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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-05 · 10 (5.3.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Vloch's WochenkchrM Seite 309 habe, sich von jener Strömung fernhalten, die, unter dem Namen „Antisemitismus" bekannt, sich hauptsächlich gegen die Juden richte; er betrachte es als eine Intoleranz, Jemanden um seines Glaubens willen zu verfolgen, und er wisse es zu gut, daß, wenn der Antisemitismus nicht über kurz oder lang vernichtet werden würde, auch andere Confessionen darunter leiden werden. Budapest, 22. Februar. In der Landesrabbinerschule fand die Promotion der Herren Dr. M. Licht m a n u, Dr. G. Schwa r z, Dr. M. Weiß und Dr. I. W e l l e ß zu Rabbinern statt, nachdem diese Candidaten die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen abgelegt hatten. Die Prüfungscommission bestand aus den Professoren der Landes-Rabbinerfchule, ferner dem Großbecskereker Oberrabbiner Dr. M. Klein und dem Werschetzer Oberrabbiner Dr. A. S i d o n. Die Feier begann mit einem Choralgesang, vorgetragen von den Schülern der Anstalt unter der Leitung des Professors A. L a z a r u s. Im Namen der Prüfungscommission hielt Rabbiner Dr. M. K l e i n eine ungarische Ansprache an die Candidaten, in deren Namen Dr. I. W e l l e ß Worte des Dankes und des Abschieds an das Professorencollegium und an das leitende Comite richtete. Prof. Moses Bloch überreichte sodann in Begleitung einer hebräischen Rede den Candidaten die Diplome. Mit bem Absingen eines Hymnus schloß die schöne Feier. — Der Abgeordnete Moriz M e z e i urgirte in der heutigen Confereuz der liberalen Partei anläßlich der Verhandlung des Voranschlages des Cnltus- und Unterrichtsministeriums die Einberufung des jüdischen Landescongresses und die Erhöhung der Staatssubvention für die jüdischen Gemeinden von 10.000 auf 30.000 Kronen. Der Cultusmiuister gab die Erklärung ab, daß die Einberufung des Congresses erfolgen werde, sobald er zur Ueberzeugung gekommen sein werde, daß dieselbe z e i t g e m ä ß sei. Was die Erhöhung der Staatsfubvention betrifft, so gedenkt er diesem Wunsche schon im nächsten Voranschlag zu entsprechen. — M e d. Dr. Baron H e n r i v. R o t h s ch i l d weilte dieser Tage in Budapest und besichtigte die Kliniken, Krankenhäuser und Humanitären Institute der Hauptstadt. Besonderes Interesse legte er bei Besichtigung der Kinder-Krankenhäuser an den Tag. Namentlich das neu errichtete „Adele Brody-Kinderspital" der israelitischen Religionsgemeinde, das erst in kurzer Zeit seiner Bestimmung übergeben wird, fand die verdiente Würdigung seitens des Besuchers, der sich die Baupläne erbat, um das in Paris §u errichtende Kinderfpital nach diesem Muster erbauen zu lassen. — In den Kreisen jüdischer Handwerker und Industrieller wird die Gründung eines Vereines, der sich die Errichtung 'eines Heims für jüdische Hilfsarbeiter zur Aufgabe machen soll, augestrebt. Nahezu 500 Mitglieder sind bereit, die Bestrebungen des neuen Vereins zu fördern. Waag-Neustadtl, 2. März. Znm vierten Male in einem Decennium wurde in unserem Orte Herr Bernhard E l i a s z zum Stadtrichter gewählt. Niemand hat da erst nachgefragt, ob er Jude sei, und Niemand hat auch Grnnd gehabt, für einen Mann nicht zu stimmen, der zehn Jahre hindurch an der Spitze der Stadt in uneigennützigster Weise für das Wohl derselben so viel gethan hat. Mit berechtigter Genugthuung kann Herr Eliasz auf diese lange Reihe von Jahren seiner Amtswirkung zurückblicken, die ihn nicht nur in seiner Heimat geehrt und beliebt machte, sondern auch seitens der höheren Behörden lobend anerkannt wurde. Ung.-Hradisch, 14. Februar. Heute feierte Se. Ehrtvürden Herr Dr. Phil. Josef B u r st y n seinen Einzug als Rabbiner in unsere Gemeinde. Von einigen Vorstandsmitgliedern, Tempelvorstehern und Delegirten unserer angehörigen Betvereiue wurde Se. Ehrwürden am Bahnhof in Ung.