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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-05 · 10 (5.3.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Vr. Vloch's Wortzenfchrtft. Seite 207 sollten. In demselben Jahre wurden sie als Zeugen vor Gericht j zugelassen, aber nur, soweit Handel und Gewerbe in Betracht kam. 1675 reichten sie eine Petition um Ausdehnung dieses Rechtes für alle anderen Fälle ein. Obgleich die gesetzgebende Versammlung einen Beschluß in diesem Sinne faßte, 'scheinen Gouverneur und Rath ihre Einwilligung doch versagt zu haben, denn im Jahre 1764 war der alte Act noch in Kraft. 1706 wurde den Juden gestattet, sich Sclaven zu halten. 1761 kam das Gesetz heraus, daß bei Erhebung der Steuern kein Unterschied zwischen Juden und Christen gemacht werden dürfe. Correspondenzen. Wien. (Oeffentliche Sitzung des israelitischen C u l t u s v o r st a n d e s.) Donnerstag den 25. Februar l. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde eine öffentliche Vorstandssitzung statt. Auf der Tagesordnung standen Ergänzungswahlen in das Vertrel ercolleginm und in das Präsidium. Der Vorsitzende, Präsident kaiserlicher Rath Klinger, eröffnete die Sitzung und brachte zur Kenntniß, daß die Vorsteher Moriz Hirsch, Emanuel Hoffmann und Carl Kvhn ihre Abwesenheit von der heutigen Sitzung entschuldigt haben. Nach Verlesung des Protokolles der letzten öffentlichen Sitzung und Genehmigung desselben durch den Vorstand wird zur Tagesordnung übergegangen. Erster Gegenstand war die Wahl eines Obmannes für die Finanzsection an Stelle des zum Präsidenten gewählten Herrn kais. Rathes Heinrich Klinger. Der Vorsitzende ersucht die Collegen Arthur v. Mieses und Gottlieb T a u s s i g, das Amt der Scrutatoren für diesen Abend zu versehen. Die Wahl wird schriftlich vorgenommen, 19 Stimmzettel werden abgegeben, davon entfielen auf Dr. Stern 15 Stimmen, auf Herrn Moritz Hirsch 4 Stimmen. Herr Dr. Alfred Stern erklärte die Wahl anzunehmen, wenn es ihm auch schwer wird, aus dem liebgewordenen Kreis seiner bisherigen Wirksamkeit in der Rechtssection zu scheiden. Er hofft, die Pflichten des neuen Amtes vor Allem mit Hilfe des tüchtigen Obmann-Stellvertreters, Herrn Moritz Hirsch, zur Befriedigung zu lösen. Sollte seine Kraft hiefür nicht ausreichen, so werde er in kurzer Zeit an den Vorstand mit der Bitte herantreten, ihn von dieser Aufgabe zu entheben. Bei der Wahl eines Obmannes für die Administrativ- und Rechtssection wurden von 19 Stimmen 17 mit dem Namen des bisherigen Obmann-Stellvertreters dieser Section, Herrn Dr. Adolf Stein, abgegeben. Derselbe dankt für das ihm gewährte Vertrauen und erklärt in kurzen Worten, die Wahl anzunehmen. Es erweist sich nunmehr die Nothwendigkeit, für die Rechtssection die Wahl eines Obmann-Stellvertreters vorzunehmen. Von 20 abgegebenen Stimmen fielen 12 auf Herrn Dr. Marcus Spitzer und 8 auf Herrn Dr. Heinrich Sieger. Der Erstere erscheint somit als gewählt. Herr Dr. Marcus Spitzer dankt den Collegen für die Auszeichnung; er sei stolz, neben einem Obmann wie Dr. Adolf Stein wirken zu dürfen und verspricht, sein Bestes anzuwenden, um das ehrende Vertrauen der geehrten Vorstandscollegen zu rechtfertigen. Vor Eintritt in die Wahl der Vicepräsidenten stellte der Herr Cultusvorsteher Dr. Maximilian Steiner den Antrag, es mögen die Wahlen der beiden Vicepräsidenten in einem Wahlgange vorgenommen werden, was der Vorsitzende, Herr kais. Rath Klinger, mit Hinweis auf die Bestimmungen des Statutes ablehnt. Hierauf wird zur Wahl geschritten, und es erscheint der bisherige II. Vicepräsident Herr Dr. Alfred Stern mit 18 Stimmen zum ersten Vicepräsidenten gewählt. Derselbe richtete an die Versammlung nachstehende, mit wiederholtem Beifall aufgenommene Ansprache: „Sehr geehrte Herren Collegen! „Ich fühle mich für Ihre mich hochehrende und auszeichnende Wahl zu wärmstem Danke verpflichtet. Meine Dankespflicht ist eine umso größere, als ich, vor zwei Monaten, durch die Berufung in das Präsidium ausgezeichnet, in Folge von Ereignissen, die Ihnen bekannt sind, von Schicksalsschlägen, die mich schwer getroffen, noch nicht in der Lage war, Ihr damaliges Vertrarrensvotum durch entsprechende Leistungen zu rechtfertigen. Das Versäumte nachzuholen, mich dem Dienste unserer Gemeinde zu widmen, ist also heute für mich doppelt Pflicht. Diese zu erfüllen ist mir aber auch ein