Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 9 (26.2.1897)
- Date
- 1897-02-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 9 Dr. VLorh's WochrntchrM Seite 185 das Reich eines Märchenzaubers retten und dabei glücklich sein kann, es handelt sich um Ihre unglücklichen Altersgenossinnen, meine jungen Damen, mit dem Willen zum Leben, mit dem Anspruch an das Leben wie Sie. Vereinigen Sie sich mit mir in dem Rufe: Herbei Ihr Tausende von glücklichen jungen Mädchen, die Ihr allabendlich die Ballsäle füllt, stellt Euch in Reih und Glied mit uns, es gilt Euren armen, kranken Mitschwestern zu helfen, denen jetzt Haß und Unduldsamkeit das ohnehin schon kärglich zugemessene tägliche Brot noch mehr geschmälert haben, tragt Euer Scherflein bei zur Aufbesserung ihres Loses! Das „Ferienheim" will ein Haus bauen für seine erholungsbedürftigen Kinder; dieses Hans, es muß weit und groß sein, es muß auch Platz haben für die erholungsbedürftige Arbeiterin. Tragt Steine herbei zu diesem Bane, Ihr Mädchen, denen Gott Gesundheit und heiteren Lebensgenuß zum Geschenke gemacht hat! Alle sollt Ihr beitragen, denn es m u ß etwas geschehen für unsere Sclaven der Arbeit. Rosa Feigen bau nt. Zum Andenken an Julius Stern. Denkrede des Rabbiners Doetor Schmiedl gesprochen im Tcauerhause an der Bahre des verewigten Herrn Julius Stern am 11. Februar (9. Adar). Gerade diese Woche lesen wir im Schriftabschnitte das Capitel von dem Ner Tomid, der „Ewigen Lampe", von dem Lichte, das nie verloschen, sondern ewig im Heiligthnme Gottes sortleuchten solle. Doch auch jeder edle, hochsinnige Mensch, der durch sein Leben und Wirken weit über das Niveau des Alltäglichen hinausragt, zündet sich ein Licht an, das niemals verlischt, sondern selbst wenn diese Spanne Zeit, die wir Menschenleben nennen, längst zu Ende ist, noch immer nimmt und freundlich sortlenchtet in den Herzelt und int Angedenken Aller, die seinem Leben nahegestanden und die sein edles, ideales Streben und Wirken gekannt. Und in der That, eine solche hochsinnige, durch seltene Klarheit des Verstandes, durch vielseitige und hervorragende Bildung des Geistes — ja geradezu als Koryphäe in einem weiten Felde menschlicher Wissenschaft — aber ebenso auch durch mannhafte Entschiedenheit des Charakters sich anszeichitende Persönlichkeit war der nunmehr aus unserer Mitte scheidende, verewigte Herr Julius Stern s. A. Indessen in der ewigen Lampe, von der das heilige Schrittwort rtns redet, waren es ja eigentlich zwei Factoren, die zusammenwirken mußten: die hellstrahlende Lichtfla mme und zugleich das edle, sanfte, milde Olivenöl. Und so sind es auch im Menschen zwei mächtige Factoren, die sein innerstes Wesen gestalten und seinen Gang dnrch's Leben kennzeichnen. Mögen sie auch zuweilen als Gegensätze erscheinen, so wird doch nur ihr harmonisches und inniges Zusammenwirken, ja nur ihre vereinte Kraft den Menschen thatsächlich über das Niveau der niederen Lebensregionen weit und hoch hinausheben. Wir nennen die zwei Factoren: den hellleuchtenden G e i st ttnd das tveiche, edle G e m ü t h. Und so war thatsächlich der Verewigte zugleich auch ein warmfühlendes, tvohlwvllendes Herz, so daß er im großen Kreise seiner geschäftlichen Thätigkeit selbst den Geringsten und Kleinsten liebevoll und dienstbereit entgegenkant, deren Interessen mit warnten Herzen förderte und sich ihnen nützlich und segensreich zu machen strebte. Ein überaus treuer und zärtlicher Sohn seiner durch ihre Frauenklugheit und Biederkeit unvergeßlichen Mutter, hing er auch mit tausend Fäden der rührendsten brüderlichen Liebe an seinen Geschwistern, Neffen und Nichten. Die beiden hochgeehrten Brüder, in ihrem beiderseitigeit edlen und idealen Streben und in ihrer gegenseitigen Liebe tutb Treue, vergegenwärtigten das bekannte heilige Wort des Psalmdichters (Ps. 133, 1)! Und unvergessen bleibe es dem Verewigten, wie er vorigen Jahres bei einem Anlasse, der ein denkwürdiges Capitel in der nun abgeschlossenen Geschichte seines Lebens bildete, durch die Mannhaftigkeit seines Charakters in entschiedenster Weise für seine Stammesgenossen mit großem Erfolge eintrat. In solchem Sinne hat der Heimgegangene sich ein Licht