requisiten für die Judenvertilgung, von den spanischen Autodafes bis zum Wiener Wurstel durchlaufend. Sie waren alle schon abgenützt und unbrauchbar, da hörte er sich wieder anrufen: - „Excellenz!" „Bist Du's wieder, der mich zum Besten gehalten? Wart, Kerl, ich laß ein paar tausend Reisigbündel mehr unter Deinen Kessel nachlegen, verfluchter deutscher Lutheraner!" „Excellenz. ich bin nicht der Professor. Ich war Staatsmann da oben. Wenn mir ein Augenblick Freiheit gewährt wird, will ich Euer Excellenz einen Rath ertheilen, wie dem Judenthum denn doch beizukommen ist." Haman löschte schnell die Flammen, und der Staatsmann stieg gravitätisch aus dem Pechbottich und stellte sich vor den Minister weiland Sr. Majestät des Königs Ahasverus: „Excellenz! im System hatte der deutsche Professor Recht, 9iur eine bittere Enttäuschung kann das Judenthum in seinem Glauben wankend machen. Nur hat er nicht getroffen, wie diese Enttäuschung zu bewerkstelligen sei.. Die Juden fühlen sich trotz des Antisemitismus nur so stark, weil noch keine Regierung offen den Pact mit den Antisemiten geschlossen hat. Nun muß dort, wo der Antisemitismus am Aergsten wüthet, ein Mann an die

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