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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-26 · 9 (26.2.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Gerte 190 das erstrichterliche Urtheil auf und erkannte alle drei Angeklagten schuldig. H i r z e g g e r wurde zu achtzig Gulden G e l d st r a f e, eventuell acht Tagen Arrests, die Brüder Hager zu je fünfzig Gulden, eventuell fünf Tagen Arrests veru r t h e i l t. Budapest. In allen Kreisen, welche von der Unhaltbarkeit der durch das Jnslebentreten der kirchenpolitischen Refvrmgesetze geschaffenen neuen Sachlage überzeugt sind, wird die Erklärung des »Zsido Hirado:', des officiellen Organes der orthodoxen Durchführungscommission, daß die Orthodoxie jedes einheitliche Vorgehen abl"hut, mit bedenklichem Kopfschütteln ausgenommen. Die Vertretung der ungarischen Orthodoxie klammert sich noch immer au ihren früheren Standpunkt, dem sie Geltung zu verschaffen trachtet, während ans der anderen Seite alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Durchführbarkeit eines einheitlichen Vorgehens zu ermöglichen. Sv richtete aus Veranlassung „einiger Führer der Gemeinde Israels" der Chacham Elieser Jacob Saul aus Jerusalem an die israelitische Landeskanzlei und an die Durchführungscommission ein umfangreiches Schreiben, in welchem dem Frieden das Wort geredet wird. Einen ähnlichen Brief richtete der Chacham au den greisen Oberrabbiner Snszman S z o f e r in Paks, dem er an's Herz legt, dahin zu wirken, daß „dieNevlogen nicht als eine dem Judenthum untreu gewordene Confession betrachtet werden." Die Municipalität der Stadt Budapest hat die der Ofener Cultusgemeiude gewährte Subvention auf 8000 Kronen erhöht. — Den vielfachen Angriffen gegenüber, denen Herr Oberrabbiner Lasar L ö w in Ungvar ausgesetzt war. erklärte Obergespan Stefan von Molnar, daß er „jetzt ebenso wie früher dieselbe Hochachtung und Werthschätzung dem verdienstvollen Rabbiner entgegenbringe, der sich auf dem Gebiete der culturellen Bestrebungen, der Humanität und des Patriotismus hervorragende Verdienste erworben habe und allen dem Wohle des Landes dienenden Bestrebungen seine Unterstützung angedeihen lasse." Diese glänzende Satisfaction erregt hierum so größere Freude, da der greise Rabbiner in der von der Parteipolitik verblendeten Presse als — „Landesverräther" denuncirt wurde. Agram. (Antisemitismus in C r o a t i e n.) Vom Agramer Correspondenten erhalten wir folgenden Bericht: Der seit vielen Jahren in Sissek befindliche Spar- und Borschußverein, an dessen Spitze die in allen Kreisen geachteten Bürger, die Herren Alexander Rosenberg, Löwy, Jaques Reiß n. n. A. standen, mußte bei der vor einigen Tagen abgehaltenen Generalversammlung in Folge antisemitischer Hetzen seitens eines genugsam charakterisirten Individuums, des gewesenen Advocaten, derzeitigen Kaffeesieders Tuskan, die so viele Jahre innegehabte Stelle verlassen, um diesem Menschen und vielen solchen Gesinnungsgenossen den Platz zu räumen. Da dieser so famose Herr TuZkan stets von Juden unterstützt wurde, darf es uns gar nicht wundern, wenn solche Menschen, wie dieser Tuskan, welcher nebstbei ein Gesinnungsgenosse der Herren Dr. Derencsin, (welcher das seinerzeit so oft erwähnte Sudelstück „Die Oppo- ' sition aus dem Lande" schrieb) Mazzura, Pasarics n. A. ist, den Dank mit solch unfläthigem gemeinen Vorgehen abstattet. E r w a r n t uns aber entschieden, j ed en V er k e h r un d Un t erst ü tz u n g solcher Personen e i n z u st e l l e n. Dieser, mit antisemitischer Raffinirtheit inscenirte Ueberfall wird noch vor Gericht sein Nachspiel haben. Der Zweck dieses Tmkan und Consorten bei Ausspielung der jüdischen Elemente in dem Spar¬ und Borschußverein war diesen Herren lediglich der, um sich das jüdische Geld a n z u e i g n e n. Es dürfte Ihnen aber sehr schwer gelingen, den Coup zur Ausführung zu bringen, da die jüdischen Mitbürger ihr eingezahltes Vermögen sicherstellen ließen. Aus Allen dem läßt sich herausfinden, daß die neu 511 gründende Katholikenpartei in Croatien, an deren Spitze der gewesene Professor Dr. Breoztpensky. Dr. Derenczin, Mazzura, (welcher sein Vermögen dem Juden Prister zu verdanken hat) TuZkan, David Starcsevics u. n. A. stehen, dem Inden in Croatien eins auf das Kerbholz schlagen wolle, weil eben der Jude sich den liberalen Ideen der Regierung anschließt. Der gewesene Bezirksvorstand S z a l a y in Pisarovina bei Agram, welcher voriges Jahr den Großgrundbesitzersfobn Bischitz mit einem Gendarmen nach Agram in Ketten führen ließ, wurde wegen Mißbrauch der Amtsgewalt von der Staatsanwaltschaft in Agram auf 14 Tage Arrest verurtheilt. Argus. Nr. 9 Frankfurt a. M., 16. Februar. Hätte es noch eines Beweises bedurft, das; die antisemitische Partei auch den letzten Funken von Anstandsgesühl verloren hat, so würde dieser Beweis schon mit dem folgenden Artikel der „Frankiurter Post" zu führen sein, welcher sich mir den bekannten „Schmäh- und Drohbriefen" besaßt, die in der Presse bereits erwähnt worden sind. Was der „Deutsche Verein" in seinem „Preisausschreiben" nur verblümt andeutet, daß zweifellos die Juden die Urheber jener antisemitischen Sclimähbriefe seien, spricht der erwähnte Artikel mit unglaublicher Frechheit aus. Wir entnehmen demselben folgende, auf die Briefe bezüglichen Stelle» : „Die sogenannten antiseinitischen Schmähbriefe beschäftigen noch immer die Oesfentlichkeit in unserer guten Stadt. Leider ist es bisher nicht gelungen, das Dunkel, das über dem. Verfasser schwebt, zu lichten. Gleich den Herren Voigt und Gleiber gibt sich auch der Deutsche Veretn alle Muhe, zur Aufklärung der Angelegenheit öeizutragen. Man hat sich unter Beihilfe der judendienerischen Presse daran gewöhnt, von antisemitischen Schmähbriefen zu -prechen. Was will man damit sagen? Soviel wir wissen, waren die Briefe nicht an und gegen Juden, sondern ausschließlich an und gegen Deutsche gerichtet, und zwar gegen solche, die man für Judenfreunde hielt. Was soll also die Bezeichnung „antisemitische Schmähbriefe" Oder will man den Glauben erwecken, daß der Urheber nothwendigerweise nur ein Antisemit sein könne? — Wir unsererseits müssen gestehen, daß wir von Anfang an der Ansicht wareu und auch jetzt noch daran festhatten, das; nur ein Orientale die Briese versaßt oder veranlaßt haben kann. Die chnische Ausdruckswelse, die dürftige GZiiniuiigsart, die sich in den kläglichen Machwerken ausspricht, die nicht unbeträchtliche Geldonsgabe—weisen sie nicht auf einen Angehörigen des Volkes hin, dem alle Mittel recht sind, um die edle, deutschnativnale, von idealer Begeisterung getragene antisemitische Bewegung zu verunglimpfen und zu schädigen? Die Juden haben es in der politischen Brunnenvergiftung soweit gebracht, daß man ihnen auch die Abfassung „antisemitischer Schmähbriese" zutraueu kann." Indem wir diese antisemitische journalistische That ohne weitere Commentirung tiefer hängen, haben wir noch eine weitere „That" zu melden. Mit einem Briefumschlag des „Hotel Kölner-Hof", auf welch' Ersterem der antisemitische Gruß „Heil" prangte, cihult das hiesige Bureau des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" eine Nummer der „Frankfurter Post", in welcher der obenerwähnte Artikel mit Blaustift eingerahmt war. Blau ist die Lieblingssarbe der Antisemiten. Auch die Schmäh- und Drohbriefe zeigten zahllose Linien dieser edlcn Farbe. Dem Briefe lag eine jener witzlosen grünen „Eisenbahn-Fahrkarten" des „Kölner-Hoses" bei. Darmstadt, 15. Februar. Ju der zweiten hessischen Kammer ist bei der P r ä s r d e n t e n w a h l ein Zwist in der 11 atioit (illiberalen Partei ausgebrochen. Die Partei hatte als stärkste Fraction das unbestrittene Recht, den ersten Präsidenten zu stellen. Die älteren Mitglieder unter Führung Osann's wünschten den bisherigen zweiten Präsidenten, Abg. Wolfskehl. Eine andere Richtung schlug den Abg. Haas vor und siegte in der Fractivlisabstimmung mit einer Stimme Mehrheit, worauf Wolfskehl seilt Mandat niederlegte. Er begründet das in einem Schreiben an das „N. Hess. Volksbl." mit einem Vorgang innerhalb der nationalliberalen Fraction, der es ihm leider unmöglich mache, dieser Fraction länger anzugehören und mit ihr gemeinsam lveiter 31t arbeiten. Ein Verbleiben in der Kammer als fractionsloses Mitglied entspreche eben so wenig seilten eigenen Anschauungen und Wünschen, wie den Interessen seiner Wähler. Dem Vernehmen nach soll man Wolfs kehl mit Rücksicht aus seine Eigenschaft als Jude haben fallen lassen. Daraus erklärt sich auch der Jubel de r Antise m i t e n. So ruft die „Deutsche Wacht" aus, der antisemitische Gedanke habe in der zweiten hessischen Kammer einen ungeahnten Sieg errungen. Ueber die Vorgeschichte dieses „Sieges" schreibt das Blatt noch: Herr W 0 l f s k e h l wurde allen Gruppen, auch der antisemitischen Vereinigung, als erster Präsident vorgrschlageu, fand seitens aller Parteien Zustimmung mit Ausnahme der Antisemiten, deren principieller Gegnerschaft unser Landtagsabgeordneter Köhler Ausdruck verlieh. Nun wäre es doch unter allen Umständen Pflicht der nationalliberalen Kammerfraction gewesen, mit aller Energie, trotz dieser Absage der Antisemiten, für ihren langjährigen zweiten Präsidenten und ihr in der That hochverdientes Mitglied W 0 l s s k e h l einzutreten. Aber sie gaben diesen Mann, eine hervorragende Zierde ihrer Partei — das muß selbst jeder Gegner ausrichlig zugestchcn — ohne jede Kampfesprobe preis und opferten ihn dem von den Antisemiten in Vorschlag gebrachten Krcisrath Haas von Ofscnbach, welcher von 45 Stimmen 42 auf sich vereinigte, während 2 Stimmen auf Herrn W 0 lfskeht fielen. Herr W 0 l f s k e h l war dem Judenthum vollständig entfremdet, seine Kinder führte er zur Taufe, das hat ihn nicht , zu schützen vermocht, als „Jude" boycvttirt zu werden. Vr. Vloch's Wochenschrift

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