Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 11 (12.3.1897)
- Date
- 1897-03-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 233 Vr. Vloch's Wochrnsthrtfj Nr. 11 Armband dem Kinderbekleidungsfonde des Vereines gespendet, und gelaugt au diesem Abende dieses Armband zur Verlosung. RoLnau. (Neuntes S p e n d e n - V e r z e i ch n i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte RoLnau (siche Aufruf in der Nummer 50 der „Oesterreich i s ch e n Wochenschrift" vom Jahre 1896) sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: M. Jellinek, Wien, IL, Praterstraße 66, 5 fl.; Chewra-Kadischa Preßburg 5 fl.; Chewra-Kadischa Tobitschau 5 fl.; Frauenverein Tobitschau 5 fl.: Herr Jacob Rothberger 5 fl.; letzter Ausweis fl. 2308*94; in Summa fl. 2333*94. E B Roznau. Vorige Woche weilte hier Herr Marcus N e u m a n n, um die nöthigen Vorbereitungen zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes zu treffen und sich mit der Cultusgemeinde Wallachisch-Meseritsch und der Chewra-Kadischa daselbst wegen Besorgung der religiösen Functionen in's Einvernehmen zu setzen. Mit Befriedigung darf hervorgehoben werden, daß allseitig für den edlen Zweck ein wohlwollendes Entgegenkommen wahrzunehmen ist. Namentlich sind es Cultusvorsteher Herr Ignaz L ö w, Dr. Heller und Bezirksarzt Dr. Gottlieb aus Wallachisch-Meseritsch, deren Eifer fiir die Sache eine Gewahr für die glückliche Jnscenirung bietet. Pisek, 19. Februor 1897. Am 11. September vorigen Jahres überreizte der ledige Hausirer Moritz O r n st e i n aus Horazdiowitz beim k. k. Bezirksgerichte Horazdiowitz gegen den Kaufmann Eduard P. Skala daselbst die Strafanzeige wegen llebertretung gegen die Sicherheit der Ehre. In der Klage wird angeführt, daß der Privatkläger in das Geschäft des E. P. Skala trat und sich dort um 4 Kreuzer ein Päckchen Tabak kaufte. Zugleich mit ihm rrat der Inhaber des Geschäftes. Herr Skala, in den Laden und fing mit dem Commis zu zanken an. Ornstein öffnete inzwischen das Päckchen und stopfte den Tabak in den Tabaksbeutel. In diesem Momente packte ihn Skala an der Hand, stieß ihn aus dem Laden auf die Gasse, und hinter ihm hinaustretend, rief er: „Wii'st Du mich auch bestehlen. Du st.Jud"? lieber diese Anklage wurde beim k. k. Bezirksgerichte Horazdiowitz die Hauptverhandlung auf den 18. September 1896 angeordnet, und obzwar drei Zeugen bei diesem Auftritte zugegen gewesen sein sollen, wollten die letzteren nichts gehört haben. Der Geklagte selbst bestritt diese Angaben, gab jedoch zu, daß er dem Ankläger bei dessen Eintritte in den Laden gesagt habe: „Warum kriechst Du hinter mir, wie ein Spitzel?" Mit Rücksicht auf diese Bemerkung dehnte der Vertreter des Privatklägers die Klage auch aus diese Bemerkung aus und so wurde der angeklagte Skala vom ersten Richter wegen dieses zngestandenen Ausdruckes der Ehrenbeleidigung schuldig erkannt, zu einer Geldstrafe von 5 Gulden und zum Ersätze der Kosten verurtheilt. Gegen dieses Uriheil meldeten beide Theile die Berufung an. Bei der unlängst beim k. k. Kreisgerichte in Pisek stattgehabten Berufsverhandlung wurde der angeklrgte Kaufmann Skala, der nebenbei bemerkt, auch die Würde eines Obmannes des Veteranenvereines in Horazdiowitz bekleidet, wegen der als