Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 11 (12.3.1897)
- Date
- 1897-03-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Vloch's MochrnfchrM Seite 239 Andacht wurde nach der in Form und Inhalt meisterhaften Predigt Sr. Ehrwürden des Dr. B i a ch die Seelengedächtnißfeier für die verstorbenen Mitglieder abgehalten und in gehobener Stimmung begaben sich die Mitglieder zu den Generalversammlungen. Der Saal des „Hotel Roß" erwies sich zu klein, um alle Theilnehmer zu fassen. Nach der Eröffnung hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. B i a ch einen Vortrag über Ethik und Hygiene in Bibel und Talmud, der durch seine Gediegenheit, durch geistige Apercus gewürzt, dem Vortragenden großen Beifall eintrug. Die mannigfaltige Thätigkeit beider Vereine auf humanitärem Gebiete aufzuzählen, würde zu weit fiihren und constatiren wir blos, daß mehr als fl. 1000 an Arme, davon ein großer Theil an verschämte Arme, von denselben ausgegeben wurden. Die Vereine beschlossen, jeder den Betrag von fl. 150, zusammen fl. 300, der Cultusgemeinde zur Verfügung zu stellen, um anläßlich des im nächsten Jahre stattfindenden 50jährigen Regierungs- Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers eine größere Stiftung machen zu können; daß den Leitern der beiden Vereine, der Frau Friederike Spitz, Gattin unseres verehrten Cnltusvorstebers, als Präsidentin des Frauenvereins und Herrn Ludwig Black als Obmann der israelitischen Beerdignngsbrüderschaft, sowie dem Gesammtausschusse beider Vereine einstimmig der wohlverdiente Dank votirt wurde, ist selbstverständlich. G.Jenikau. Am jüngsten Freitag präsentirten sich hierin unserer Gemeinde zwei Frauenspersonen, welche von Haus zu Haus gingen, um für den katholischen Schulverein in Wien — mit ministerieller Bewilligung natürlich — milde Gaben einzusammeln. Da diese Gelder hauptsächlich zu antisemitischen Agitationszwecken verwendet werden, dürfte es wohl im Interesse der allzeit zum Geben bereitwilligen Glaubensgenossen gelegen sein, aus den „edlen" Zweck der Sammlung aufmerksam gemacht zu werden. Berlin, 25. Februar. Dem berühmten Augenarzt, Geheimen Medicinalrath Professor Dr. H i r f ch b e r g, Hierselbst, ist der Rothe Adlerorden IV. Classe verliehen worden. Den Rechtsanwälten Dr. F r i e d e m a n n hierselbst, G o l d st ü ck e r in Görlitz, Feige in Breslau, Lebe rnrn n n in Hirschberg und Dr. Naphtali H i r s ch in Frankfurt am Main ist der Charakter als Justizrath verliehen worden. — In Heidelberg ist der Privatdocent der Mathematik Dr. Georg Landsberg zum außerordentlichen Professor der naturwissenschaftlich-mathematischen Facultät ernannt worden. Landsberg ist ein geborener Breslauer und Bruder der Frau Rabbiner Dr. Maybaum. Die Vorsteherin der israelitische» Volksküche und Kiudervolksküchen in Berlin, Frau Johanna A b r a h a m, wurde bei Gelegenheit der vom Vaterländischen Frauenverein zum Besten des Baues eines Krankenhauses in der Ravenee'schen Bildergalerie inscenirten holländischen Kirmes Ihrer Majestät der K a i s e r i n vorgestellt. Frau Abraham gehört dem Vorstande des Vaterländischen Fraueuvereins, Zweigverein Berlin, an und wirkt als Vorsitzende der Armenpflegecommission. Berlin, 3. Februar. Der Verein für Arbeits-Nachweis, begründet von den Berliner Bnai-Brith-Logen, hielt am 28. Februar seine erste Generalversammlung ab, die von dem stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Eugen R o s e n st i e l geleitet wurde. Derselbe eröffnet die Versammlung und gedachte zunächst, indem die Anwesenden sich von ihren Plätzen erhoben, in bewegten Worten der hingebungsvollen Thätigkeit des verstorbenen Vorsitzenden Herrn Siegfried Leichtentritt für unseren Verein. Auf den in den Händen der Mitglieder befindlichen Jahresbericht bezugnehmend, drückte er ferner seine Freude aus über die erfreulichen Resultate des ersten Jahres, welche zu den stolzesten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen, und entwirft in klarer Weise ein Bild von der Art der Thätigkeit des Arbeitsausschusses, der sehr häufig in die Lage kommt, auch erziehlich auf die arbeitsuchenden Personen einzuwirken. Er betont ferner die Aufgabe des Arbeitsausschusses, den Nachweis nicht schablonenmäßig, sondern individuell zu behandeln, wie er dies mit mehreren Beispielen belegt. Er theilt darauf mit, daß von anderer Seite im Anschluß an unseren Verein die Gründung eines Central-Nachweis-Bereines für ganz Deutschland angeregt sei, ebenso die Schaffung einer Fürsorge-Commission zur Beaufsichtigung der untergebrachten Personen. Die Verwirklichung dieser Pläne, namentlich des ersteren, müsse aber schon der damit verbundenen Kosten wegen einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben. Nunmehr trägt Herr Julius Cohn als Revisor den Cassenbericht und die Bilanz vor, und ertheilt die Versammlung die Decharge. Vor Eintritt in die Wahl des neuen Vorstandes verbreitet sich der Vorsitzende über die Pflichten, welche die Gewählten mit der Annahme der Wahl übernehmen, deren unbedingte hingebungsvollste Erfüllung nöthig sei, wenn der Verein auch ferner gedeihlrche Fortschritte machen soll. