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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-12 · 11 (12.3.1897) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
11 (12.3.1897)
Date
1897-03-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 11 Vr. Vwitz's Wochrnkchrift. Hette 233 weiblicher Prediger ist nicht unangenehmer als 3. B. ein weiblicher Advocat, und das löbliche Streben der Frauen verdient Aneiferung und Unterstützung. Bvr einiger Zeit vertrat Mrs. Frederick N a t h a u in New-'Iork einen dortigen Prediger. Karachi (Indien). Mr. Jsaac A a r 0 n wurde zum Leiter des Telegraphenamtes in Field Gandula, Waziristan ernannt. Er ist das dritte Mitglied der Bene Israel Gemeinde, das einen solchen Posten bekleidet. Feuilleton. Simfon der Gibor. Dokumente aus dem Nachlasse meiner Großmutter. Nach ihren Daten und inneren Zusammenhang geordnet und vervollständigt.) Bon Heinrich Hammer. (Fortsetzung.) Der Verfasier behält sich aUe Rechte vor. Eines Tages begab es sich, daß der Schloßherr, der sich Peter Stryczynski nannte, seiner Tochter, deren oites Verweilen bei der Ruine im Walde ihm schon früher ausgefallen war, dahin folgte und sie dabei betrat, wie sie durch eines der vergitterten Fenster in ein unterirdisches Gewölbe der Ruine, Speise und Trank hinunterreichte, was sie auch schon lauge Zeit zu thun pflegte. Peter Stryczynski ward sehr zornig und zog sein Schwert, um feine Tochter zu tödten. Der stnn-.me Ivel, dein seine Mutter wieder zugesetzt hatte, den Ort zu verlassen, um in der Welt nach feinen Vater zu suchen, zog gerade mit ihr durch den Wald, da er vor seinem Abzüge dem Fräulein noch aus seine Weise, Lebewohl sagen wollte und dieses hier zu ttefsen hoffte. Er kam in dem Augenblicke, als der Schlvßherr mit gezücktem Schwert auf das Fräulein eindraug, das sich durch die Flucht ihm zu entziehen suchte, lief hinzu und mit der Riesenstärke die ihm eigen war, schlug er ihn mit einem einzigen Streich zu Boden. Das ^Fräulein stürzte schreckersüllt nieder, die Blinde schlug, in Ahnung des Vorgefallenen Lärm und i m June r n des G ew ölb e s schrie eine Stimme laut um Hilfe. Wir der Taubstumme dies vernahm, ist bis heute noch nicht aufgeklärt, aber er trat hinzu und riß mit gewaltiger Kraft die Gitter ans dem Gemäuer und zog aus dem Keller einen unsäglich verwahrlosten, lahmen Greis hervor, der als er ans Tageslicht kam, mit einem Schrei zusammenbrach. Die blinde Frau als sie die Stimme hörte, lies, nach dem Wege tappend hinzu und schrie: D a s i st m e i u e s M a u n e s S t i m m e, das ist m e i n Simfon! Der Stumme aber, und das i st das Wunderbare, fiel bei dem Alten, der in Ohnmacht lag, nieder und ries mit heller Stimme: Bäte r, m e i n Vater! und suchte ihn auszurichten. Auch sprach und horte er schon seitdem gleich einem gesund Geborenen. Der lahme Mann kam zu sich, und als er die Umstehenden gewahrte, erkannte er die Blinde als seine Frau, die er einst in Warschau, mit diesem Sohne als Säugling zurückgelassen hatte, um nach Jemand zu suchen, der unter seiner Gestalt seine Frau verführt haben sollte und dessen Sohn der Stumme sein sollte. Er erzählte, daß er auf seiner Suche nach jenem Unbekannten, nach Lemberg gekommen war, da gerade die Stadt dem Angriffe der Schweden eutgegensah; er känrpste bei der Belagerung in den Reihen der Vertheidiger, zusammen mit seinen Glaubensgenossen, als die Stadt aber erstürmt wurde, gewahrte er unter den Eindringenden seinem Widersacher Stryczynski, der damals den: Unbekannten bei der Verführung behiflich gewesen. Er wollte mit ihm anbinden, aber der Edelmann entwand ihm unter denr Beistände schwedischer Soldaten seine Waffen und nahm ihn gefangen. Später als Stryczynski dieses Gut ankauste, brachte er auch den lahmen Juden her, steckte ihn in einen Keller des verfallenen Schlosses und ließ ihm kaum einmal in drei Tagen Brot und Wasser reichen, um ihm so nicht Hungers sterben zu lassen, jedoch durch diese beständige Qual sich an ihm zu rächen. Die Frau des Edelmannes aber, der der lahme Simsou vor der Einnahme Lenrbergs, als sie auf Geheiß ihres Mannes, als Jüdin verkleidet, für die Schweden spioniren gekommen war, mit Gefahr des eigenen das Leben gerettet, brachte ihm, so oft sie von