vorhanden angenommenen Ehrenbeleidigung zu 30 Gulden Geldstrafe, eventuell zu sechs Tagen Arrest und zum Ersätze der Kosten verurtheilt. Dbaidhofeu a. d. Thaya. In der jüngsten Generalversammlung des hiesigen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines wurde Rabbinerin Frau Dr. K a h a n, Tochter des Obercantor Bauer in Wien, einstimmig als Ehrendame des Ausschusses ernannt. Gr-Kanizsa. Herr David K o h n, Obercantor in Arad, feiert am ersten Peßachtage d. I. sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Eine weitere Anpreisung dieses Heros auf dem Gebiete des Tempelgesanges und seiner eminenten Leistungen in einer der ersten Mustergemeinden Ungarns scheint hier wohl überflüssig zu sein. Troppa«. (Jüdisch-literarischer Verei n.) Samstag den 13. März 1897, 8 Uhr Abends, findet ein Vortrag Sr. Ehrwürden Dr. A. Blüh statt, Thema: H i l l e l's Leben und Lehre", wozu die Mitglieder höflichst eingeladen werden. Von Mitgliedern eingeführte Gäste sind herzlich willkommen. Vereinslocal: Oberring 37, 1. Stock. Agram, 8. März. Mit Vergnügen können wir verzeichnen, daß die hiesige jüdische Geschäftswelt dem Antisemitenblatt „Obzor" die Insertionen entzogen hat. Dieses Blatt, welches voll von jüdischen Annoncen prangte, hat von Seiten der Juden keine Unterstützung mehr zu hoffen. So schön es ist, daß die croatischen Juden einheMch Vorgehen, so bedauerlich ist es von zwei hiesigen jüdischen Firmen, die trotz der impertinenten Angriffe des „Öbzor" dieses Blatt dennoch mit Annoncen unterstützen. Agram. Gegenüber dem Berichte in Nummer 10 der „Oesterreichischen Wochenschrift" aus Agram vom 20. Februar theilt uns Herr P r i e st e r mit, daß Herr D e r e n c i n jeder antisemitischen Agitation sich fern hält und sich stets als ein Manu von Bildung ausgezeichnet hat. Prag, am 5. März. Gestern hielt Dr. Hirsch, Rabbiner in Carolinenthal, einen Vortrag im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums: „Der Socialismus im Juden - thnme". Der gewandte Redner behandelte sein Thema, das jetzt im Allgemeinen in den Vordergrund der Besprechungen steht, mit Geschick und Gründlichkeit. Den regelmäßigen Besuchern dieser Vereinsvorträge, die sich großer Beliebtheit erfreuen, hatten sich diesmal auch viele Mitglieder der Carolinenthaler Gemeinde zugesellt. Die volle Zufriedenheit des Auditoriums äußerte sich am Schluffe durch lebhaften Beifall. Nachod. (Todesfall.) Am 8. Mürz d. I. wurde hier der Großindustrielle Herr Hermann S. Doctor zu Grabe getragen. Was der Verblichene für seine Heimatstadt bedeutete, wie er in allen Kreisen der Bevölkerung geliebt und geachtet war, zeigte die lebhafte innige Theilnahme, die man der trauernden Familie entgegenbrachte. Alle Nachoder Vereine, die Arbeiterschaft und Beamten seiner Fabriken versammelten sich corporativ vor dem Trauerhause, die Schuljugend mit ihren Lehrern, die er zu Lebzeiten mit hochherzigen Stiftungen bedachte, bildeten Spalier bis zum Friedhofe. Herr Dr. Kohn, Rabbiner in Leitomischl, hielt vor dem Trailerhause eine formvollendete Rede in czechischer Sprache, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Der Sarg wurde sodann auf den Friedhof getragen, wo Herr Dr. Goitein, Rabbiner in Nachod, in deutscher Sprache den Nachruf