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl werden vorgeschlagen die Herren Rosenstiel, Julius Cohn, Th. Bernheim, Ad. Korach, D.^Lichtenstein, H. Davidsohn, Julius Bodenstein, Jos. Frünkel, Sanitätsrath Dr. Maretzki, Dr. Max Leichtentritt, Otto Haber, Direktor Alb. Ehrenberg, Jlia Bex, E. Burchard, Alb. Bloch, I. Guttmann, S. Steinthal, S. Weile, I. Hirschberg, Maximilian Heymann, und da gegen diese Vorschlagsliste sich kein Widerspruch erhebt, werden die genannten Herren als gewählt proclamirt. Nachdem der Antrag, den verstorbenen Herrn Siegfried Leichtentritt als immerwährendes Mitglied in den Listen des Vereines zu führen, einstimmig angenommen worden, dankt Herr I. Guttmanu im Namen der Versammlung dem _ bisherigen Vorstand für seine erfolgreiche Thätigkeit, und hierauf wird dieselbe geschlossen. Breslau, 1. März. Unerwartet ist am vergangenen Donnerstag der Kaufmann Marcus Fuchs im Alter von 63 Jahren einem schweren Magenleiden erlegen. Hatte der Verstorbene schon Zeit seines Lebens mit offener Hand Anderen von dem großen Vermögen mitgetheilt, das er bei persönlicher Anspruchslosigkeit durch rastlose Thätigkeit und glückliche Unternehmungen sich erworben, so hat er den Liebeswerken seines Lebens die Krone aufgesetzt durch die letzte That vor seinem Hinscheiden. Da Leibeserben ihm versagt geblieben, hat er den größten Theil seines mehrere Millionen betragenden Vermögens laut letztwilliger Verfügung für gemeinnützige und w v h l t h ä t i g e Zwecke bestimmt. Darnach ist Universalerbe eine zu begründende „Marcus undRosalia F u ch s's ch e F a m i l i e n st i f t u n g", welche folgende Legate abzugeben hat: Die C h e w r a - K a d i s ch a erhält einen Betrag von 250.000 Mark, der Verband zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder, dessen Vorstands- und Ehrenmitglied der Verstorbene war, 100.000 Mark. Die zweite B r ü d e r g e s e l l sch a f t, derer erst seit wenigen Tagen als Mitglied angehörte, 50.000 Mark, der T a l m n d - T h o r a - B e r e i n ca. 100.000 Mark, sowie sämmtliche Bereinigungen und Verbände, denen der Verstorbene angehörte, Beträge von 300 bis 500 Mark. Ferner erhält die Stadt Breslau eine bestimmte Summe, von deren Zinsertrag alljährlich am Todestag des Stisters^500 Mark an ch r i st l i ch e Arme zu vertheilen sind, die Synagogengemeinde seiner Heimatsstadt Schildberg 10.000 Mark rc. Zur Verwaltung des Vermögensnachlasses ist ein Curatorium eingesetzt, welchem von Nichtverwandten Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l und Herr Theodor O s ch i n s k i angehören. — Nach fünfwöchentlicher Dauer hat die von dem Verein „Esra" ins Leben gerufene Palä st i n a - A u s st e l l u n g ihre Pforten geschlossen. Das Mißttauen und die Bedenken, die von vielen Seiten dem Unternehmen vor und bei seinem Entstehen entgegengebracht wurden, sind durch das glänzende Resultat, das sie erzielte, gründlich widerlegt worden. Vorurtheil, Skepticismus und Aengstlichkeit sind durch die der Sache selbst innewohnende Kraft, die Opferwilligkeit und den Eifer derer, die sich warm der Sache annahmen, überwunden worden. Das rege Jutereffe, auf das die Ausstellung allenthalben bei Juden und C h r i st e n, bei Arm und Reich, bei allen Berufszweigen und allen Parteirichtungen stieß, erhellt am Besten aus der Thatsache, daß rund 8000 Mark für verkaufte Ausstellungsgegenstände vereinnahnit wurden, während bei der Berliner Gewerbeausstellung die Einnahmen sich in einem Zeitraum von 6 Monaten nur auf 17.000 Mark beliefen, und an manchen Tagen die Frequenz auf mehr als 2000 Besucher geschätzt wurde. Kreise, bei denen man sonst das Interesse für specifisch jüdische Angelegenheiten vermißt, nahmen lebhaften Antheil und stellten ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache. Den Comitemitgliedern an ihrer Spitze Herrn Professor Dr. B a d t, den Damen, die als Verkäuferinnen und Ciceronen wacker mitwirtten, den Zionsfreunden, von denen die Initiative für das ganze Unternehmen ausging, besonders Herrn T u r o f f, sowie dem Leiter der Ausstellung, Herrn Dr. H o l z m a n n gebührt das wärmste Lob, gebührt der Ruhm, der Colonisationsidee gedient und neue Freunde zugeführt zu haben.