ihrem Manne abkommen konnte alle Lebensbedürfnisse. Auch als diese bald gestorben war, reichte ihm eine alte Dienerin und später als das Fräulein aufwuchs, dieses, reichlich Nahrung in sein Gefängniß. So erzählte der lahme Mann. Das Fräulein aber, dem ihr Vater einen Schlag aus das Haupt versetzt hatte, kam infolge dessen wahrscheinlich um den Verstand, denn sie sprach irre, sah den lahmen Mann als ihren eigenen Vater an, bat ihn für ihre verstorbene Mutter, für angeblich begangene Untreue um Verzeihung und hielt ihm eine goldene Kapsel, die sie an einem Bande ttiu den Hals trug, entgegen, doch war sie so aufgeregt, daß Niemand aus ihr herausbringen konnte, was sie damit meinte. Der lahme Mann mit seinem blinden Weibe und ihrem redend gewordenen Sohn blieben noch eine Zeitlang in unserer Gemeinde und die Juden hielten sie, sowie das Fräulein sorgsam verborgen, weil man nach den Mördern des Gutsherrn eifrig fahndete. Als aber nach einiger Zeit die Nachforschungen nachließen, verließen sie alle drei eines 'Nachts die Stadt und nahmen auch das Fräulein mit sich, damit sie sie nicht verrathe und Niemand kümmerte sich darum, wohin sie sich gewendet. Zum Andenken für künftige Geschlechter aber wurde das Geschehene iu den Pinax der hiesigen heiligen Gemeinde eingetragen, auf daß man der Wunder Gottes gedenke immer und ewig. Möge er seinen Gläubigen jederzeit Wunder beweisen. Amen. Ahron, Sohn Rabbi Chaim's, Vorsteher. Joses Halevi. Moses Aschkenasi. Gemeindemitglieder. * Da hier zuerst der von mir eingangs erwähnten goldenen Kapsel, die sich im Nachlasse meiner Großmutter befindet, gedacht wird, so soll deren Inhalt hier Platz finden. Sie enthält erstens einen Streifen vergilbten Papieres, aus welchem mit fester, männlicher Schrift folgende Worte in deutscher Sprache stehen: „Was Du auch verlangst, sei Dir im Voraus gewährt. Was Du auch thust, sei Dir im Voraus verziehen. August." Dabei liegt ein vielfach zusammengefaltetes Papier, aus welchem von flüchtiger zitternder Hand Folgendes geschrieben ist: Mein Kino! Ich fühle mein Ende nahen und lege Dir diesen Brief in die Kapsel, die ich Dir umhänge, da Du noch nicht iiu Stande bist, mein Vermächtniß au Dich zu verstehen. Meine getreue Auua, Deine Amme, wird die Kapsel au Dir behüten bis zu der Zeit, da Du es verstehen können wirst. Zu derselben Zeit übernimmst Du auch die Pflicht, jenen armen Menschen, der in der Ruine des Schlosses lebendig begraben ist, zu pflegen, da ich ihm mein Leben verdanke; bis dahin wird ihn die Amme mit Nahrung versehen. Und solltest Du Glück haben, dann wird Dir der Zettel, den ich Dir hier übergebe, Glück bringen, wie er mir Verderben brachte. Er ist von Deinem Vater, und solltest Du wirklich das Gltick haben, einst zu ihm zu gelangen, so möge er die mir darin versprochene Verzeihung in Wohlwollen für Dich verwandeln; dies sei die Bitte, die er mir vorausgewährt. Mir möge das an ihm begangene Unrecht Gott verzeihen. Mehr kann ich nicht. Lebe glücklicher als Deine Mutter. ,Fortsetzung folgt.) Eine Pnrimnacht-Phantsfir. Klopft, ratscht, trampelt nur was Zeug hält, so oft bei Vorlesung der Megilah H a m a n erwähllt wird. Es ist die großartigste Katzenmusik, die je ein Volksfeind zu hören bekam. Aber hört ers denn, nachdem er schon vor dritthalbtausend Jahren justificirt worden ist? H a m a n lebt noch und hört's. Denn wenn es kein Gehinom gegeben hätte, würde es eigens für ihn geschaffen worden sein. Aus den Galgen kommt ja jeder lumpige Einzelmörder und ein Haman, der den Massenmord eines ganzen Volkes verüben lvollte, sollte mit derselben Strafe abgeserttgt werden? Wo wäre da die ausgleichende Gerechtigkeit? Ein solches Verbrechen kann nicht gesühnt, niuß mit ewigen und dazu ganz exceptionellen Qualen vergolten werden. Die Judenfeinde bilden in dem stark bevölkerten Höllenreiche eine besondere Abtheilung, die sich wieder in zwei Unterabtheilungen sondert, in diejenige, welche die Epigonen Amalek's bewohnen, die das Judenthum als Minorität überfielen und wo der große 'Ahn der Erste ist, und in die, welche im Namen eines Princips, sei es „Nattonalität", „Religion" oder „volkswirthschastüches Interesse", fiir die Vernichtung des

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