Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 11 (12.3.1897)
- Date
- 1897-03-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 222 Vr. Vloch's Wochen,chrtst Nr. 11 stehen sollte, für die arme Arbeiterin, die sich Jahr und Tag in ihrem Berufe abmüht, eine Erholung in jeder Beziehung bilden wird. Es ist mir in diesen Tagen sowohl mündlich als schriftlich zu meiner Anregung vielseitig zugestimmt worden und die Idee der Gründung eines Erholungsheims für Arbeiterinnen begegnet vieler Sympathie. Das Mädchen-Comite des „Ferienheim" will nicht durch Uebernahme einer neuen Agende seine Kräfte zersplittern, es hat bereits ein Ziel vor Augen. Nun denn, so möge die übrige Mädchenwelt sich ein Beispiel nehmen an dem edlen Vorgehen dieses wackeren Comites, das sein Können in den Dienst der Humanität gestM hat. Wir haben in unserer Gemeinde noch viele solcher energischer, zielbewußter Mädchen; sie mögen zusammentreten und ihre frische unverbrauchte Kraft der Verwirklichung meiner Anregung weihen. Es geht das Streben durch die Welt, die Lage der unteren Volksschichten zu verbessern, ihr körperliches und geistiges Wohl zu fördern. Unsere jüdische Arbeiterin — ich habe deren Viele auf meinen Recherchen genau kennen gelernt — ist zumeist bescheiden und intelligent; ihre traurige Lage sei hiemit der Aufmerksamkeit edler Menschenfreunde empfohlen. % Mit ausgezeichneter Hochachtung Rosa Feigenbaum. Löbliche Redaction! Das in Ihrem geschätzten Blatte vom 5. März veröffentlichte „Eingesendet" des Mädchen-Comites des „Ferienheim" als Antwort auf die von der Schriftführerin des Wohlthätigkeits- Vereines „Frauenhort", Frau Rosa Feigenbaum demselben gemachten Propositionen, war durchaus unbeeinflußt, stimmt aber völlig mit den Ansichten und dem Vorstandsbeschlusse des „Ferienheim", Verein für israelitische Feriencolonien, überein. Wir arbeiten 12 Monate im Jahre ohne Rast und ohne Pause für die Colonisirung armer, kränklicher, schwächlicher Schillkinder in den 9 Ferialwochen, für deren Bekleidung und gänzliche Ausrüstung; wir arbeiten ohne Unterlaß für die Geldbeschaffung der Auslagen, die sich bei 340 Kindern auf circa 9000 fl. belaufen. Dabei concentrirt sich unser Augenmerk auf die Lösung der Aufgabe, wie die Zahl der Abzuweifenden, welche zwei Drittel der angemeldeten Kinder beträgt, zu vermindern sei. Diese Aufgabe ist nur zu lösen durch fortwährendes Aufsuchen neuer Hilfsquellen, durch fortwährendes Herantreten an edle Menschen, unser Werk zu unterstützen, wodurch selbstverständlich immer wieder die Arbeitskraft des Kopfes und der Hände aufs Aeußerste angespannt wird. Auf Jahre hinaus sieht das „Ferienheim" seine Aufgaben, seine Pflichten wachsen, abgesehen von der beabsichtigten Angliederung einer Colonie fiir kranke und krüppelhafte Schulkinder; es bedarf der ganzen Aufopferungsfähigkeit des Vorstandes und seiner jungen Freiwilligenschaar, des Mädchen- Comites, diesen hochgespannten Verpflichtungen gerecht zu werden, und sie bedürfen unserer emsigsten Sorgfalt, diese armen, schlecht genährten, schlecht gepflegten Schulkinder, die erst an der Schwelle der noch härteren Lebensschule stehen. Abgesehen also von der ausgesprochenen Tendenz unseres Vereines, ist eine Cumulirung von Schulkindern mit Arbeiterinnen von keinem Gesichtspunkte aus durchzuführen oder statthaft. Wir sind aber vollkommen überzeugt, daß in dieser Kampf- Epoche, in der sich die Erkenntniß durchringt, daß es den Besitzenden und jedem Einzelnen nach seinen Mitteln nachgerade zum Gebote wird, das Jammerdasein des Nächsten, des Mitmenschen zu erleichtern, auch gewiß für eine Erholungspause der Arbeiterinnen, die sich - müde, schwach und krank gearbeitet haben und alle Sympathien besitzen, gesorgt wird. Frau Sofie G r ü n f e l d, die Präsidentin des „Ferienheim", machte diesbezüglich der Proponentin des Erholungsheims für Arbeiterinnen einen sehr beachtenswerthen und seiner leichten Durchführbarkeit halber äußerst empfehlenswerthen Vorschlag. Sie beantragte, daß die bestehenden Frauen-Wohlthätigkeitsvereine