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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-05 · 10 (5.3.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 204 Dr. Vloch's WocheMchrtst. Nr. 10 Was also hatten die Essener in einem Kriege zu suchen, was von einem Kriege zu fürchten gehabt? Und dennoch haben sich die Essener in diesen Krieg, welcher der jüdischen Nation den Untergang bereitete, gestürzt. Und dieses verräth uns Josephus selbst, ohne es zu wollen. Er berichtet nämlich, nur so nebenher, die Essener hätten in diesem Kriege gegen die Römer einen „durch Körperkrast und Intelligenz ausgezeichneten" Befehlshaber ins Feld gestellt"). Das gibt doch wohl zu denken. Noch stutziger wird man, wenn man den folgenden Bericht liest, welchen Josephus bei der Schilderung der Essener unterlaufen läßt: „Sie verachten", so erzählt er von den Essenern, „den Schmerz, überwinden ihn durch Geistesstärke und halten einen ehrenvollen Tod für besser als ein langes Leben: Im Kriege mit den Römern haben sie die Stärke ihrer Gesinnung bewährt. Man schraubte und dehnte ste auf der Folterbank, man verrenkte und sengte ihre Glieder und dennoch war man, trotz der grausamsten Anwendung aller Mordinstrumente, nicht im Stande, ihnen eine Lästerung wider den Gesetzgeber abzupressen, oder sie auch nur zu dem Genüsse einer verbotenen Speise zu zwingen, oder ihnen eine Thräne zu entlocken. Sie lächelten unter Schmerzen, spotteten derer, welche die Folterwerkzeuge anlegten und ließen freudig das Leben — als ein Gut, das sie wieder bekommen würden")." — Wie aber stimmt dieser Bericht zu dem bereits citirten Philonischen, nach welchem die Essener von allen palästinensischen Wirren, von allen daselbst von den grausamsten Machthabern verübten Gräuelthaten stets unberührt geblieben, da sie gleichsam als sacrosanct galten? Und was in aller Welt mochten die den Frieden über Alles liebenden, sanstmüthigen Frommen verbrochen haben, daß sie in diesem Kriege so grausam und unmenschlich verfolgt wurden? Josephus bleibt uns die Antwort schuldig. Sie ist aber gleichwohl nicht schwer zu errathen: D i e Essener wurden wegen ihrer Theil nah me an dem Kriege verfolgt! Damit aber wäre die räthselhafte Erscheinung: daß die Essener stch überhaupt an einem Krieg betheiligt, noch keineswegs erklärt, wenn uns nicht die Sibylle den Schlüssel zur Lösung dieses Räthsels darbieten würde. Der Berzweiflungskampf gegen Rom wurde vorzugsweise deswegen begonnen, weil man mit aller Zuversicht auf ein Eingreifen Gottes rechnete, das Erscheinen des Messias erwartete. Denn alle Vorzeichen, welche die weitverbreiteten sibvllinischen Orakel für das Herannahen des letzter: göttlichen Gerichtes angesagt hatten, man glaubte sie in diesen Tagen des Grauens in leibhaftige Erfüllung gehen zu sehen und sie waren thatsächlich zu einem so wichtigen Factor geworden, daß Geschichtsschreiber, wie Tacitus, Suetonius und Josephus Flavins von ihnen mit großem Ernst Notiz nehmen, wobei sie in ihren Berichten eine ganz erstaunliche, bis auf den Wortlaut sich erstreckende Uebereinstimmung bekunden. Josephus stellt die Ursachen des Kriegsausbruches folgendermaßen dar: „Was die Juden aber am meisten zum Aufstand trieb' „war ein zweideutiges Orakel in ihren heiligen Schriften' „dahin lautend: „„In jenen Tagen werde Einer „von ihren Grenzen ausgehen und die Welt „beherrschen."" „Dieses, so fährt Josephus fort, bezogen „sie auf einen Einheimischen und viele Schriftgelehrte wurden „in der Erklärung irre. Offenbar aber bezog es sich auf „Bespasian, der in Judäa zum Kaiser ausgerufen wurde."") Uebereinstimmend damit berichtet Tacitus:") „Die Meisten hegten die Ueberzeugung, es stehe in den „alten Schriften der Priester geschrieben: daß derOrient „um d i ese Zeit erstarken und d aß M än n er, a us „Judäa hervorgegangen, die Weltherrschaft „erlangen werden." Genau so referirt Suetonius.") Woher kommt diese Uebereinstimmung? Wo ist die gemeinschaftliche Quelle, wo sind die alten und heiligen Schriften zu suchen, welche diese Prophezeiung enthielten? ") Jos. Bell. Jud. II, 20,4; III, 2,1. 