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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-12 · 11 (12.3.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
11 (12.3.1897)
Date
1897-03-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 230 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 11 Frankfurt a. M, 27. Februar. Der Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen pro 1866 zeigt^ daß dieser Verein sich immer gedeihlicher entfaltet, so daß derselbe bereits mit dem Plan umgeht, ein neues Heim für seine Schwestern zu schaffen. Zu Beginn des abgelaufenen Geschäftsjahres sah sich das Vorstandsmitglied Alexander Strauß wegen vielseitiger anderer Verpflichtungen veranlaßt, aus dem Vorstand, dem er seit der Gründung des Vereines angehört hatte, auszuscheiden. An seiner Statt wurde Herr Emil Stiebet in den Vorstand cooptirt. In der Vertheilung der Aemter innerhalb des Vorstandes wurde eine Verschiebung vorgenommen, indem Herr Ph. Schiff das Amt des zweiten Vorsitzenden niederlegte, das nunmehr Herrn E. Stiebet übertragen wurde; die Stelle des Schriftführers, die bisher Herr Dr. Günzburg bekleidet hatte, wird nunmehr von Herrn Schiff versehe». Die Wirksamkeit des Vereines wurde während des Berichtjahres in der bisherigen Weise fortgesetzt. Nachdem einmal in weiteren Kreisen bekannt geworden war, daß jüdische Mädchen durch diesen Verein zu Krankenpflegerinnen ausgebildet würden, zeigte es sich, daß auch unter unseren Glaubensgenossinnen sich nicht wenige fanden, die diesen schweren Beruf zu ihrer Lebensaufgabe zu machen wünschten. Es waren im Berichtjahre nicht weniger als dreißig Mädchen aus allen Gegenden, die sich zur Aufnahme als Schülerinnen unseres Vereines meldeten, gewiß ein Zeichen, daß das Samenkorn aus einen günstigen Boden gefallen war. Der Verein hatte im abgelaufenen Jahre im Ganzen IO Schülerinnen, von denen 7 im israelitischen Gemeindehospital dahier, 3 im israelitischen Asyl in Köln ausgebildet werden. Zwei derselben traten während der Lehrzeit freiwillig aus, die eine, da sie sich den Pflichten des künftigen Berufes doch nicht gewachsen fühlte, die andere aus Familienrücksichten. Nach vollendeter Lehrzeit wurden als Vereinsschwestern ausgenommen und erhielten Diplom und Abzeichen unseres Vereines: Margarethe Hartog aus Arnheim (Holland), die in Frankfurt, und Johanna Bermaun aus Zempelburg (Westpreußen) und Jenny Abraham aus Obergimpern (Baden), die in Köln ihre Ausbildung erhalten hatten. Am Schluffe des Berichtjahres blieben noch vier Schülerinnen dahier und eine in Köln. Im Beginne des Berichtjahres hatte der Verein 13 ausgebildete Schwestern, dazu kamen im Laufe des Jahres die 3 oben erwähnten neu eingetretenen. Am Schluffe des Jahres beträgt die Zahl der Schwestern 14. Im Ganzen wurden von 7 Schwestern 80 Pflegen geleistet; dieselben erforderten 1727 Pslegetage, worunter 74 vollständige Nachtwachen waren. Die Armenschwester hat auch in dem Bericktjahre ihre segensreiche Thätigkeit mit dem schönsten Erfolg fortgesetzt; dieselbe erstreckt sich auf Kranke jeglicher Art, ohne Unterschied der Confeffion, und sind es besonders die behandelnden Herren Aerzte, die das Wirken der Armenpflegerin anerkennen und schätzen. Im Ganzen wurden "100 Kranke, die 2775 Einzelbesuche iröthig machten, verpflegt; 50 gehörten der jüdischen und ebenso viele der christlichen Confeffion an. Bon 22 verschiedenen Aerzten wurde die Hilfe der Armenschwester verlangt. Bei 7 Operationen war sie behilflich, bei mehreren operativen Fällen übernahm sie den Verbandwechsel bis zur Heilung und sorgte neben der Körperpflege soweit als möglich für Reinhaltung der Wohnung,Bereitung der Kost und Unterstützung durch Lebensmittel, Wäsche und Geld. Zu diesem Zwecke gingen freiwillige Gaben ein im Betrage von Mark 548'05. und wurden Mark 519'75 verausgabt. Von auswärtigen Instituten und Anstalten gingen wieder mehrfache Aufforderungen um Ueberlassung von Schwestern an den Verein. Der Vorstand des Vereines besteht aus den Herren Dr. Med. S. Kirchheim, Vorsitzender; Emil Stiebel, stellvertretender Vorsitzender; Philipp Schiff, Schriftführer; E. Cohen Cassierer: Dr. Med. A. Günzburg, Dr. Med. W. Hirsch, Sally Löwenick, Dr. Med H. Schlesinger, Meier Schwarzschild. Die Einnahmen des Vereins betrugen im Berichtjahre Mark 16.034T9, die Ausgaben Mark 10.63111. Der Pensionsfond nahm Mark 6579 33 ein. Möge der Verein auch künftig solch schöne Erfolge zu verzeichnen haben. Petersburg. Der neue Curs weist denn doch auf eine Erleichterung des Joches, das bislang unsere Glaubensgenossen im russischen Reiche bedrückt