lebendiges Herzensbedürfniß. Denn es liegt hierin eine Bethätigung der von uns Allen hier und so auch von mir tief empfundenen Anhänglichkeit an unsere Gemeinschaft, an unsere Stammesmid Glaubensbrüderschaft und an unsere Wiener Gemeinde, welche — wie ich wünsche — als Beispiel und Muster allen österreichischen jüdischen Cultusgemeinden voranleuchten sollte. Es liegt aber auch hierin für mich die Bethätigung einer Pflicht der Pietät einer mehr als hundertjährigen Familien-Tradition, da ans dem Platze, auf dem ich mich hier befinde, das Bild meines Urgroßvaters auf mich niederblickt, dessen jüdischen Vornamen ich trage und der — wie auf seinem Denksteine am Währinger Friedhöfe zu lesen ist — durch 30 Jahre, von 1784 ab „thätige Vorsteher der Wiener Israeliten" — eine Wiener israelitische Gemeinde gab es damals nicht — war. Sie werden mir daher wohl Glauben schenken, wenn ich Sie versichere, daß ich vom besten Willen beseelt bin, all' mein Wissen und Können für unsere Glaubensbrüderschaft, für unsere Wiener Gemeinde einznsetzen und in diesem Sinne dem ausgezeichneten Manne, den sie zur Präsidentschaft berufen haben, zur Seite zu stehen. In diesem Sinne erkläre ich — indem ich Ihnen nochmals ineinen wärmsten Dank abstatte — daß ich die Wahl annehme." (Lebhafter Beifait.) Ein heißer Wahlkampf entbrannte bei der Wahl des zweiten Vicepräsidenten. Zwei Parteien standen einander gegenüber in nahezu gleicher Stärke, ohne von ihrem Candidaten lassen zu wollen. Ans der einen Seite wollte man den langjährigen Gemeiuderath und ehemaligen Stadtrath den k. k. Baurath Herrn Wilhelm Sticßnn auf diesen Posten berufen. Andere erklärten sich für den langjährigen k. k. Landesschulrath und Obmann der Unterrichtssection, Herrn Dr. Gustav Koh n. Bei der unbestrittenen großen Popularität, welcher sich beide Männer erfreuen, bei den hohen und vielen Verdiensten, welche sich beide Männer im öffentlichen Leben längst erworben haben, bei ihrer allgemein anerkannten Tüchtigkeit, wird es begreiflich erscheinen, daß die Anhänger der zwei Parteien ihre respectiven Candidaten eifriger und ausdauernder verfochten, als jene Männer, um derentwillen der Kampf geführt wurde. Vergebens hat Herr Baurath Stiaßny vor Beginn des Wahlganges die Erklärung abgegeben, er bitte bei dieser Wahl von seiner Person abzusehen, da er im Falle selbst wenn er gewählt würde, nicht in der Lage wäre, die Wahl anzunehmen: vergebens erneuerten beide Herren, sowohl Herr Laudesschulrath Dr. Gustav Kvhn als auch k. k. Baurath Herr Wilhelm Stiaßny, nachdem zwei Wahlgänge erfolglos geblieben waren, die dringende Mahnung an die Freunde, nun endlich dem Candidaten der Gegenpartei ore Stimmen zuznwenden. Auch bei der dritten, der engeren Wahl beharrten die Parteien bei dem erkorenen Candidaten und nur eine knappe Majorität entschied zu Gunsten des Herrn Landesfchnlrathes Dr. Gustav K o h n. Derselbe richtet an die Versammlung folgende Worte: „Sehr geehrte Herren Collegen! Dankenden Herzens nehme ich die hohe Ehrung an, die Sie mir soeben durch die freundliche Wahl als Vicepräsident unserer ehrwürdigen, uns Allen theuren Gemeinde zu theil werden ließen; ich nehme dieselbe um so freudiger an, als meinem verehrten Freunde und Collegen Baurath Stiaßny bei diesem Wahlacte die vollste Anerkennung geworden, die er so reichlich verdient. Er hat mindestens ebenfoviele Verdienste um unsere Gemeinde als ich, dabei hat er mir gegenüber auch die Anciennität für sich, und habe ich deshalb ungeachtet seiner allzu bescheidenen Ablehnung ihm gerne meine Stimme gegeben, tote dies mein Herr Nachbar bezeugen kann. Wenn nichtsdestoweniger die Mehrheit Ihrer Stimmen mir zusiel, so haben — ich bin dessen überzeugt — nicht so sehr meine bisherigen bescheidenen Leistungen, sondern vielmehr der Umstand den Ausschlag gegeben, daß Sie, geehrte Herren, mit Rücksicht auf die bevorstehende Neuorganisatton die Verstärkung des Präsidiums durch einen zweiten Juristen für zweckmäßiger hielten. Gern werde ich unseren vortrefflichen Präsidenten kais. Rath Klinger, sowie den gewiegten Vicepräsidenten Collegen Dr. Alfred Ster n, nach Kräften unterstützen und wird es mir zur Freude gereichen, im Vereine mit denselben dem Wohle unserer geliebten Gemeinde zu dienen — ich hoffe, daß dieselben nur selten veranlaßt fein werden, sich bei der Leitung unserer

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