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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-26 · 9 (26.2.1897) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Vloch's Wochenschrifl Seite 189 - Volksvereines zu dem Resultate, daß speciell die Wählerschaft, ohne sich mit ihrer Zugehörigkeit zu der einen oder zu der anderen Partei zu binden, die Wahlen lediglich nach der besten persönlichen E i g n n n g der Mandats- Werber vornehmen solle, da nur die Personen nach ihrer bewährten Tüchtigkeit und Charakterstärke und nicht die wortreichen Parteiprogramme entscheidend seien. (Allseitige Zustimmung.) In diesem Sinne habe der Vorstand des Politischen Volksvereines sich schon derzeit für die Empfehlung der Wahl der früheren, nach allen Richtungen hin bewährten Abgeordneten Nos ke und Kronawetter entschieden und behalte sich die Entschließung bezüglich der beiden anderen Mandate der Inneren Stadt noch vor, bis eine Uebersicht über sämmtliche Caudidaturen möglich sein werde. (Lebhafter Beifall.) Bezüglich des Verhaltens in der V. Curie sei der jüdischen Wählerschaft zu empfehlen, dort, wo den socialdemokratischen Candidateil lediglich der antisemitische Gegencandidat gegenüberstehe, die Ersteren zu unterstützen, wo jedoch zugleich ein bürgerlich-freiheitlicher Candidat auftrete, diesem Letzteren die Stimme zuzuwenden; desgleichen sei bei socialdemokratischen Caudidaturen in den StÜdtecurien dem bürgerlich-freisinnigen Candidaten der Vorzug zu geben. An dieses Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte, in welcher Dr. L i p s ch ü tz für die deutsch-fortschrittliche, Doctor Meitner für die socialpolitische, Dr. Kadisch für Candidaten der „nationalen, confessionellen und socialen Gleichberechtigung" eintraten, während die Herren Dr. Bloch. Oberlehrer Schulhof, S t e r u b e r g und Brill im Sinne des Referenten für die Auswahl der besten Candidaten schlechtweg und womöglich für eine Einigllng der beiden Fortschrittsparteien eintraten. Die Debatte zusammenfassend, hielt der Vorsitzende Doctor Fialla eine erschöpfende Schlußrede, in welcher er speciell bezüglich der socialdemokratischen Partei betonte, daß dieselbe in ihrer Stärke und Consequenz wohl jeden überzeugte n Parteigenossen hochschätze,. einen Zuzug von Wählern jedoch kaum verlange, welche, ohne sich mit dem Parteiprogramme zu identisieiren, lediglich nur um eines Specialpunktes willen, nach Art von Ueberliiufern, nunmehr auch bei dieser Partei ihr Heil suchen wollen. (Stürmischer Beifall.) Die Versammlung schloß unter voller Zustimmung zu beit Vorschlägen des Referenten in vorgerückter Nachtstunde. Baden, 18. Februar. (Act von Rohheit.) In dem hiesigen Herzogsbade weilt gegenwärtig zum Curgebrauche eine Wiener christliche Familie, Namens T r e l l i n g e r; ein Söhnchen derselben wurde nun am vergangenen Montag von einem hiesigen Buben, der dasselbe für ein I u d e n k i n d h i e l t, attaquirt und mit Schneeballen, die Steine e n thielten, beworfen, wovon einer derselben das arme Kind derart unglücklich an der Stirne traf, daß es blutüberströmt nach Hause gebracht und die Wunde zusammengenäht werden mußte. Das betreffende Kind kann von Glück sagen, daß der Wurf nicht das Auge getroffen hat, das sonst unrettbar verloren gewesen wäre. Prag. In einer Versammlung des politischen Verbandes der c z e ch i s ch e u Jude n wurde darauf hingewiesen, die czechische Judenschaft, welche b:.: Jnngczechen so oft zum Siege verholfen, müsse daraus besteh'n, daß ihr die jungczechische Parteileitung ein Mandat einräume. Der Ausschuß empfehle den ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Zucker als Candidaten. In der Debatte wurden die Jnngczechen, insbesondere Brzezn v v s ft), so hart angegriffen, daß Landtagsabgeordneter Scharf, welcher die Bertheidigung versuchte, aus dem Ausschüsse und aus hem Verbände austrat. Spät nach Mitternacht, nachdem fast sämmtliche Theilnehmer sich entfernt hatten, wurde Doctor Zucker als Candidat aufgestellt und eine Resolution beschlossen, welche den Candidaten verpflichtet, zum staatsrechtlichen Programnie zu halten und dem czechischen Reichsrathsclub beizutreten. Neubistrich, 23. Februar 1897. Bei der heutigen Wahl in die Y. Curie wurden in Folge starker Agitation die antisemitischen Wahlmänner mit großer Majorität gewählt. Natürlich wurde dieser Anlaß, zu Schimpfereien gegen die Juden, welche ja den wirksamsten