Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 9 (26.2.1897)
- Date
- 1897-02-26
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 192 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 9 Knabenschule bestimmt, die circa 1000 Kinder ausnehmen soll. Dieselben, Schüler der Talmud-Thora, sind z r Stunde sehr schlecht untergebracht, in einem ungeheueren Gebäude, das wegen seiner Baufälligkeit niedergerissen werden muß. Der Leiter dieser Anstalt und des Rabbinerseminars, Herr A. D a n o n, ein bekannter Gelehrter, hat in einer herzerhebeuden Ansprache im portugiesischen Tempel der genannten Stadt vergangenen Samstag die jüdis he Bevölkerung aufgefordert, an dieser Gründung theilzunehmen. An 10.000 Frcs. sind bereits von den Vornehmen gezeichnet worden. Hoffentlich wird die verlangte Vollzahl nicht mehr lange auf sich warten lassen, damit unverzüglich an die Ausführung dieses hehren Werkes geschritten werden kann. In Salonichi kommen alljährlich vier Preise von je 50 Frcs. an die vier besten Schüler der Anstalten der Alliance JsraEte zur Vertheiluug. Zwei dieser Preise sind vom seligen Baron von Hirsch gestiftet worden, die zwei anderen von Herrn Dr. Pereira, der voriges Jahr gestorben ist. Die Vertheilung dieser Auszeichnungen hat bereits vorige Woche stattgefunden. Der Großrabbiner der Türkei und der armenische Patriarch haben neulich gegenseitig Besuche gewechselt. S. E. Moffe Effendi L e v y und S. S. Monsignore O r m a n i a n unterhielten sich beide Male fast eine halbe Stunde lang. Beide Gemeinde- Häupter waren von hohen Persönlichkeiten begleitet. Ein hochgestellter Glaubensgenosse, Se. Excettenz Bohor Effendi, zweiter Bürgermeister der türkischen Hauptstadt und Geschäftsträger im Amte der Auswärtigen Angelegenheiten, ist zum Mitgliede des neuen Staatsrathes ernannt worden. Der ausgezeichnete Mann, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, ist dieser Ehre vollauf würdig.' Dazu ist er Jude mit Leib und Seele. London. Vergangenen Freitag erhielt Oberrabbiner Dr. Adler ein Telegramm von der jüdischen Gemeinde aus Tripolis, das folgendermaßen lautete: Unsere Misurata-Synagoge geplündert; die Thorarollen zerrissen. Die jüdischen Bewohner in großer Gefahr. Wir bitten Sie unverzüglich Schritte zu thun." Da sich Dr. Adler in seiner Stadtwohnung mit keinem einzigen Mitgliede des vereinigten Comitäs des Cultusvorstandes und der Jüdisch-englischen Allianz (Anglo Jewish Association), deren Bice-Präsident er ist, in Verbindung setzeil konnte, ging er zu Fuß in's Parlament und theilte dort den Inhalt des Telegrammes dem Staatssecretär im Ministerium des Aenßern, George C u r z o n, mit der Bitte mit, die Regierung Ihrer Majestät der Königin von England möge den jüdischen Bewohnern von Tripolis den nöthigen Schutz zu Theil werden lasten. Mr. C u r z o n versprach, sofort Erkundigungen einzuziehen. Dienstag erhielt Oberrabbiner Dr. Adler folgenden Brief von ihm: „Geehrter Herr! Es freut mich. Ihnen mittheilen zu können, daß infolge Ihrer Mittheilung das Ministerium ein Telegramm an unseren Consuln nach Tripolis gerichtet hat, der folgendermaßen geantwortet hat: „Die Synagoge Misnrata in der Nacht vom 8. Februar erbrochen und geplündert. Jüdische Gemeinde außer Gefahr. Verhaftungen vorgenommen. General-Gouverneur verspricht Ahndung des Verbrechens." In der Hoffnung, daß diese Nachricht dazu beitragen wird, Sie und die Gemeinde, welcher Sie vorstehen, zu beruhigen. habe ich die Ehre zu zeichnen als Ihr treu ergebener George C u r z o n." Parlament, 16. Februar 1897. London. Lord Rothschilds Sohn, Walter Rothschild, hat vergangenen Sonntag die feierliche Grundsteinlegung der South Hacknay-Synagoge in Devonshire Roai), als Präsident des Bancomites, in Gegenwart von mehr als 500 Personen vorgenommen. Unter den Anwesenden befanden sich Oberrabbiner Dr. Adler und Gemahlin, Dr. Gaster und Gemahlin, Dr. Friedländer aus Posen, Mr. Herbert Robertson, Architekt Delissa Joseph u. s. w. Nachdem die musikalische Einleitung zu Ende war, überreichte Bicepräsident Mr. Herbert Bentwich dem jungen Lord eine silberne Kelle mit Elfenbeingriff, die er einem weißen Lederfutteral entnommen hatte, welches das Rothschild'sche Wappen und eine auf die Feier bezügliche Inschrift, wie auch die Namen der Comitemitglieder trug. Mr. Bentwich hob in einer Ansprache hervor, wie viel man in dem nun endlich begonnenen