Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 10 (5.3.1897)
- Date
- 1897-03-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021179--06525-3030810- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 208 Dr. Vlvch's WochrnkrtzrM Nr. 10 Gemeinde durch mich vertreten zu lassen, und bitte ich Sie, geehrte Collegen, wenn dies geschieht, um Ihre weitere freundliche Nachsicht, um Ihr weiteres, freundschaftliches Wohlwollen. Mein advocatorischer Beruf stellt wohl große Anforderungen an mich, nichtsdestoweniger werde ich bemüht sein, auch den Pflichten zu entsprechen, welche das neue, hohe Ehrenamt mir auferlegt, das hohe Ehrenamt, das ich wahrhaftig nicht angestrebt habe, das aber, nachdem Ihr Ruf au mich ergangen, anzunehmen ich für meine Pflicht halte. Bleibt auch das Können hinter dem Willen zurück, so seien Sie mindestens meines besten Willens versichert und nehmen Sie nochmals meinen besten, besten Dank." (Lebhafter Beifall.) Als letzter Gegenstand der Tagesordnung gelangte der Bericht des Herrn Dr. Gustav K o h n über die Eröffnung einer Religionsschule in Ober-St. Beit. Nach einer lebhaften Debatte, an welcher die Herren Dr. Maximilian Steiner, k. k. Baurath Ritter von Goldschmidt, Herr Dr. Alfred Berger und kaiserl. Rath Herr Wilhelm Pollak sich betheiligten, wurde der Antrag auf Errichtung dieser Religionsfchule einstimmig genehmigt. Die Berjudung Europas macht ungeahnte Fortschritte. Die Liberalen sind längst ganz verjudet, die Socialdemokratie besteht bekanntlich nur aus Juden, die radicalen Deutschnationalen sind lauter Juden, unter den Christlich-Socialen wimmelt es von Juden; kurz, wo man hinschaut, überall Juden, Juden, nichts als Juden. Aber die Berjudung Europas greift viel höher; sämmtliche Großmächte stehen heute im Dienste der Juden, sind abhängig von Juden und müssen thun, was die Juden verlangen. Diese schauderhafte Enthüllung verdanken wir natürlich einem Wiener Antffemitenblatt, der wackeren „Deutschen Z e i t u n g". Und das kam so : Die „Deutsche Zeitung" schwimmt bekanntlich in eitel Griechenbegeisterung; wenn der griechische König ein Inserent der „Deutschen Zeitung" wäre, so könnte sie für ihn nicht begeisterter schreiben, als sie es thut. Nebst dem Zuckerkartell ist von der ehrenwertsten „Deutschen Zeitung" noch nichts so heiß und leidenschaftlich vertheidigt worden als der räuberische Ueberfall der ländergierigen Griechen, der bekanntlich Europa der Gefahr eines Weltkrieges aussetzt. Ob sich die griechische Regierung diese Begeisterung pauschal- oder panschalienmäßig erworben, oder ob sie der traditionellen Dummheit dieses Blattes entspringt, wissen wir nicht; Thatsache ist, daß die „Deutsche Zeitung" vom 24. Februar 1897, das officielle Organ der Wiener Gememderathsmajorität, zu einem Kriege zwischen Griechenland und der Türkei hetzt, obwohl Oesterreich dadurch in die stärkste Mitleidenschaft gezogen werden würde, also d i r e c t e n L a n d e s v e r r a t h t r e i b t. Die Organe der deutschen Reichskanzlei, die „Kölnische Zeitung" und die „Berliner Nattonalzeitung", beide ultradeutschnationale Blätter, stehen natürlich auf dem Standpunkt, den der Staatssecretär des Deutschen Reiches, Freiherr v. M a r s ch a l l, im deutschen Reichstage klargelegt hat: Daß Europa den Forderungen einer richtig verstandenen Humanität am sichersten gerecht werde, wenn es alle Kräfte einsetzt, um der Gefahr eines Krieges vorzubeugen, der nach m e n s ch l i ch e r B o r a u ssicht namenloses Elend über weite Landesstrecken bringen würde. Was sagt aber das Wiener Antisemitenblatt: „Solche Auslassungen sind nur angethan, uns in unserem Standpunkte, daß die Politik des deutschen Kaisers nicht die des deutschen Volkes sei, zu bestärken. Es scheint sich also wirklich iuir um einen f rieg der internat io n a l e n jüdischen Großfinanz, der Gläubiger Griechenlands gegen Hellas, zu handeln.. Juda hat Griechenland den Krieg erklärt, und die ch r i st l i ch e n G r o ß m ä ch t e entwürdigen sich zu der beschämenden Rolle eines Zwangsvollst r e ck e r s j ü d i s ch e n U e b e r m u t h s und jüdischer A um aß ungen." Also, wenn die griechischen Abenteurer, auf Rußlands Hilfe hoffend, ein ftemdes Gebiet überfallen und annectiren, so hat „Juda" Griechenland den Krieg erklärt, und wenn die europäischen Großmächte, die Monarchen aller Culturstaaten, die Kriegsgefahr zu bannen suchen, so haben sie sich „zu der be- ' schämenden Rolle eines Zwangsvoll st reckers jüdischen Uebermuths und jüdischer Anmaßungen entwürdigt". Ist dies auch toll, so hat es doch Methode. Wenn man die schmutzige Verleumdung betreibt, alle diejenigen, die die Wiener Psaffenknechte bekämpfen, als „Juden" hinzustellen, so mußte die Judenriecherei soweit ausarten, daß nun alle europäischen Großmächte einfach als Judenknechte erklärt werden. Armes, verjudetes