41) Daselbst H, 8,10. ") Bell. Jud. V, 5, 4. 4S) &ift. V, 13. ") Säet. Vegp. c. 4: Percrebaerat Oriente toto vetus et constans opinio, esse in tätig, u teo tempore Jndaea profeeti rerum potirentur. Id ... . Jndaei ad se trahentee rebeUarunt. Das Merkwürdige an der Sache ist, daß sich diese Uebereinstimmung auch auf die Berichte von den der Katastrophe vorausgehenden Wunderzeichen erstreckt. So lesen wir hierüber bei Josephus:") „Vor Untergang der Sonne sah man über der ganzen „Gegend Wagen und bew aff neteKriegsschaaren „durch die Wolken daherziehen und die Städte „umkreisen. ..." Und bei Tacitus:") „Wunderzeichen waren erschienen.M a n sah „Schlachtreihen am Himmel kämpfen, fun- „k e l n d e Waffen und einen Tempel in den Wolken „plötzlich im Feuer auflodern." Woher diese Uebereinstimmung? Nun, ein Blick in das sibyllinische Orakel, welches, wie wir gleich zeigen werden, die Quelle aller dieser Berichte geworden war, erklärt sie. Schon im zweiten vorchristlichen Jahrhundert hat die jüdische Sibylle das Herannahen des göttlichen Gerichtes und das Er ft arten des jüdischen Volkes prophezeit. Diese Orakel lauten: „Und dann wird das Volk des großen „Gottes wieder m ä ch ti g u n d a l l en M e n s ch e n „zu Führern des Lebens werden."") Ferner: „Dann wird Gott von der Sonne her einen König „senden, welcher allem verderblichen Krieg auf der ganzen „Erde ein Ende bereitet, welcher die Einen vernichtet und „den Anderen die Treue hält. Doch wird er dieses Alles nicht „aus eigene Eingebung vollführen, sondern gehorsam „dem Befehle des großen Gottes."") Um die Zeit des zweiten Triumvirats prophezeit die Sibylle: „Wenn aber Rom einst auch Egypten beherrscht, dann „wird das grüßte Reich des unsterblichen Königs unter den „Menschen erscheinen. Und es kommt ein hehrer „F ü r st, welcher alle Länder der Erde für alle Zukunft be- „ herrscht.""') Aber auch die Wnnderzeichen, welche dem göttlichen Gerichte vorausgehen werden und welche nach den Berichten des Josephus und Tacitus bei der römischen Zerstörung Jerusalems erschienen sind, sagt die Sibylle voraus: „Aber die Mächtigen der Erde verbinden sich abermals „gegen dieses Land zu ihrem eigenen Verderben. Denn sie „wollen das Haus des großen Gottes und die besten Menschen „vernichten.Aber das Gericht des großen Gottes „erreicht sie, und sie fallen durch die Hand des Ewigen: e s „werden vom H i m m e l f l a m m e n d e S ch w er t e r „fallen, g r o ß e F a ck e l werden erscheinen . . . ., „tveil sie das Gesetz des großen Gottes nicht erkannten, „viel n: e h r unvernünftige:: Sinnes mit „dem Schwerte auf den Tempel einstürmen, „darum wird Gott Alle durch Krieg richten und durch's „Schwert."") Also schon nach dem ältesten sibyllinische:: Orakel wird Gott das letzte Gericht mit einen schrecklichen Krieg einleiten und dies darum, weil die Menschen das göttliche Gesetz nicht achten und in: Frevelmuth den Tempel stürmen. Und gegen den Schluß desselben Sibyllengedichtes wird uns ein Zeichen, woran leicht das Herannahen des göttlichen Gerichtes erkennbar sein werde, in folgender Weise gegeben: „Ein leicht zu erkennendes Zeichen will ich dir geben: „Wenn man an dem gestirnten Himmel zur „Nachtzeit Schwerter . . . ., im Gewölk eine „wilde Schlacht von Fußvolk und Reitern „erblicken wird; so ist dieses das Ende, welches Gott, „der den Himmel bewohnt, dem Kriege bereitet."^) Ebenfalls als von Gott selbst angeordnet, stellt diesen Kampf gegen Rom der Verfasser des fünften Sibyllenbuches dar, welcher zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels lebte. Er sagt nämlich: ") Bell. Jud. V, 5, 3. ") A. a. O. 47) Orac. Sib. III, 194 f. 48) Orac. Gib. III 652 ff. ") Orac. Sib. III, 46 ff. 50) Orac. Sib. III, 663—690. M) Orac. Sib. III, 795—806.

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