-Hradisch empfangen, dort vom Tempelvorsteher Herrn Heinrich Gansl begrüßt und in die Stadt nach seiner Wohnung begleitet. Zu dem Gottesdienste, welcher um 4 Uhr anberaumt war, wurde Sr. Ehrwürden von den Tempelvorstehern aus dessen Wohnung abgeholt und in den festlich beleuchteten Tempel begleitet, wo schon eine dichtgedrängte Menge von Festtheilnehmern seiner Ankunft harrte. Als Se. Ehrwürden das Vestibül betrat, woselbst die Bürgerschülerinnen Spalier bildeten, hielt Elsa Singer, Schülerin der 8. Classe, eine sehr schöne Begrüßungsansprache, von welcher Se. Ehrwürden angenehm überrascht war. Se. Ehrwürden wurde sodann von den Tempelvorstehern auf feinen Sitz geleitet, worauf der zahlreich anwesende gemischte Chor unter Leitung der Herren Obercantor Lustig und Religionslehrer Urbach eine Sulzer'sche Begrüßungshymne anstimmte, welche vom besten Erfolg gekrönt war. Darauf folgte das Absingen des Matouwo-Gebetes, nach dessen Beendigung Se. Ehrwürden die Kanzel bestieg, von wo er eine Ansprache an die Gemeinde hielt, in welcher er mit wohlgefügten Sätzen und sorgfältig gewählten Worten ein Bild der Thätigkeit eines gewissenhaften Seelsorgers entwickelte, und übte diese Antrittsrede auf die Anwesenden den denkbar besten Eindruck aus. Hierauf wurde das Mincha-Gebet verrichtet, dem folgte die Begrüßung des Cultusvorstehers, Stadtphysikus Herrn Dr. Mauuaberg, an Se. Ehrwürden im Namen der Gemeinde und sprach Redner die Hoffnung aus, daß dieselbe unter moralischer Führung des neuen Seelsorgers stets gedeihen möge. Se. Ehrwürden dankte mit einigen Worten uud wurde hierauf den Vorstands- und Ansschußmitgliedern vorgestellt. Das schöne, gelungene Fest wird uns lange im Gedächtnis bleiben uud haben sich um das Arrangement die Herren Tempelvorstände Heinrich Gansl und Josef Hahn die 'größten Verdienste erworben. Nenbtstritz. 2(5. Februar. Mittwoch war^ hier eine Wählerversammlung, in der sich die Candidaten Sedlak und Bitzan vvrstellten. Der Saal im Hotel Kriglstein war zum Erdrücken voll, und da war wieder das sattsam bekannte Thema über die Juden ein Hauptprogrammpunkt; es wird durch solche Vorgänge die hiesige Bevölkerung in unverantwortlicher Weise aufgewühlt, daß'man staunen muß, wie derartige Vorkommnisse geduldet werden. Die Juden sind heute bereits vogelfrei und allen peinlichen Unannehmlichkeiten ausgesetzt, es wäre höchste Zeit, daß diesen Hetzereien ein Ende gemacht würde. Gott geb's! Kuttenberg, 24. Februar. Vorgestern fanden hier die Wahlmällnerwahlen der V. Curie statt. Anläßlich dieser erließen die hiesigen jungczechischen Vertrauensmänner einen Wahlaufruf, der von den unfläthigsten Beschimpfungen des Judenthums und des jüdischen Großcapitals nur wimmelte. Unter Denen, die ihren Namen unter den von ärgster Judenfeindschaft ersiillten Wahlaufruf setzten, befand sich der Name des Herrn N e ch v i l e, Stationsvorstand der Station Kuttenberg-Stadt der der jüdischen Firma Nt. B. Teller gehörigen, in Verwaltung der österreichischen Nordwestbahn stehenden Kuttenberger Localbahn, ferner der Name des namentlich in Reisendeukreisen bekannten Herrn Emil Hase k, Hotelier zum „schwarzen Roß" in Kuttenberg, der fast ausschließlich von hiesigen Inden und jüdischen Reisenden lebt. Die hiesigen charaktervollen Inden haben bereits die nöthigen Consequenzen aus dieser Handlungsweise gezogen, es sei nur noch dieselbe den Herren Reisenden jüdischer Confession zur besonderen Beachtung und D a r n a ch r i ch t u n g empfohlen. Als charakteristisch verdient verzeichnet zu werden, daß die hiesige Judenschaft sich vollständig der Wahl fernhielt, bis auf den Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Adalbert Be ran, der trotz allem Vorgeschilderten mit den Jungczechen stimmte. M. Krakau. In Folge der antisemitischen Tendenzen, die im Krakauer Stadt-Wahlcomite hervorgetreten sind, haben sämmtliche jüdischen Mitglieder ihre,: Austritt dem Bürgermeister F r i e d l e i n angemeldet. Agram, 20. Februar. (Antisemitismus in Croatien.) Heute wurde am Agramer Nationaltheater die Oper „Die Jüdin" von Hal<5vy aufgeführt und erzielte bei den zahlreich erschienenen Theatergästen einen durchschlagenden Erfolg. Das antisemitische Hetzorgan, der „Obzor", ergriff die Gelegenheit zu einem nnsläthigen Hetzartikel gegen die croatischen Juden. Die Rohheit der Sprache, die Brutalität dieser Schmähungen lassen sich kaum wiedergeben. Jede Zeile spie Gift und Galle. Dabei darf man aber nicht vergessen, daß der Inhaber dieses ekelhaften Schaudblattes von den Juden zahlreiche Wohlthaten erhalten hat. Herr Pasarics, Chefredacteur des „Obzor", hat es verstanden, das gute jüdische Herz zu seinem Vortheil ausznnützen. Jüdische Wohlthäter und Freunde haben ihn stets unter-

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