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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-02-26 · 9 (26.2.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
9 (26.2.1897)
Date
1897-02-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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•■ynffwaa.THVcT r tim 11 r i~irn i üihmwii ,, i| i Seile 186 nie ein Vater väterlicher gehandelt hat, als er an seinen Geschwistern und Verwandten, und wenn wir uns ein Verhältniß vorstellen wollen, auf welches in vollstem Maße das Wort des Psalmisten sich anwenden läßt: „Siehe; wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder beisammen wohnen", so brauchen wir nur daran zu denken, wie er und sein älterer Bruder eines Herzens und eines Sinnes waren und nur in dem Bestreben wetteiferten, durch ihre Sorgfalt das Leben der Schwestern und Angehörigen sorgenlos zu gestalten. Aber die edlen Frauen haben auch das Ihrige, gethan, die Liebe des Bruders zu vergelten, und ihrer Fürsorge ist es zu danken,daß er so alt geworden ist. Nun ist er dahingegangenund eine leuchtende Spur bezeichne! sein Erdenwallen. Wie sein ganzes Leben dem Lichte zugewandt war, so schwingt er sich aus zunr Lichte, zum Frieden und zur Seligkeit. Dem Gemeindebund in Böhmen zur Erwägung. Bon Dr K. T h i e b e r g e r, G.-Jenikau. Das Manometer läßt uns auf einen normalen oder unregelmäßigen Stand der Dampfmaschine einen ziemlich sicheren Schluß ziehen. Eine gut geleitete Zeitschrift kann wohl auch mit einem verläßlichen Manometer verglichen werden, welches den Stand, die Bewegung und Entwicklung eines Volkes sowohl in cultureller, als auch cultueller Beziehung mit großer Wahrscheinlichkeit erkennen läßt. Speciell in der „Oesterreichischen Wochenschrift" findet man stets Helle Streiflichter, welche die Culturvxrhältnisse der Judenheit reslectiren. Aus einzelnen hin und wieder in diesen Blättern zu vernehmenden Stimmen aus Böhmen, tönt es oft deutlich genug hervor, daß so Manches faul sei im Staate Dänemark. Es hieße in der That die Augen gewaltsam verschließen, wenn man nicht bemerken wollte, daß bei uns zu Lande ganz besonders das Judenthum auf eine abschüssige, abwärtsrollende Bahn gelangt sei und daß die äußere Regelung nur noch mehr innere Verwirrung hervorgerufen habe. Die Unkenntniß und Verkennung des Judenthums und die dadurch bedingte, vielbeklagte Gleichgiltigkeit aller jüdischen Angelegenheiten, haben seit dem Jnslebentreten der neuen Judenordnnng wohl nicht abgenommen. Wir können aber, gestützt auf die Geschichte im Allgemeinen und die Geschichte des Judenthums int Besonderen behaupten, daß das Volk im engeren Sinne des Wortes sowohl zum Guten wie auch zum Bösen leicht geleitet werden kann; es kann sich ebenso leicht durch schlaue Statthalter von dem äußeren Glanze einer syrisch-griechischen Scheinbildnng blenden lassen, als es sich durch treue Makkabäer für die höchsten Wahrheiten seines Glaubens zu begeistern vermag. Und so wäre denn auch bei uns ein Umschwung zum Besseren bald möglich, wenn es an einer strammen Führung und an einheitlicher Organisation der Gemeindeverhältnisse nicht fehlte! Es ist klar, daß vor Allem für die Bildung und Erhaltung einer befähigten, berufssreudigen Beamtenschaft Sorge zu tragen wäre. Um aber solche Culrusbeamte heranzuziehen, um nicht die religiöse Erziehung der Jugend, wie die Leitung der religiösen Angelegenheiten der Gemeinde Lückenbüßern zu überlassen, wäre unbedingt ihre Stellung nicht allein materiell zu verbessern, sondern — und darauf wäre das Hauptgewicht zu legen — gesicherter, unabhängiger zu gestalten. Kann man sich darüber wundern, daß nur der im Leben Schifibruch Gelittene sich dem Lehrerstande widmet, wenn inan bedenkt, daß ein Lehrer in der Regel 6—7 Stunden öffentlich und noch einige Stunden täglich privat unterrichten muß, um bei einem auch nicht großen Familienstande seinen Lebensunterhalt fristen zu können. Noch viel trauriger aber ist der Umstand, daß der jüdische Beamte überhaupt, im Gegensatz zu dem Staatsangestellten, im umgekehrten Verhältnisse mit der Zunahme an Jahren im Werthe sinkt, und sind auch schon Fälle vorgekommen, daß der Lehrer, nachdem er seine beste Kraft dem Gemeindewohl geopfert, brotlos geworden ist, wenn er sich etwa die Gunst eines einflußreichen Gemeindemitgliedes verscherzt hat. Bei eintretender Invalidität bleibt ihm der Trost, einen „Aufruf an edle Menschenfreunde" ergehen lassen zu können. Nr. 9 Nicht viel heiterer ist das Los des Rabbiners. Von den 197 Gemeinden Böhmens sind blos ca. 40 in der Lage, selbstständige, theologisch gebildete Rabbiner anzustellen. Die übrigen Gemeinden sind gezwungen, 3 oder 4 Aemter in eine Hand zu vereinigen und selbst dann sind die derart Ueberbürdeten nicht gerade auf Rosen gebettet.