hielt. Er gedachte in beredten Worten des Wirkens des Verblichenen, wie er es aus sehr bescheidenen Anfängen zu solcher Höhe gebracht und wie er, auf dieser Höhe angelangt, so bescheiden und einfach blieb wie er es früher gewesen, nie seiner Religion vergaß, so daß an ihm das Wort zur Wahrheit wurde „weatem hadweikim baadannoi elauheichem cbajirn knlchem hajaurn'1 und ihr, die ihr vertrauet auf den Ewigen Euren Gott, seid alle glücklich." Frei von jeder religiösen Intoleranz, hatte ihm die Stadt Nachod das Ehrenbürgerre.cht verliehen und hat sich, wie der Prediger bemerkte, durch diese That, die den Verstorbenen so sehr erfteute, selbst geehrt. Unter den Trauergästen bemerkte man den Bezirkshauptmann von Neustadt a. d. M., den Bürgermeister der Stadt Nachod, die katholische Geistlichkeit, die Honoratioren der Stadt, sowie viele Trauergäste aus Wien, darunter die Cultusvorsteher Herrn kaiserlichen Rath Fried. Vogel, Herrn kaiserlichen Rath Wilhelm P o l l a k, Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Weine r, voir welchen Ersterer seinem Freunde einige warme, herzliche Worte des Abschiedes ins Grab nachsandte. Unter den zahlreichen schriftlichen und telegraphischen Beweisen der Theilnahme, welche der Familie von Nab und Fern zukamen, ist in erster Linie ein Cvndolenztelegramm des Fürsten Schaumburg-Lippe zu erwähnen. Krakau. Vorige Woche hat die Krakauer Handelskammer zu ihrem Präsidium den bisherigen Vice-Präsidenten Herrn Albert Mendelsburg gewählt. Es ist dies zum erstenmale, daß ein Glaubensgenosse an die Spitze der hiesigen Handelskammer tritt und schon deshalb muß dies in den heutigen Zeiten hervorgehoben werden. Es ist dies umso erfreulicher, als die Wahl einstimmig somit auch mit den Stimmen der christlichen Kammerräthe erfolgte. Der neugewählte Präsident ist seit 40 Jahren Kammerrath und hat sich in dieser Eigenschaft durch Fleiß, Energie und gründliche Sachkenntnis hervorgethan. Herr Mendelsburg gehört zu den achtbarsten Bürgern unserer Stadt und hat sich in seinem öffentlichen Wirken einen ehrenvollen Namen erworben. Seit 30 Jahren ist derselbe ununterbrochen Gemeinderoth und seit 40 Jahren Mitglied des hiesigen Cultusvorstandes. Als langjähriger gewesener Präsident der hiesigen Cultusgemeinde hat ders'lbe an der Seite seines Freundes, des jetzigen Vice-Präsidenten der Cultusgemeinde, Gemeinderathes Herrn H i r s ch L a n d a u die Reorganisation unserer Cultusgemeinde durchgeführt und unter seiner Präsidentschaft hat die hiesige Cultusgemeinde -einen nie geahnten Aufschwung genommen und sich blühend entwickelt, um als Muster anderen Gemeinden mit guten Beispiele voranzuleuchte-'. Jassy, 1. März. Am 13. d. M. wird der als wackerer Vorkämpfer für die Interessen unserer rumänischen Glaubensbrüder bekannte vr. weck. Ch. Lippe sein vierzigjähriges Jubiläum als Arzt feiern. Die hiesige Loge Bus Brws wird aus diesem Anlasse ein Fest veranstalten. Von Feiern in größerer Oeffentlichkeit ist auf den dringenden Wunsch des Jubilars Abstand genommen worden. Chicago. (Das Zeitalter d e r F r a u.) Die wohlbekannte Mrs. Hannah Solomon wird in der Abwesenheit des Dr. Hirsch denselben vertreten. Diese Nachricht zeigt, was man in Zukunft noch von der Frau zu ertvarten hat. Ein