einen Jahresbeitrag votiren mögen, welcher für die Erholungszeit von Arbeiterinnen zu verwenden wäre. Die Durchführung bietet gar keine Schwierigkeit, nachdem die Erwachsenen, welche nicht die verantwortliche Beaufsichtigung einer großen Kinderschaar bedürfen, nur bei anständigen Familien auf dem Lande uutergebracht zu werden brauchen. Wird dieser Vorschlag sofort activirt, so kann schon im heurigen Jahre nach Maßgabe der oben angedeuteten Subventionen eine Anzahl Arbeiterinnen die Früchte davon genießen und auf kurze Wochen ihren braven, fleißigen Händen Ruhe und Rast gönnen. Das eingangs erwähnte kurze sachliche Eingesendet wurde von einem längeren Artikel einbegleitet, der schon Gesagtes wiederholte. Wir fragen nicht, wer der Verfasser desselben ist, aber wir fragen die Redaction der „Oesterr. Wochenschrift", die von jeher die Förderin unseres Vereines war, wieso der Name „Ferienheim" an der Spitze desselben erscheint? Wir sind zu dieser Frage umsomehr berechtigt, als unser Vereinsname schon vor einigen Wochen in einem Wiener Abendblatte über einen Artikel gestellt wurde. Wir haben damals sofort an maßgebender Stelle unser Veto gegen die Usurpirung unseres Vereinsnamens eingelegt und erhielten nebst der Entschuldigung eines redactionellen Mißverständnisses die Zusicherung der Respectirung unseres Vereinsnamens. Der Name „Ferienheim" ist in den fünf Jahren unseres Vereinsbestandes ein wirkliches Zauberwort geworden, das uns Gönner gewonnen, Erfolge gesichert und Anerkennung gebracht hat; er ist uns ein Panier, das wir uns nicht so ohneweiters entreißen lassen werden. Wir ftagen also heute nochmals, wie darf unser Vereinsname für Zwecke Anderer, und seien sie noch so löblich, gebraucht werden, und bemerken hiezu, daß die Schutzmarke eines Vereines in seinem Namen liegt und ebensowenig annectirt werden dürfe, wie eine gangbare Marke im geschäftlichen Verkehr. Antonie Graf, Schriftführerin des „Ferienheim". Die Frage der geehrten Briefschreiberin beantworten wir dahin, daß die Bezeichnung „Ferienheim für Arbeiterinnen" nicht von Frau Feigenbaum gebraucht, sondern von dem Verfasser des erwähnten „längeren" Artikels lediglich per analogiam angewendet wurde, um die von Frau Feigenbaum propagirte Idee in einem prägnanten Titelworte zusammenzufassen. Die Redaction ließ diese Bezeichnung zu, ohne sich dabei das Unzutreffende zu verhehlen, da es ja — leider! — Erholungsferien für unsere Lohnarbeiterinnen nicht gibt. Die geehrte Schriftführerin des „Ferienheim" wird sich hoffentlich mit dieser unserer Antwort zufrieden geben. Die Redaction der „Oest. Wochenschrift". Die Hauptpunkte der Mission des Iudenthums. Bon Oswald John Simon. Aus „The Jewisli Quarterly Eeview“, Jänner 1897, übersetzt von Ignatz Kaufmann (Kojelein). Die Herausgeber der „Jewish Quarterly Review“ haben, von dem Wunsche getragen, in diesen Blättern die Ansichten verschiedener Personen über meine in der Octobernnmmer der „Fortnightly Review“ dargelegte Auffassung der „Mission des Judenthums" zu sammeln, mich aufgefordert, diese Ansichten mit einer kurzen Wiederholung oder Zusammenfassung dessen, was ich über diesen Gegenstand geschrieben habe, zu befürworten. In herzlicher Willfahrung dieses Verlangens glaube ich bemerken zu müssen, daß ich zum größten Theile die Natur dieser Ansichten, die hier zusammengetragen sind, nicht kenne. Langsam und sicher ist die Ueberzeugung in mir mächtig geworden, daß hier in England und in unserer jetzigen Geschichte es möglich und vernünftig ist, in der thätigen Verbreitung des Glaubens Israels über die Grenzen der jüdischen Race hinaus irgend einen Anfang zu machen. Die Erwägungen, die zu dem Glauben drängen, daß eine solche Bewegung möglich und vernünftig ist, sind zweifache. Zuerst und zuvörderst sind die von den Juden ererbten und entwickelten Auffassungen von Gott und der menschlichen Verantwortlichkeit solche, die für Nichtjuden sowohl, wie für uns selber geeignet und anpassungsfähig sind Es sind echt menschliche und darum allgemeine Religionsideen.