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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-26 · 9 (26.2.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Vloch's WvchrnschrM Seite 187 angedeuteten Sinne, würde die jüdische Solidarität in der edelsten und segensreichsten Form zum Ausdruck gebracht werden; ohne stramme Organisation aber, ohne wirkliche Regelung der Cultusverhältuisse seitens einer verständigen einsichtsvollen Oberleitung müßte, wenn nicht gerade Wunder geschehen, der religiöse Verfall unvermeidlich sein. Mit der Niederschrift der Mischnah war das Synhedrialinstitut überflüssig geworden; die Thora war weder int Himmel noch jenseits des Meeres, sie war eben überall, ihr Geist durchdrang alle Schichten der jüdischen Gesellschaft. In seiner Eröffnungsrede des Gemeindebundes hat auch Herr Dr. B e nd i e n e r mutatis mutandis diesen Gedanken so geistreich betont. Unter den obwaltenden Zuständen aber wäre es wohl wieder an der Zeit, durch eine Centralbehörde dafür Sorge zu tragen, daß die Thora, der Geist der jüdischen Religion, nicht ganz entschwinde. Eine Militärerinnerung. Es ist schon eine geraume Zeit seither verstrichen, als ich in ein österreichisches Feldartillerie-Regiment eingereiht wurde und mich mit allem Eifer bemühte, nicht nur in die Geheimnisse des Artillerie-Unterrichtes einzudringen, sondern mir auch die praktische Verwendbarkeit auzueignen. Meine Brust war damals von den frohesten Hoffnungen geschwellt, und als ich nach der allgemeinen Reerutenabrichtung zur höheren Ausbildung in die Regimentsschule (Unterofficiers- Bildungsschule) abgeschickt wurde, gelang es mir, die vollste Zufriedenheit meiner Lehrer, lauter brave, tüchtige Officiere, unter dem Commando eines gerechten und liebenswürdigen Hauptmannes, einer idealen Soldatengestalt, zu erwerben. Ich war bald einer der Vorzugsschüler und wurde noch in der Regimentsschule Oberkanonier. Meine Einrückung aus der Regimentsschule zur Batterie traf gerade mit einem gewaltigen Umsturz derselben, nämlich der Umwandlung in eine reitende Batterie zusammen. Die Batterie wurde in einen entlegenen Winkel der Monarchie verlegt, es kamen ein neuer Commandant und neue Officiere zur Batterie, auch der Mannschaftsstand wurde von anderen Regimentern ergänzt. Bald sollte ich jedoch fühlen, daß ich meinem Zugscvmmandanten, einem Lieutenant, nicht sympathisch war, bemühte mich daher umsomehr, keinen Tadel zu verdienen — doch vergebens. Ich darf es ohne Ueberhebnug sagen, daß ich sowohl bei meinen Kameraden, als auch bei den Unterofficieren beliebt war und entging es denselben auch nicht, daß der erwähnte Officier niich bei jeder Gelegenheit zu demüthigen suchte. Doch von welch fanatischem Haß derselbe erfüllt war, läßt sich ans folgender Scene ersehen. Wir waren eben auf Reitschule und' da wollte mein Pferd.nicht in die Ecken derselben, worauf ich dem Pferde einen leichten Schlag mit dem Reitstocke auf die betreffende Schulter, nach welcher Seite es drängte, versetzte. Der Lieutenant bemerkte dies und rief mich zu sich in die Mitte der Reitschule. Als ich herbeigeritten war, nahnr er mir den Reitstock aus der Hand, forderte mich auf, mich zu ihm zu neigen, nahm mich beim Ohr und sagte, indem seine Augen vor Haß sprühten und er mit meinem Reitstocke meine Hände, während ich die Ziigel hielt, bearbeitete: „Sie elende Bestie, Sie unterstehen sich, ein Pferd zu schlagen, ein Pferd! das so hoch über Ihnen steht — Sie gehören ja einer Race an, die nicht werth ist, unter die Thiere eingereiht zu werden, ich werde das zehnfach an Ihnen vergelten." Mir war das Blut in den Adern erstarrt, ich war keines Gedankens fähig, und als mir der Officier meinen Reitstock zurückgab, zuckte es mir in den Fingern, als sollte ich ihm denselben ins Gesicht schlagen, doch im selben Augenblicke gewann auch schon die Vernunft Oberhand; dieses Vorgehen wäre mein Untergang gewesen, denn der Officier hätte dann die Pflicht gehabt, mich sofort niederzumachen. Hätte ich aus Rohheit das Pferd geschlagen, so wäre der Zorn, jedoch niemals eine solche Aeußerung des Offieiers zu entschuldigen, doch bin ich nichts weniger als roh gegen Thiere und gebrauchte diesen leichten Schlag nur als Correctur, vielleicht nicht am rechten Platze, dann hätte eben eine