gezündet, das warm ttnd freundlich fortleuchtet. Zeuge dessen ist die große Trauergemeinde, die hier au seiner Bahre versammelt ist, die nicht nur durch ihre Anzahl sondern auch durch ihre Anserlesenheit sich anszeichnet und somit das Wort unserer Weisen bestätigt: „Aus der Trauer um einen Heimgegangenen wird erkannt, welche Bedeutung derselbe im Leben eingenommen". Zum Schlüsse aber zieht noch ein ergreifendes Wort unserer alten Lehrer an uns vorüber: „Als Kind tritt der Mensch mit geschlossenen H ä n d e u an das Licht der Welt, als wollte er sagen, alles, was die Erde Großes und Herrliches hat, werde ich mir erobern und in mein Eigenthum umwandeln. Als entseelte Hülle liegt er zuletzt mit o f f e n e n Händen da, als wollte er wieder sagen, nichts von all' dem Großen und Herrlichen, das ich mir erworben und angesammelt, nehme ich mit mir, ich ziehe mit leeren Händen weg. Und dennoch nein! Der edle Mensch zieht nicht mit leeren Händen fort. Ihm folgt der treue Nachruf: Tu hast Deinen Platz im Leben ehrenvoll und segensvoll ansgefüllt, Tn hast durch die beiden Factoren, Deinert leuchtenden G e i st und Dein warmes H e r z, Dir eine Lampe gezündet, die selbst in der Finsterniß der Grabesnacht nicht verlöschen und in jener höheren Heimat, an der wir mit unerschütterlichem Glauben sesthalten," fortleuchteit wird. Uttd in solchem Sinne rufen wir Dir, verklärter Meuschenbruder, den biblischen Scheidegrnß nach: Gott hat dich gegeben und Gott hat dich zit sich genommen, Gottes geheiligter Name sei gepriesen! Amen! Rede des Oberrabbiners Doetor Güdemann gehalten an der Bahre des Borseralhes Julius Stern, am 11. l. M. in der Ceremonienhalle des israelitischen Friedhofes. Nach dem diesmaligen Wochenabschnitte hatte der Priester die Verpflichtung, für ein immerwährendes Licht im Heiligthume zu sorgen. Diese Verpflichtung geht im Grunde Jeden an. Jeder ist ein von Gott berufener Priester der Menschenliebe, er soll sein Licht den Menschen leuchten lassen, um, wenn er ans der Welt geht, leuchtende Spuren seines Daseins zu hinterlassen. Aber wir wissen, wie diese Verpflichtung gewöhnlich verstPiden wird. Scheinen und glänzen wollen die Meisten, um sich in dem Glanze ihrer Persönlichkeit zu bespiegeln, aber ihr Licht leuchtet keinem Anderen, und ihr Feiler erwärmt keinen Anderen, und wenn sie aus der Welt gehen, folgt ihnen die Nacht der Vergessenheit. Nicht so bei dem Heimgegangenen. Sein Leben war wirklich die reine, ungetrübte Gottesflamme der Selbstlosigkeit, der Liebe, der Wahrhaftigkeit, der Humanität, eine Flamme, die nie versengt, sondern immer nur geleuchtet und erwärmt hat. Schon in dem jlingen Manne weckte der Aufenthalt im Süden, den feilte Kränklichkeic erheischte, ein reges Interesse für die Kunst und dieses Interesse reifte im Laufe der Zeit durch unermüdliches Selbststudium zil einem riefen und allgemein anerkannten Kunstverstünduiß heran, welches die Lichtstrahlen eines edlen Genusses in sein nüchternes Berufsleben einwob. Doch ich thne Unrecht, fein Berufsleben nüchtern zu nennen, gab es ihm doch Gelegenheit, seine tüchtige Fachkenutniß, seine reichen kaufmännischen Erfahrungen, wie seine edlen Charaktereigenschaften zu bewähren und jene allseilige Hochachtung und Anerkennung zu erlangen, die in feiner Berufung zu Vertrauens- und Ehrenämtern ihren Ausdruck fanden. Da, wo so manche Versuchungen lauern, bewies er seine Unbestechlichkeit und Uneigennützigkeit: immer war er bereit, Anderen zu dienen, ihr Fortkommen zu befördern, ihre Noth zu lindern, ihre Lebenslage zu erleichtern, und er dachte au sich selbst zuletzt. Deshalb wurde auch seine Meinung mit Aufmerksamkeit gehört, und er gab ihr auch da ttnerschrocken Ausdruck, wo sie nicht gerne gehört wurde, aber gehört zu werden verdiente, nämlich da, wo es sich darum handelte, das Licht der jüdischen Ueberzeugnug leuchten zu lassen, welches Manche zuweilen ans Oppvrtunitätsttnd anderen Rücksichten hcrabschrauben oder gar auslöschen. Aber der volle, warme Sonnenschein seines von Hingebung und Liebe ausgefüllten Herzens kam erst in seinem Familienkreise zur Geltung. Obwohl er unverheiratet nur, so kann man doch behaupten, daß nie ein Gatte liebevoller,