Werke der unermüdlichen Energie, dem lebhaften Interesse und dem seltenen Tacke des jungen Obmannes zu verdanken habe, welcher zu den vielen Verpflichtungen, die die Gemeinde schon gegen das edle Haus Rothschild habe, eine neue hinzugefügt hatte. Darauf legte Walter Rothschild den Grundstein unter den üblichen Formalitäten und der Oberrabbiner hielt die Festrede, und schloß mit dem Gebete für die Königin und die königliche Familie. Walter Rothschild sprach dann in einer kurzen, sehr hübschen Ansprache Mr. Bentwich feilten Dank und allen Anwesenden seine Befriedigung darüber aus, daß die vor 15 Jahren begonnenen Bemühungen nun zu einem erfteulichen Fortschritte gediehen seien. Nachdem noch mehrere der anwesenden Herren gesprochen hatten, wurde eine Subscriptionsliste eröffnet; Walter Rothschild zeichnete 50 Pfund und die gespendeten Beiträge erreichten bald die stattliche Höhe von 260 Pfund. Zum Schluffe kamen wieder musikalische Vorträge und die schöne erhebende Feier war zu Ende. Das eine Gebäude wird eineSouterrain-Abtheilung haben, welche neue bequeme Schulzimmer und einen großen Saal umfassen wird. Dieselben werden durch verschiebbare Wände getrennt sein, so daß nöthigen Falles z. B. bei Preisvertheilungen und ungewöhnlich stark besuchten! Gottesdienste die ganze Abtheilung in einen einzigen großen Saal verwandelt werden kann. Zwei große Steintreppen werden direct auf die Straße führen. Das Parterre, mit einem besonders großen Eingang von der Straße, wird die männliche Abteilung, die Galerie, zu welcher zwei Treppen emporführen, die Frauenabtheilung bilden. Die Kosten der ganzen Synagoge werden sich auf etwa 8000 Pfund (ungefähr 100.000 Gulden) belaufen. London. (Organisation der Juden im Osten von Londo n.) Wie ein Märchen hört sich die Nachricht von der Entstehung eines neuen Vereines an. Das Gold, das unsere thatkräftigen Glaubensgenossen im fernen Afrika gefunden haben, soll zur Hebung der verfolgten Inden in moralischer und socialer Beziehung verwendet werden, welche in London eine zweite Heimat gefunden haben. Es war lange ein Traum, der sich nun verwirklicht hat. Der Verein „Selbsthilfe" (Leit Help Association! hat sich constituirt und jüdische Placate vertheilen lassen; in Folge dessen theilen wir Ihnen einen Auszug dieses Placates, das das Programm des neuen Vereines ist, mit. Brot, M a z z e s, C o a k s, Verein „Selbsthilfe". Der Verein gibt kein Almosen. Almosen kann man nur ein- oder zweimal geben, der arme Arbeiter aber bedarf beständiger Hilfe. Er soll durch den Verein Alles, was er zmn Leben braucht, viel billiger bekommen als bisher. 1 Sack Coaks kostet 1 Shilling, durch den Verein bekommt Ihr ihn um 7 Pence, (eine Kleinigkeit, mehr als die Hälfte.) Ihr müßt nur in das Bureau des Rev. B. Schewzik gehen und Euch dort einen Zettel kaufen. Der Coaks wird dem Käufer kostenfrei ins Haus gestellt. Dieselbe Vergünstigung wird Euch beim Broteinkanf zu Theil; ebenso werdet Ihr durch den Verein die besten Mazzes zu einem bedeutend billigeren Preise bekommen, als sie von den Händlern in London verkauft werden. Meldet Euch also Alle bis zum 25. Februar, wer kein Geld hat, bekommt Alles gegen wöchentliche Raten. Dem Ueberbringer ist kein Trinkgeld zu geben. Das ist eine Seite der neuen Bewegung zu Gunsten der armen Juden im Osten von London. Eine andere Seite ist das schiedsgerichtliche Verfahren bei Streitigkeiten. Neulich kam eine christliche Frau in das Bureau und klagte, daß sie irrthümlicher Weise einem jüdischen Händler einen halben Sovereign anstatt eines Farthiug (Pfennigs) gegeben, doch wollte derselbe ihrer Betheuerung keinen Glauben schenken und den Schaden nicht gut machen. Nach genauer Prüfung des Falles wurde der Kaufmann gehalten, der Frau den Schaden zu ersetzen. Dieselbe pries dankerfüllt das Wirken des Bureaus und sprach den Wunsch aus, es möchten doch die Christen eine gleiche Institution besitzen. Es kann nicht lobend genug darauf hingewiesen werden, in welch pronrpter Weise die englische Regierung stets sich zu Gunsten der Juden einsetzt. Vor einigen Jahren befürchtete man ein Maffacre der Juden in Hamadan (Persien). Sobald diese Nachricht in London bekannt wurde, begaben sich einige Mitglieder des Cultusvorstandes und der jüdisch-englischen Allianz ins Ministerium des Aeußeru. und trotzdem der Tag ein Sonntag war, wurde ein Extra-Bote nach Mentmore entsendet,