hat, hin. Dafür ist die jüngste Verfügung des Ackerbauministers ein deutlicher Beweis. Bekanntlich bestehen seit den Tagen Nikolaus I. jüdische Colonien im Süden von Rußland. Leider standen einer gedeihlichen Entwicklung derselben viele Umstände, namentlich der Haß und die Verfolgung der Nachbarn, so wie die Gleichgiltigkeit der Regierung im Wege. Die von Zeit zu Zeit hingeschirüen Jnspectoreu verfaßten die denkbar schlechtesten Berichte. Freilich überzeugte sich der Ackerbauminister im Jahre 1889 durch eigene Anschauung, daß die jüdischen Bauern eine andere Behandlung verdienten; aber es war damals nicht möglich, das Vorurtheil des Czaren gegen die Juden zu brechen. Heute stehen die Dinge anders. Auf Anregung des Ackerbauministers werden im Gouvernement Jekaterinoslav zwei landwirthschaftliche Anstalten zur Heranbildung von jüdischen Bauern errichtet und die Regierung stellt mit der größten Freigebigkeit die Gründe für Versuchsbauten und dergleichen zur Verfügung. Warschau. Es wird hier gegenwärtig ein jüdisches Hospital gebaut, welches, in großem Styl angelegt, den diesbezüglichen Vedürfuissen der Gemeinde nach jeder Richtung hin gerecht zu werden verspricht. Indessen ging der Ban in Folge mangelnder Capitalien ziemlich langsam vorwärts. Dies hat sich jedoch mit einem Schlage, geändert. Ein Wohlthäter, darauf bedacht, das Elend seiner Glaubensgenossen zu lindern, der es jedoch zur Bedingung machte, daß sein Name ungenannt bleibe, hat nämlich zur Vollendung des Baues die bedeuterlde Summe von 100.000 (hunderttausend) Rubeln gespendet; daß die Gemeinde diese großartige Gabe mit Freude und innigem Dank entgegennahm, bedarf wohl nicht erst der Erwähnung. Wie man uns berichtet, wurde das Städtchen Waselinowo, Besitzthum der Baronin M e d e m, in Folge der Bestimmung der Chersoner Kreisregierung in ein Dorf verwandelt, ein Umstand, der die Dislocation aller daselbst wohnenden Juden herbeigeführt hätte. Da die Baronin jedoch beim Senat Klage führte, wurde die oben erwähnte Bestimmung annullirt, so daß die Juden nach wie vor in Waselinowo wohnen dürfen. Kirnberley. Im Namen der Königin wurde Oberst Harris der „Orden für freiwillige Officiere", der nur nach zwanzigjähriger Dienstzeit verliehen werden kann, überreicht. Der Stadthauptmann als Vertreter der Königin rühmte die Verdienste des Obersten, der in den Feldzügen von 1877 und 1878 sowie jüngst erst im Kampfe gegen die Pokwhaei sich ausgezeichnet hat. Der Premierminister der Capcolonie gratulirte telegraphisch und die ganze Brigade, welche zur Feier ausgerückt war, nahm die Ansprache des Stadthauptmannes mit jauchzenden Hurrahs aus. Rom, 18. Februar. Unsere Cultusgemeiude hat vor einigen Tagen ein Plebiscit veranstaltet, um so die Ansichten, ihrer Mitglieder über eine wichtige Angelegenheit zu erfahren. Es handelte sich nämlich um Folgendes: Unsere Gemeinde beabsichtigt ein neues Gotteshaus im modernen Style zu erbauen, das nicht nur eine geräumige und freundliche Andachtsstätte, sondern auch eine Zierde der Haupt- und Residenzstadt des Königreiches Italien werden soll. Nur die Wahl eines geeigneten Bauplatzes machte unserem Cnltusvorstande viele Sorgen. Endlich war auch dieser gefunden und sollte auch sogleich der Kaufpreis für denselben erlegt werden. Der Cultusvorstand wollte jedoch in diesem Punkte, da es sich um eine Finanzfrage handelte, nicht eigenmächtig Vorgehen und er beschloß daher, darüber ein Plebiscit zu veranstalten. Abgegeben wurden im Ganzen 733 Stimmen, von denen 718 mit Ja, d. h. für die Beibehaltung des schon erworbenen Bauplatzes und 15 mit Nein stimmten. Das neue Gotteshaus wird also richtig auf dem angekauften Bauplatze erbaut werden. Alexandrien. Zu Gunsten des von dem verstorbenen Baron Behor de Menasce gegründeten jüdischen Krankenhauses fand hier eine Opernvorstellung statt. Es wurde Lohengrin gegeben. Die gesammte Elite der europäischen und einheimischen Gesellschaft wohnte der Vorstellung bei. Welchen bedeutenden Antheil die Juden an dem hiesigen finanziellen Leben nehmen, mag der Umstand darthun, daß im Verein der Börseaner und Banquiers sechs unter elf Comitemitgliedern Juden sind. Drei von diesen haben die ersten Stellen im Vereine inne: M. P. T e d e s c o, Präsident; M. C. Suares, Vicepräsident; W. L. Calamaro, Schatzmeister. Vermischtes. Wien. Samstag den 13. März 1897, Abends 7.8 Uhr, findet im Restaurant Khuner, I., Schottenring Nr. 19, eine Vereinsversammlung dev Oesterreichisch-Jsraelitischen Union statt. Tagesordnung: Besprechung der bevorstehenden Reichsrathswahlen.

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