*) Von den nur als Rabbiner Fungirenden sind — die Landeshauptstadt nicht mit einbezogen — annähernd nur 10 Gemeinden in den Verhältnissen, ihre Rabbiner standesgemäß zu versorgen, die übrigen müssen mit einem Gesammteinkommen, i welches der Gehalt eines auch nur mittelmäßig besoldeten Handlnngsreisenden sicherlich nicht überschreitet, ihr Auslangen finden. Wäre es nicht ein Act ausgleichender Gerechtigkeit, wenn gewisse uniforme Gehaltsclaffen, conform den Classen der Staatsangestellten — natürlich auch mit Berücksichtigung der örtlichen Theuerungsverhältnisse — eingeführt würden! Würde nicht durch einen solchen Modus dem unwürdigen, unter obwaltenden Umständell aber leicht zu begreifenden, wenn auch nicht zu entschuldigeudeu Streberthum und Protectionswesen ein Damm entgegengesetzt werden? Aber wie soll das ermöglicht werden! Zunächst soll noch ein für das religiöse Gedeihen der böhmischen Judenheit höchst wichtiger Umstand erörtert werden. Es ist Thatsache, daß einzelne für Industrie und für den allgemeinen Verkehr günstig gelegene Ortschaften allmälig zu großen jüdischen Gemeinden (wie überhaupt zu großen Städten) heranwachsen, daß aber die bei weitem größere Mehrzahl der Mittelgemeinden in steter Abnahme begriffen ist. Es ziehen aber in der Regel nur die Reichen nach der Großstadt, während blos einzelne Wohlhabende, welche durch die Eigenart ihres Handels oder Gewerbes an ihren Wohnort gebunden sind und der Mittelstand zurückbleibt, denen nun die Gemeindelasten, die Unterstützung der Ortsarmen, von denen die älteren Gemeinden uuverhältnißmäßig stark belastet sind — allein zufallen. Ist es dann ein Wunder, wenn eine derart belastete Gemeinde auf jede nur mögliche, wenn auch übel angebrachte Art zu sparen versucht; kann man es einer Gemeinde verargen, die, auch das Unschickliche und Unzweckmäßige einsehend, dennoch der Noth gehorchend, den Rabbiner, Chasan, Lehrer, Schochet in einer Person anstellt? Denn ohne Täuschung? Eine große Anzahl, um nicht zu sagen die bei weitem größere Hälfte der neu creirte» Cultusgemeinden sind thatsächlich außer Staude, für ihre Cultusbedürfnisse Sorge zu tragen. Freilich je länger folche Zustände andauern, desto mehr schwinden auch scheinbar die Bedürfnisse nach allen zur Erhaltung des jüdischen Cultus nothweudigen Anstalten und geeigneten Personen. Diesen gänzlichen, religiösen Verfall zu verhindern, könnte unserer Ansicht nach nur einer jüdischen Centralbehörde gelingen, welche für das Judenthum begeisterte, mit hinlänglichen Kenntnissen ausgerüstete, mit Tact und organisatorischem Talente begabte Männer zu ihren Mitgliedern zählte. Von dieser Centralbehörde müßte die Erhaltung, beziehungsweise Errichtung aller Cultusanst alten, sowie die Anstellung und Besoldung der Cultusdiener ausgehen. Eine solche Behörde aber existirt bereits in Böhmen in dem Gemeindebund, und brauchte dieser blos seinen Wirkungskreis zu erweitern (die einzelnen Gemeinden werden sich gewiß, dem Wohle der Gesammtheit zuliebe, gerne eine solche Obervormundschaft gefallen lassen) durch Delegirte aus jeder Cultusgemeinde, die Cultussteuer im Verhältniß zur G e s a m miau s l a g e gleichmäßig vertheilen und einheben. Damit würde aber auch eine gerechtere und sichere Basis für die Auftheilung der Cultussteuer gefunden worden fein. Denn man bedenke nur, daß ein sogenannter Mittelmann in einer kleineren Gemeinde oft 4 bis ömal soviel an Beträgen leisten muß, als bei gleichem Vermögensstand ein Mitglied in einer Großgemeinde, dabei muß ' er immer noch, wie wir bereits angedeutet, darauf verzichten, i seine religiösen Bedürfnisse voll befriedigt zu sehen. « Ich erinnere mich eines höchst interessanten Vortrages zu I Gunsten der Wiener Allianz, den der Präses der Prager Cultus- I repräsentanz, jetzt auch Präsident des Gemeindebundes, Herr : Dr. Rosenbacher' vor mehreren Jahren gehalten, in welchem er i in trefflicher Weise unter Anderem über jüdische Solidarität I sprach. — Durch die Bethätigung des Gemeindebundes in dem *) Es ist interessant, der Vergleich mit Mähren, welches ungefähr halb so viel jüdische Einwohner zählt wie Böhmen, nur ein Viertel so viel Cultusgemeinden besitzt, von denen sehr viele überdies erhebliche Unterstützungen vom Landesmassafond alljährlich beziehen. Dr. Vlvch's Wochenschrift

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