Köder dieser Gesellschaft abgeben müssen, weidlich ausgenützt. Johann Grausam und sein Genosse Dr. Miller riefen: „Wehe Euch Juden, Ihr müßt Alle aus Oesterreich fort." Marienbad, 16. Februar. Das hiesige israelitische Curhospital, welches der Mnnificenz jüdischer Curgäste sein Entstehen verdankt, wurde im Jahre 1861 der Oeffentlichkeit übergeben und hat seit jener Zeit nahezu zweitausend jüdischen Curgästen Marienbads den Curaufenthalt daselbst unentgeltlich vermittelt. Diese Anstalt wird alljährlich am 15. Mai eröffnet und gewährt den Pfleglingen derselben freie Wohnung, Verköstigung, ärztliche Behandlung, Bäder, Medicamente, kurz alle Bedürfnisse des Curgebrauches ohne jedes Entgeld. Jeder Bewerber um einen Freiplatz hat im Laufe des Monates März ein stempelfreies Gesuch einzubringen, denk ein ärztliches Attest, sowie ein Mittellosigkeitszeugniß von der zuständigen jüdischen Cültusgemeinde beiliegen muß. Vorsitzender der Direction ist gegenwärtig Herr Dr. Ludwig B e n d i e n e r, Landesadvocat in Prag, Jungmannsgasse 41 neu, an den die Gesuche zu adressiren sind. In der vorletzten Nummer der „Wochenschrift" vvm12. Februar habe ich mit Staunen ein Schreiben der Schriftstellerin Frau Ebner v. E s ch e n b a ch gelesen, in welchem dieselbe den Juden vvrhält, daß sie jeder schweren Arbeit sich entziehen und nur zusehen wollen, wie Andere schwer arbeiten. Es ist nicht gut thunlich, einer Dame gegenüber harte Worte zu gebrauchen, wie sie es einer solch ganz unberechtigten Beschuldigung gegenüber verdienen würde. Hier sind verhältnißmäßig wenig Inden, und selbst die christliche Bevölkerung arbeitet wie in den meisten Curorteu nicht schwer. Aber unter den Taglohn-Arbeitern, welche bei der hiesigen Stadtgemeinde in Verwendung stehen, befindet sich ein Jude Namens Strauß, welcher wegen seines Fleißes lind seiner Tüchtigkeit zumeist als Vorarbeiter verwendet wird, und die schwierigsten Partien bei den Canalgrabklugen wurden diesem jüdischen Taglöhuer zugewieseu. Wegen dieser seiner vorzüglichen Verwendbarkeit bei den verschiedenen städtischen Arbeiten wird derselbe von seinen Mitarbeitern sehr verfolgt, so daß er von dem städtischen Bauleiter vor Insulten geschützt werden muß. Ich könnte noch andere, weit gründlichere Beweise gegen jene leichtfertige Behauptung Vorbringen, aber ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß es allen diesen Leuten nicht um Wahrheit zu tlmtt ist, sondern jeder solcher Scribeut will die Niedertracht des Antisemitismus wenn nicht ganz rechtfertigen, so doch mindestens erklärlich machen. Die vacante Stelle eines Rabbiners und Religionslehrers bei der hiesigell israelitischen Gemeinde wurde dem Absolventen sein neues Amt. PH. 8- Krakau. Die in Ihrem werthen Blatte gebrachte Nachricht über die Candioatur in den Reichsrath des Advocaten Dr. H o r v w i tz, Präses der hiesigen Cültusgemeinde hat hier allgemein befriedigt, da diese in Anbetracht der Sympathien, deren sich Herr Dr. H o r o w i tz erfreut, Aussicht auf Erfolg hatte. Leider hat Herr Dr. H o r o w i tz in Folge schwacher Gesundheit seine Candidatur zurückgezogen und sich dieser Tage für einige Monate zur Erholung nach dem Süden begeben. Die Abreife des Dr. H o r o w i tz ist angesichts der Wahlen, wo die Juden schwere Pflichten zu erfüllen haben, umso lebhafter zu bedauern. Die Leitung der hiesigen Cültusgemeinde hat nun der Bicepräsident derselben Herr Hirsch Landau übernommen. Graz, 22. Februar. (Antisemitische Studenten vor dem A p p e l l s e n a t e.) Wie vor Kurzem berichtet wurde, hatten sich die Mediciner Carl H i r z e g g e r, Heinrich und Carl Hage r unter der Anklage der Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre vor denk Bezirksgerichte zu verantworten. Hirzegger hatte in einer Sitzung des Studentenball-Comites gesagt, „er finde es sehr bedauerlich, daß ein Judenstämmling im Comite sei", und bezeichnet^ als diesen den 8tuä. phil. Ferdinand Ritter von A r l t. Die Brüder Hager erklärten als Vertreter Hirzegge r's den beiden Vertretern Herrn von A r l t's, Oberlieirtenant Ritter von Ferro und Lieutenant D o s e r, daß Angehörige einer antisemitischen Burschenschaft Judenstämmlingen keine Satisfaction geben. Herr von Arlt klagte die genannten Studenten, der Richter erster Instanz sprach sie frei, weil der Animus injuriandi gefehlt habe. Der Appellsenat hob ' i

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