Belehrung erfolgen sollen. Mein Entschluß war gefaßt. Daß ich beim Batterie-Commandanten kein Gehör gefunden hätte, wußte ich, und was hätte mir auch eine Beschwerde in der Abtheilung selbst genützt? Das Ende wäre eine Verzweiflungsthat gewesen, wie es leider so ost vorkommt. Ich mußte entfliehen, um meine Beschwerde höheren Ortes Vorbringen zu können. Noch am Tage nach der geschilderten Scene entfloh ich. Ich verließ Nachts den Ort, um zu Fuß die fünf Stunden entlegene Eisenbahnstation zu erreichen. Zeitlich Früh mit dem ersten Zuge reiste ich bereits in die Stabsstation, wo ich mich Mittags gleich nach meinem Eintreffen beim Platzcommando meldete und auch den Grund meiner Flucht angab. Natürlich schenkte man mir keinen Glauben und übergab mich an mein Regimeuts-Cvmmandv, welches mit mir ein Protokoll aufnehmen ließ und mich dann in Präventivhaft setzte. Am anderen Morgen wurde ich vor den Regimentschef geführt, welcher das mit mir aufgeuommene Protokoll zur Hand nahm und mir begreiflich machen'wollte, daß die Aussagen viel zu schroff, zu eckig sind, mir jedoch empfahl, ich müsse meine Aussagen etwas „abrunden", denn — zugegeben, es wäre wahr — so würde doch kein Untergebener gegen seinen Vorgesetzten solch' schroffe Anklagen bezeugen. Ich verwahrte mich natürlich gegen jede „Abrundung" und Aenderung meiner ersten und wahrheitsgetreuen Aussage, selbst auf die Gefahr hin, feinen Zeugen zu finden, worauf mir der schlaue Regimentsgewaltige, der mich in Widersprüche verwickeln wollte, die gerichtliche Untersuchung androhte. Doch dies war es gerade, was ich sehnlichst herbeiwünschte und bat rasch darum. Ich wurde wieder in Präventivhaft gesetzt. Aus dem Arrest gelang es mir, einen vollständigen Bericht meiner That und deren Gründe an meinen alten Vater «nebenbei bemerkt, ein Patental-Jnvalide mit fast 20 Militär - Dienstjahren), der in Wien lebte, gelangen zu lassen, mit der Bitte, er möge von höchster militärischer Instanz aus eine Untersuchung meines Falles anstreben. Es gelang, ich wurde in gerichtliche Voruntersuchung auf freien Fuß gesetzt und in der dortigen Garnison einer Batterie in Diensteszutheilung gegeben, wo ich zufällig und glücklicherweise zur Batterie meines ehemaligen Regimentsschul-Commaudanten, dieses gerechten und guten Mannes, eingetheilt wurde. Die Untersuchung wurde gründlich durchgeführt, fast die ganze Mannschaft meines Zuges wurde nach und nach als Zeugen zum Gericht einberufen und dürsten wahrscheinlich doch meine Anssagen bestätigt haben, denn ich kam, trotz der Drohung des Auditors, falls nur eine meiner Aussagen nicht bestätigt würde, auf f> Jahre Festung, mit einer geringfügigen Disciplinarstrafe, wegen eigenmächtiger Entfernung aus der Station davon. Gegen den Officier jedoch wurde die llnterfnchung eingeleitet und dürfte ihn auch der strafende Arm der Gerechtigkeit ereilt haben. Nach Abbüßung meiner 7 Tage verschärften 'Arrestes wurde ich wieder vor den Regiments - Commandanten gestellt, welcher mir verkündete, daß ich, nachdem ich die Sache auf die Spitze getrieben und nun meine Strafe verbüßt habe, wieder zn meiner detachirten Batterie abgeschickt werde und er werde das Nöthige schon im Regimentsbefehle veranlassen. Meine erste Arbeit nach diesem Rapporte war, wieder an meinen Vater zn schreiben, daß er meine Transferirung zu einem anderen Regimente bei der gleichen militärischen Stelle erbitte. Dies gelang zwar nicht, doch wurde ich zu der Batterie, bei der ich in Diensteszutheilung war, transierirt und sah die Batterie, von der ich entfloh, nie mehr wieder. Ich blieb bei meinem gütigen Hauptmann, der mich in der Folge wiederholt zur Beförderung vorschlug, doch vergebens. Mein Hauptmann erlitt einen Unfall, lvard monatelang krank und führte ein Anderer das Commando in Stellvertretung. Ich weiß nicht, welche Folgen hieraus für mich hätten entstehen können, doch wurde ich vlötzlich in die Verbannung, nämlich zu einer Gebirgsbatterie nahe der Grenze Montenegros geschickt. Ter äußerst strenge Commandant dieser Batterie hielt mich. Anfangs nach der mir vvrausgesandten Cvndnitbe'chreibnng für einen unverbesserlichen Sträfling, mit dem man oben beim Regimente nicht mehr auskommen konnte und emviing niich dementsprechend.

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