Europa; außer den Luegerianern hast du keine Christen mehr! („ Arbeiter-Zeitung".) Wien, 1. März. Bor Kurzem hat der Deutschnalionale Professor Dr. Pommer im Gemeinderath für das deutsche Studentenheim in Cilli eine Subvention von 20C0 Gulden beantragt. Gewiß eine sehr löbliche und nützliche Widmung, wenn auch vielleicht dem Wirkungskreise des Wiener Gemeinderathes etwas ferneliegend. Der Antrag wurde angenommen. Bald darauf stellte derselbe Gemeinderath den Antrag, dem deutschnationalen antisemitischen Agitations- Verein in Graz, der „Südmark", eine Subvention von 500 Gulden zuzuwenden. Auch dieser Antrag wurde angenommen, obwohl offenbar die Existenz dieses Vereins für die Stadt Wien nicht das geringste Interesse haben konnte. Woher also die Generosität? Die Sache wurde klar, als es in der Oeffentlichkcit bekannt wurde, daß. Gemeinderath Pommer in Cilli für den Reichsrath candidire. Herr Pommer gehört zu jenen deutschnationalen Abgeordneten, welche sich dem Dictat der Christlich-Socialen laudabiter unterworfen haben und welche es daher verdienen, einer Belohnung theilhaftig zu werden. Da er für Cilli canbidirte, brauchte er, daselbst ein ignotu« homo, zunächst in dieser Stadt eine Recommandation: das war die Subvention an das Studentenheim; sodann brauchte er eine Empfehlung bei den Wahlmachern in Graz: das war die Subvention an die „Südmark". Die Stadt Wien hat demnach einen Theil der Wahlkosten des Gemeinderaths Pommer, wie wir hören nicht ohne Erfolg, bestritten. Immer deutlicher tritt die eigenthümliche Ansicht hervor, welche die gegenwärtige Gememderathsmajorität betreffs der Aufgaben der Stadtverwaltung hegt. Zuerst äußerte sie sich nur negativ: für die Freiwillige Reltungsgesellschast, welche der Commune Wien den schwersten Theil des" Sanitätsdienstes abnimmt, für den Wiener Volksbildungs- Verein dürfen die Steuergelder der Wiener nicht verwendet werden. Jetzt wird die Ansicht auch positiv formulirt; für die politische Unterstützung von Parteigenossen der Majorität ist nichts zu viel. Vielleicht kommt die Sache in Mode, und es verwandelt sich die städtische Kasse einfach in den Centralwahlfonds der antiliberalen Partei. Wien. Am 21. Februar fand die XV. Generalversammlung des Bethausvereines Beth-Jsrael unter zahlreicher Betheiligung seitens der Mitglieder statt. Der Obmann Herr S. Meisels begrüßt die Erschienenen und den von der Cultusgemeiude delegirten Vertreter, Herrn Cultusvorsteher Baurath Wilhelm Stiaßny, dem Erbauer des schönen Gotteshauses. Er gedachte in warmen Worten des Hinscheidens des Präsidenten der Cultusgemeiude, Herrn G. Simon, dessen Ableben für alle Glaubensgenossen einen großen Verlust bedeute. Der Obmann gibt dem tiefen Bedauern Ausdruck, daß der verdienstvolle Schriftführer des Vereines, Herr Ignatz Zolles, von einer schweren Krankheit heimgesucht worden ist und drückt den Wunsch auf baldige Wiederherstellung desselben aus. Er theilt auch mit, daß der Vorstand sein Mitglied Herrn B. Landau zum provisorischen Schriftführer bestellt habe. Herr Baurath Wilhelm Stiaßny, lebhaft acclamirt, führt aus, daß er gerne heute erschienen sei in der Mitte von Männern, die ihm nahestehen und die Ersprießliches für ihre Glaubensgenossen leisten, er fteue sich, den Vorstand im Namen des Cultusvorstandes zu den erzielten Erfolgen zu beglückwünschen. Hierauf verliest Herr B. Landau den Rechenschaftsbericht und den Gebahrungsausweis, welch' beide von der Generalversammlung beifällig zur Kenntniß genommen und genehmigt wurden. Auf Antrag der Herren Cassarevisoreu wird dem Vorstande das Absolutorium ertheilt. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen in den Vereinsvorstaud wurden die Herren: S. Landau, S. Deiches, A. S. Diamant und B. Brauner wiedergewählt. In den Bethausvorstand wurden die Herren: A. S. Landau, I. M. Bels wieder- und Herr H. Karp ueugewählt. Ferner erscheinen als gewählt zu Schiedsrichtern die Herren: Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Robinsohn, D. Landau und H. Flieg, zu Caffarevisoren die Herren: A. Silbermark, I. Ölest und Jul. B. Weis. Mit einem Appell an die Versammelten, auch fernerhin dem Vereine erhöhtes Interesse entgegen zu bringen und in ihren Kreisen für denselben zu wirken, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Ein Testament gegen den Antisemitismus. Im Mai vorigen Jahres ist der ehemalige Präsident des Landesgerichtes für Civilrechtssachen in Wien, Herr Hoftath M i e sr i e g l e r, gestorben. In seinem Testamente, welches ungefähr 60 Personen mir Legaten bedenkt, findet sich am Schluffe ein Passus, der es verdient, veröffentlicht zu werden, weil er die politische Gesinnung des Verstorbenen charakterisirt. Hofrath Miesriegler spricht nämlich in seinem Testamente den Wunsch aus, es mögen alle Diejenigen, die er für den Todesfall bedacht